Als ich am Stocherkahnanleger vor der Jugendherberge vorbei paddelte fiel mir ein mit viel Wasser gefüllter Kahn auf, der ganz obern vor den anderen Kähnen mit ungewöhnlich großem Abstand vom Ufer lag. Ich war etwas verwundert. Alle anderen Kähne lagen nicht so tief im Wasser. Wieder dachte ich mir nicht viel dabei.
Schließlich - auf der Bank beim Anleger in der Hermann-Kurz-Straße
herumlungernd (da mache ich gewöhnlich eine kleine Pause) - sah ich vor dem Anleger gegenüber einen ähnlich tief im Wasser liegenden Kahn langsam Richtung Stadtwehr treiben. Ich löste also etwas hektisch meine Bootsleine, paddelte hinüber, nahm den Kahn in Schlepp und paddelte zum Ufer, wo ich ihn an einer Wurzel festband.
Kahn 13 war gesichert, mein noch im Dämmerzustand befindliches Gehirn begann allmählich zu arbeiten und ich wand mich Kahn 54 zu, der mir ja schon vorher an der Jugendherberge aufgefallen war. Bei ihm war - wie ich feststellte - das Drahtseil durchtrennt. Er verfügte über keine Leine, so dass ich ihn notdürftig mit dem Drahtseil am obersten Kahn am Anleger festmachte.
Inzwischen war mit klar, dass es sich um eine Sabotageaktion im Vorfeld des heute stattfindenden Stocherkahnrennens handeln musste. Ich werde noch den Stocherkahnverein und die örtliche Presse informieren und will - so wie in den Vorjahren - heute mittag neben den am Rennen teilnehmenden Kähnen paddeln. Ich hoffe, dass das Wetter dem Rennen keinen Strich durch die Rechnung macht. Der Genuss ist ja schon dadurch eingeschränkt, dass die Zuschauer:innen nicht von der Alleenbrücke aus das Rennen verfolgen können. Sie ist wohl so marode, dass die Stadt sie hierfür gesperrt hat.
Ich verstaute das Boot wieder im Bootshaus und radelte heim zum ersten Frühstück.





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