Sonntag, 13. August 2023

Inselrunden


Ich dokumentiere ja schon länger nicht mehr all die Neckarinsel-runden, die ich häufig frühmorgens unternehme. Auf ihnen passiert in der Regel nichts. Ich genieße sie gerade deswegen. Und ich mache doch immer wieder Bilder, die ich hier mal gesammelt einfügen will damit ich sie später mal wieder finde und mich dieser ereignis-losen Fahrten erinnern kann.

Ganz so ereignislos war die gestrige Morgenrunde ausnahmsweise doch nicht. Als ich das Boot im Dunkeln hinunter zum Anleger trug sah ich dass da jemand saß und ins Handy starrte. Eine zweite Person stand im Dunkeln am Anleger. Folgender Dialog entspann sich: "Morgen!" meinerseits. Keine Reaktion. Ich setzte das Boot ins Wasser und paddelte los. "He, jetzt fährst Du über unsere Angelleinen!" Ich: "Oh sorry, konnte ja nicht wissen, dass Ihr da angelt...". "Und man kann auch Guten Morgen sagen!" Ich: "Ja das kann man machen, wenn man da im Dunkeln sitzt und jemand mit geschultertem Boot die Treppe runter kommt." "Halt die Fresse!" Ich: "Guten Morgen!"

Üblicherweise paddele ich hinunter zum Stocherkahn-anleger in der Hermann-Kurz-Straße, befestige das Boot da an den Stocherkähnen (oder hebe es auf einen der Kähne) und setze mich auf die Bank oben auf der Böschung. Dann schaue ich zu, wie die Sonne aufgeht und die Stadt allmählich erwacht. Erste Autos fahren am anderen Ufer.
Beim Zurückpaddeln unterhalb der Neckarinsel höre ich letzte Nachtschwärmer unter Alkoholeinfluss oder dem anderer Substanzen herumkrakelen und bedauere die Anwohner:innen. Oft dümpelt heraus gerissener Blumenschmuck der Neckarbrücke im Wasser.


Standardmotiv fast aller Neckarinselrunden ist ein Foto des oberen Endes der Insel, auf dem die Eisenbahnbrücke zu erkennen ist, die sich in zwei Bögen über beide Neckararme schwingt.


Nicht selten mache ich vor der Abfahrt und danach ein Bild des Bootes am Anleger um die Veränderungen am Himmel und des Lichtes fest zu halten. Dabei ärgert mich fast, dass das Handy auch bei ganz wenig Licht alles heller macht und Details zeigt, die das Auge garnicht sieht. Aber die Unterschiede sind eindrücklich, die Bilder sind gut.

Als ich gestern Morgen zurück an den Anleger kam packten die Angler grad zusammen. Ich "hielt die Fresse" wie mir geheißen war. Sie aber auch. Zurück ließen sie Folienreste, in denen offenbar Zigarren eingewickelt waren. Und Kronkorken (aber die können da auch schon gelegen haben - so wie viel Müll, den nächtliche Besucher:innen des Anlegers häufig zurück lassen).

Samstag, 12. August 2023

Zwei Tage Plansee

Erster Tag:

Da ich noch einige Tage Urlaub hatte beschloss ich noch einen Abstecher an den Plansee zu machen. Wie immer startete ich früh, fuhr im Licht der aufgehenden Sonne nach Südosten. Der Schatten des beladenen Autos verrät, dass ich ein Boot auf dem Dach hatte. 


Noch am Morgen brach ich zu meiner ersten Fahrt über den kleinen Plansee an dessen Rand ich mir einen netten Parkplatz aussuchen konnte, auf, hinein in den Plansee selbst und dann durch den Kanal hinüber in den Heiterwanger See.


Joe, ein Brite, fotografierte mich von der neuen Brücke aus und war so nett mir das Bild gleich zu schicken. Es passiert ja eher selten, dass ich selbst mal auf diesen Bildern erscheine.

Ich umrundete den Heiterwanger See, machte am Seehotel eine Pause, in das ich aber nicht hinein wollte, der Kiosk hatte noch geschlossen, also nahm ich nichts zu mir (obwohl ich durchaus gerne einen Kaffee getrunken hätte). Dann paddelte ich zurück in den Plansee, hielt mich ein Weilchen am Südufer auf und paddelte dann direkt gegen den immer stärker werdenden Wind und die recht ansehnlichen Wellen zurück in den kleinen Plansee. Das Wetter verschlechterte sich, ich aß noch eine eher klägliche Ofenkartoffel im Campingplatzrestaurant und verließ zunächst den See um mir einen Platz für die Nacht zu suchen (der Campingplatz war ausgebucht).

Zweiter Tag:


In aller Frühe erreichte ich von meinem Nachtplatz aus den See. Pünktlich genug um ein ansehnliches Bild des von der Morgensonne angestrahlten Morgennebels aufzunehmen, der wie eine Wolke über dem See hing. Ich parkte das Auto wieder am kleinen Plansee und paddelte über den glasklaren und spiegelglatten See Richtung Osten. Die Sonne stieg in der Zeit immer höher und blendete nur anfangs. sie saugte den Nebel nach und nach auf.


Gelegentlich legte ich am Südufer einige kleine Pausen ein. Es waren ja noch wenig Touristen unterwegs, so dass es noch recht ruhig war. Allmählich wurden aber die Motorradfahrer:innen aktiv, deren Motorenlärm von der Uferstraße her nervig laut über den See schallt.


Immer noch stieg Morgennebel auf und ich paddelte überwiegend am Südufer entlang dessen Konturen sich in Grauabstufungen vor dem Licht der aufgehenden Sonne abzeichneten. Ich machte mal wieder viel zu viele Bilder, von denen ich hier nur eins wieder gebe. Eine längere Pause machte ich am Ostende des Sees bevor ich in den Ort "Am Plansee" paddelte, wo der Kiosk gerade geöffnet hatte. 
Hier bekam ich einen Milchkaffee und eine Brezel, die ich geruhsam mit Blick über die Seewiese (auf der ich das Boot abgelegt hatte) verzehrte. Dann brach ich wieder auf, überquerte den See diagonal nach Südwesten und suchte mir ein ruhiges Plätzchen am Waldrand.



Dort lungerte ich dann geraume Zeit in der Hängematte herum bis mir das zu lang wurde, ich nochmal durch den Kanal zur neuen Brücke fuhr und den Kindern beim Sprung ins Wasser zusah. Als ich genug davon hatte paddelte ich schließlich zurück zum Auto.

Ich war 15einhalb Kilometer unterwegs gewesen, hatte aber auch allerhand Pausen eingelegt. Dennoch spürte ich das jetzt im rechten Oberarm. Für heute war es genug und für dies Jahr auch genug Plansee.

Montag, 7. August 2023

Reise ins und durch das Baltikum

 
Eine ursprünglich geplante Dänemarkfahrt hatte sich zerschlagen und da ich schon lange mit einer Reise durch das Baltikum geliebäugelt hatte und Michel mir dazu geraten hatte und überdies die Preise erstaunlich moderat waren entschied ich mich für eine Fährfahrt über die Ostsee nach Lettland.
Ich hatte drei Wochen Zeit und buchte deshalb die Fähre an einem Mittwochabend. So sollte ich genug Zeit haben mich durch Deutschland zu schlängeln, den einen oder anderen weißen Fleck auf meiner persönlichen Landkarte einzufärben und Neues zu entdecken und Altes wieder zu sehen.

Ein Abstecher nach Schwerin war zunächst enttäuschend. Es wollte mir partout nicht gelingen einen vernünftigen Platz für eine Übernachtung zu finden. Natürlich hätte ich einen Campingplatz ansteuern können, aber das wollte ich eigentlich vermeiden.

Nach einer Nacht auf einem etwas fragwürdigen Wanderweg (ohne Verbotsschild - aber nicht alles was legal ist ist auch legitim) versuchte ich die Fährreservierung online vor zu verlegen. Jetzt wurde mir klar, warum mein Mittwochabendtermin so billig gewesen war. Sie rechnen damit, dass viele so handeln wie ich und berechnen enorme Aufschläge für Umbuchungen. Diese Option schied also aus.

Ich entschied mich dafür altbekannte Ziele anzusteuern und fuhr an den Schalseekanal, wo ich zuerst 2020 und später nochmal 2021 war. Ich nächtigte auf einem Wander- und Anglerparkplatz am Kanal und paddelte ihn rauf und runter (bis in den Pipersee).
Am folgenden Tag fuhr ich Richtung Lübeck und sah mir die Wakenitz an (Hier finden sich die Tourdaten). Leider wird diese Verbindung zwischen Lübeck und dem Ratzeburger See von Motorbooten befahren und ist deshalb aus meiner Sicht alles andere als Naturbelassen wie das die Infotafeln eigentlich versprechen. 
Am gleichen Tag machte ich eine Rundfahrt um die Lübecker Altstadt (Hier sind die Tourdaten). Ein kräftiger Regenschauer machte diese Fahrt aufregender als sie in Wirklichkeit ist. Jedem Menge Elektroboote umkreisen die Altstadt im Uhrzeigersinn. Aber auch SUPs sind unterwegs und Passagierschiffe mit Panoramafenstern.
Schließlich fuhr ich - nachdem ich auf dem Gelände des Lübecker Kanuklubs übernachtet hatte und frisch geduscht war - nach Travemünde, vertrieb mir die Zeit auf dem dortigen Strandrummel (die "Travemünder Tage" fanden gerade statt), aß ein überteuertes Softeis und fuhr am Abend an Bord der Stena Flavia.
Pünktlich legte die Fähre ab, irgendwann verließ der Lotse das Schiff und wir fuhren in ziemlich direkter Linie Richtung Lettland entlang der schwedischen Küste. Ich hatte einen Sessel im Ruheraum gebucht. Der Raum war nicht wirklich ruhig. Die Nacht war kurz und unruhig.

In Lettland angekommen klapperte ich die Küste ab, übernachtete zunächst auf einem Strandparkplatz, an dem das nicht verboten war, und fuhr dann ins Landesinnere um den Fluss Abava oberhalb von Renda zu paddeln. Gesonderte Berichte hierzu verkneife ich mir. Die Tourdaten sind hier dokumentiert
Einem Ratschlag aus dem Canadierforum folgend paddelte ich am nächsten Tag die Irbe, die - nachdem sie sich durch die Dünen geschlängelt hat - in die Ostsee mündet (Tourdaten). An der Mündung ist ein idyllisch gelegener halblegaler Campingplatz.


Mein Versuch diesen Campingplatz zu erreichen scheiterte. Der Weg dahin bestand aus einer ausgefahrenen Sandpiste. Wie die Letten das mit ihren Limousinen bewältigen ist mir ein Rätsel. Ich lädierte die Radläufe meines Autos und - wie sich später herausstellen sollte - die ganze Frontpartie, die infolge einer Kollision mit einer Bodenwelle auf der Sandpiste auf ganzer Breite einige Zentimeter eingedrückt wurde (optisch ist das wegen des Plastikstoßfängers nicht wahrnehmbar).


Ärgerlicherweise passierte dieses Missgeschick just an dem Tag, an dem der Wagen die 200.000-Kilometer-Marke erreicht hatte, was ich an einem kleinen Weiher bei Vaide mit Knäckebrot und Cola feierte. Ich übernachtete auf einem Waldweg und flickte den Schaden am Auto notdürftig mit Klebeband.

Der nächste Fluss, den ich ansteuerte, war die Gauja. Ich durchquerte Riga am frühen Morgen und fuhr in den Gauja Nationalpark. Zunächst wollte ich den Abschnitt oberhalb von Sigulda paddeln, fuhr dann aber weiter an die Fähre "Līgatnes pārceltuve pār Gauju". Von dort paddelte ich bis zur 600 Meter langen Felsformation "Ķūķu" (Tourendaten).
Am folgenden Tag regnete es. Ich fand einen Grillplatz am Oberlauf der Gauja und ließ mich da nieder. Am anderen Morgen - als der Regen grad mal Pause machte - brach ich zu einer Paddeltour flussauf auf. Ich bewältigte gerade mal sechs Kilometer (Tourendaten) und fuhr von da aus nach Estland.
In Estland hatte ich die Absicht die sieben Seen bei Rouge, die laut Reiseführer miteinander verbunden sind, zu paddeln. Das erwies sich aber als nicht machbar. Es sind nur einige davon verbunden und diese Verbindungen sind auch ziemlich zugewachsen. Zudem ist die Gegend sehr "touristisch". Ich nutzte diese Infrastruktur, ...
...fuhr dann aber weiter nach Tartu, wo ich vor 16 Jahren schon einmal war. Ich besichtigte die Stadt, fand schnell die Stellen, die ich damals schon spannend fand und fuhr dann noch hinaus zum Nationalmuseum Estlands, das aus meiner Sicht architektonisch eher fragwürdig ist. Da wird einem modernen Brutalismus gehuldigt, dem ich nichts abgewinnen kann.

Vor 16 Jahren schon habe ich die Gelegenheit genutzt den Vohandu in einem Verleihboot zu paddeln. Diesmal hatte ich das eigene Boot dabei und wählte einen vermeintlich seenartigen Abschnitt, der sich aber als Schilf- und Seerosenlabyrinth erwies. Immerhin fanden sich auch da die charakteristischen Prallwände (Tourendaten).

Um einen Werkstatttermin in Valga einzuhalten steuerte ich erneut den Grillplatz an der Gauja auf der Lettländischen Seite der Grenze an. Die Schadensbegutachtung war niederschmetternd und ich musste mich am Abend auf einem weiteren Gaujaabschnitt austoben (Daten).
Nach einigen weiteren Schlenkern durch Lettland erreichte ich Litauen, wo ich an einem See (Siesartis) erstmalig in diesem Urlaub auf einem Campingplatz eincheckte. Ich duschte ausgiebig und paddelte am anderen Morgen (vor der zweiten Dusche) über den See bis zum undurchdringlichen Durchstich zum nächsten See (Daten).

Ich hatte schon vor Urlaubsantritt Vorurteile vor Polen und es ist dem Land nicht gelungen sie auszuräumen. Die Masuren (jedenfalls der Teil davon, den ich zu sehen bekam) sind touristisch erschlossen und durchdrungen. Jede Stelle, an der man sich mit dem Auto etwas abseits niederlassen könnte, ist mit illegalen Müllablagerungen verschandelt und ich verlor schnell das Interesse. Ich übernachtete an einem Angelsee südlich von Łódź. 

Anschließend fuhr weiter in den Süden des Landes wo ich den Geburtsort meines Vaters besichtigte und mir die vermeintlichen Überreste des einstigen Gutshofs ansah. Diese Sentimentalität führte mich dann auf der weiteren Fahrt nach Dresden, wo ich offiziell das Urlaubsende am Festspielhaus in Hellerau zelebrierte, in dem vor über 100 Jahren von Alexander Neill die Schule gegründet wurde, die später als "Summerhill-School" für weltweite Diskussionen über Erziehungsstile und Kinderrechte führen sollte.
 

Es war ein aufregende und anstrengende Reise. Ich hatte nie vorher solche Schwierigkeiten geeignete Übernachtungsplätze zu finden. Das liegt möglicherweise an meinen übersteigerten Ansprüchen und verwurzelten Gewohnheiten, die in diesen Ländern nicht umsetzbar sind. Die baltischen Länder sind im ländlichen Raum (Städten kann ich immer weniger abgewinnen) fortwährend nicht auf Auslandstourismus eingerichtet. Informationstafeln und Hinweisschilder müssen übersetzt werden, was mittlerweile mit dem Handy erstaunlich gut gelingt. Eine gute Netzabdeckung ist dafür erforderlich, aber die gibt es ja im Baltikum. 

Vielleicht ist die Zeit der ausgedehnten Abenteuerurlaube für mich vorbei. Beim nächsten längeren Urlaub werde ich wieder für einige Tage irgendwo ein Häuschen oder eine Ferienwohnung mieten. Das "dauernd unterwegs sein" strengt schon sehr an und der Schaden am Auto, den ich gleich zu Beginn selbst verursacht hatte, drückte die Urlaubslaune im Verlauf ein wenig.

Dennoch: Das Baltikum ist eine Reise wert. Wenn es ein nächsten Mal geben sollte würde ich in beide Richtungen mit der Fähre fahren um Polen und die lange Fahrt mit dem Auto zu vermeiden. Ich war letztlich 4.500 Kilometer unterwegs und habe - außer für Treibstoff und die Fähre - keine anderen Ausgaben gehabt als ich zuhause gehabt hätte (auch weil ich mich keinen ungewöhnlichen -Konsumversuchungen ausgesetzt sah).

Die Gewässer, die ich gepaddelt bin, waren spannend, aber auch strapaziös. Nicht nur das Flussaufpaddeln ist anstrengend, sondern auch die vielen Insekten. Immer wieder hielt ich inne und erschlug Bremsen und Stechmücken. Manch eine von ihnen hat aber auch erfolgreich mein Blut aufgesaugt und wird damit zahlreiche Nachkommen heranziehen. Vielleicht ist diesbezüglich das Reisen in einer anderen Jahreszeit anzuraten. Im Hochsommer wird sogar in offiziellen Touristikprospekten vom Paddeln auf estnischen Flüssen abgeraten.