Montag, 24. März 2025

Recht Zeitig - rechtzeitig

 
Am Sonntagmorgen war ich früh wach. Sehr früh. Ich entschied mich nach einigem Zaudern zum Bootshaus zu radeln und eine Neckarinselrunde zu paddeln. Es sind zwar erst einige wenige Stocherkähne auf dem Wasser, aber der Fluss wird in den Tagesstunden - vor allem am Wochenende - zunehmend "belebter", und ich bin ja mittelprächtig menschenscheu. Deshalb nehme ich jetzt die frühmorgendlichen Paddeltouren wieder auf. Und das bedauere ich überhaupt nicht. Morgens ist es ruhig. Selbst das Wasser scheint noch zu schlafen.


Allmählich wird es hell und Wolkenmuster werden erkennbar. Das Licht der aufgehenden Sonne fällt flach über die Wasserfläche und das Ufer. Die Vögel sind schon lange wach und einzelne Fledermäuse sausen noch in unberechenbaren Mustern über den Himmel. Die Stadt wird an so einem Sonntagmorgen nur ganz zaghaft wach. Einzelne Busse überqueren die Neckarbrücke und erzeugen lästigen Lärm.

Es ist Frühling und die Weiden vor dem Hölderlinturm färben sich hellgrün. Überall sprießen Blumen auf der Uferböschung.

Als ich am Bootshaus wieder ankomme ist es hell. Der Himmel ist jetzt grau bedeckt und das zauberhafte Licht weicht einer grauen Grundstimmung. Überreste nächtlicher Partys liegen weiter unten am Anleger wo ich sie beim Lospaddeln nicht gesehen habe. Das hätte die Stimmung der Fahrt negativ beeinträchtigt. Sie ist es jetzt bei der Rückkehr. Der Tag hat gut begonnen. Jetzt verändert sich das irgendwie. Ich fahre heim zum Frühstück und versuche das Beste draus zu machen. Mal sehen, ob mir das gelingt. Es sind schwierige Tage und es hilft, wenn einer davon mal gut beginnt.

Sonntag, 16. März 2025

Stocherkahn- und Partysaison

Die Zeiten, in denen mir der Neckar quasi alleine gehört, sind offenbar vorbei. Schon bei meinen letzten Neckarinsel-runden sind mir - zumindest bei schönem Wetter - immer mal wieder einzelne Boote begegnet. Inzwischen wurde schon ein erster Stocherkahn zu Wasser gelassen und am Anleger bei der Jugendherberge fest gemacht. Auf dem Bootshausgelände, wo die übrigen Kähne im Winter lagern, wird seit vierzehn Tagen eifrig geschliffen. Der Farbstaub der Stocherkähne rieselt in der Regel auf die Wiese und wird in den Untergrund massiert, der irgendwann als "Schadstoff-belastet" deklariert und abgetragen werden muss.


Am Anleger hat die Partysaison begonnen und ich habe beim Aufräumen - zusammen mit dem Leergut, das ich während meiner Neckarinselrunde aus dem Wasser gefischt habe - einen Reingewinn von 1,50 € erzielt, die ich beim nächsten Einkauf am Pfandautomat "realisieren" kann. Das reicht inzwischen nicht einmal für eine Kugel Eis. Kein Wunder, dass die Feiernden (was immer sie da feiern) keinen Anlass sehen, ihren Müll auch wieder mit zu nehmen. Eine Erhöhung des Pfandbetrags hat seit Einführung des Flaschenpfands nicht stattgefunden. Es wäre wirklich an der Zeit!

Jetzt, da ich in der Öffentlichkeit Leergut sammele und mich daran bereichere, kann ich mich getrost zu den "Alten" zählen, die hierfür auch Mülleimer durchforsten. Als Mitglied dieser aussterbenden Generation steht mir eine düstere Betrachtung unserer Gesellschaft und weltpolitischen Entwicklung durchaus zu. Vielleicht hat sie in diesem Paddeltagebuch wenig verloren, aber es sind nunmal diese Gedanken, die mir beim Paddeln durch den Sinn gehen.

Donnerstag, 13. März 2025

Achtzehn Neckarinselrunden

"Aus gegebenem Anlass" beschäftige ich mich mit dem Alter von 18 Jahren. So alt wird dieses Paddeltagebuch heute. 

Im Leben eines Menschen in unserer Republik ist so ein Geburtstag ja ziemlich bedeutsam, weil mit Erreichen dieses Alters ja der Erwerb von Rechten und Pflichten verbunden ist. 

Für so ein Paddeltagebuch ändert sich eher nichts. Das soll aber auch angemessen verdeutlicht werden. Und was sollte die Kontinuität besser symbolisieren als meine vermeidlich immer gleich bleibenden Trainingsrunden auf dem Neckar? 

Deshalb habe ich nachfolgend je ein unkommentiertes aber datiertes Bild von jeder meiner letzten 18 Neckarinselrunden eingefügt. 

Samnstag, 25. Januar:


Montag, 27. Januar:


Montag, 3. Februar:

Dienstag, 4. Februar:

Mittwoch, 5. Februar:

Freitag, 7. Februar:

Samstag, 8. Februar:

Sonntag, 9. Februar:

Montag, 10. Februar:

Montag, 17. Februar:

Mittwoch, 19. Februar:

Montag, 24. Februar:

Freitag, 28. Februar:

Sonntag, 2. März:

Mittwoch, 5. März:

Donnerstag, 6. März:

Freitag, 7. März:

Samstag, 8. März:

Montag, 10. März 2025

Großer Stau auf Großer Lauter

Bislang war es ja eher der Leihbootverkehr, der für Stau und Verdruss auf der Großen Lauter geführt hat. Gestern haben sich die Befahrungsregelungen so ausgewirkt, dass am Sonntag vor der jährlichen Sperrung des Flusses (ab 15. März) eine Unmenge von Booten unterwegs waren. 

Wir trafen uns - wie üblich bei dieser Traditionsfahrt (2009, 2010, 2013, 2014, 2015, 2016, 2018, 2019, 2022, 2024) in Buttenhausen, trafen dort eine große Gruppe Stuttgarter Paddler:innen, setzten die Autos um und trafen an der Aussatzstelle eine weitere große Gruppe Ulmer Paddler:innen. Wir waren mit zehn Teilnehmenden offenbar die kleinste Gruppe, die allerdings auch als erste auf dem Wasser war.


Der Pegel war erkennbar niedriger als üblich und die ersten Kilometer gestalteten sich deshalb etwas mühsam - die Boote hatten keine Grundberührung, aber das Paddel ließ sich quasi kein einziges Mal in voller Blattlänge einstechen. Nachdem uns eine große Gruppe von Kajaks "überholt" hatte war längere Zeit nichtmal mehr der Flussgrund zu erkennen weil so viel Sedimente aufgewirbelt worden waren.

Die Sonne schien, es war wärmer als auf jeder Fahrt in den Vorjahren und trotz des niedrigen Pegels gab es immer wieder lustige Schwallpassagen. Die Kajakpaddelnden vergnügten sich sogar gelegentlich in kleinen Spielwellen.

Dem traditionellen Ablauf treu bleibend legten wir an der üblichen Pausenstelle an und nahmen Brote, Obst und Schokolade zu uns. Es wurde geplaudert, gelästert und gelacht. Etwas wiederwillig machten wir uns irgendwann wieder auf weil wenige hundert Meter weiter die erste Umtragung auf uns wartete.


Drei ganz Verwegene vermieden die Umtragung und stürzten sich todesmutig das kleine Wehr hinunter, dessen Kante bemoost und dadurch geschmeidig zu überwinden war. Das Wehrbecken war frei von Hindernissen und hinreichend tief. Wir anderen umtrugen unterschiedlich weit. die, die schon weiter oben einsetzten hatten ein winziges Stückchen Wildwasser II zu bewältigen. Wir anderen setzten die Boote so weit unterhalb der Passage ein, dass wir gemütlich einsteigen und uns vom Restschwall bergab spülen lassen konnten. Anschließend umfuhren wir das malerische Hundersingen.


Eine weitere Umtragung folgte nach diversen Flusschleifen und Schwällchen in Wittsteig und dann war noch ein längerer Abschnitt aus Mäandern zu bewältigen bis wir nach fünf Stunden in Anhausen ankamen und die Fahrt beendeten. 

Anschließend gab es in Buttenhausen im Café Ikarus noch Restkuchen, Eis und Kaffee und dann ging es wieder zurück nach Hause. Auf der Fahrt verabredeten Rolf und ich, dass wir nie wieder eine Lauterfahrt am allerletzten Wochenende vor der Sperrung anbieten.

Montag, 24. Februar 2025

Donau von Anfang an

 Vor 11 Jahren 2014 sind wir schon einmal den Donauabschnitt ab dem Zusammenfluss von Brigach und Breg (die bekanntlich die Donau "zuweg" bringen) gepaddelt. Das ist lange her.

Aber von Anfang an: An diesem besonders milden Februar-Wochenende hatte ich ja eigentlich geplant an den Bodensee zu fahren. Das hat Freitag nicht geklappt und auch für die für den Sonntag geplante Fahrt mit Rolf fiel der See aufgrund von Nebel aus dem Kreis der Kandidaten.

"Kandidaten" ist ein gutes Stichwort: Nach abgegebener Bundestagsstimme rollte ich mein Boot von Zuhause zum Bootshaus und traf mich mit Rolf, der eine ausgeklügelte Planung für die Befahrung der Donau ab Donaueschingen ausgearbeitet hatte.
Teil dieser Planung war die Nutzung der Bahnlinie fürs Umsetzen, was unsere Hinfahrt etwas hektisch gestaltete, wodurch wir aber enorm viel Zeit fürs Paddeln gewannen. 


Die Donau zwischen Donaueschingen und Immendingen ist ein richtig schöner Fluss und beim gestrigen Pegel (um die 80cm) ist die vergleichsweise lange Strecke gut zu bewältigen.
 

Es waren zwei Wehre und eine blödsinnig konstruierte Pegelstelle zu umtragen, was uns wenig Schwierigkeiten bereitete weil wir leichte Boote gewählt hatten und gemeinsam zupacken konnten.
Der winterlich kahle Uferbewuchs ermöglichte weite Blicke in die Landschaft und wir sahen Füchse, Eisvögel (vielleicht) einen Otter, Spuren von Bibern und erfreulich wenig Müll. 

Mit dem Wetter hatten wir weniger Glück: während in Tübingen offenbar die Sonne schien begleitete uns über weite Strecken Nieselregen und gelegentlich leichte Schauer. Wir waren hierfür schlecht ausgerüstet und durchlitten diese Bedingungen mehr oder weniger duldsam.


Am zweiten Wehr vor Geisingen machten wir eine längere Pause. Wir nutzten die Überdachung der Mühlenrampe für unser Vesper und spekulierten über mögliche Wahlresultate.
Schließlich setzten wir die Boote wieder ein und paddelten weiter bis wir die Pegelmeßstelle kurz hinter der Autobahnbrücke erreichten. Frühzeitig stiegen wir aus und besichtigten den Schwall.
Im Sommer wären wir ihn vielleicht gepaddelt, aber heute wollten wir nicht nass werden. Also umtrugen wir die Boote eine ziemlich lange Strecke und setzten sie an einer unwegsamen Böschung wieder ein,

Schließlich erreichten wir - nachdem wir unter einer überdachten Holzbrücke hindurch gepaddelt waren - Immendingen. Dort wählten wir eine linksseitig gelegene Aussatzstelle. Rolf machte sich auf den Weg zum Bahnhof wo das Auto stand (weil morgens die Zeit knapp war) und ich trug die leichten Boote auf einem Fußweg zu einer Stelle, die mit dem Auto (nach einer kleinen Stadtrundfahrt) erreichbar war. Wir luden sie auf, verstauten unseren Krempel und setzten uns nass, wie wir waren, auf die geheizten Autositze und machten uns auf den Heimweg (geöffnete Cafès fanden wir nicht).
Kurz nachdem wir auf die nahe gelegene Autobahn gefahren waren erschien ein blauer Streifen am Horizont und dann fuhren wir im Licht der untergehenden Sonne zurück nach Hause.

Trotz der etwas widrigen Wetterbedingungen bedauern wir diese Fahrt nicht - im Gegenteil. Da haben wir einen "vernachlässigten" Flussabschnitt wieder entdeckt, auf dem wir sicher in absehbarer Zeit wieder paddeln werden.