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Freitag, 31. Juli 2026

Juliende

 
Die frühmorgendlichen Fahrten in der zweiten Julihälfte sind von einem gewissen Zeitdruck geprägt. Es wird später hell und ich will nicht in absoluter Dunkelheit paddeln sondern den Sonnenaufgang erleben. Bevorzugt mit einem Himmel, an dem sich die eine oder andere kleine Wolke tummelt.

Wenn der Himmel so glatt und ununterbrochen wie die Wasseroberfläche ist resultieren daraus eher langweilige Bilder, die allenfalls aus ihrem Farbverlauf und dem fast unwirklichen Rosa Reiz gewinnen.
Die eine dazwischen gerückte Tagesfahrt bei lockerer Bewölkung und diese unglückliche Triatlon-Veranstaltung unterbrachen meine Nachtfahrten, die auch in dieser Monatshälfte den Großteil meiner paddlerischen Umtriebe geprägt haben.

In diesen 16 Tagen kam es zu 10 Paddelunternehmungen. Das ist ein akzeptabler Schnitt mit dem ich mich abfinden kann. In Herbst und Winter wird dieser Schnitt wohl nicht zu halten sein. Aber da werde ich auch wieder vermehrt am Tag unterwegs sein.

Vorläufig kultiviere ich Nachtaktivität auf Kosten durchgängigen Wachseins am Tage: Irgendwann - oft schon im Verlauf des Vormittags - übermannt mich die Müdigkeit. Solange ich nicht an meiner Arbeitsstätte bin kann ich dann einfach ein Nickerchen machen.

Das ist altersangemessen und sollte eigentlich auch bei der Arbeit möglich sein. Danach bin ich nämlich wieder fit und erfrischt und voller Tatendrang, der - wenn ich keine Möglichkeit zum Powernapping hatte - doch mehr zu wünschen übrig lässt als mir lieb ist.

Weiterhin ist es so, dass auf diesen moergendlichen Fahrten nichts passiert und das ist auch gut so. Es entstehen die immer gleichen nett anzuschauenden Bilder und ich kann mir auf dem Rückweg Frühstücksbrötchen holen, was ich gelegentlich auch tue.


Die nach folgende Collage stammt vom heutigen Morgen, an dem ich aufgrund der Wärme im T-Shirt paddeln konnte...


...und das letzte Bild vom 22., an dem es morgens mal etwas kälter war.

Sonntag, 19. Juli 2026

Faszination Triatlon

Eine Allgemeinverfügung der Stadt Tübingen hat die Befahrung des Neckars an diesem Sonntag zwischen Hölderlinturm und Stauwehr am 19. Juli 2026 in der Zeit zwischen 8 und 16.30 Uhr untersagt. Das habe ich jetzt nach längerer Recherche in Erfahrung gebracht. Die örtliche Presse (Reutlinger Generalanzeiger / Südwestpresse) hat sich auf die Sperrungen der Straßen konzentriert, von denen ich auch betroffen war als ich mein Boot von der Steinlachspitze zurück zum Abschnitt oberhalb des Hölderlinturms tragen musste. Aber von Anfang an: 

Ich habe meine frühmorgendliche Paddelrunde auf den späteren Vormittag verlagert weil frühmorgens ein Gewitter wütete. Am Hölderlinturm angekommen nahm ich wahr, das dort ein Wettschwimmen stattfand . 

Ich wendete also, umfuhr also die Neckarinsel und paddelte den rechten Neckararm hinab. Ich erreichte ungehindert die Steinlachspitze, wo mich die Besatzung eines DLRG-Bootes auf die Sperrung aufmerksam machte.

Ich bot an unmittelbar (vor Beginn des nächsten Rennlaufs) dicht am Rand zurück zu paddeln, wurde aber angewiesen zunächst anzulegen und den Lauf abzuwarten. Also wartet ich auf den Beginn (in der Zeit wäre ich dreimal wieder zurück gekommen) und Verlauf des Wettschwimmens ab. Als nach ca. einer Stunde keine Schwimmer mehr auf dieser Neckarseite waren wollte ich mich am Rand wieder flussauf bewegen. Das wurde dann doch untersagt:

Ich solle bis 16:30 Uhr warten. Also trug ich das Boot durch das Stadtgewimmel und über eine provisorische Brücke entlang der Absperrungen) und setzte es weit oberhalb beim einer Sporthalle zwischen den Gymnasien wieder ein. 

Am Bootsanleger wartet ich auf das Ende des dort gerade stattfindenden Gottesdienstes und am Bootshaus schlängelte ich mich durch die Aufräumarbeiten eines Fests vom Vorabend. Auf diese Weise fand mein persönlicher Triatlon (Paddeln / Boottragen / Interaktion) für heute sein Ende.

Die Paddelfreunde wurden offenbar - anders als der Stocherkahnverein - nicht über die Neckarsperrung informiert. Der kompromißlose Einsatzleiter hat "nur" seinen Job gemacht. Mich plagen jetzt Rückenschmerzen und ich frage mich ob ich künftig vor jeder Paddeltour erst einmal alle in Frage kommenden Quellen studieren muss um in Erfahrung zu bringen, ob ich überhaupt aufs Wasser darf.
Gleichzeitig setzt sich bei mir die Erkenntnis durch, dass ich vermutlich selbst dann immer noch irgendetwas verbotenes mache. 

Mittwoch, 15. Juli 2026

Monatsmitte Juli

Die morgendliche Paddeltour wurde heute von einem einsetzenden Gewitter vereitelt. Weil intensives Wetterleuchten meine Fahrt zum Bootshaus begleitet hatte kehrte ich - dort angekommen - gleich wieder um. Und tatsächlich: lang ersehnter Regen setzte ein. Die letzten Tage war es trocken und heiß. Nicht einmal frühmorgens gegen halb Fünf war es wirklich erfrischend. Ich zog dennoch meine Runden, machte ein Päuschen auf der Bank am Stocherkahnanleger in der Hermann-Kurz-Straße und plauderte zweimal mit einer jungen Frau, die morgens um halb Sechs ihren Hund am Anleger baden läßt. 
An einem Morgen schreckte ich Übernachtungsgäste am Anleger auf. Sie hatten dort ihr Floß vertaut und schliefen darauf. Ich bedauere...
Weitere Ereignisse sind nicht zu verzeichnen. Und das ist ja auch Sinn der Sache. Diese morgendlichen Fahrten zeichnen sich durch Ruhe und Entspannung aus. Dabei steht mir gar keine Tageshektik bevor weil ich gegenwärtig Urlaub habe. Ich kann leider nicht wegfahren weil das Auto in der Werkstatt ist, aber ich kann Radtouren unternehmen, die Tageshitze in der Wohnung aussitzen und es mir gutgehen lassen. Das mache ich!
Neuerdings begleitet mich ein "Fitness-Tracker", der die morgendlichen Umtriebe recht anschaulich aufzeichnet: der Puls steigt während der kurzen Fahrradfahrt zum Bootshaus, sinkt dann kurzzeitig wieder ab, wenn ich dort das Boot hole. Dann kommt die "Belastung" beim Paddeln, die Pause auf der Bank am Stocherkahnanleger und dann wieder Paddeln, Bootverstauen und nach Hause radeln.

Montag, 29. Juni 2026

Hitze und ihre Begleiterscheinungen


Die Hitzewelle hat zur Folge, dass sich sportlich Aktivitäten auf die Nachtstunden verlagern. Bei mir sind es die frühen Morgenstunden. Ich war in der zweiten Junihälfte ausschließlich auf Nachtfahrten unterwegs und bin jeweils zwischen 4:00 und 4:30Uhr aufs Wasser gegangen, zu einer Zeit, in der die Fahrten gewöhnlich ruhig und ereignislos sind.

Aber ich bin nicht der einzige, dessen Aktvitäten sichauf die Nachtstunden verlagert. Gewöhnlich lande ich ja am Stocherkahnanleger an der Hermann-Kurz-Straße an um mich dort auf dem Bänkchen meinen Betrachtungen hinzugeben. Der Anleger war Sonntagnacht von einem Pärchen, das mit Oralsex beschäftigt war, belegt. 


Ich zog mich diskret auf die andere Flussseite zurück und wurde zum unfreiwilligen Voyeur. Als ich später zurück zum Bootsanleger kam badeten dort gegen 5:30 Uhr eine Gruppe junger Menschen. Ich paddelte zunächst diskret an den Nacktbadenden vorbei, mußte dann aber doch stören weil ich ja wieder zum Bootshaus mußte.


Die übrigen acht Fahrten verliefen erwartungsgemäß ruhig und ereignislos. Abgesehen von der Begegnung mit ausgerissenem Blumenschmuck der Neckarbrücke, der auf der Flussfläche vor dem Stadtwehr dümpelt, oder überfüllten Müllbehältnissen von abendlichen Stocherkahnfahrten angeheiterter junger Menschen.

Die Bilder in diesem Beitrag sind in umgekehrter Reihenfolge eingefügt. Das Blog-Programm degeneriert zunehmend. Anscheinend wird es nicht mehr gepflegt und die Tage der Logbucheinträge sind gezählt. Wer heute etwas auf sich hält fertigt Vlogs an. Das werde ich nicht tun. Wenn das Blog-programm ganz kollabiert stelle ich die Berichterstattung ein.

Montag, 15. Juni 2026

Zwischenbilanz Juni

Abgesehen von den zusammenhängenden fünf Nachtfahrten von denen ich an anderer Stelle schon berichtet habe, war ich weitere sieben Mal auf dem Wasser. Davon waren drei Fahrten weitere Nachtfahrten. An zwei Tagen fanden jeweils zwei Fahrten statt. Ich war richtig aktiv in dieser ersten Monatshälfte.

Meine Paddelmotivation speist sich in erster Linie aus dem guten milden Wetter (obwohl ich an einem Morgen bei leichtem Nieselregen gestartet bin und die Temperaturen nicht immer im zweistelligen Bereich waren).

Dann spielen da natürlich aber auch die Ereignisse rund um das Stocherkahnrennen und meine nächtliche Bergeaktion der sabotierten Kähne hinein, die deutlich machen, dass auch früh morgens auf dem sonst so ruhigen Fluss etwas erlebt werden kann. So auch am Sonntag: Da dümpelten plötzlich jede Menge Blumen auf dem Wasser unterhalb der Tübinger Neckarbrücke. Irgendwelche alkoholisierte Vandalen fanden es erheiternd die Blumen aus den Blumenkästen zu reißen und sie ins Wasser zu werfen. Aber in der Regel sind diese nächtlichen Fahrten wirklich ruhig und entspannend.


Die bei Tageslicht auch (wenn auch auf eine andere Weise).

Sonntag, 7. Juni 2026

Fünf Nachtfahrten

Seit ich aus dem Urlaub zurück bin, in dem ich aus verschiedenen Gründen morgens etwas untätig die Zeit totgeschlagen habe, kultiviere ich wieder meine unausstehliche Frühaufsteherei und gehe morgens - bevor ich irgendetwas anderes tue - paddeln. Begonnen habe ich damit an meinem Homeoffice-Tag Mittwoch (siehe die Bilder oben).

Ich habe ja schon an anderer Stelle beschrieben was dann am Donnerstag - Fronleichnahm und damit Feiertag und Tag des Tübinger Stocherkahnrennens - die beschauliche Ruhe dieser Paddeltouren unterbrochen hat.
Um all die Aufregung zu bewältigen habe ich dann am Freitag - vor dem Homeoffice - erneut so eine Fahrt unternommen. 

Dann nochmal am Samstag und Sonntag auch wieder. So haben sich fünf zusammenhängende Frühfahrten angesammelt, die an und für sich kein bißchen bedeutsam sind, mir aber ein gehöriges Maß innerer Befriedigung verschafft haben. Es sind die kleinen Dinge, die alternden peniblen Männern Genugtuung verschaffen. Beim Thema "Penibel" kann ich noch anfügen, dass ich bei jeder Fahrt exakt die gleichen Vorher-/Nachher-Bilder gemacht habe.



Das letzte Bild mach deutlich, dass der Neckarpegel sich während dieser Fahrten bewegt. Es war bei der Rückkehr an einem Tag nicht möglich das Boot auf die drei Steine, die dem Anleger vorgelagert sind, abzulegen weil diese in der Zwischenzeit überspült waren. Das stört mein Symmetriebedürfnis ganz erheblich.


Donnerstag, 4. Juni 2026

Stocherkahnrennen 2026

Kurz vor Eins war ich wieder am Bootshaus und paddelte hinunter zur Altstadt. Da war erheblich mehr los als am frühen Morgen. Die Kostüme und geschmückten Kähne wurden begutachtet (um später von der "unfehlbaren" Jury prämiert zu werden).


Verschiedene Gruppen nutzten diese von Burschenschaftstraditionen geprägte Veranstaltung um auf Minderheitenrechte und fairen Umgang hin zu weisen, aber es gab auch höchst unpolitische Themenkostüme.


Mir war beim Hinabpaddeln die Mannschaft in Kahn 54 begegnet, den ich heute Morgen noch halb versenkt an der Jugendherberge gesichert hatte. Sie berichteten, dass jemand sogar zwei Löcher in den Kahn gebohrt hatte. Auch ein Beitrag zum Thema "fairer Umgang miteinander" und zu alles andere als fairen Burschenschaftstraditionen.

Dann bewegten sich die Kähne langsam zur Startlinie an der Fußgänger:innenbrücke beim Freibad. Ich paddelte auch hinauf und platzierte mich an der Spitze der Neckarinsel, am "Bügeleisen".

Kurz nach dem Startschuß rauschte auch schon der erste Kahn mit viel Abstand vor allen anderen an mir vorbei. Ich paddelte jetzt auch gemütlich flussab und ließ mich von nachfolgenden Kähnen überholen.

Die ersten Kähne kommen in der Regel unschwer durchs Nadelöhr. So auch die ersten beiden. Dem zweiten gelang es den vorauseilenden ersten Kahn anschließend zu überholen. 

Ich sah mir das Gerangel am Nadelöhr nicht an sondern paddelte - wie zuletzt vor drei Jahren - mit den ersten Kähnen, die jetzt erheblich langsamer gegen die Strömung ankämpften - zur Ziellinie. Sie (und ich) wurden von allen Seiten lautstark angefeuert.

Mein besonderes Interesse galt ja den beiden Kähnen (13 und 54), die ich noch am Morgen geborgen und vor dem (eher unwahrscheinlichen) "Zerschellen" am Stadtwehr gerettet hatte. 
Sie errangen passable Plätze im vorderen Mittelfeld, müssen also erfreulicherweise weder Bier noch Lebertran zu sich nehmen (wenn sie sich keinen Regelverstoß zuschulden kommen ließen).

Dann fand ich, dass das Stocherkahnrennen genug von diesem Tag eingenommen hatte, verzichtete auf die Siegerehrung und paddelte zurück zum Bootshaus. Auf dem Heimweg gönnte ich mir noch ein Stück Apfelkuchen, er inzwischen auch schon verzehrt ist.

Nächtliche Bergeaktion

Auf meiner morgendlichen Paddelrunde suche ich Ruhe und Beschaulichkeit, die sich mit Fortschreiten des Tages in der Stadt und auf dem Fluss schnell verflüchtigt. Heute kam sie schon während des Paddelns abhanden. Zunächst lief alles so ab, wie üblich. Ich setzte das Boot am Bootshausanleger ein und dokumentierte das vor dem Hintergrund dramatischer Wolken, die während des Paddelns erfreulicherweise weiter zogen. Gegen 4:50 Uhr war ich vor der Altstadtfront und schoss ein weiteres Beweisfoto meines nächtlichen Treibens.

Beim Vorbeipaddeln am Stocherkahnanleger vor dem Hölderlinturm fiel mir ein Mann auf, der da entlang schlenderte. Gewöhnlich halten sich dort nur in wirklich lauen Sommernächten (meist alkoholisierte) Personen auf. Ich dachte mir nichts weiteres dabei.  
Als ich am Stocherkahnanleger vor der Jugendherberge vorbei paddelte fiel mir ein mit viel Wasser gefüllter Kahn auf, der ganz obern vor den anderen Kähnen mit ungewöhnlich großem Abstand vom Ufer lag. Ich war etwas verwundert. Alle anderen Kähne lagen nicht so tief im Wasser. Wieder dachte ich mir nicht viel dabei.


Schließlich - auf der Bank beim Anleger in der Hermann-Kurz-Straße
herumlungernd (da mache ich gewöhnlich eine kleine Pause) - sah ich vor dem Anleger gegenüber einen ähnlich tief im Wasser liegenden Kahn langsam Richtung Stadtwehr treiben. Ich löste also etwas hektisch meine Bootsleine, paddelte hinüber, nahm den Kahn in Schlepp und paddelte zum Ufer, wo ich ihn an einer Wurzel festband.

Kahn 13 war gesichert, mein noch im Dämmerzustand befindliches Gehirn begann allmählich zu arbeiten und ich wand mich Kahn 54 zu, der mir ja schon vorher an der Jugendherberge aufgefallen war. Bei ihm war - wie ich feststellte - das Drahtseil durchtrennt. Er verfügte über keine Leine, so dass ich ihn notdürftig mit dem Drahtseil am obersten Kahn am Anleger festmachte. 


Inzwischen war mit klar, dass es sich um eine Sabotageaktion im Vorfeld des heute stattfindenden Stocherkahnrennens handeln musste. Ich werde noch den Stocherkahnverein und die örtliche Presse informieren und will - so wie in den Vorjahren - heute mittag neben den am Rennen teilnehmenden Kähnen paddeln. Ich hoffe, dass das Wetter dem Rennen keinen Strich durch die Rechnung macht. Der Genuss ist ja schon dadurch eingeschränkt, dass die Zuschauer:innen nicht von der Alleenbrücke aus das Rennen verfolgen können. Sie ist wohl so marode, dass die Stadt sie hierfür gesperrt hat.

Ich verstaute das Boot wieder im Bootshaus und radelte heim zum ersten Frühstück.