Montag, 19. Mai 2014

Zwei Tage Thur


Nein, die Überschrift täuscht: meine unzweifelhaft lästige Rechschreibschwäche nimmt keine neuen Ausmaße an, die Zweitagestour vom Wochenende hatte die Thur zum Ziel.

Getroffen haben wir uns morgens um Acht am Bootshaus und dann sind wir zu siebt in drei Autos zur Einsatzstelle in Rickenbach gefahren. Dort sahen wir uns den Brückenschwall an, von dessen Befahrung stark abgeraten wird weil es da eine Unterspülung gibt.

In der Tat wird der Fels (links) angeströmt. Er ist unterhöhlt. An dieser Stelle sollte niemand schwimmen und jeder, der da paddelt sollte sehr genau wissen, wie er oder sie das Boot in der Strömung manövriert. Die Strömung ist dort durchaus kräftig.

Wir hatten ohnehin beschlossen vor dem Schwall auszusteigen, besichtigten noch die Ausstiegstelle und machten uns - Matthias' Auto zurücklassend - auf den Weg nach Bütschwil zur Einsatzstelle.


Dort mussten wir die Boote ein ganzes Stück eine Wiesenböschung hinunter ziehen um zu der Kiesbank zu kommen, von der aus die Boote eingesetzt werden. Der Einstieg bei der Kläranlage, den wir beim letzten Mal genommen haben und den ich etwas komfortabler in Erinnerung habe, befindet sich einige hundert Meter flussabwärts.


Der Pegel war an diesem Tag etwas höher als 2012 und die Strömung beschleunigte unsere Fahrt - vorbei an hohen Felswänden - ganz beträchtlich.


Die Felswände bestehen aus prösem Konglomeratgestein, das kontinuierlich in kleineren oder größeren Portionen bröckelt, was zu großen Kiesansammlungen am Ufer der Thur führt. Das sind ideale Plätze für ausgedehnte Paddelpausen.

So eine machten wir dann auch nach geraumer Zeit und stärkten uns für die Umtragung am Kraftwerk bei Mühlau. Der Ausstieg an diesem Wehr ist außerordentlich eng und steil aber es gibt immerhin eine Treppe, über die wir nach und nach unsere Boote hoch trugen.


Dann ging es weiter auf einem breiten Kiesweg zur Einsatzstelle, die über eine steinige steile Böschung zu erreichen war. Jede/s schulterte ihr/sein Boot und trug es flussabwärts.


Der nun folgende Abschnitt ist ein wenig lebhafter als der oberhalb des Kraftwerks. Er enthält insbesondere zwei/drei Schwallabschnitte, von denen der "Indianer", die einzige WW-III-Stelle, besonders hervorzuheben ist.


Am "Indianer" beschreibt die Thur einen kleinen Links/Rechtsknick mit deutlichem Gefälle. Infolgedessen bilden sich dort größere Walzen. Die kann man allerdings links gut umfahren. Wenn man das nicht tut - so wie ich - wird man von der ersten Walze ausgebremst und von der zweiten unbarmherzig untergepflügt.


Diese Kenterung hat René im Video fest gehalten. Das stelle ich dann beizeiten hier noch ein. Ich fuhr den Schwall anschließend noch zwei Mal um bessere Strategien als die mittige Durchfahrung zu erproben. Alle anderen kamen unbeschadet hinunter. Roland machte sich verdient, indem er die Strecke zwei mal vorfuhr.


Schließlich näherten wir uns dem Ausstieg in Rickenbach, an dem wir mit gehörigem Abstand vom Anfangs beschriebenen Brückenschall die Boote aussetzten und zum Parkplatz schleppten.


Dort drapierten wir unsere Ausrüstung in der Sonne, schickten Matthias, Roland und René zur Einsatzstelle um die Autos zurück zu holen und bewunderten die Eidechsen, die sich  zwischen den Steinen sonnten.
Matthias nutzte den Rückweg um bei Freunden etwas abzugeben und sich nach nahe gelegenen Campingplätzen zu erkundigen. Ihm wurde beschieden, dass der Rasen gerade frisch gemäht sei und dass wir alle sieben herzlich willkommen wären.

So fanden wir für die Nacht Aufnahme bei Andi und Katrin mit ihren vier Kindern, die uns mit allerlei Leckereien verwöhnten und mit denen wir einen netten Abend an der Feuerstelle vor ihrem Haus verbrachten. Für die Nacht bekamen wir als Alternative zu Zelt und Hängematte die Betten im großen neben dem Haus geparkten Wohnwagen angeboten, auf die Christian, Hannah und ich uns dann auch irgendwann verteilten. Das Läuten der Kuhglocken in der Nachbarschaft lullte uns ein.

Weil ich mit jetzt so viel Zeit mit dem Berichtschreiben gelassen habe kann ich inzwischen auf  Matthias' Bericht zum diesem ersten Tag verweisen. Er schreibt erheblich detaillierter als ich...


...deshalb fasse ich mich zum zweiten Tag noch etwas kürzer denn auch der wird bei Matthias detailliert beschrieben.


Wir hatten den etwas kürzeren Abschnitt ab Lütisburg gewählt. Die Einstiegsstelle zeichnet sich durch ein Gewirr aus Brückenbauten unterschiedlichster Konstruktionswiesen aus. Die hässlichste der vier - die Autobrücke über die Thur - ist auf dem Bild kaum zu erkennen.


Erneut hatten wir bei etwas niedrigerem Pegel viel Spaß. Die Sonne schien, das ablaufende Wasser war klar und die eine oder andere Surfstelle kam heute noch stärker zum Vorschein als beim gestrigen höheren Pegel. Wir ließen uns Zeit.

Wir umtrugen erneut das hässliche Betonwehr und beschäftigten uns anschließend mit dem etwas anspruchsvolleren unteren Abschnitt.


Insbesondere an einer Stelle surften die Verwegeneren in der etwas giftigen oberen Welle...


...und alle genossen die glatte ruhige Welle direkt dahinter, in der man ohne Aufwand beharrlich vor sich hin surfen konnte.


Anfangs reihten sich alle noch auf, später stiegen wir im Wechsel aus, plünderten unsere Proviantvorräte und sahen den gerade mal Aktiven beim Surfen zu.


Später ging es weiter zum "Märchengarten" wo ein kräftiger Schwall diverse Surfversuche vereitelte.


Selbst im langen M.E., den ich für dieses Wochenende Matthias aufgedrängt hatte, gelang es mir nicht, mich in der Welle zu verankern.


Nach geraumer Zeit verließen wir das verwunsche Märchenhäuschen und näherten uns erneut dem "Indianer".


Dort kam es an diesem zweiten Tag zu keiner Kenterung obwohl wir uns alle Mühe gaben den Schwall hinreichend zu würdigen. Ich treidelte erneut zweimal flussauf, so dass ich dreimal abfahren konnte. Das eine Mal auch im M.E., den zuvor Matthias schon elegant den Schwall hinunter gepaddelt hatte.


Matthias hatten die linke Route gewählt - ich fuhr jetzt nur noch rechts der Mitte. Auf beiden Routen ließ sich literweise Wasser tanken.


Auch im Phantom, mit dem ich beide Male links fuhr, befand sich am Ende jeder Durchfahrt ein ansehnlicher Pegel. 


Als wir genug hatten entleerten wir die Boote und paddelten weiter Richtung Ausstieg. Unterwegs begegneten wir noch einer großen Canadiergruppe, die wir schon am Vortag gesehen hatten. Sie hatten offenbar irgendwo am Flussufer biwakiert.


Wir fuhren zur Ausstiegstelle, spulten das gleiche Programm wir am Vortag ab (ohne Eidechsen) und machten uns auf den Heimweg, der uns bei Konstanz über den Rhein/Bodensee führte. Noch vor dem Abendessen waren wir zuhause.

Die Thur ist - bei diesem Pegel und bei diesem Wetter jederzeit wieder eine Fahrt wert. Es handelt sich zwar nicht um entsetzlich aufregendes Wildwasser aber die Landschaft ist in jeder Hinsicht sehenswert, die Schwälle und Stufen bieten Spielpotential und die Schweizer Gastfreundschaft hat uns diesmal ganz besonders freudig überrascht. Mein kleines gelbes Wildwasserboot hat mir wieder einmal richtig viel Spaß gemacht aber es hat erneut gelitten und es ist absehbar, dass es irgendwann irreparabel kaputt geht. Für das nächste Wochenende habe ich mir deshalb vorgenommen endlich mal die Viper weiter zu flicken damit mir eine würdige Alternative zur Verfügtung steht.

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