Samstag, 23. Mai 2020

Nachtruhe und Drama


Ganz früh am Morgen bin ich mit dem Auto zum Bootshaus gefahren um das neue alte PE-Kanu aufzuladen. Für heute ist Regen angekündigt und ich will es ins Wohnzimmer legen um baldmöglichst den Süllrand abzumontieren. Spontan unternahm ich eine kleine Paddeltour.


Tatsächlich setzte der Regen ein als ich gerade auf Höhe der Tübinger Neckarfront war. Ich paddelte unter die Neckarbrücke, betrachtete versonnen den friedlich schlummernden Touristen-Hotspot und beobachtete das todbringende Wirken eines Reihers am Ufer, der jetzt seine Familie mit einer fetten Maus füttern kann, die künftig für die Versorgung der Mäusefamilie ausfällt.


Als der Regen nachließ paddelte ich wieder auf dem glatten ungetrübten Wasser flussauf. Dabei begleitete mich ein Entenpaar, dass immer wieder aufflog um sich 50 Meter weiter wieder auf dem Wasser niederzulassen. Alle 2 Minuten wiederholten sie dieses Manöver.


Als ich schließlich am Bootshaus ankam setzte der Regen wieder ein. Ich verstaute das Boot in seinem Regalfach und machte mich mit den jetzt nassen PE-Boot auf den Heimweg. In einer Regenpause nach dem Frühstück werde ich es reinholen und nachher jede Menge Nieten aufbohren.

Freitag, 22. Mai 2020

Bastelvormittag

Inzwischen ist die neue Oberfräse eingetroffen und ich habe meinen Sitzrahmen abgerundet und geschliffen ("gründlich" da, wo keine Gurte verlaufen, etwas weniger sorgfältig unter den Gurten). Dann habe ich das Holz mit Leinöl eingelassen.


Schließlich habe ich alles gründlich abgewischt und angefangen mit den Gurten, die ich in meiner Werkstatt finden konnte eine Bespannung vorzunehmen. Da ich meinen elektrischen Nagler nicht finden konnte habe ich zum Hammer gegriffen und jede Menge kleine leicht angerostete Nägel ins Holz getrieben.


Anschließend gings ans Bootshaus, wo der Sitz montiert wurde. Ich half Erdmann noch dabei den Rasen zu mähen und unternahm eine erste Probefahrt.
Erfreut stellte ich fest, dass nichts knackt oder knirscht. Meine Verleimungen scheinen meinem Gewicht stand zu halten.
Mein Blick fiel auf meinen Paddelschaft an dem sich ein Loch im Schrumpfschlauch entwickelt hat. Es ist an der Stelle entstanden, an der ich den Schaft bei jedem Paddelschlag an den Süllrand führe.
Dieses Hebeln hat den Schrumpfschlauch durch gewetzt. Mir fiel ein, dass im Bootshaus seit einigen Wochen ja 500 Meter Reepschnur auf der Werkbank herumstanden. Die schnappte ich mir und fing an den Paddelschaft an der defekten Stelle damit zu umwickeln.
Wieviel Meter der Schnur ich auf diese Weise verbraucht habe weiß ich jetzt nicht, aber die Rolle sieht immer noch prall gefüllt aus. Am Paddel macht sich die Schnur auch gut. Ich habe sie noch ein wenig mit dem Feuerzeug behandelt weil ich mir einbilde, dass sie dann glatter und fester und vielleicht auch widerstandsfähiger wird. Das muss sich aber erst noch zeigen. Ich bin ein wenig skeptisch. Aber so eine Reparatur ist ja jederzeit mit wenig Aufwand zu wiederholen.

Als nächstes steht nun die Erneuerung des Sülrands an dem PE-Canadier auf dem Programm. Jetzt, da der neue Sitz eingebaut ist, drängt sich diese Maßnahme geradezu auf. Der Sitz passt überhaupt nicht zu dem hässlichen kantigen Vinyl-Süllrand. Der muss weg!


NACHTRAG: beim Gehen ist mir gestern noch die alte zerschlissene Bell-Kniematte aufgefallen. Ich habe sie kurzerhand mitgenommen und das Deckgewebe, das sich über die gesamte schmale Seite gelöst hatte, mit Sprühkleber neu befestigt.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Morgendliche Ruhe


Ich bin natürlich trotz besseren Wissens Samstag ans Bootshaus gefahren und eine Runde gepaddelt. Es war allerhand los. Jede Menge Stocherkahnleute wuchteten ihre Kähne ins Wasser und auf der Suche nach einem Anleger verirrten sich einige sogar in den Neckarbereich oberhalb des Kraftwerks. Vielleicht wollten sie ja nach Rottenburg.

Dann lagen die Kähne an den Anlegern und durften nicht bewegt werden. Bis gestern. Als ich am Abend paddeln war begegneten mir allerhand glückliche Stocherkahnpiloten, die frohlocken, dass sie nun wieder über den Neckar staken können. Für mich hat das zur Konsequenz, dass ich meine Aktivitäten wieder auf die Randzeiten verlagere, an denen Ruhe herrscht.


Wie zum Beispiel heute morgen. An diesem Feiertag war kurz vor sechs Uhr außer einem etwas hormongesteuerten Schwan niemand auf dem Wasser. Die Luft war frisch aber mild, das Wasser glatt - es ging kein Wind - und die Stadt menschenleer. Auf die Gefahr hin damit wie eine Karikatur eines misanthropen Canadierpaddlers zu erscheinen: ich mag das so!


Sonntag, 17. Mai 2020

"Mitchell Open Boat"


Wie so oft war ich schon sehr früh auf den Beinen. Ich fuhr mit dem Auto zum Bootshaus weil ich ein "neues altes" Paddel ausprobieren wollte. Sah dann aber doch aufgrund der morgendlichen Kälte vom Paddeln ab und lud die gute alte Viper aufs Auto. Mit ihr auf dem Dach fuhr ich noch am Vormittag auf die Schwäbische Alb, wo ich mir das Fehlatal in seiner ganzen Länge (von Hettingen bis Burladingen) mit dem Rad ansah.

Nach der Fahrradtour fuhr ich nach Sulzau, wo ich wieder mal das Fahrrad im Gartenhäuschen deponierte und dann weiter nach Börstingen, wo ich das Boot ins Wasser setzte und erste Paddelschläge mit dem neuen alten Paddel unternahm.

Nun weiß ich nicht obs an der lange nicht mehr gepaddelten Viper lag oder ob die Leute bei Mitchell einfach nur vortreffliche Paddel produzieren, aber dieses Paddel fühlt sich großartig an! Es läuft Gefahr wie mein Mitchell "Touring Special" (in der Noatak-Variante von MadRiver), das mich seit nunmehr 10 Jahren (mit einjähriger UnterBRECHung) begleitet, das bevorzugte Paddel im leichten Wildwasser zu werden. Und eigentlich habe ich gar nicht mehr vor schweres Wildwasser zu paddeln.


Auf dem relativ kurzen Abschnitt fanden sich trotz (oder wegen) des niedrigen Pegels erstaunlich viele nette Kehrwässer. Die Renaturierung bei Börstingen hat doch allerhand Strömungsstellen erzeugt, die mit einem wendigen Boot bespielt werden können. Insbesondere an ein paar Stromzungen mit beidseitigen Kehrwässern habe ich mich ausgetobt - und natürlich am Naturwehr unterhalb der Weitenburg, an der der Neckar nochmal richtig lebhaft wird.

Dann zückte ich rechtzeitig das Handy um die verendete Plüschschlange, die unterhalb dieser Stelle im Ufergebüsch hängt zu erwischen. Ich habe diese Bestie bei meinen letzten beiden Fahrten dort schon gesehen, war aber nicht schnell genug mit dem Bildermachen. Anders als den Elefant vor acht Jahren und  vorletztes Jahr den Teddybär werde ich dieses Hochwasseropfer ausnahmsweise mal nicht retten. Ich bin gespannt, wie lange der "Kadaver" da hängt.

Samstag, 16. Mai 2020

Sitzgelegenheit

Anlässlich der Anpassungsarbeiten des Baby-Prospectors an meine Bedürfnisse habe ich endlich mal nach dem Fehler an der Hobelmaschine gesucht, die während unserer letzten Süllrandaktion im September den Geist aufgegeben hat. Der "Rippenriemen" ist gerissen.
Ersatz ist bestellt. Meine Hobelarbeiten konnte ich in Rudies Werkstatt ausführen. Mithilfe von Biegeformen habe ich Eschen- und Eicheholzleisten geformt und verleimt und heute morgen zu einem Rahmen zusammengefügt. Am Nachmittag wollte ich dann fräsen.


Allein die Fräse gab keinen Mucks von sich. Jetzt habe ich sie auch auseinander genommen: die Kohlen sind okay, am Schalter ist nichts zu erkennen, alle Kontakte scheinen da zu sein, wo sie hingehören. Ich fürchte dieses 27,-€-Qualitätsprodukt repariert niemand.

Wie es jetzt mit dem Sitz weiter geht muss ich noch entscheiden. Eine neue Fräse wird sicher angeschafft, aber ungeduldig wie ich bin setze ich wahrscheinlich den Schweifhobel und die Schleiftrommel an.

Wiederbelebung

Seit gestern dürfen die Tübinger Stocherkähne wieder zu Wasser gelassen werden (Zeitungsmeldung). Deshalb wird an diesem Wochenende die Hölle los sein am Bootshaus. Ich werde es besser meiden. Zum Ausgleich habe ich gestern noch eine Neckarinselrunde gedreht.


Am Anleger in der Hermann-Kurz-Straße habe ich ein Päuschen gemacht und mich auf die dort befindliche Bank gesetzt. Mit zunehmendem Alter lerne ich Parkbänke zu schätzen. Danach gings wieder flott flussauf zurück zum Bootshaus, wo ich das Boot zunächst auf Böcken abgelegt habe.


Ich muss mich nach einem komfortableren Lagerplatz umsehen. Es ist einfach zu umständlich das Boot immer aus zweiter Reihe über den anderen Canadiern heraus zu wuchten. Eigentlich ist es ja widersinnig, in Zusammenhang mit sportlicher Betätigung Komfort-Lösungen zu suchen. Aber auch bei Sportgeräten sehen wir uns ja gerne nach den leichtesten und am besten handhabbaren um. Spaß am Training begünstigt dessen Stattfinden.

Dienstag, 12. Mai 2020

Praxistest


Die Fahrt vom 28. März habe ich heute mit dem Baby-Prospector wiederholt um herauszukriegen, ob das Boot für meine Zwecke tauglich ist. Insbesondere die Kürze des Bootes hat mir Sorgen gemacht. Kann man mit einem 13'-Canadier Strecke machen?

Kurz gesagt: man kann! Allerdings nur wenn das Boot - so wie dieses auf eine lange Kiellinie hin konstruiert ist. Der Bootsboden ist fast über die ganze Länge schnurgerade. "Kielsprung" hat es quasi keinen. Nur wenn man es aufkantet ist es bereit Kurven zu fahren.

Als ich versuchsweise zuhause die Ducht und den Sitz herausgeschraubt und mit um sechs Zentimeter verkürzten Hilfsstreben ersetzt habe, hat sich ein negativer Kielsprung entwickelt. Den will man nicht haben. Längere Duchten aber auch nicht.

Ich werde mich also mit den aktuellen Proportionen arrangieren. Das fällt mir grundsätzlich leicht. Lediglich der lausig unbequeme Sitz muss verändert werden. Er schneidet insbesondere beim Aufkanten des Bootes ein und macht längere Paddelpassagen zur Qual.


"Glücklicherweise" gab es auf meiner Fahrt ja vier Umtragungen. Und es gab ein paar turbulentere Abschnitte, in denen höhere Wellen entstanden. Die ganz hohen habe ich gemieden. In den moderaten hat sich der Baby-Prospector als recht "trocken" erwiesen.

Es ist kaum Wasser ins Boot gespritzt. Ich habe es nach gut zwei Stunden Paddelei am Golfplatz in Sulzau angekettet und bin mit dem Fahrrad die knapp 15 Kilometer zurück nach Horb gestrampelt, wo ich mich mit Kaffee und Kuchen versorgt habe.

Sonntag, 10. Mai 2020

"Baby-Prospector"

Nachdem ich zuletzt meine kleine Flotte durch den Verkauf des MadRiver Independence (nicht meinen roten sondern den blauen), davor des Revelation und da davor des Sundance, des Explorer TT des Howler und des M.E. verringert habe war es mal wieder Zeit ein Boot anzuschaffen.

Sehr spontan fiel meine Wahl auf einen Baby-Prospector der Firma Hou Canoes aus Großbritannien. Dieses Boot ist eng verwandt mit dem Venture Ottowa, mit dem wir eigentlich schlechte Erfahrungen gemacht haben, aber die Rezensionen (siehe auch diese) beschreiben diverse Modifikationen, die der Hou-Version mehr Prospector-Gene zusprechen als ihrem Vorgänger. Es handelt sich um ein Boot aus dreilagigem PE - das ist robuste Verleiherqualität. Im Handel kostet das Boot neu um die 1000,-€, ich habe es gewissermaßen neuwertig für einen Bruchteil dieses Preises bekommen.

Gefunden habe ich es in einer schlaflosen Phase heute Nacht gegen 3:00 Uhr (an Wochenenden durchforste ich um diese Zeit gerne das Netz weil ich weiß, dass ich am Morgen ausschlafen kann - und an Tagen wie heute, an denen es regnet, auch will). Abgeholt habe ich das Boot heute Mittag und Probegepaddelt - nachdem ich noch schnell zuhause im Wohnzimmer den Sitz schräg gestellt habe - am Nachmittag.


Ich bin neckaraufwärts zum Kraftwerkkanal gefahren um auszuprobieren wie gut sich das Boot manövrieren lässt, wie es auf Strömung anspricht, wie es sich beschleunigen und geradeaus fahren lässt. Ich finde, dass es all diese Grundanforderungen befriedigend erfüllt.


In der Tat erscheint dieser Baby-Prospector wie eine geschrumpfte Version des Originals. Sogar die Steven sind "authentisch" ausgeformt. Was mich an dem Boot stört ist der scheußliche Vinylrand. Es handelt sich um das gleiche Profil, das ich an einem Pyranha-Prelude schon mal kaputt gekriegt habe (Reparatur). Ich mache mir Gedanken zum Austausch dieses Plastikrands. Wenn die Reisebeschränkungen aufrecht erhalten werden und Urlaub dieses Jahr ausfällt, wäre es ein nettes Sommerprojekt einen Eschensüllrand anzubauen, wie Matthias das dereinst an seinem WeNoNah-Prospector gemacht hat.. Und vielleicht verliert es dadurch auch ein Kilo Gewicht. Mit ca. 23 Kilogramm ist dieses kurze Soloboot eher schwer.

Sonntag, 3. Mai 2020

Lauchert mit dem Rad


Paddeln auf der Lauchert ist noch bis Mitte Juli untersagt und oberhalb von Hettingen darf sie das ganze Jahr nicht befahren werden. Für Fahrradfahrerinnen und -fahrer gelten diese Regeln nicht. Heute habe ich mittels Fahrrad die Abschnitte besichtigt, die uns sonst immer entgehen.

Ich verstehe nicht ganz warum wir mit unseren Paddeltouren immer erst in Vehringendorf beginnen. Der Abschnitt weiter oben (bis nach Hettingen) hat durchaus auch seine Reize (wenn auch allerhand Wehre, die umtragen werden müssen).


Auf meiner Fahrt flussauf bin ich ins Tal der Fehla abgebogen, die schnell so schmal wird, dass an Paddeln überhaupt nicht zu denken ist. Das Tal selbst ist außerordentlich schön. Keine Straße führt hindurch und große Teile der Talsenke sind völlig naturbelassen.


Anschließend bin ich kurz vor Neufra den Berg hinauf gekeucht um erneut ins Laucherttal hinab zu sausen. Bis hinauf zum Lauchertsee bin ich gekommen, wo der neue moderne Kiosk seinen Ausschank geöffnet hatte. Es gab Käsekuchen und Kaffee.


Dann musste ich die gut 30 Kilometer wieder abwärts fahren. Ich sah mir im Büttelschießer Täle noch den alten Mühlkanal an, in dem garstige Bäume quer liegen. Auch in dem Abschnitt vor dem Tal sind zahlreiche neue Baumhindernisse dazu gekommen.

Trotzdem freue ich mich schon auf unsere nächste Fahrt auf der Lauchert. Vielleicht paddeln wir sie - wie 2018 - wieder an einem sonnigen Tag im Sommer, oder ich paddele sie - wie 2018 früh am Morgen bergauf soweit ich komme.