Sonntag, 4. November 2012

Sägewerk

Die Pegelprognose war prächtig und die Wetterprognose miserabel. Deshalb und dennoch wollten wir paddeln gehen. Letztlich stiegen die Pegel doch nicht so hoch wie erwartet aber das Wetter entwickelte sich unerwartet gut.

Danach sah es jedoch ganz und gar nicht aus als wir uns um Neun am Bootshaus trafen und berieten, ob wir überhaupt paddeln gehn wollten und wenn ja, wo . Wir entschieden uns für die Eyach, auf der ich zuletzt im Mai 2010 gepaddelt bin. Sie hat selten genug Wasser und heute war einer dieser spärlichen Tage.

Wir beluden noch im Regen die Autos (René borgte mir seinen Prelude weil mein Phantom immer noch kaputt ist und der neue alte Vereins-Quake fürs Hallenbadtraining frisch geputzt ist). Dann fuhren wir bei allmählich besser werdendem Wetter nach Balingen, wo wir - inzwischen bei trockenem Wetter - abluden, die Autos versetzten und schließlich bei aufklarendem Himmel und ersten Sonnenstrahlen los paddelten.


Ich musste mich erst an den kippeligen Prelude gewöhnen. Das Boot hat einen Rundboden und schwankt ziemlich unkontrolliert hin- und her. Diese Unsicherheit hängt natürlich mit meinem etwas trägen Gleichgewichtssinn zusammen. Dem Boot darf man da keine Vorwürfe machen.

In den ersten kleinen Schwällen und Stüfchen noch in der Stadt gewöhnten wir uns an das bewegte Wasser, das ziemlich trüb über die daruter verborgenenen Felsen floss. Hin und wieder kam es zu Grundberührungen aber die machen einem PE-Boot ja nicht besonders viel aus.


Schließlich kamen wir da, wo die Eyach unter der B 27 hindurch fließt, an das Wehr mit der Fischtreppe, das ich erst einmal mehr schlecht als recht bewältigt habe. Wir besichtigten es eingehend und sicherten es ab bevor Michel als erster darauf hinunter sauste. Anschließend war Klemens dran.



Dann trug Michel sein Boot erneut hinauf und ich begleitete ihn. Mit dem kippeligen Prelude wackelte ich mich, Michel nachfolgend, hinunter, kam unterwegs gerade noch in das Kehrwasser, das ich kriegen wollte, kam schließlich heile unten an und kenterte im ruhigen Unterwasser an einem dicht unter der Wasseroberfläche lauernden Stein.


Jetzt war ich also erstmal nass und das war - da die Luft mild war und die Sonne schien - fast schon gut. Eine harmlose Schwimmeinlage reduziert die Hemmungen Neues auszuprobieren und sich auch mal dem Risiko weiterer Schwimmer auszusetzen.

Auf eine weitere Befahrung der Fischtreppe (Michel fuhr sie dreimal!) verzichteten wir sondern wandten uns dem weiteren Flussverlauf zu.


Die Eyach wird hinter Balingen immer steiler und ist da, wo sie sich durch ein Waldtal schlängelt, ein richtig ernst zu nehmender Wildbach im WW II+ Bereich. Das Waldtal beinhaltet immer wieder das Risiko auf ins Wasser gestürzte Bäume zu treffen.


Derlei Begegnungen hatten wir einige und sägten - in der Hoffnung, dass dies nicht unsere letzte Befahrung der Eyach in diesem Herbst/Winter sein sollte - so viele Äste und Bäume weg, wie das mit meiner kleinen Klappsäge eben zu bewerkstelligen war.


Diesen Baum bekamen wir letztlich nicht gänzlich durch. Aber der Schnittt geht so tief, dass das nächste Hochwasser gute Chancen hat unsere Arbeit erfolgreich abzuschließen.

Im letzten Drittel der Strecke zwischen Balingen und Owingen befindet sich ein unfahrbares Wehr, das wir umtrugen. Dann ging es weiter auf dem allmählich ruhiger werdenden Fluss. Eine Stelle, die "schräge Rippen" im Flussbett beinhaltet muss noch bewältigt werden.


Eine weitere Stufe konnten wir aufgrund tief hängender Äste nur langsam und ungünstig anfahren, so dass in die offenen Boote allerhand Wasser hinein schwappte, das wir darunter im Kehrwasser wieder ausleerten (René drückte nur aus Köpfchen seiner Elektropumpe, was ihm als unsportliche Geste ausgelegt wurde). Michel, der als einziger Kajakpaddler mit uns drei Canadierfahrern unterwegs war, hat an dieser Stelle noch die geringsten Schwierigkeiten.


Schließlich kamen wir kurz vor 14:00 Uhr in Owingen beim Friedhof an, zogen uns um, luden alle Boote auf Klemens Auto und machten uns auf den Heimweg.

Der Eyach-Ausflug war unerwartet schön. Hoffentlich werden wir noch in diesem Herbst/Winter von unseren Sägearbeiten profitieren. Der Pegel war ideal, das Wetter blendend und mit Renés Prelude kam ich erfreulich gut zurecht. Sein Rundboden ist mir fortwährend nicht ganz geheuer. Er bildet gewissermaßen den Gegenentwurf zum Quake, den ich zuletzt gepaddelt bin.

Ich habe meine und ein paar von Klemens' Bildern in einem Webalbum abgelegt.

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