Sonntag, 19. April 2026

Nächtliches Treiben

Ich freue mich zwar, dass jetzt wieder etwas mehr Trubel auf dem Neckar ist, aber eine Neckarinselrunde an einem sonnigen Samstagmittag ähnelt gleich schon wieder einem Spießrutenlauf. Mir wird aus voll besetzten Stocherkähnen mehrfach bestätigt, dass mein Boot "August" heißt. Gelegentlich werde ich als "Winnetou" bezeichnet und ganz generell begünstigt der neuerliche Kommunikationsaufwand meine misanthropischen Neigungen.

Ich gehe - wenn das Wetter es erlaubt und ich aus dem Bett komme - wieder zu meinen frühmorgendlichen Paddelrunden über. Die Sonnenaufgangsstimmung, die (sehr) langsam wach werdende Stadt und das klare glatte Wasser ohne jeden Windhauch haben für mich erheblich mehr Reize als das Frühlingstreiben im Tagesverlauf. 


Diesem Treiben werde ich auch künftig nicht gänzlich entgehen, aber wenn ich es meiden kann mache ich das und es lohnt sich fast immer. Heute war ich gegen 5:30 Uhr auf dem Wasser. Sonnenaufgang war ca. 6:25 Uhr. Ich habe die morgendliche Paddelrunde in vollen Zügen genossen (und das anschließende Frühstück mit frischen Brötchen ebenso).

Mittwoch, 15. April 2026

Kunst am Bau


Seit Wochen paddele ich an einem großen Stück Treibholz vorbei, das sich in der alten Uferbewehrung unter einer Rotbuche hochkant verkanntet hat und jedes Mal muss ich an ein Elchgeweih denken. Heute mittag, als ich wieder einmal an dieser Stelle vorbei kam hatte ich eine vage Idee wozu ich es gebrauchen könnte. Also bin ich am späten Nachmittag nochmal hin gepaddelt, habe es frei gerüttelt und ins Boot verladen. Es ist leider relativ leicht, hat also nach dem Trocknen möglicherweise nicht mehr viel Substanz. Das wird sich zeigen wenn es richtig durchgetrocknet ist.

Zum Trocknen habe ich es erst einmal im Bootshaus in einem meiner Boote (das, das ich fast nur im Urlaub nutze) eingelagert. Wenn es dann richtig durch getrocknet ist wird es gereinigt und von Rindenresten befreit. Bei der Gelegenheit wird sich zeigen, ob es noch hinreichend solide ist um an einer vor Wind und Wetter einigermaßen geschützten Stelle der Hausfassade eine Ecke zu bedecken, die mir seit nunmehr über 25 Jahren nicht recht gefällt. Die Fensterbauer haben damals gepfuscht und der junge Bauherr war zu schüchtern zu inter-venieren. Jetzt - in die Jahre gekommen - leiste ich mir den Luxus mit Zierrat aus Treibgut zu experimentieren.

Mitte April


Bei meiner heutigen Neckarinselrunde ist mir diese Ente mit ihren acht Küken begegnet. Es ist schon erstaunlich wieviel Schwund die Natur da in Kauf nimmt um die Art zu erhalten bzw. die Population zu mehren, denn es ist ja zu erwarten, dass nur ein Bruchteil dieser Brut das Erwachsenenalter erreichen wird. Aber das sind düstere Gedanken, die mir erfreulicherweise in der Regel erspart bleiben wenn ich auf dem Neckar paddele. Und das tue ich einfallslos aber beständig. So kamen in diesem Monat inzwischen zehn Neckarinselrunden zusammen.


Manchmal finden diese Fahrten bei blendendem Wetter (am 7. mit Rolf) statt, ein anderes Mal startete ich bei Nieselregen (vorgestern). Beides kann Spaß machen. 


Besonders viel Spaß macht es der Natur beim Aufblühen zuzuschauen. Vor einer guten Woche waren die Bäume noch kahl - hier und da waren zaghaft keimende Blätter wahr zu nehmen. Inzwischen ist alles grün und saftig. Der Frühling ist da!

Sonntag, 12. April 2026

Unstimmige Wellenmuster

Wenn ein sich schnell fortbewegendes Tandemboot in bewegtem Wasser einem Hindernis ausweichen muss geschieht das am effektivsten indem die Person im Bug einen stationären Paddelschlag ausführt. Im Englischen wird der als "bow rudder" bezeichnet.

Die Abbildung eines solchen Manövers habe ich in meinem letzten "Werk" auf Linoleum übertragen und bin dabei auf eine Reihe von Schwierigkeiten gestoßen, die ich überwiegend unbefriedigend gelöst habe. Das Hauptproblem war die Wellenbildung im Wasser - namentlich die Störungen des Wellenmusters durch das sich bewegende Boot und die im Wasser befindlichen Paddel. Und dann ist da noch das Hindernis selbst: der abgebildete Fels interagiert fast überhaupt nicht mit dem ihn umströmenden Wasser. Ich bin unzufrieden, kann die Druckvorlage aber nicht ungenutzt liegen lassen.

So sind sieben Drucke entstanden und eine Druckplatte kommt ins Archiv. Das gleiche Motiv mag irgendwann mal wieder aufgenommen werden und dann besser ausgeführt werden. Das Boot selbst und die darin paddelnden Personen nebst der Ladung finde ich nämlich eigentlich ganz gut gelungen. 

Montag, 30. März 2026

Monatsabschluss


Der März nähert sich seinem Ende und es ist absehbar, dass ich keine weitere Paddelunternehmung in diesem Monat angehen werde. Außer neun Neckarinselrunden kam es seit dem Rapport zur Monatsmitte auch zu keiner anderweitigen Exkursion. Manchmal ist das Leben nicht so erlebnisreich und turbulent, wie es die Medien vermeintlich wünschenswert erscheinen lassen. 


Immerhin belebt sich der Fluss jetzt wieder. Es gibt neuerdings zwei Drachenboote der Frauenselbsthilfegruppe Krebs "Pink Paddling". Vereinzelte Stocherkähne wurden hergerichtet und aufs Wasser gesetzt. 
 

Das Wetter schlägt Jahreszeitgerecht Kapriolen. Zwischenzeitlich war es so warm, dass ich im offenen Boot und barfuß unterwegs war. Dann wurde es wieder so kalt und "schauerhaft", dass ich den geschlossenen Canadier wählte. Es ist ein Privileg diese Auswahl zu haben. Ich weiß das zu schätzen.

 
Teilweise zeigt sich der Frühling noch ziemlich winterlich und trist. Wenn dann die Sonne raus kommt, die Forsythien leuchtend gelb blühen und die Weidenbäume erstes zartes Grün entwickeln kommen Frühlingsgefühle auf.


Enough waffling -  der Frühling soll gerne kommen. Er ist herzlich willkommen. Es wird Zeit, dass diese triste Winterzeit ein Ende findet und dass ich mal wieder irgendwo anders, als auf dem Neckar paddele!

Sonntag, 15. März 2026

Schattenriss

 

Inzwischen habe ich meine Linolschnitt-Werkstatt etwas professionalisiert und in einen anderen Raum verlegt. Am gestrigen verregneten Samstag ist darin eine weitere Druckplatte entstanden.

Als Motiv habe ich mir einen Schattenriss ausgesucht, der Rolf und Erdmann bei unser Reichenau-Umrundung im September 2024 zeigt. 


Im Original paddeln sie natürlich von links nach rechts und kurze Zeit später ist ein fotografisch viel ansprechenderes Bild mit einem Passagierschiff am Horizont entstanden, aber für den Linolschnitt war das kontrast-reichere Motiv erheblich geeigneter. Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten, die ich jetzt nicht im Detail ausführe, aber dieses erste irgendwie "ernst zu nehmende" und vorzeigbare Resultat meines neuerlichen Kunstschaffens erfüllt mich doch mit einiger Zufriedenheit. 

Freitag, 13. März 2026

Fast Monatsmitte


Erst im nächsten Jahr wird dieses Paddeltagebuch 20. Deshalb verzichten wir heute mal ausnahmsweise auf ausschweifende Feierlichkeiten. Im nächsten Jahr gibts dann am 13. März Konfetti und literweise Sekt...

In diesem kleinen Zwischenfazit dokumentiere ich die zehn Neckarfahrten, die ich in dieser ersten Monatshälfte absolviert habe. Ich mache mir da keine schriftlichen Aufzeichnungen, achte aber penibel darauf, dass ich bei jeder Fahrt mindestens ein präsentables Bild aufnehme.


Der 1. März war sonnig wenn auch etwas "frisch" , aber schon am 2. März - da war der Himmel wolkenlos - war ich so verwegen den Mittelteil meiner Bootsplane abzunehmen und "halboffen" zu paddeln.

So auch am 4. März, an dem ich am Stocherkahnanleger bei der Jugendherberge eine Pause eingelegt und meine schnelles Boot mit "offener" Sitzluke durch das Geländer fotografiert habe.
Zwei Tage später, am Freitag, dem 6. März, war es dann schon wieder bewölkt, aber für die Jahreszeit immer noch erstaunlich mild. Ich traf mich mit Rolf und wir paddelten gemeinsam vom Bootsanleger flussauf, machten Paddelpläne für das Frühjahr und tauschten Neuigkeiten aus.

Ich hatte mich für den kleinen leichten Sandpiper entschieden und Rolf wählte Erdmanns Osprey für den er die Dauerleih-Freigabe hat. Es handelt sich um zwei vergleichbar leichte Boote aus unterschiedlichen Epochen mit unterschiedlichen Bautechniken.
Der Sandpiper hat - wir auf dem Bild  vom 7. März zu erkennen ist, das eine Variante des Advantage-Bilds vom 4. März ist - einen Aluminium-Süllrand und von Gewebematerial umkleidete Schaumrippen, die sich vor dem hellen Sonnenlicht besonders prägnant abzeichnen. Er hat auch einen Schaumboden, auf dem ich meine nackten Füe ablegen kann ohne gleich einen Kälteschock zu bekommen. Das Wasser des Neckars hat immer noch Wintertemperaturen und die leichte Kleidung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass wir eigentlich noch Winter haben. Ich rechne damit, dass es noch einmal richtig kalt wird.
Am Sonntag, den 8. März, bin ich am Spätnachmittag noch einmal im Sandpiper aufs Wasser gegangen. Wieder barfuß. Das hängt auch damit zusammen, dass ich meine Füße in Schuhen nicht unter den Sitz bekomme. Jedenfalls nicht länger als 10 Minuten. Dann schlafen sie mir ein. Die Kälte widerum begünstigt die Krampfentwicklung. Ab und zu baut sich so ein Krampf in der Fußsohle auf und ich muss die Füße zeitweilig nach vorne strecken. Gut, dass sowohl Advantage als auch Sandpiper für den "sitzenden Betrieb" eingerichtet sind und eine Stemmstange eingebaut haben, auf der sich die Füße abstützen können.

Am 10. März war ich wieder bei sonnigerem Wetter unterwegs und am 11. März bewölkte sich der Himmel. An dem Tag wählte ich den Advantage weil Regen angekündigt war. Tatsächlich erwischte mich auch ein kleiner Schauer auf dem Wasser. Es handelte sich aber eher um Nieselregen und ich ertrug ihn stoisch. Faktisch bekam ich nur zwischen Hölderlinturm und Allenbrücke einige Tropfen ab, die an der Eisenbahn-brücke schon wieder weg getrocknet waren. Ich werde dennoch noch einmal das Mittelstück der Bootsplane montieren um künftig auch unter diesen Bedingungen paddeln gehen zu können.


Und so folgt auf das Foto vom 12. März ein Bild vom komplett bedeckten Advantage. Die Plane habe ich heute Mittag wieder festgemacht nachdem ich eine Neckarinselrunde im Elan gepaddelt bin. 
Den habe ich nämlich heute von seinem Platz über dem Sofa herunter geholt habe. Dann habe ich noch die Kniematte eingeklebt, Polster am Rand eingeklebt damit der Süllrand sich nicht in meine Schulter gräbt wenn ich das nicht eben federleichte Boot trage. Das wirklich federleichte Boot, den kleinen kurzen Sandpiper, habe ich nachher wieder mit nach Hause genommen, wo er jetzt über dem Sofa hängt und auf Spontanfahrten von Zuhause aus (z.B. an die Donau) bzw. die Urlaubsfahrt im Sommer wartet. Wahrscheinlich nehme ich ihn mit nach Schweden und Dänemark obwohl ich heute auch wieder viel Spaß mit dem Elan hatte.