Donnerstag, 4. Juni 2026

Stocherkahnrennen 2026

Kurz vor Eins war ich wieder am Bootshaus und paddelte hinunter zur Altstadt. Da war erheblich mehr los als am frühen Morgen. Die Kostüme und geschmückten Kähne wurden begutachtet (um später von der "unfehlbaren" Jury prämiert zu werden).


Verschiedene Gruppen nutzten diese von Burschenschaftstraditionen geprägte Veranstaltung um auf Minderheitenrechte und fairen Umgang hin zu weisen, aber es gab auch höchst unpolitische Themenkostüme.


Mir war beim Hinabpaddeln die Mannschaft in Kahn 54 begegnet, den ich heute Morgen noch halb versenkt an der Jugendherberge gesichert hatte. Sie berichteten, dass jemand sogar zwei Löcher in den Kahn gebohrt hatte. Auch ein Beitrag zum Thema "fairer Umgang miteinander" und zu alles andere als fairen Burschenschaftstraditionen.

Dann bewegten sich die Kähne langsam zur Startlinie an der Fußgänger:innenbrücke beim Freibad. Ich paddelte auch hinauf und platzierte mich an der Spitze der Neckarinsel, am "Bügeleisen".

Kurz nach dem Startschuß rauschte auch schon der erste Kahn mit viel Abstand vor allen anderen an mir vorbei. Ich paddelte jetzt auch gemütlich flussab und ließ mich von nachfolgenden Kähnen überholen.

Die ersten Kähne kommen in der Regel unschwer durchs Nadelöhr. So auch die ersten beiden. Dem zweiten gelang es den vorauseilenden ersten Kahn anschließend zu überholen. 

Ich sah mir das Gerangel am Nadelöhr nicht an sondern paddelte - wie zuletzt vor drei Jahren - mit den ersten Kähnen, die jetzt erheblich langsamer gegen die Strömung ankämpften - zur Ziellinie. Sie (und ich) wurden von allen Seiten lautstark angefeuert.

Mein besonderes Interesse galt ja den beiden Kähnen (13 und 54), die ich noch am Morgen geborgen und vor dem (eher unwahrscheinlichen) "Zerschellen" am Stadtwehr gerettet hatte. 
Sie errangen passable Plätze im vorderen Mittelfeld, müssen also erfreulicherweise weder Bier noch Lebertran zu sich nehmen (wenn sie sich keinen Regelverstoß zuschulden kommen ließen).

Dann fand ich, dass das Stocherkahnrennen genug von diesem Tag eingenommen hatte, verzichtete auf die Siegerehrung und paddelte zurück zum Bootshaus. Auf dem Heimweg gönnte ich mir noch ein Stück Apfelkuchen, er inzwischen auch schon verzehrt ist.

Nächtliche Bergeaktion

Auf meiner morgendlichen Paddelrunde suche ich Ruhe und Beschaulichkeit, die sich mit Fortschreiten des Tages in der Stadt und auf dem Fluss schnell verflüchtigt. Heute kam sie schon während des Paddelns abhanden. Zunächst lief alles so ab, wie üblich. Ich setzte das Boot am Bootshausanleger ein und dokumentierte das vor dem Hintergrund dramatischer Wolken, die während des Paddelns erfreulicherweise weiter zogen. Gegen 5:50 Uhr war ich vor der Altstadtfront und schoss ein weiteres Beweisfoto meines nächtlichen Treibens.

Beim Vorbeipaddeln am Stocherkahnanleger vor dem Hölderlinturm fiel mir ein Mann auf, der da entlang schlenderte. Gewöhnlich halten sich dort nur in wirklich lauen Sommernächten (meist alkoholisierte) Personen auf. Ich dachte mir nichts weiteres dabei.  
Als ich am Stocherkahnanleger vor der Jugendherberge vorbei paddelte fiel mir ein mit viel Wasser gefüllter Kahn auf, der ganz obern vor den anderen Kähnen mit ungewöhnlich großem Abstand vom Ufer lag. Ich war etwas verwundert. Alle anderen Kähne lagen nicht so tief im Wasser. Wieder dachte ich mir nicht viel dabei.


Schließlich - auf der Bank beim Anleger in der Hermann-Kurz-Straße
herumlungernd (da mache ich gewöhnlich eine kleine Pause) - sah ich vor dem Anleger gegenüber einen ähnlich tief im Wasser liegenden Kahn langsam Richtung Stadtwehr treiben. Ich löste also etwas hektisch meine Bootsleine, paddelte hinüber, nahm den Kahn in Schlepp und paddelte zum Ufer, wo ich ihn an einer Wurzel festband.

Kahn 13 war gesichert, mein noch im Dämmerzustand befindliches Gehirn begann allmählich zu arbeiten und ich wand mich Kahn 54 zu, der mir ja schon vorher an der Jugendherberge aufgefallen war. Bei ihm war - wie ich feststellte - das Drahtseil durchtrennt. Er verfügte über keine Leine, so dass ich ihn notdürftig mit dem Drahtseil am obersten Kahn am Anleger festmachte. 


Inzwischen war mit klar, dass es sich um eine Sabotageaktion im Vorfeld des heute stattfindenden Stocherkahnrennens handeln musste. Ich werde noch den Stocherkahnverein und die örtliche Presse informieren und will - so wie in den Vorjahren - heute mittag neben den am Rennen teilnehmenden Kähnen paddeln. Ich hoffe, dass das Wetter dem Rennen keinen Strich durch die Rechnung macht. Der Genuss ist ja schon dadurch eingeschränkt, dass die Zuschauer:innen nicht von der Alleenbrücke aus das Rennen verfolgen können. Sie ist wohl so marode, dass die Stadt sie hierfür gesperrt hat.

Ich verstaute das Boot wieder im Bootshaus und radelte heim zum ersten Frühstück. 

Montag, 1. Juni 2026

Provisorische Flechtsitze


Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub habe ich intensiv über eine Lösung für die brüchigen Flechtsitze im neuen alten 17'-Explorer nachgedacht. Noch gestern - kaum heimgekommen - habe ich sie an dem Boot, dass die Urlaubszeit im Wohnzimmer liegend verbracht hat, umgesetzt.

Heute nun habe ich das Boot mit den frisch umflochtenen Sitzen zum Bootshaus gebracht und die Holzteile behandelt. Nach einer Schicht Leinölfirnis sieht es gleich viel besser aus. Dabei hat es vorher schon nicht schlecht ausgesehen. Insbesondere die angeschäfteten Süllrandenden und die reparierten Deckplates (beides ist quasi nicht zu erkennen) machen einen guten Eindruck. Das Boot liegt jetzt da, wo vorher der Dagger Reflection lag (davor der SourisRiver Prospector 17.6'). Das Dagger-Boot habe ich gleich wieder mit nach Hause genommen. Die eine Sitzaufhängung wurde mal sehr provisorisch repariert. Das will ich jetzt nochmal besser machen.

Die provisorisch mit Gutband umwickelten Flechtsitze des Explorer 17' drohen dauerhaft in diesem Zustand zu bleiben. Wenn sich mein Flechtwerk während der Nutzung nicht maßgeblich verschiebt gefällt mir diese Lösung eigentlich ganz gut.

Sonntag, 31. Mai 2026

Maifahrten


Für meine persönliche Statistik: zusätzlich zu den zehn Paddeltouren in der ersten Maihälfte kamen vor dem Urlaub weitere vier Fahrten zustande. die vier Paddeltouren in Dänemark hinzugerechnet komme ich im Mai also auf 18 Mal paddeln. Das sind sechs Touren weniger als im April. Aber das macht nichts.


Die Bilanz ist immer noch gut und die beiden Bälle, die ich am 16. Mai beim Paddeln fand sind ebenfalls ein Gewinn - für die Bällebox im Bootshaus, an der sich die Kinder und Jugendlichen gerne bedienen.

Samstag, 30. Mai 2026

Henne Mølle Å

Am letzten Urlaubstag machten wir uns auf den Heimweg. Und auf diesem musste ich den Henne Mølle Å überqueren, den man paddeln darf, wie wir ermittelt hatten. Ich hatte es nicht so eilig und bog in den langen Schotterweg ein, der zum Hotel und Fußgängersteg kurz vor der Flussmündung ins Meer führt.

Anfangs - bevor sich der Fluß Filsø nähert - mäandert er durch eine Heidelandschaft gleich hinter den Küstendünen. Ein tief angebrachter Balken mußte unterquert werden und Rückenwind trieb mich voran.


An der Stelle, an der sich der Fluss teilt und Filsø umfließt drehte ich um weil mir nicht mehr recht klar war welcher Arm befahren werden darf. Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon drei Kilometer weit gekommen.


Auf dem Rückweg überquerte keine 20 Meter vor mir ein ziemlich großes Reh in drei Sprüngen den Fluss, der an der Stelle vielleicht anderthalb Meter tief ist.

Schließlich erreichte ich wieder den Fußgägersteg, erwog kurz noch an den Strand zu paddeln, verwarf diesen Gedanken aber auch angesichts des frischen Windes wieder und verlud das Boot.


Dann machte ich mich auf den Heimweg (nicht ohne vorher noch ein Weilchen am Strand von Vejers herumzulungern - aber es war zu bewölkt für einen längeren Aufenthalt). Es war ein schöner Urlaub, in dem wir nicht nur in Booten unterwegs waren, aber in diesem Paddeltagebuch gehts ja ausschließlich ums Paddeln.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Skjern Å

Teile des Skjern Å bin ich vor vier Jahren bereits rauf- und wieder runter gepaddelt. Inzwischen habe ich in Erfahrung gebracht, dass dass Flussaufpaddeln in Dänemark nur auf ausgewählten Flüssen (wie dem Vard Å) zulässig ist. Ich hoffe meine Ordnungswidrigkeit ist inzwischen verjährt. Grundsätzlich finde ich ja, dass nur die Flussabschnitte jedweden Flusses flussab gepaddelt werden sollten, die auch flussauf gepaddelt wurden, aber das ist eine Diskussion, die ich anderswo führen will.


Wir parkten mein Fahrrad am Hafen in Skjern und fuhren mit dem Auto zur Skjern-Brücke in Borris. Dort setzten wir die Boote ins Wasser und bewältigten erstmal einen ganz passablen Schwall unterhalb der Brücke. So lebhaft blieb der Fluss allerdings nicht als er zunehmend langsam und breiter werdend durch die flache Landschaft mäanderte. 

Erst fand sich noch Uferbewuchs in Form von Büschen und windgebeutelten Bäumen, dann kam flaches Marschland weil wir uns ja Dänemarks einzigem Flussdelta näherten.


Hin und wieder spannte sich eine Brücke über den breiter werdenden Fluss und in deren Nähe fanden sich auch immer Lachsangler, die alle freundlich grüßten wenn wir vorbei paddelten.

Neugierige Pferde und Rinder beobachteten uns und der Wind nahm an Fahrt auf, was sich auf dem breiten ungeschützten Fluss als ziemlich nervig erwies. Der Wind kam von vorne und neutralisierte die Strömung.


Hin und wieder kam ein Seitenarm, den die Angler:innen mithilfe kleiner Brücken überqueren können. Der Skjern Å ist in erster Linie für die Lachswanderungen bekannt und deutsche Angler beeindruckten uns mit Anglerlatein demzufolge Lachse in Boote sprängen oder Löcher in den Rumpf stoßen.


Diese Erfahrung blieb uns versagt und es waren uns auch keine anderen Paddler:innen begegnet, die ähnlich kunstfertig das Paddel führten wie auf der Abbildung auf der Info-Tafel, die wir sehr erheiternd fanden.

Wir kamen nach zweieinhalb Stunden ziemlich ermattet vom beständigen Gegenwind an, ich schwang mich aufs Rad und fuhr die 12 Kilometer zurück zum Auto. Dann verluden wir die Boote und nahmen noch Kaffee und süße Stückchen in einer Bäckerei in Skjern zu uns.

Sonntag, 24. Mai 2026

Varde Å

Seit Jahren überquere ich bei Urlaubsfahrten an der Westküste Dänemarks den Varde Å und denke mir immer wieder, dass ich den doch mal paddeln sollte. Am Pfingstsonntag nun haben Rolf und ich so eine Fahrt unternommen. Wir entschieden uns für einen Start in der Stadt und hatten zunächst Schwierigkeiten eine geeignete Einsatzstelle zu finden. 

Beim Varde-Kayak-Klub fanden wir eine solche und einige Locals, die uns Tipps für Touren in der Region gaben. Wir setzten am Anleger ein und paddelten zunächst an am Stadtufer vertauten Booten entlang.


Der Fluss hatte einen niedrigen Pegel und ziemlich braunes sedimentreiches Wasser zu bieten. Bald verließ er die Stadt und es eröffnete sich eine Weidelandschaft, die wir aus wechselnden Perspektiven (je nach Mäander) betrachten konnten. 



Wir paddelten vier Kilometer flussauf bis wir wieder umkehrten und noch ein wenig die Stadt vom Fluss aus erkundeten. Die Aufenthaltsqualität in dänischen Städten ist bemerkenswert.

Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die ziemlich ausgestorbene Stadt (Pfingstsonntag!) und aßen ein Eis. Dann wandten wir uns anderen Dingen zu.