Montag, 28. Mai 2012

Der Lech an einem Tag

Klemens, Anita und ich trafen uns am Morgen gegen 7:30 Uhr am Bootshaus. Rene hatte da schon mitgeteilt, dass er mit Jens von zuhause aus starten wolle. Wir beluden also das Auto und fuhren gleich los. Die Fahrt an den Lech dauert etwa dreieinhalb Stunden und es ist wirklich nicht guten Gewissens zu rechtfertigen da mal Morgens so eben zum Paddeln hin- und am Abend zurück zu fahren. Wir rechtfertigen das deshalb nicht und haben erneut ein schlechtes Gewissen.


Wir kamen zügig voran obwohl ich mich erst in Metzingen und später bei Ulm verfuhr. Als Klemens das Steuer übernahm ging es zielstrebiger voran. Noch auf dem Pass über die Tannheimer Berge trafen wir Rene und Jens und mussten - gegen 11:30 Uhr am Campingplatz "Rudi" in Häselgehr angekommen - nicht lange auf Michl und Anke warten. Fast gleichzeitig traf auch Roland ein. Wir knabberten eine Kleinigkeit, ein Zelt wurde aufgebaut, Boote umgeschichtet und wir zogen uns um.

Mit zwei Autos fuhren wir hinauf zur Einsatzstelle in Steeg. Die Sonne schien und wir nahmen schon auf der Fahrt wahr, dass bei diesem hohen Pegel viele Flusshindernisse unter Wellenbergen begraben waren. Dort, wo doch Flusshindernisse auftauchten bildeten sich tiefe Löcher dahinter. An der Einsatzstelle selbst war in eine der beiden Eingangswellen ein Baum gespült worden. Michel und ich versuchten ihn heraus zu ziehen. Als uns das nicht gelang nahmen wir meine Säge und kappten den Baum.


Mir war ganz zu Anfang der Fahrt - quasi "kalt" - nicht nach Experimenten zumute und so verkniff ich mir das Spielen in der Welle aber Michel tobte sich erst mal gründlich aus. Rene und Jens hatten inzwischen ihre "Gummikuh" aufgepumpt und wir fuhren los. Die Anfangspassage dieses Lechabschnitts ist etwas anspruchsvoller und wir paddelten angesichts des Wasserdrucks erst einmal eher defensiv. So kamen wir unbeschadet in ruhigere Bereiche.


Die Wellen waren hoch und es entwickelte sich ein wilder Ritt. Mir gelang es nicht immer sie so anzufahren, dass das Wasser vom Boot abgewiesen wird. Statt dessen kam mancher Schwall über den Bug oder auch über den Süllrand. Fast habe ich den Eindruck, dass ich mir beim Paddeln hin und wieder eine Handvoll Wasser über den Bootsrand ins Boot schaufele. Jedenfalls musste ich nicht selten an den Rand um das Boot auszuleeren. Aber mir ging es nicht alleine so.


Wir kamen an einem großen Schneefeld vorbei, das sich bis zum Fluss erstreckte und erreichten bald den Steingarten, an dem einige große Blöcke im Wasser liegen und bei regulärem Pegel zum Spielen und Experimentieren einladen. Heute waren die meisten überspült.
Die die, die aus dem Wasser ragten, hatte so giftige Kehrwasser oder Löcher unterhalb, das wir lieber einen Bogen um sie machten. Der Schwall unter der Brücke in Stockach war einigermaßen glatt. Mir geriet dennoch viel Wassser ins Boot und ich musste wieder ausleeren.

Nach einiger Zeit kam eine Schwelle, die im linken Flussdrittel quer zur Stömung einen häßlichen Rücklauf verursacht. Ich geriet natürlich hinein, drohte offside zu kentern, konnte nicht vernünftig onside hebeln weil ich mich damit tiefer in den Rücklauf manövriert hätte und zog mich deshalb etwas wackelig mit einer hohen Stütze aus dem Gefahrenbereich. Dabei habe ich keine gute Figur gemacht.


Das Wetter hatte sich mittlerweile ein bißchen verschlechtert und eine Zeitlang sah es auch so aus, als ob mit einem Gewitter zu rechnen sei aber die dunklen Wolken zogen über die Berge ins Nachbartal. Wir legten eine Vesperpause ein und paddelten danach zügig weiter. Am Flussrand bildeten sich an Bunen und Felshindernissen immer wieder Kehrwasser, die eifrig angefahren wurden.
Dabei wollte es mir partout nicht gelingen die "knackigeren" Scherrlinien an rechts liegenden Kehrwassen zu überwinden. Immer wieder wurde ich abgewiesen und wackelte mich mehr recht als schlecht über die Verwirbelungen unterhalb. Ich muss das üben.



Die Wellenzüge waren hoch und lang und Anfänger hätten darin sicher keinen Spass gehabt. Wir hatten ihn, wurden aber auch allmählich müde, so dass wir durchaus dankbar waren als nach dreieinhalb Stunden Häselgehr in Sicht kam. Wir mieden die kniffligen Stellen, die unter und nach der Brücke im Fluss für Unterhaltung sorgen und steuerten direkt die Aussatzstelle an. In dem Kehrwasser wurde es etwas eng und wir beeilten uns die Boot an Land zu schaffen.


Auf dem Zeltplatz fiel mir ein Esslinger Auto auf, das mir bekannt vorkam. Tatsächlich hatte sich Stefan, mit dem ich schon manchen Fluss in unserer Gegend gepaddelt bin (z.B. Donau, Jagst, Enz...), hier mit Familie (zum Wandern!) niedergelassen. Nachdem ich Boot und Ausrüstung versorgt hatte plauderten wir kurz. Es war inzwischen ca. 16:30 Uhr.

Wir zogen uns im nun einsetzenden Nieselregen um. Michl und Roland verschwanden unter die Dusche. Anke fuhr Rene und mich zu unseren Autos. Und die anderen warteten auf unsere Rückkehr im langsam abflauenden Nieselregen.


Als wir zurückkamen wurden die Boote verladen und kurz diskutiert, ob wir noch gemeinsam etwas essen gehen sollten. Aber wir hatten ja noch eine lange Fahrt vor uns und entschieden uns für die zügige Heimfahrt. Wir verabschiedeten uns und sausten mit hoch beladenem Auto zurück durch die schöne. Alpenwelt ins flache bayerische Voralpenland. Dann ging es - nach einem kurzen Essensstopp auf der Autobahn - zurück über die schwäbische Alp nach Tübingen wo wir gegen 21:30 Uhr ankamen.

Ich habe mal wieder viel zu viele Bilder gemacht, die ich - nur grob ausgelesen -  in einem Webalbum abgelegt habe.

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