Montag, 7. Januar 2013

Reparatur des Phantom

Inzwischen ist die Reparatur des kleinen gelben Wildwasserboots (Dagger Phantom) so weit fortgeschritten, dass ich mich parallel zum ihrem Abschluss schon über den ruinierten Süllrand von René's Prelude her gemacht habe. Gerade habe ich also zwei Wildwasserboote zuhause und die Wohnung "duftet" immer mal wieder nach Epoxydharz. Ich mag diesen Geruch nicht ganz so sehr wie den vom Styrol im Polyester.

Bevor ich mich über die Reparatur her gemacht habe habe ich mich im Netz ein wenig kundig gemacht.
Es gibt allerlei Anleitungen zu Royalex-Reparaturen. So gibt es eine von Mohawk-Canoes, eine von einem Hersteller von Harzen und Geweben und ein PDF-Dokument, das ich ebenfalls recht aufschlussreich fand.

Der Phantom, den ich etwas notdürftig repariert hatte, war am zweiten Weihnachtsfeiertag auf der Eyach erneut kaputt gegangen. Die Schäden an dem Boot entstanden in erster Linie dadurch, dass die Vorbesitzer beim Einkleben der Kniepolster den falschen Kleber verwendet haben bzw. diesen nicht vernünftig abgelüftet haben. Die Lösungsmittel sind in die Royalexschicht eingedrungen und haben sie aufgeweicht. Dadurch ist eine Beule im Übergang von Bootsboden zu Bootswand ("Chines")  entstanden.

In zweiter Linie ist natürlich mein rauer Umgang mit dem Boot ursächlich. Ich bin immer wieder an Felsen oder den Flussgrund angerempelt und die Dauerbelastung macht die Chines eben auch weich. Sie werden bei jedem Rempler durchgeknetet. Für Wildwasserboote aus Royalex ist dieser Alterungsprozess unausweichlich (es sei denn sie werden nur in tiefem Wasser oder von hochkompetenten Wildwasserexperten bewegt. Diesen Status kann ich wohl für mich nicht in Anspruch nehmen).


Hier nun die einzelnen Schritte:


In einem ersten Schritt habe ich alle "weichen" Bereiche des Boots mit Edding gekennzeichnet und dann gründlich und rücksichtslos rau angeschliffen. Das ist schmerzhaft, brutal und gleichzeitig auch irgendwie befreiend.

Dann habe ich mein Arsenal chemischer Hilfmittelchen sortiert. Es handelt sich um Epoxydharz, das mit Härter im Verhältnis 10:4 versetzt wird, einen "Flexibilisator" (Weichmacher), von dem bis zu 10 % hinzugefügt wird, und ein sündhaft teures Döschen Haftvermittler.

Der Haftvermittler sorgt dafür, dass das Harz auf Kunststoff kleben bleibt. Nicht selten löst sich Harz von Kunsstoffoberflächen ab weil es zu keiner Verbindung kommt.


Die Beule, die immer wieder dazu beigetragen hat, dass das Boot an Felsen hängen blieb, wenn ich an ihnen entlang schrabbelte, habe ich zunächst mit einem Stück geschlossenporigen PE-Schaum überklebt. Ich habe Riemen und Keile zu Hilfe genommen, damit der Schaum auch wirklich bündig auf dem Kunsstoff sitzt.

Als das Harz ausgehärtet war habe ich die Riemen und Keile abgenommen und die erhabenen Reste des Schaums zunächst weggesägt und dann geschliffen. Hundertprozentig plan sind die Chines dadurch nicht geworden aber die Beule ist weg.

Dann habe ich das Kohle-/Aramidgewebe über die gesamte Länge von einem Meter in mehreren Lagen auf die Chines aufgetragen. Mit jeder Lage kam eine neue Harzschicht dazu, die ich dünn ausgestrichen habe. Am Ende sah das nicht schön aber glatter und fester als vorher aus.

Damit auch die Ränder glatt wurden habe ich die hoch stehenden Gewebefasern mit einer Messingrolle platt gerollt als das Harz in einen lederartig weichen Zustand über gegangen war. Damit habe ich den Schleifaufwand erheblich reduziert. Das habe ich schon deshalb gemacht weil die Aramidfasern sich sehr schlecht schleifen lassen. Sie fasern aus und das Schleifergebniss ist oftmals unbefriedigender als der Ausgangszustand.


Über das Gewebe habe ich mehrere Schichten Harz aufgetragen bis die Gewebestruktur nicht mehr spürbar war. Damit soll verhindert werden, dass raue Steine sich in dem Gewebe verhaken. Jetzt sah das schon viel besser aus aber ums Aussehen geht es dabei ja weniger und ich hatte eine weitere Funktion im Sinn, die der Ästhetik nicht unbedingt zuträglich ist.


Als "Abriebschicht" habe ich in zwei Schritten je 30 Gramm Harzgemisch mit  Graphit versetzt. Diese Kristalle sollen dazu beitragen, dass das Boot bei Steinkontakt mit der Harz-/Gewebeschicht ähnlich gut abgleitet, wie es das mit dem ABS-Rumpf tut.

Bei meiner ersten Graphitbeimischung war ich noch etwas zauderlich und erzeugte erneut eine glänzend schwarze Oberfläche. Auf die habe ich - solange das Harz noch nicht völlig ausgehärtet war - eine weitere Schicht mit wesentlich mehr Graphit aufgetragen.


Jetzt hat das Boote eine Flanke, die sich wie Bleistiftminen anfühlt (und ähnliche Spuren hinterlässt). Ich werde in der kommenden Wochen noch eine Deckschicht (ähnlich der ersten Graphitschicht) auftragen damit man nicht immer schwarze Hände bekommt wenn man das Boot anfasst. Ich verspreche mir von diesen zusätzlichen insgesamt ca. 100 Gramm Harz/Graphit, dass das Boot künftig besser abgleitet und weniger schnell wieder Schaden nimmt.

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