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Montag, 1. Juni 2026

Provisorische Flechtsitze


Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub habe ich intensiv über eine Lösung für die brüchigen Flechtsitze im neuen alten 17'-Explorer nachgedacht. Noch gestern - kaum heimgekommen - habe ich sie an dem Boot, dass die Urlaubszeit im Wohnzimmer liegend verbracht hat, umgesetzt.

Heute nun habe ich das Boot mit den frisch umflochtenen Sitzen zum Bootshaus gebracht und die Holzteile behandelt. Nach einer Schicht Leinölfirnis sieht es gleich viel besser aus. Dabei hat es vorher schon nicht schlecht ausgesehen. Insbesondere die angeschäfteten Süllrandenden und die reparierten Deckplates (beides ist quasi nicht zu erkennen) machen einen guten Eindruck. Das Boot liegt jetzt da, wo vorher der Dagger Reflection lag (davor der SourisRiver Prospector 17.6'). Das Dagger-Boot habe ich gleich wieder mit nach Hause genommen. Die eine Sitzaufhängung wurde mal sehr provisorisch repariert. Das will ich jetzt nochmal besser machen.

Die provisorisch mit Gutband umwickelten Flechtsitze des Explorer 17' drohen dauerhaft in diesem Zustand zu bleiben. Wenn sich mein Flechtwerk während der Nutzung nicht maßgeblich verschiebt gefällt mir diese Lösung eigentlich ganz gut.

Montag, 18. Mai 2026

Würdiger Ersatz

Im Canadierforum wurde schon im März ein MadRiver Explorer angeboten, der mir zu der Zeit entgangen ist. Allen anderen offenbar auch. Ich habe Werner kontaktiert und gestern nun das Boot aus Zürich abgeholt. Es handelt sich um die 17'-Version. Das Boot ist also knapp 5 Meter lang und damit fast so groß wie mein SourisRiver Prospector, den ich vor drei Jahren verkauft habe.

Das bedauere ich immer noch. Das Angebot des Käufers war aber unwiderstehlich und hat mir den Kauf einer ganzen Reihe von "Trostbooten" ermöglicht. So nun auch den Kauf dieses Ersatzbootes.

Eigentlich habe ich ja schon einen halben MadRiver Explorer, der noch dazu fast gleich aussieht wie das neue Boot, aber ich habe immer eine gewisse Scheu ihn einzusetzen weil er mir ja nicht alleine gehört. Zudem hatte ich in den letzten Jahren ja auch wenig Anlass ein Tandemboot zu benutzen. Jetzt habe ich also diesen sichtbar gebrauchten und aber auch gut in Schuss gehaltenen größeren Explorer, der zunächst hier in der Wohnung lagert bis ich - aus dem Urlaub zurückgekehrt - einen Platz für ihn im Bootshaus finde. Ins Dachgebälk passe ein Boot dieser Länge ja nicht. Wahrscheinlich werde ich den Dagger Reflection dort hoch hängen und den Explorer zugänglich im Bootsregal lagern.


An den Enden wurden die Süllränder und Deckplates aufwändig und fachgerecht repariert (besser als ich das je hinbekommen würde). Innen gibt es eine kleine weniger schöne Reparaturstelle und außen am Rumpf finden sich eine ganze Reihe von Reparaturen, die nicht so hübsch aussehen, aber die Funktion des Bootes in keiner Weise beeinflussen.

Erneuert werden müssen die Sitzgeflechte. Die werden in Kürze durchbrechen. Sie sind altersgerecht spröde. Ich werde mich wohl doch mal mit eingeklebtem Ratangewebe beschäftigen müssen. 

Davor habe ich ziemlich viel Respekt und habe das bislang immer vermieden. Neue Sitze würden dem in die Jahre gekommenen und gut gealterten Boot nicht gerecht. Also muss ich mich wohl mittelfristig damit beschäftigen.

Werner hat mir noch jede Menge Material, einen Bootswagen und ein beeindruckend langes Beavertail-Paddel mitgegeben. Selbst ein Stück perfekt gefräster Süllrand ist dabei. Glasfaser- und Aramidmatten und Angaben über die Länge der Schrauben in den Süllrandspitzen.

Dem Boot ist anzusehen, dass es auf steinigen Schweizer Flüssen unterwegs war und schon allerhand erlebt hat. Die eingeklebten D-Ringe weisen auf viel Sachverstand des Vorbesitzers hin. Ich hoffe, dass es mir gelingt dieses Boot ähnlich kompetent zu nutzen und werde die Macken und Kratzer, die ich hinzufüge und die, die schon dran sind, je nach Erfordernis reparieren.

Mittwoch, 15. April 2026

Kunst am Bau


Seit Wochen paddele ich an einem großen Stück Treibholz vorbei, das sich in der alten Uferbewehrung unter einer Rotbuche hochkant verkanntet hat und jedes Mal muss ich an ein Elchgeweih denken. Heute mittag, als ich wieder einmal an dieser Stelle vorbei kam hatte ich eine vage Idee wozu ich es gebrauchen könnte. Also bin ich am späten Nachmittag nochmal hin gepaddelt, habe es frei gerüttelt und ins Boot verladen. Es ist leider relativ leicht, hat also nach dem Trocknen möglicherweise nicht mehr viel Substanz. Das wird sich zeigen wenn es richtig durchgetrocknet ist.

Zum Trocknen habe ich es erst einmal im Bootshaus in einem meiner Boote (das, das ich fast nur im Urlaub nutze) eingelagert. Wenn es dann richtig durch getrocknet ist wird es gereinigt und von Rindenresten befreit. Bei der Gelegenheit wird sich zeigen, ob es noch hinreichend solide ist um an einer vor Wind und Wetter einigermaßen geschützten Stelle der Hausfassade eine Ecke zu bedecken, die mir seit nunmehr über 25 Jahren nicht recht gefällt. Die Fensterbauer haben damals gepfuscht und der junge Bauherr war zu schüchtern zu inter-venieren. Jetzt - in die Jahre gekommen - leiste ich mir den Luxus mit Zierrat aus Treibgut zu experimentieren.

Samstag, 23. August 2025

Noch keine Jungfernfahrt

Das Bootsbauprojekt ist abgeschlossen. Was vor gut einem Jahr als "Winterprojekt" gestartet hat wurde nun doch zu einem Jahreslauf-füllenden Bastelprojekt, das mich gelegentlich an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Dabei schien beim Kauf des halb fertigen Bootes schon die meiste Arbeit geleistet zu sein.

Im Juni 2024 erwarb ich einen "unfertigen" Canadier in Sandwich-bauweise. Gebaut wurde das Boot aus PVC-Hartschaumleisten, war außen bereits laminiert und verspachtelt, innen noch nicht. Es handelt sich um das Modell Elan vom US-amerikanischen Designer Douglas Ingram.

Bis in den Oktober hinein werkelte ich ab und an an dem unfertigen Rumpf herum und befreite ihn von aus den Nähten gequollenen Klebewülsten. Dafür verwendete ich ein scharfes Messer und Schnitzwerkzeug.


Anschließend fanden Spachtelarbeiten, Schleifarbeiten, der Einbau von Auftriebskammern (auch um das Laminieren der Bootsspitzen weniger aufwändig zu machen) und Laminierarbeiten mit Glasfaser und Epoxidharz statt. Und dann wurde geschliffen und nochmal gespachtelt. Wochenlang. Innen und außen.


Dazu beförderte ich das Boot immer wieder in den Vorgarten und staubte die gesamte Nachbarschaft mit Polyester-staub ein. Es roch nicht gerade gesundheitsförderlich und die Menge an Spachtelwülsten und -kratern, die es zu bewältigen galt ließen diesen Prozess endlos erscheinen. Zwischenzeitlich wurde der Rumpf immer wieder abgesaugt und mit einem feuchten Tuch ab- und ausgewischt.
Diese Arbeit erfolgte in Etappen und zog sich über mehrere Wochen. Gelegentlich mußten Fehler (es hatten sich Blasen entwickelt) ausgebessert werden. 

Schleifarbeiten, Spachtelmasse und später dann die Farbe kaschieren diese Unzulänglichkeiten. Mir ist klar geworden, dass das Laminieren großer konkaver Flächen nicht zu meinen Talenten gehört.

Schließlich waren die Arbeiten soweit abgeschlossen, dass ich - nach einem abschließenden Schliff mit 320er-Schleifpapier - zum Anstrich des äußeren Rumpfs übergehen konnte. Ich wählte "RAL 6021" (Lindgrün).

Zur Anwendung kam ein Zweikomponentenlack, der nach dem Anmischen im richtigen Verhältnis schnell verarbeitet werden musste. Es wurden zwei Schichten Lack außen und eine innen aufgerollt, aber ich merkte schnell, dass innen nicht die gleiche Farbe wie außen bleiben konnte.

Deshalb beschloss ich einen dunkelgrünen ("Tannengrün") Lack aus dem Baumarkt zu verwenden, der sich als höchst minderwertig erwies. Er hatte kaum Deckkraft und selbst nach der dritten Schicht zeichneten sich die Spuren der Lackrollen immer noch deutlich ab.

Ich fand mich damit ab, verzichtete auf Nahaufnahme und wand mich den Holz-Ausbauten zu. 

Von eunem frühren Bootsprojekt hatte ich noch recht filigrane Innensüllränder aus Esche mit eingeleimten Eichestäbchen, so dass durch die Zwischenräume Wasser ausgeleert werden kann. Damit wird gewissermaßen der Innensüllrand eines Wood/Canvas-Bootes simuliert. Dieser Innensüllrand wurde mit kleinen Schräubchen von außen her fixiert. Außen kamen ebenfalls dünne Eschenleisten zum Einsatz, die ich noch hatte, und selbst der Sitz stammt aus Beständen früherer Bootsausbauprojekte. Lediglich den Thwart mußte ich neu anfertigen und beschloss ihn ebenfalls in Esche/Eiche-Kombination auszuführen.


Die Abhängung des Sitzes erwies sich noch als knifflige Aufgabe, da der filigrane Süllrand wohl kaum in der Lage war, eine konventionelle Sitzabhängung aufzunehmen. Ich verwendete dünne Alubleche und hoffe, dass die beiden Schraublöcher nicht ausreißen. 

In die Hohlkörper der Auftriebskammern habe ich jeweils ein Loch gebohrt, das ich mit einem Korken versiegelt habe.

Im Zuge all dieser Arbeiten ist mir klar geworden, dass ich kein Durchhaltevermögen mehr habe, ungeduldig bin und dass meine handwerklichen Fähigkeiten nicht mit meinen Ansprüchen mithalten können. Hinzu kommt ein eingeschränktes Sehvermögen, das feine Arbeiten zunehmend verunmöglicht. Ich werde so ein Projekt nicht nochmal angehen.


Heute morgen nun habe ich das Boot zum Bootshaus befördert. Eine Horde Angler, die den Anleger mit Zelten, Liegen und Unmengen Angelleinen, die kreuz und quer über den Fluss verspannt sind, belagert haben, vereitelten eine erste Probefahrt. Ich machte ein paar Aufnahmen bei Tageslicht und verstaute das Boot im Bootsregal. Im Wohnzimmer hängt vorläufig erstmal nur noch ein Boot an der Decke.

Donnerstag, 31. Juli 2025

Juli-Rückblick

Die zweite Julihälfte war in diesem Jahr höchst unbefriedigend. Ich habe fast den Eindruck, dass der Herbst frühzeitig eingekehrt ist. Dennoch habe ich allerhand Touren unternommen. 

Insbesondere mit meinen frühmorgendlichen "Nacht-fahrten" habe ich es in diesem Monat fast etwas übertrieben. 
Wenn ich meine Bilder auswerte komme ich auf 10 Fahrten, die im Dunkeln starteten und nach Sonnenaufgang endeten. Das hat auch mit der Arbeit im Homeoffice zu tun, die ich "erst" um kurz nach Sechs aufnehmen kann. Da ich an diesen eher langen Tagen deutlich früher wach werde bleibt mir genug Zeit mich vor der Arbeit auf dem Wasser zu tummeln und auf dem Rückweg Frühstücksbrötchen einzukaufen. Die gibt es dann während einer ersten Arbeitspause.


Ich habe weiter an dem halb fertig gekauften Freestyle-Boot gearbeitet und nähere mich inzwischen einem Anstrich nachdem ich viel laminiert, gespachtelt, geschliffen, ...

...wieder gespachtelt und nochmal geschliffen habe. Das ist gleichzeitig eine etwas eintönige, staubige, ermüdende aber - nach Abschluss - auch höchst befriedigende Tätigkeit. 

Ich bin sehr gespannt, ob ich am Ende mit diesem Modell überhaupt glücklich werde. So ein drehfreudiges kurzes Boot entspricht eigentlich gar nicht den Paddelunternehmungen, auf die ich mich in letzter Zeit konzentriere.

In der kommenden Woche mache ich noch einmal einige Tage Urlaub. Vorläufig plane ich an die Mecklenburger Seenplatte zu fahren. Ich bin noch unentschlossen, welches Boot ich mitnehmen will. Wahrschein-lich kommt der gute alte Sojourn mal wieder zu Ehren.

Ich hoffe sehr, dass der Sommer sich in der Zeit noch einmal blicken lässt und dass die Touristenscharen, zu denen ich mich auf der Seenplatte geselle, sich ein wenig verteilen. Auf die touristische Infrastruktur bin ich ja angewiesen und nehme sie gerne in Anspruch. Auf die Scharen von Menschen, auf die diese Einrichtungen ausgerichtet sind, will ich hingegen gerne verzichten. Wir müssen alle mit unseren Widersprüchen zurande kommen...

Dienstag, 17. Juni 2025

In "Gute Hände"


Albert gibt mir das Gefühl, den Independence in gute Hände abgegeben zu haben. Nicht dass es den Verkäufer etwas anginge, was der Kunde mit dem Produkt macht, aber die Beziehung zu einem Boot ist doch eine andere als zu irgendeinem Konsum-produkt.
Er musst Süllränder und Deckplates des Bootes entfernen um sie etwas aufzuarbeiten und etwas gegen den Wurmfraß zu unternehmen, den er - nicht ich - entdeckt hat. Bei der Demontage stellte sich heraus, dass die Biester gefräßiger waren als ich vermutet hatte.

Auch stellte sich heraus, dass die Handwerker:innen bei MadRiver weniger akurat gearbeitet haben als man sich das wünschen würde. Der Schaum in den Auftriebskörpern ist geradezu ranzig und die Trefferquote bei den Süllrandschrauben lässt sehr zu wünschen übrig.



Zwischenzeitlich bot das Boot einen recht ernüchternden Eindruck. Ohne Süllränder ist es doch nur eine ziemlich abgenutzte Bootsschale und die Süllränder selbst sind mit den auffälligen Wurmkanälen kein erheiternder Anblick. 

Der Umstand, dass mir dieser Wurmbefall überhaupt nicht aufgefallen ist, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass ich das Boot nicht noch länger behalten hätte sollen.

Albert hat sich das Boot jetzt nicht nur durch den Kauf sondern auch die viele Arbeit, die er hineingesteckt hat, "angeeignet". So soll das sein!

Freitag, 18. Oktober 2024

Blutige Angelegenheit

Opfer werden gebracht nun, da ich mein Winterprojekt angehe: Gegenwärtig schneide ich die Klebstoffwülste, die zwischen den PVC-Leisten hervorquellen, weg. Dabei kommt es zum einen oder anderen Missgeschick.

Missgeschicke sind zum Beispiel Schnitte in die PVC-Leisten. Die kann ich zu einem späteren Zeitpunkt mit Spachtelmasse verfüllen. Schnitte in meine Finger sind da schon kniffliger: ich verwende Pflaster und passe besser auf. 


Es ist hoch befriedigend lange Streifen dieses inzwischen verhärteten Klebstoffs abzuschneiden. Nicht selten jedoch gleitet das Messer nach kurzem Schnitt ab und ich muss mich in sehr kleinen Schritten vorarbeiten. Aber ich habe ja Zeit. 

Wenn ich mit der Messerarbeit fertig bin schleife ich an einem milden Tag draußen vor dem Haus den Innenrumpf. Dann wird gespachtelt, erneut geschliffen und dann kommt eine Lage Glasfaser hinein.

Außen muss ich den schon mit Glas belegten und verspachtelten Rumpf ebenfalls noch einmal schleifen (ggf. nochmal spachteln und nachschleifen). Dann kann das Boot lackiert werden und Süllränder und Innenausbauten bekommen.

Donnerstag, 8. August 2024

Skid Plates


Andreas' Boot, ein Mohawk Nova 16 (in Deutschland "Indian Canoe") ist fast 30 Jahre alt und hat schon einiges mitgemacht. Die Bootsenden und auch die äußerste Rumpfschicht ist schon ziemlich verschlissen, aber im Wesentlichen ist das Sandwichmaterial des Royalex-Bootes noch fest und robust. Es war an der Zeit Skid Plates anzubringen weil an einer Stelle bereits der Schaumkern zum Vorschein gekommen war.
Wir haben - weil Regen angekündigt war - das Boot ins Wohnzimmer gewuchtet und die Reparaturstellen mit Filzstift umrandet. Alles innerhalb dieser Umrandung wurde rücksichtslos grob geschliffen. Dann wurde mit etwas Abstand alles abgeklebt und Harz angemischt. Davon wurde eine erste Schicht aufgebracht. Dann wurden die Aramidfleece-Streifen aufgebracht und satt mit weiterem Harz getränkt. 
Schließlich haben wir die Filzstreifen mit Frischhaltefolie bedeckt und an den Rumpf anmodeliert. Dadurch wird überschüssiges Harz heraus gequetscht und das Filzmaterial bekommt eine glatte Oberfläche. Während das Harz aushärtet massiere ich die Ränder (insbesondere im Heck) dicht an den Rumpf damit da keine Stufen entstehen, an denen das Boot hängen blieben kann. Es gilt den Moment abzupassen, in dem das Harz geliert.

Schließlich haben wir das Boot dann wieder ins Bootshaus gebracht wo das Harz endgültig aushärten wird. Volle weitere 30 Jahre gebe ich dem Boot nicht, aber es wird jetzt doch deutlich länger halten als das ohne die Reparatur.

Mittwoch, 17. Juli 2024

Erste Testfahrt

Es ist nicht so, dass ich - was das Paddeln angeht - untätig war. Jedenfalls nicht bis einschließlich letzte Woche Montag. Ich war häufig auf dem Neckar unterwegs, bin vornehmlich in den frühen Morgenstunden gepaddelt, wenn ich allein auf dem Fluss war, aber auch mal an einem Sonntagnachmittag (s.o.) an dem alle denkbaren und auch weniger plausiblen Schwimmkörper auf und im Wasser unterwegs waren.
Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich zunehmend zum Eigenbrötler werde und die morgendlich einsamen Paddelunternehmungen die sind, die mich in größtem Maße mit Befriedigung erfüllen. Die Bilderausbeute bei diesen Fahrten ist auch besonders ergiebig. Das Licht ist einfach überwältigend - insbesondere wenn es allmählich über den Horizont zieht und die Dunkelheit überwindet.

Gelegentliche Kuriositäten - Resultate der häufig alkoholbedingten Exzesse Heranwachsender oder der gerade herangewachsenen studentischen Bevölkerung - würzen meine frühmorgendliche Erlebniswelt und ich halte fotographisch fest, was mir auffällt und erinnernswert erscheint. Und ich habe wenig sportlichen Ehrgeiz. Ganz oft lasse ich mich auf einer Uferbank nieder und beobachte die erwachende Stadt.
An meinem "Winterprojekt" haben erste Arbeiten begonnen weil mir aufgegangen ist, dass ich wahrscheinlich viel schleifen muss, was ich auf keinen Fall in der Wohnung machen will. Das reduziert die in Frage kommenden Wintertage möglicherweise stark - je nach Witterung. Deshalb habe ich das Boot zeitweilig von der Decke genommen und auf Böcke gelegt und habe mich mit der Innenseite beschäftigt, in der es allerhand zu tun gibt.
Zwischen den PVC-Streifen quillt relativ elastischer Klebstoff hervor, den ich zunächst mit einer Raspel entfernen wollte, was sich aber nicht bewährt hat. Ich habe dann ein schweres Messer verwendet und angefangen die überstehenden Klebereste sauber abzuschneiden. Das ist etwas zeitaufwändig und anstrengend, aber das Ergebnis ist eine fast glatte Fläche, die ich schließlich nur noch mittelfein schleifen und dann überlaminieren kann.

Und dann hat mich ein Hexenschuss ereilt wie ich ihn noch nie erlebt habe. Seit vorvergangenen Dienstag hat sich meine gut trainierte Rückenmuskulatur massiv verkrampft - in den folgenden Tagen war ich fast bewegungsunfähig, habe mehrfach in Erwägung gezogen nächtens den Notarzt zu alarmieren, wurde beim Orthopäden durchleuchtet und brachte in Erfahrung, dass mein Rückrat verbogen ist ("Skoliose"). Nun überlege ich, ob das dauernde Linkspaddeln für die Verformung verantwortlich ist und ob die vorbildliche Paddeltechnik ("aus dem Rücken heraus/Körperrotation") zu viel zu leistungsfähigen Rückenmuskeln geführt hat, deren Verkrampfung um so wirksamer und nachhaltiger ist als die normal ausgeprägter Muskeln.

Es geht mir inzwischen besser. Die Schmerzen sind erträglich und ich setze langsam all die Schmerzmittel ab, von denen ich mich in der letzten Woche förmlich ernährt habe. Heute habe ich erstmalig wieder das Boot aufs Wasser gesetzt und bin ein wenig flussauf gepaddelt.