Sonntag, 31. März 2024

Ostersonntag auf der Enz


Ich war zum Essen eingeladen worden und der Ostersonntag, für den ursprünglich mal Regen angekündigt war, entpuppte sich als sonnig milder Frühlingstag. Also startete ich frühzeitig und steuerte - nach einem Blick aufs Satellitenbild - die Enzmündung bei Besigheim an. 

Es gelang mir das Auto auf einem Fahrweg zwischen Fluss, Bahnlinie und Weinbergen platzsparend abzustellen. Dann trug ich das Boot über eine frisch gerodete Brombeerböschung (Neoprenfüßlinge taugen nichts gegen Dornen) hinab zum doch recht munter fließenden Fluss.

Ich arbeitete mich flussauf und musste abschnittweise mit dem "Paddel fürs Grobe" im Flussgrund staken um an der Einmündung aus dem Kraftwerk ("Wilhelm Röcker Nagelfabrik Löchgau") vorbei in ruhiger strömende Gewässer zu kommen. 

Rechts tauchten die großen Hallen und Industrieanlagen der BASF in Besigheim auf, in denen ich in meiner Jugend lange Ferienwochen Lastwagen beladen und Pigmentproben abgefüllt habe. Ich erinnere mich nicht gerne an diese tristen Ferienjobs.

Dann galt es in Besigheim zwei Wehre zu umtragen bis ich auf den langen ruhigen Flussabschnitt zwischen Bietigheim und Besigheim kam, auf dem ich gleichmäßig paddelnd Strecke machen konnte. Die Straße ist nie weit vom Fluss und ihr Lärm schränkt das Naturerlebnis doch ziemlich ein.

Ich paddelte flussauf bis ich zum nächsten Wehr bei der Kammgarnspinnerei kam. Da legte ich das Boot ans Ufer, machte ein paar Fotos und nahm Müsliriegel und Wasser zu mir bevor ich mich auf den Rückweg machte.

In Besigheim wurden wieder die zwei Wehre umtragen, dann kam der etwas munterer fließende Abschnitt unterhalb des Kraftwerkeinlasses und irgendwann erreichte ich wieder die Brombeerböschung über die ich das Boot hinauf zum Auto trug. Ich verpackte meinen Krempel hastig im Wagen weil ich - wie ich jetzt erst wahrnahm - schon viel zu spät dran war und machte mich auf zum leckeren Osteressen in netter Gesellschaft. 

Der Umstand, dass ich jetzt die Mündung bis zum Wehr bei der Kammgarnspinnerei gepaddelt bin deutet darauf hin, dass ich mir da jetzt wieder ein Projekt eingehandelt habe, dass in eine Befahrung der Enz - flussauf so weit es geht - münden kann. Die Abschnitte zwischen den vielen Wehren drängen sich gerade zu auf. Vor drei Jahren bin ich ja schon mal auf dieses Weise den Abschnitt oberhalb von Roßwag gepaddelt. Weiter oben kommen Wildwasserpassagen, die keinesfalls gegen die Strömung zu bewältigen sind. Insbesondere die Abschnitte um Wildbad herum sind reine Abfahrtsstreken für "wilde" Boote. Aber bis Mühlacker (wo die "Große Herzenfahrt" immer gestartet wurde) sollte ich es schon schaffen. Als nächstes gehe ich dann den Abschnitt unter- und oberhalb von Bietigheim (zuletzt 2011 gepaddelt) an.






Freitag, 29. März 2024

Hochrhein/Thur-Tour

Auf der Thur war ich bereits zweimal unterwegs - jeweils im Wildwasserboot. Aber das ist jetzt auch schon fast zehn Jahre her: 2012 und 2014. Heute habe ich nur den allerletzten Teil von ihr - vielleicht einen Kilometer - bewältigt weil ich flussauf gepaddelt bin.

Eingesetzt habe ich das Boot in Rüdlingen nachdem ich mich mit dem Parkscheinautomaten (es gibt in der Schweiz quasi keinen noch so abgelegenen Parkplatz ohne Automaten) und meiner Parkschein-App, die ich vorsorglich installiert habe, vertraut gemacht habe.

Dann ging es gegen die durchaus beträchtliche Strömung des Hochrhein flussauf entlang befestigter Ufer, die den Fluss von einem renaturierten Bereich abtrennen. Im unteren Teil dieses Bereichs befindet sich ein kleiner Bootshafen, in dem ich eine Ehrenrunde gedreht habe.


Kurz unterhalb der Mündung der Thur befindet sich eine Aussatzstelle, die weit sichtbar beschildert ist. Man sollte allerdings wohl die Bedeutung dieses Schildes kennen. Mir war dieses Schild nicht bekannt. Und auch die Bildsuchfunktion von Google ergibt keinen Treffer. 

Ich hatte "strömungsstrategisch" die Flussseite gewechselt und konnte unmittelbar in die Mündung der Thur einschwenken. Dort sind allerhand Schilder aufgestellt, die das Betreten des Ufers aus Naturschutzgründen unter Strafe stellen. Das hindert Naturbegeisterte Fotographen nicht daran am Ufer mit langen Teleobjektiven bewaffnet auf Federvieh am anderen Ufer zu lauern. Wechselseitig. 


Kies- und Sandbänke säumen das Ufer der Thur und nach der Autobrücke befindet sich eine weitere beschilderte Aussatzstelle. Dort legte ich das Boot auf die Böschung und vertrat mir die Beine. Ich hatte für die gut vier Kilometer anderthalb Stunden benötigt.
Die Rückfahrt dauerte dagegen lediglich eine dreiviertel Stunde (und ich bemühte mich nicht Tempo zu machen sondern hielt allenfalls das Boot in Fahrtrichtung). Pünktlich vor Ablauf meiner Parkzeit kam ich wieder beim Auto an, verlud das Boot und fuhr noch nach Rheinau, von wo aus wir im Juli flussauf zum Rheinfall paddeln wollen. Da gibt es auf der deutschen Seite kostenlose Parkplätze.



Dienstag, 26. März 2024

Frühling

Es wird dringend mal wieder Zeit irgendwo anders als auch dem heimischen Neckar zu paddeln. So nett das auch ist und so sehr ich das Privileg genieße an einem leicht zugänglichen paddelbaren Fluss zu wohnen, so gleichförmig sind diese Neckarinselrunden doch in Wirklichkeit.

Am Bootshaus wird gearbeitet und die Boote mussten mal raus um Platz fürs "Strippenziehn", die Verlegung der Elektrokabel zu machen. Auf dem Bild wird deutlich, wie unterschiedlich diese Boote schon aufgrund der verwendeten Materialien sein können.
Der Anleger beim Bootshaus macht mir fortwährend zu schaffen. Häufig ist er jetzt so knapp überspült, dass an Ein- und Aussteigen mit trockenen Füssen nicht zu denken ist. Ich bin diese Woche zweimal über die Böschung unter- bzw. oberhalb des Anlegers ein- bzw. ausgestiegen. Dabei gehe ich immer das Risiko ein auszurutschen, oder dass mir das Boot davon gleitet während ich damit beschäftigt bin die Balance nicht zu verlieren.

Heute habe ich ausnahmsweise mal wieder den guten alten MadRiver Independence bewegt. Die fünf Kilo Mehrgewicht gegenüber dem letzthin stets verwandten Advantage machen sich bemerkbar. Es ist deutlich anstrengender das Boot zum und vom Wasser zurück zu tragen.

Dienstag, 12. März 2024

Unprofitabler Bootshandel


Der Anfang September erworbene Jensen C-1W hat - wie geplant - den Besitzer gewechselt. András hat ihn Sonntagvormittag abgeholt und ist mit ihm - und zahlreichen anderen Booten, die er aus Holland abgeholt hat - nach Ungarn gefahren. Damit habe ich mich von diesem Boot sehr schnell wieder getrennt. Ich habe von András den gleichen Preis verlangt, den ich für das Boot bezahlt habe. Damit konnte ich meine Fahrtkosten nach Würzburg, wo ich das Boot abgeholt habe, nicht wieder "realisieren". Aber das ist es mir wert, dass ich durch dieses Boot die Erkenntnis hatte, dass ich ausschließlich mit einem traditionellen Sitz und kniender Fahrweise klar komme. Den leichteren und symmetrischeren Advantage habe ich deshalb mit einem solchen ausgestattet.


Mit diesem Boot war ich Montag bei strahlendem Sonnenschein und endlich ganz ohne "Verdeck" wieder auf dem Neckar unterwegs. Die Stadt zeigte sich von ihrer besten Seite. Bäume und Blümchen blühen und die Weiden nehmen ein optimistisch stimmendes Frühlingsgrün an. 

Sonntag, 3. März 2024

Flechtsitzreparatur

Seit dem gemeinsamen Kauf des Kevlar-Explorers vor neun Jahren war dessen Hecksitz eigentlich schadhaft aber Rolf und ich haben die Reparatur dieses Sitzes jahrelang hinausgezögert. Wir behalfen uns mit einem Sitzpolster von Duluth Pack, das praktischerweise mit einer Tasche ausgestattet ist. Immer mal wieder kam die Idee auf den Sitz doch noch zu reparieren, aber selbst machen wollten wir das nicht. Material und KnowHow fehlten uns beiden. Und der Mut so etwas einfach anzugehen.

Im November dann habe ich mal im Canadierforum nachgefragt ob es jemanden gibt, der sowas macht. Zunächst hieß es immer wieder, dass ich das doch selber machen wollte. Dann hat vor 14 Tagen Alex angeboten, dass er den Auftrag übernimmt. Ich habe den Sitz demontiert, verpackt und in den hohen Norden der Republik geschickt.
 

Zunächst hat Alex das alte schadhafte Geflecht vorsichtig heraus getrennt. Ich hätte das auch übernommen, aber ihm war es lieber, wenn er das selber machen kann. 

Und er kann das richtig gut. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelungen wäre die Rattanreste so heraus zu stemmen, dass der Escherahmen unverletzt bleibt.

Anschließend hat er vorgefertigtes Wieder Geflecht in Wasser eingeweicht und grob zugeschnitten. 


Mit kleine Holzleisten wurde das Geflecht in die Fuge hinein gedrückt. Die Holzleisten wurden offenbar mit kleinen Keilen an Ort und Stelle fest gehalten. Ich stelle mir vor, dass das eine entsetzliche Fummelei ist.
Schließlich wurden die Holzleisten durch einen Rattan-Keder mit Keilprofil ersetzt, der in die mit Leim vorbereitete Fuge geklopft wird. Schließlich wird der überflüssige Leim mit einem feuchten Tuch abgetupft.

Wenn das Gewebe trocknet spannt es sich von selbst und wird vom zwischenzeitlich abgebundenen Leim an Ort und Stelle gehalten. Das überstehende Gewebe wird weg geschnitten und der Sitz ist fertig.

Alex hat den fertigen Sitz umgehend zurück geschickt und den Reparaturprozess detailliert mit Bildern dokumentiert. Rolf und ich haben ihn heute nun wieder ins Boot hineingeschraubt und eine erste Probefahrt damit unternommen. Anschließend haben wir das Geflecht mit Leinölfirnis behandelt. Meinen ursprünglichen Plan es zu beizen und damit an die Patina des Bootes anzupassen habe ich verworfen. Man kann ruhig sehen, dass er repariert wurde.  

Herzlichen Dank an Alex, der so freundlich war diese Arbeit, die außerhalb meines Kompetenzbereichs lag, zu übernehmen!