Freitag, 29. Mai 2015

Kanutourismus Naab/Regen/Donau


In fünfstündiger Fahrt erreichten wir den von Andrea ausge-suchten zentral gelegenen und gut ausgestatteten aber - für meinen Geschmack - leicht überteuerten Campingplatz an der Naab und richteten uns häuslich ein. Auch Røskva fand sich in ihr Schicksal.


Die Naab


Allmählich trudelten alle Teilnehmer ein und bauten ihre Zelte auf. Es wurde gevespert und geplaudert. Die erste Fahrt sollte gleich noch an diesem Sonntagnachmittag stattfinden. Wir beschlossen vom Campingplatz zur Naabmündung nach Mariaort zu paddeln.


Der Fluss glich eher einem See. Seerosenfelder wurden umfahren, Angelschnüren ausgewichen und erste - nicht immer gute - Erfahrungen mit nicht gewohnten Booten gemacht. Røskva fiel es schwer sich nach der langen Autofahrt mit der Paddellei anzufreunden.

Schließlich kamen wir in Mariaort an, verluden die Boote und fuhren zurück zum Campingplatz, wo wir einen Grillabend veranstalteten und nicht mehr all zu lange vor den Zelten saßen. Alle waren müde nach der langen Fahrt und der ersten Paddelunternehmung.

Der Regen


Für den Pfingstmontag hatten wir uns eine Fahrt auf dem Regen vorgenommen. Eingesetzt haben wir die Boote unterhalb von Nittenau - unser Ziel lag knappe 20 Kilometer weiter in Ramspau. Vom Fluss aus sahen wir die bestens ausgebauter Ein- und Aussatzstellen.

Vom Auto aus waren sie nicht zu erkennen. Deshalb wählten wir ärgerlicherweise etwas beschwerliche Orte für das Ein- und Aussetzen der Boote.


Ärgerlich war auch, dass sich am  Himmel immer mehr dunkle graue Wolken zusammen zogen, aus denen es gleich nach zwei/drei Kilometern anfing zu tropfen. Der Nieselregen ging in soliden Landregen über und wir suchten Unterschlupf unter einem Baum.


Da hielten wir uns eine ganze Weile auf bis wir endlich weiter fuhren und nach wenigen Paddelschlägen das Wehr in Stefling erreichten, wo die Boote umtragen mussten. Wir wählten dann unterhalb des Wehrs den seichten rechten Kanal was zu allerhand Grundberührungen führte. Immerhin bot der Kanal auch mal sanft plätschernde Strömungsabschnitte.


Der Regen ist in diesem Bereich durchsetzt mit jeder Menge rund geschliffener Felsen um die man herumkurven und inter denen man in sanfte Kehrwasser fahren kann. Ab und an kommt es zu Grundberührungen wenn man nicht richtig aufpasst.



In Marienthal legten wir an, was durch ein Bündel Leihboote erschwert wurde. Die Ladung der Boote entsprach jedem Klischee über Leihbootpaddler. Deshalb wunderte es uns auch nicht, dass diese Leute ihre Boote so dämlich vor dem Steg fest gemacht hatten.

Wir nahmen eine ausgewachsene Mahlzeit im Biergarten zu uns. Der Himmel zog wieder zu und wir liefen noch einmal zurück zu den Boote um warme Kleidung zu holen und die Boote umzudrehen. Tatsächlich zog der Regen jedoch an uns vorbei.


Schließlich ging es weiter über den immer breiter und seenhafter werdenden Fluss, der sich auf weiter Strecke vor unserem Ziel, Ramspau, wo das nächste Wehr den Fluss blockiert, aufstaut.


Røskva hatte sich inzwischen ans Bootfahren gewöhnt und saß still und zufrieden auf der nass gewordenen Kniematte. Ruth und ich entwickelten einen Rhythmus, der die Idee nahe legt doch mal einen Halbmarathon mit zu paddeln.


Diese eintägige Fahrt auf dem Regen hat mich ermutigt doch einmal meine schon seit langem geplante Regen/Donau-Rundfahrt zu realisieren.

Am Abend gab es aufgrund der üppigen Mittagamahlzeit in Marienthal nur Vesper. Es war ziemlich kalt und windig und wir gingen früh in die Schlafsäcke. Am anderen Morgen wurde erst einmal der Zeltofen angeheizt und Kaffee zubereitet. Beim Frühstück kam schon die Sonne heraus und fast rechtzeitig konnten wir zu unserem heutigen Ziel, einer Stadtbesichtigung Regensburgs starten. Die Boote blieben an diesem Tag (fast alle) trocken.

Regensburg



Mit dem Besuch von Regensburg war Røskva nicht einverstanden weil sie während unseres Aufenthalts in der Stadt im Auto bleiben musste. Da ich weder Stadtführungen noch Museen besuchte und mich auch nicht dem Konsum hingab holte ich sie nach einiger Zeit dann doch aus dem Auto und stiefelte mit ihr durch die Altstadtgassen. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen. Selbst wenn die gesamte Altstadt unübersehbar für den Tourismus inszeniert wurde.

Am Abend bereiteten wir Tortellini auf dem Zeltofen zu. Den hatten wir bei unserer Rückkehr gleich wieder angemacht denn ein kalter Wind zog durch das Naabtal und machte den Aufenthalt vor dem Zelt etwas ungemütlich. Schon deshalb machte ich mich gleich nach dem Essen auf zu einer Erkundung des Naababschnitts oberhalb des Campingplatz. Lange saßen wir an diesem Abend auch nicht vor den Zelten.

Nochmal Naab



Vorbei an unserer gewagten Tarp-Konstruktion paddelte ich flussauf bis zum Wehr in Pielenhofen. Überrschen-derweise sind die Umtragestellen auch für Flusswanderer, die gegen die Strömung paddeln ausgeschildert. Die Fließgeschwindigkeit der Naab ist auch äußerst gering.


An den Umtragestellen stehen informative Schilder, die die ganze Region abdecken. Es ist erstaunlich wie viele Flüsse sich in dieser Gegend befahren lassen und wie gut der Kanutourismus ausgebaut ist. Die Region profitiert davon, dass Paddlerinnen und Paddler in großer Zahl unterwegs sind.


Aber auch die Anwohnerinnen und Anwohner nutzen den Fluss. Es wird geangelt, Boote liegen a, Ufer und Badestellen wurden eingerichtet, die im Sommer sicher genutzt werden.

Die Donau



Am Mittwoch wollten sie den Donaudurchbruch bei Kelheim bewältigen. Das gelang uns auch. Wenn auch auf andere Weise als geplant. Wir waren schon an der Einsatzstelle in Eining und hatten Boote und Ausrüstung abgeladen und uns auch schon umgezogen.

Die starke Strömung und Wind brachten uns am Ufer doch ins Grübeln. Der Wind nahm so eine Stärke an, dass mir klar wurde, dass Ruth und ich vollauf damit beschäftigt sein würden unseren windanfälligen großen Canadier auf Kurs zu halten. Wenn dann irgendjemandem etwas passieren sollte, wären wir nicht in der Lage gewesen zu helfen. Wir entschieden uns für eine Alternative.


Wir beschlossen von Kelheim aus - alle in einem Boot - den Durchbruch stromauf zu befahren. Das gelang uns auch außerordentlich gut. Das informative zweisprachige Unterhaltungs-programm auf diesem Boot verkürzte uns die 40 minütige Fahrt.


Die Strömungsbedingungen im Durchbruch selbst erwiesen sich mit dem Blick vom Schiffsdeck aus als durchaus zu bewältigen. Die Wellen, die unser Schiff verursachte, waren das weniger. Es ist durchaus ratsam der Begegnung mit einem Passagierdampfer in der engen Stele aus dem Weg zu gehen.  Platz zum ausweichen ist allerdings auch nicht viel.


Beim Kloster lagen die Boote unserer Zeltnachbarn auf der Kiesbank. Sie waren ab Vohburg gepaddelt und klagten sehr über den "ekligen" Wind, dem sie unterwegs ausgesetzt waren. Wir nahmen im Kloster kulinarische Köstlichkeiten zu uns (Cappuccino mit Pommes)...

...und begaben uns auf eine kleine Höhenwanderung um den Donaudurchbruch noch einmal von ganz oben zu betrachten. Mit etwas pfadfinderischem Geschick gelang es uns auch einen passenden (wenn auch windigen) Aussichtspunkt ausfindig zu machen.

Das vorletzte Schiff um 16:00 Uhr erreichten wir mit Müh und Not und genossen die 20 minütige Rückfahrt nach Kehlheim. Im Durchbruch kämpfte sich ein einsamer Kanufahrer gegen die Strömung aufwärts. Das dicke Schiff machte durch hupen auf sich aufmerksam.

Der Paddler sah zu, dass er in ein ruhiges Kehrwasser kam, in dem er vielleicht anschließend von der Bugwelle des Schiffes noch ein wenig durchgeschaukelt wurde. Bergab fahrende Schiffe haben wenig Schub und verursachen weniger Wellen.


Am Abend warfen wir noch einmal allerhand mitgeführte Lebensmittel zusammen und kochten uns einen leckeren Chillitopf mit Reis. Dann machten wir ein Feuer in meiner Moskosel-Feuerkiste an und saßen noch länger draußen. Das Zelt bot etwas Windschutz.

Am anderen Morgen wurde nach dem Frühstück gepackt. Wir verstauten unsere Zeltutensilien und die Zurückbleibenden rüsteten sich zu einer weiteren Flussexkursion. Diesmal ging es auf die Vils, von deren Mündung in die Naab aus der Zeltplatz nicht all zu weit entfernt liegt. Ich brachte die Paddelfreunde noch nach Emhof, wo wir uns verabschiedeten und dann machten wir uns auf die lange Rückfahrt.


Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan von Wanderfahrten aber diese knappe Woche in der Oberpfalz hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Region bietet außerordentlich viele und gute Paddelmöglichkeiten und Kanutouristen werden - anders als in anderen Regionen - willkommen geheißen. Ein recht umfangreicher Tourismuszweig ist auf sie ausgerichtet. Ich könnte mir gut vorstellen zu einem späteren Zeitpunkt wieder dort Urlaub zu machen, würde dann aber lieber einige Tage länger bleiben weil die Fahrt doch überraschend lang und strapaziös war. Ich hoffe das hat nicht viel mit dem Anhänger zu tun, der mich zwang vorschriftsmäßig mit den LKWs mit zu schwimmen. Der Anhänger selbst hat sich bei dieser Fahrt doch sehr bewährt. Sowohl zum Transport der umfangreichen Zeltausrüstung als auch für die Beförderung der Boote bei unseren Paddelausflügen.

Ach ja, hier sind alle Bilder, die ich in den Tagen gemacht habe.

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