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Freitag, 2. Januar 2026

Tradition und Wandel

Beginnend mit dem Jahr 2009 zeichne ich fast lückenlos das Auftaktpaddeln der Paddelfreund:innen am Neujahrstag auf.

Beginnend mit Januarfahrten, die Rolf, Klemens und ich unternommen haben, entwickelte sich im Lauf der Jahre eine Tradition, an der mehr und mehr Paddelfreund:innen teilnahmen. 

Diese Fahrten nahmen nach und nach eher rituellen Charakter an. Wir wollten unter Beweis stellen, dass Paddeln erst dann nicht mehr möglich ist, wenn das Wasser gefroren ist und wir wollten die Gemeinschaft fördern. Das Angebot war "niederschwellig".

Gelegentlich wurden die Paddelnden von Fußgängern (und Fotografen) begleitet. Am Anleger warteten solche, die zu dieser Jahreszeit nicht auf Wasser wollten oder konnten. Die Veranstaltung bekam Traditionscharakter.


In den ersten Jahren legten wir immer an der Mündung der Steinlach an, packten Kaffeekocher, Thermoskannen und Gebäck aus und gruppierten uns bei unterschiedlichsten Witterungsbedingungen auf dem Stocherkahnanleger ohne Kähne.


Im Jahr 2017 wechselten wir auf die "Sonnenseite des Lebens" und legten seitdem am Stocherkahnanleger in der Hermann- Kurz-Straße an, der zwar etwas enger, aber dafür nicht so schattig ist.

Immer mehr Teilnehmende kamen dazu und es wurde zeitweilig richtig eng. Das Wetter war wechselhaft und 2018 fiel die Veranstaltung wegen zu hoher Pegel aus. Es wäre in dem Jahr nicht möglich gewesen zurück zum Bootshaus zu paddeln.

2020 - kurz vor Ausbruch der Pandemie - war der Anleger geradezu überfüllt. Und im Jahr 2021 fand die Veranstaltung meines Wissens nach pandemiebedingt nicht statt. Ich lag damals mit gebrochenem Sprunggelenk flach und hatte andere Sorgen.


In den Folgejahren nahm der Zuspruch ein wenig ab, aber es gab einen festen Stamm an Teilnehmenden, die sich - bei gewöhnlich schönem Wetter - trafen, sich gegenseitig ein "frohes neues Jahr" wünschten und diesem Jahr einen würdigen Auftakt gaben.
Wir betrieben nicht mehr den Aufwand der früheren Jahre. Ich brachte keine mobile Feuerstelle mehr mit, um darauf Cowboy-Kaffee zuzubereiten. Das Wetter kann eigentlich nicht für den Schwund verantwortlich gemacht werden, es war in all den Jahren eigentlich immer erstaunlich schön am Neujahrstag und nicht selten konnte ohne Handschuhe gepaddelt werden. Nichtsdestotrotz nahm die Anzahl der Teilnehmenden kontinuierlich ab.

Und so ist es wohl wenig verwunderlich, dass beim diesjährigen Auftaktpaddeln gerade einmal fünf Paddelfreund:innen zusammen kamen und - bei eigentlich sehr einladendem Wetter - vom Bootshaus zum Stocherkahnanleger paddelten. 

Dort hat sich inzwischen eine andere Tradition etabliert: Wir sahen mehreren Gruppen beim Neujahrsschwimmen zu während wir plauerten, Tee tranken und mitgebrachtes Gebäck würdigten.


Anschließend paddelten wir gegen den kälter werdenden Wind und die mäßige Strömung wieder hinauf zum Bootshaus an dessen Anleger sich weitere Gruppen junger Leute dem neuen Trend des Neujahrsbaden hingaben. Unser Neujahrsritual bekommt Konkurrenz von neuen Traditionen. Der Wandel ist wahrnehmbar. 

Samstag, 25. Oktober 2025

Paddelkahn

Gestern haben wir versucht, den Stocherkahn vom Anleger nahe des Stadtwehrs hinauf zum Bootshaus zu befördern. Es war klar, dass wir beim gegenwärtigen Pegel nicht weit kommen und Felipe hat Paddel mitgebracht - und ein paar Jugendliche, weil sich seitens der Paddelfreunde nicht genug Helfer fanden.

Ich berichte ja in diesem Paddeltagebuch von meinen Paddelerfahrungen und so ordne ich meine gestrige (und heutige) erste Stocherkahnfahrt im neu beschafften Kahn der Paddelfreunde als "Paddeltour" im weitesten Sinne ein.
Ich will ein wenig ausholen:
Als vor acht oder zehn Jahren die Diskussion über die Neuanschaffung eines Kahns losging weil man wahrnahm, dass der alte Kahn in die Jahre kam, habe ich mich vehement für die Anschaffung eines damals im Angebot befindlichen Alukahns eingesetzt. Dieser Vorschlag wurde abgewehrt. Es solle weiterhin ein Holzkahn sein betonten die Beführworter:innen.

Sie stützten diesen Standpunkt mit der Versicherung sich in die Pflege dieses Kahns aktiv einzubringen. So lange Frank sich noch um den Kahn kümmerte war das nicht erforderlich und nachdem Frank einen Unfall hatte und Tübingen verließ waren es Karsten und ich, die den Kahn nochmal aufmöbelten damit er uns zwei Sommer länger erhalten blieb.
Es gelang uns gestern nicht mehr den Kahn zum Bootshaus zu bringen. Wir mussten auf Höhe des Hölderlinturms aufgeben, machten ihn dort fest und verabschiedeten die Jugendlichen mit dankenden Worten. 

Tatsächlich müssen sie jedoch eher als lärmender Balast bei unserer Aktion verbucht werden. Uns war klar, dass wir den Kahn nur mit Hilfe kompetenter Paddler:innen zum Bootshaus bekommen. Über die üblichen Kanäle wurde ein Hilferuf veröffentlicht, wir verabredeten uns für den anderen Morgen, gaben uns geschlagen und ließen den Kahn zurück.


Nachdem der alte Kahn nicht mehr zu retten war setzte ich mich dafür ein, dass kein neuer Kahn angeschafft wird: Wir haben den benachbarten Stocherkahnverein, der über eigenen Kähne verfügt, mit dem ein Abkommen geschlossen werden kann, dergestalt, dass Paddelfreunde diese Kähne günstig mieten können. Für den Betrag, den der neue Kahn kosten sollte, wären locker 10 nagelneue Paddelboote angeschafft worden - beim Gebrauchtkauf sogar mehr. 

Wieder fanden sich Befürworter der Holzkahnanschaffung, die versicherten, dass sie sich auch einbrächten und um den Kahn kümmerten. Sie setzten sich durch, die Anschaffung wurde beschlossen und die erste Kahnsaison der Neuanschaffung nimmt nun ihr Ende. Ich bin gespannt, wie der Bericht über die Kahnnutzung dieser Saison bei der nächsten Mitgliederversammlung ausfällt.


Unser gestriger Hilferuf mobilisierte heute morgen gerade einmal fünf Paddler und den bedauernswerten Sohn von Felipe. Mit dieser Crew gelang es uns - gewisse Schwierigkeiten an der Eisenbahnbrücke etwas unbeholfen überwindend - den Kahn zum Anleger am Bootshaus zu bugsieren. 

Dort stellte sich dann das Problem, dass die guten alten Stahlböcke, auf denen der Kahn all die Jahre im Winter abgelagert wurde, nicht auffindbar waren. Wir liefen das Gelände mehrmals ab, suchten an allen denkbaren Stellen und dennoch blieben sie unauffindbar. 

Kurzerhand wurden von Zimmermann, der die Kähne baut und sich gerade um unsere Dachrenovierung kümmert, zwei neue Böcke erworben. Diese sind handwerklich über jeden Zweifel erhaben, aber sie werden wieder einen dreistelligen Betrag kosten, der aus meiner Sicht in Paddel oder Schwimmwesten investiert werden sollte. 


Schließlich wurde der Kahn über die Rollenbahn des Stocherkahn-vereins an Land gezogen, auf die neuen Böcke gelagert und einer gründlichen Reinigung unterzogen. 


Jetzt wird er umgedreht und abgedeckt und wenn er im Frühjahr gut durchgetrocknet ist wird er abgeschliffen und neu gestrichen. Ich hoffe sehr, dass die Befürworter:innen seiner Anschaffung dabei etwas zahlreicher mithelfen.  

Samstag, 4. Oktober 2025

Enten im Regen

 
Das erste Entenrennen, das ich in diesem Paddeltagebuch vermerkt habe, fand 2007 statt. Dazwischen lagen jährliche (ggf. mit Ausnahme des Coronajahrs) Rennen, an denen ich mich fast immer "ordnend" beteiligt habe. Diese Aufgabe übernehmen seit Jahren die Paddelfreunde. Haufig unter Beteiligung der Kinder- und Jugendgruppe, die in diesem Jahr nur durch ein Mitglied vertreten war. Überhaupt war die Beteiligung etwas zurückhaltend. Das lag möglicherweise an der Wetterprognose, die erstaunlich akkurat war: Pünktlich zu Beginn des Rennens um 14:00 Uhr setzte Regen ein.


Ich hatte mir die viel zu große Regenjacke aus dem Advantage eingepackt, die ich über die Schwimmweste anziehen kann, und blieb - bis auf die Beine und Füße erfreulich trocken.


Die Enten störten sich nicht am Regen. Die Strömung und ein leichter "Rückenwind" trieb sie recht zügig ihrem Ziel (und dem rechten Neckarufer) zu. Wir hielten sie davon ab sich im Ufergestrüpp zu verfangen.

Ich machte mich gleich anschließend wieder aus dem Staub, verstaute das Boot provisorisch während eines massiven Regenschauers, der genau dann einsetzte, als ich das Bootshaus erreichte, hängte meine nassen Klamotten zum Trocknen auf und werde morgen nochmal hin fahren um aufzuräumen.

Samstag, 5. Oktober 2024

Wieder mal Enten

Wie immer im Oktober helfen die Paddelfreunde den Organisatoren des Entenrennens bei dessen Durchführung. Es ist unsere Aufgabe zu verhindern, dass die Enten im Ufergebüsch hängen bleiben.

Hierfür finden sich immer eine ganze Reihe von Freiwilligen. In diesem Jahr war allerhand Strömung, so dass wir uns zunächst entspannt zur Startlinie unterhalb des Tübinger Schlosses treiben lassen konnten. 


Dort wurden zunächst die Enten der Sponsoren gestartet. Erst deutlich später startete das tatsächliche Entenrennen indem die Gummienten von der Ladefläche eines THW-Kipplasters über das Brückengeländer ins Wasser gekippt wurden.

Wir begleiteten die Rennenten, die in diesem jahr ihrem Namen alle Ehre machten. Die Strömung gab ihnen richtig viel Schwung und einige machten tatsächlich Anstalten im Ufergebüsch zu verschwinden.


Es gelang uns sie alle bis zur Ziellinie zu eskortieren, wo sie in einem Trichter eingefangen und die Gewinner:innen nach Nummern identifiziert wurden. 


Ich paddelte anschließend gleich wieder zum Bootshaus, weil ich Besuch erwartete. Die Anderen ließen sich eine Mahlzeit ausgeben. Ich verstaute Rolfs Slipper, den ich mir für diese Fahrt ausgeliehen hatte.

Montag, 1. Januar 2024

Traditionspflege

Ich war etwas wankelmütig ans Bootshaus geradelt weil ich fortwährend gesundheitlich etwas in den Seilen hänge. Die wenigen anwesenden Paddelfreund:innen ließen es mir dann aber doch ratsam erscheinen mein Boot bereit zu machen. Der Pegel am Anleger tat sein übriges: erstmals seit Wochen ist die Stufe nicht knapp überspült. Wir brachen zum jährlichen* "Anpaddeln" auf.

* 2009, 2011, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2023 

Die Strömung war immer noch ganz ansehnlich aber nicht so heftig wie letzte Woche. Wir ließen uns bei unerwartet schönem Wetter den Fluß hinunter dümpeln und machten erst auf der Wasserfläche vor dem Stadtwehr ernsthaft von den Paddeln Gebrauch.  
Am Anleger warteten bereits einige Paddelfeund:innen, die keine Lust auf mühsames Strömungspaddeln hatten. Übrig gebliebenes Weihnachtsgebäck machte die Runde und Thermosflaschen wurden gelehrt. Der Wind frischte auf und die Sonne verschwand hinter Wolken. 

So nett die Plauderei war, als die ersten wieder in die Boote stiegen um zurück zu paddeln kletterte ich auch wieder in das schnelle Tourenboot, schloss das Spray-Deck und machte mich auf den Rückweg, der spürbar länger dauerte als die entspannte Abfahrt. Trotz Rotznase und Husten war die Paddelei vergnüglich. Ich sollte das wirklich wieder öfter machen!


Donnerstag, 7. Dezember 2023

Gute Vorsätze und vereitelte Absichten

Zum wiederholten Mal bin ich heute bei relativ gutem Wetter zum Bootshaus gefahren um mal wieder eine kleine Neckarinselrunde zu drehen. 

Anfang November habe ich es ja mal hingekriegt an sechs Tagen einer Woche täglich aufs Wasser zu gehen (siehe Collage unten). Seit dieser gloriosen Woche kam es zu einer einzigen Neckarinselrunde am 12. November. Danach ging nichts mehr obwohl ich mir ja fest vorgenommen hatte in diesem Winter mindestens zweimal die Woche paddeln zu gehen.

Das lag in erster Linie am Pegel des Neckars. Anfangs war er wirklich zu hoch. Der Anleger war bis über beide große Stufen überspült und das Wasser reichte über die Grasfläche bis an die Böschung. Danach sank der Pegel so, dass an Paddeln zu denken war. Aber jetzt stand das Wasser gerade mal so einige Zentimeter über der zweiten großen Stufe des Anlegers. Ich hätte das Boot hinter der Stufe im tieferen Wasser platzieren müssen um dann irgendwie die 80cm trockenen Fußes zu überqueren. Ich denke darüber nach mir irgendwoher einen kapitalen Steinblock zu beschaffen, den ich auf diese Stufe legen kann.

Vielleicht hätte ich über die Böschung einsteigen können (die ist vom Oberflächentau glitschig und im Schatten noch gefroren). Dafür bin ich nicht gelenkig genug. Insbesondere der Ausstieg macht mir Sorgen. So bin ich auch heute wieder unverrichteter Dinge heim gefahren. 


Samstag, 28. Oktober 2023

Lampions und Lichterketten

Ende Oktober findet traditionell die Lampionfahrt der Paddelfreunde und -freundinnen statt. Es ist eine Veranstaltung, bei der alle Generationen dabei sind. Nicht selten kommt auch der Stocherkahn zum Einsatz. Heute haben wir den mal weggelassen.
Wir haben uns um 17:00 Uhr am Bootshaus getroffen und die Boote mit Lichtern unterschiedlicher Art ausgestattet. Der kleine Sandpiper bekam frühzeitig eine Lichterkette angeklebt. So konnte ich alle Versuche mich in ein Tandemboot zu verfrachten abwehren. 


Dann ging es gegen 18:00 Uhr aufs Wasser. Anders als in früheren Jahren dämmerte es da gerade mal ein wenig. Für meinen Geschmack blieb es viel zu lange hell. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass der Vollmond alles hell erleuchtete.



Wir paddelten hinunter zur Neckarfront und unter der Neckarbrücke hindurch. Auf der großen Wasserfläche unterhalb wurden große Kreise und eine atemberaubende Acht gepaddelt während es immer dunkler wurde. Auf den Bildern von Georg, der uns am Ufer begleitete sind diese Manöver gut zu erkennen. Schließlich ging es zurück zum Bootshaus, wo Roland schon das Grillfeuer entfacht hatte.