Freitag, 26. April 2019

Bootswirrungen


Ich mußte das Boot ja nach meinem Osterurlaub wieder zurück ins Bootshaus bringen und nutzte eine vermeintliche Regenpause am frühen Nachmittag. Natürlich hab ich es nicht einfach ins Regal geschoben sondern bin noch eine kleine Neckarinselrunde gepaddelt während der es dann doch wieder abgefangen hat zu nieseln.


Zurück am Stocherkahnanleger schob ich das Boot zunächst über die Rollenbahn nach oben und trug es dann zurück zum Bootshaus, wo es neuerdings in dem Regalfach liegt, in dem bisher immer der Independence lag. Der ist irgendwie in Ungnade gefallen.

Dass das nicht gerechtfertigt ist hat mich die Altmühlfahrt von vorgestern gelehrt. Das Boot hat sehr wohl seine Berechtigung und um das zu bestätigen habe ich es jetzt mal wieder rausgeholt um es in seinen angestammten Regalplatz zu verfrachten.

Auch das ließ sich nicht ohne kleine Probefahrt bewerkstelligen, die jedoch durch einsetzenden stärkeren Regen stark abgekürzt wurde. Es ist richtig ungewohnt in dem breiten geringfügig schwereren aber leichter zu beschleunigenden Boot zu paddeln. Sobald man aufhört mit Paddeln reißt das Boot nach links oder rechts aus. Der Sojourn läuft dann noch ziemlich stur geradeaus.


Ich werde in 14 Tagen zu einer Tagung nach Berlin fahren und einige Tage vorher starten um noch ein wenig die Mecklenburger Seenplatte zu erkunden. Vielleicht nehme ich ja den Independence mit.

Altmühl bergauf


Meine letzte Tour in diesem Osterurlaub fand auf der Altmühl statt. Ich hatte mir treffsicher (aber ohne das zu beabsichtigen) den Abschnitt ausgesucht, den wir im Herbst 2013 schon einmal abwärts gepaddelt sind.

Damals war ich mit Eckhardt unterwegs. Heute startete ich alleine am Nachmittag nachdem ich morgens noch mehrfach die Klettersteige in Konstein begangen hatte. Ausgangspunkt meiner Fahrt war die Ein- und Ausstiegsstelle Wasserzell, die nicht zum Übernachten einlädt.


Mit für mich selbst überraschender Ausdauer arbeitete ich mich knapp anderthalb Stunden bergauf bis ich irgendwann die Alte Brücke nach Schernfeld erreichte, an der ich eine längere Pause machte und einen Übernachtungsplatz auskundschaftete.


Dann kehrte ich um und fuhr in einer knappen Stunde mit wesentlich weniger Druck wieder zurück zum Auto. In der Zeit begegnete ich gerade mal drei Booten. Die Paddelsaison auf der Altmühl hat offenbar noch nicht recht begonnen.

Meine Übernachtung im Wald war wesentlich weniger komfortabel als erwartet. Die Landwirte nutzen den Wald als Komposthaufen. Entsprechend viel unangenehmes Ungeziefer schwirrt hier herum. Zudem wurde es wieder richtig kalt. Ich zog in der Nacht meine Daunenjacke an.


Seit langem erwäge ich die Altmühl mal in die "falsche Richtung" zu paddeln. Sie gilt als Bayerns langsamster Fluss und hat tatsächlich keine wirklich unüberwindbare Strömung. Es gibt jedoch Stellen, an denen sie so seicht ist, dass die Benutzung einer Polingstange erforderlich wäre.

Im Sojourn kann ich nicht sicher stehen (der Rundboden macht das Boot sehr kippelig). Wenn ich dieses Vorhaben realisiere werde ich am Bootslagerplatz in Hagenacker starten. Dort kann man guten Gewissens übernachten und wird von Morgensonne geweckt. Gegebenenfalls mache ich es dann ähnlich wie dieses Mal - ich paddele und stake bergauf bis ich keine Lust mehr habe und paddele anschließend zurück zum Auto und versetze das an den Gipfelpunkt meiner Tagesfahrt um von dort aus am anderen Morgen wieder zu starten.

Kloster Weltenburg

2015 haben wir schon einmal versucht das Kloster weltenburg mit Kanus zu erreichen, sind aber aufgrund der hohen Strömung der Donau davor zurück geschreckt. Dabei wären wir von oberhalb angefahren und unten in Kelheim wieder ausgestiegen.


Diesmal startete ich von Kelheim aus und arbeitete mich - gleichzeitig mit zwei See/Tourenkajakpaddlern gegen die Strömung voran. Die Kajaker verfolgten eine andere Strategie als ich. Sie blieben linksufrig. Ich wechselte in die Innenkurve des Flusses.


Beide Strategien waren ähnlich erfolgreich. Wir mussten beide eine etwas ausgedehntere Pause machen als wir mit dem ersten Fahrgastschiff des Tages (es startet um 9:30 Uhr in Kelheim) genau an der Engstelle des Donaudurchbruchs konfrontiert wurden.

Früher arbeiteten die Mönche (oder ihre weltlichen Handlager) sich mithilfe von Seilen und Stangen entlang der in den Fels geschlagenen Eisenringe den Fluss hinauf. Heute erledigen das Motoren oder eben Muskelkraft. Die Strömung ist selbst bei Normalpegel stark.

Im Kloster war nach Eintreffen des ersten Fahrgastschiffs schon allerhand los. Eigentlich ist dieser Besinnungsort ja inzwischen ein einziger großer Biergarten geworden. Viele Bänke waren schon besetzt. Es wurden allerhand Sprachen dieser Welt gesprochen.


Ich verließ die heilige Stätte ohne Konsumgroßtaten und arbeitete mich wieder flussab. Die Rückfahrt war zwar nicht anstrengender als die Fahrt flussauf, aber sie war unangenehmer. Mir blies ein entsetzlich kräftiger Wind entgegen. Es war schwierig das Boot auf Kurs zu halten.


Höllensteinsee rerevisited

Eigentlich wollte ich die Regen-Stauseen nicht noch ein weiteres Mal paddeln, aber Michl und Amelie waren meinem Rat gefolgt, mit ihren Seekajaks die beiden Seen zu paddeln und ich beschloss ihnen entgegen zu paddeln. Ich parkte am unteren Wehr in Viechtach...

...und paddelte zügig hinab vorbei am Höllenstein-Campingplatz über den See bis zur Staumauer, wo ich eine ganze Zeit auf meine beiden Paddelbuddies wartete während diese wahrscheinlich im Biergarten oberhalb Kaffee und Kuchen zu sich nahmen.

Ich brach nach geraumer Zeit wieder auf (wir trafen uns dann abends und aßen zusammen in Schnitzmühle) paddelte zurück zu meinem etwas ausgesetzten Parkplatz am Viechtacher Wehr...


...watete über die Wehkrone zu einem havarierten GFK-Kajak und sah Kletterern an einem weiteren Kletterfelsen zu. Viele dieser Felsen sind mit Bohrhaken versehen. Ich verbrachte noch einige Zeit an diesem sonnigen Plätzchen und fuhr dann wieder zum Sportplatz-Parkplatz.

Von da aus paddelte ich am Abend noch einmal nach Schnitzmühle um mich noch ein wenig ans WiFi zu hängen, traf mich dann abends mit Michl und Amelie und übernachtete erneut auf dem Parkplatz. Die Dorfjugend war wieder da, brach aber alsbald zur Disko auf.

Höllensteinsee revisited

Ich hatte die Nacht im Wald ganz in der Nähe des Höllensteinkraftwerks verbracht und setzte noch am Morgen das Boot über das Gelände der bayerischen Wasserwacht ein. Der See war um diese Zeit noch spiegelglatt und es war völlig windstill.


Ich paddelte hinauf bis zum unteren Wehr in Viechtach (vorbei am Höllenstein-Campingplatz) und übertrug das Wehr etwas umständlich (weil die Umtragestellen immer nur von oben her gekennzeichnet sind).


Dann übertrug ich noch das zweite Wehr in der Stadt, das unterhalb des örtlichen Sportplatzes liegt, der sich auf einer Flussinsel befindet und über eine Furt mit dem Auto erreichbar ist. Oberhalb befindet sich ein großer Parkplatz, auf dem Wohnmobile standen.

Ich paddelte bis hinauf zum Campingplatz Schnitzmühle, wo ich im Thailändisch-/bayerischen Restaurant einen Schweizer Wurstsalat zu mir nahm (er entpuppte sich als bayerische Rache am Schweizer Wurstsalat und ich kann ihn nicht weiter empfehlen). Dann gings zurück.

Das obere Wehr umtrug ich am rechten Flussarm, was etwas mühsam war, weil sich unterhalb keine vernünftige Einsatzstelle befindet. Regelgerecht wäre eine Umtragung unterhalb des Sportplatzparkplatzes im linken Flussarm gewesen.


Auf der Rückfahrt über den Höllensteinsee sah ich ein Weilchen neidvoll den Kletterern zu, die diesen schönen Kletterspot offenbar zu Fuß erreicht hatten. Anschließend brach ich zum Sportplatzparkplatz auf, auf dem ich übernachtete.

Der Abend auf dem Platz war ein wenig lebhaft. Die örtliche Jugend trifft sich dort zum "Vorglühen" vor dem abendlichen Discobesuch und hinterlässt allerhand Müll, der hoffentlich nicht den Wohnmobilübernachtern angelastet wird, von denen sich dort einige befanden.

Gumpenrieder Schwall

Nach einer Nacht auf dem Campingplatz in Schnitzmühle (Viechtach), der erheblich besser ausgestattet ist al der am Höllensteinsee und obendrein billiger, bin ich nach Gumpenried aufgebrochen und habe einen Spaziergang zum Gumpenrieder Schwall unternommen.


Ich habe mir den Schwall angesehen und festgestellt, dass er durchaus im Tourenboot zu bewältigen ist. Mir war nur nicht recht klar, ob der aktuelle Pegel eine Befahrung erlaubt.


Darüber klärten mich drei Kajakpaddler auf, die irgendwann auf dem Parkplatz bei der Staumauer erschienen und ihre Boote abluden. Ich tat das Gleiche und setzte kurz nach ihnen ein. Ein wenig hoffte ich ja, dass sie etwas auf mich achten würden.

Die Herren paddelten jedoch stur geradeaus. dümpelten den Schwall hinunter ohne auch nur in ein Kehrwasser ein zu schwenken und würdigten mich keines Blickes. Ich blieb also auf mich allein gestellt und ging die Sache vorsichtig an.


Ich hatte vorsorglich meinen alten Wildwasserhelm angezogen. Die Weste trug ich sowieso stets. An einer Stelle musste ich an einem größeren flach überspülten Stein entlang gleiten. Er brachte mein langes Boot aber nicht aus der Bahn und ich konnte in relativ ruhigem Wasser abfahren.

So nahm das boot auch kaum Wasser über. Am Ende des Schwalls waren gerade einmal einige Spritzer ins Boot gekommen, so dass nicht einmal ein halber Liter auszuleeren war. Ich ging in Tourenmodus über, überholte die muffigen Kajaker und legte dann irgendwann für eine kleine Vesperpause am Ufer an.


Gleichzeitig mit den drei Kajakern kam ich in Schnitzmühle an. Zwei von ihnen brachen auf um ihr Auto zurück zu holen. Sie kamen nichtmal auf die Idee mich mitzunehmen. Ich hatte meine Wanderschuhe mitgenommen und erwog zurück nach Gumpenried zu laufen.

Vorsichtshalber checkte ich jedoch noch die Fahrtzeiten der Waldbahn. Da sie nach fünf Minuten fuhr nahm ich ein 2,80 €-Ticket und fuhr in Windeseile zurück nach Gumpenried. Unterwegs konnte ich den Flusslauf beobachten und Bilder aus dem Zugfenster machen.

Ungefähr gleichzeitig mit den Kajakern am ich wieder am Zeltplatz an, verlud mein Boot und machte mich davon. Diese erneute (2008, zwei Mal 2010) Befahrung des Gumpenrieder Schwalls war ein schönes bestätigendes Erlebnis. Den drei mürrischen Kajakpaddlern habe ich es zu verdanken, dass ich sie angegangen bin. Das gleicht ihre mangelnde Fürsorge für diesen aufdringlichen Tourenstechpaddler aus.