Montag, 10. Juli 2017

Vorderrhein 2017


Es war länger nicht klar, ob ich überhaupt an dem traditionellen Vorderrheinwochenende teilnehmen könnte. Erst Donnerstag klärte sich das. Deshalb hatte ich mich - ökologisch höchst bedenklich - für eine Solofahrt nach Carrera entschieden, die ich dann auch - wie es meine Gewohnheit ist - frühmorgens um 4:00 Uhr antrat.
Die Straßen waren frei, das Auto glitt mit beiden Booten auf dem Dach (ich nahm das Boot für Matthias mit) mit mäßiger Geschwindigkeit über die Autobahn und aus den Lautsprechern schallte Jackson Browne. Irgendwann zwischen 8:00 und 9:00 traf ich ein und fand jene, die am Vorabend angereist waren, auf dem Campingplatz vor.


Klettersteig am Freitag

Es gab ein zweites Frühstück, ich bekam Tee und wurde sanft zur Teilnahme an der für den heutigen Tag geplanten Begehung des Klettersteigs auf den Pinut bei Flims überredet. Dahin brachen wir - nachdem ich die Boote abgeladen hatte - zu viert auf, trafen am vereinbarten Treffpunkt drei weitere Mitstreiter und überwanden im Laufe des Tages 730 kräftezehrende Höhenmeter. Ich habe es jahrelang nicht für möglich gehalten, dass ich so etwas mit meinen lädierten Knien überhaupt hinkriege.

Ich bin froh, dass ich mich von den Paddelfreunden in einem schwachen Moment zu dieser Unternehmung überreden ließ. Auch wenn ich beim Aufstieg immer wieder darüber nachgrübelte, warum man sich freiwillig auf solche Strapazen einlässt, dachte ich doch gegen Ende jeder (der zunehmend häufigeren und längeren) Pause daran, dass ich meine Knie viel mehr fordern sollte und dass ich meine Ausrüstung dahingehend optimieren muss.

Künftig wird eine Kiste mit vernünftigen Schuhen, einem Klettergurt und dem zugehörigen Sicherungsequipment im Auto liegen. Bilder vom Klettersteig finden sich in einem Webalbum.


Abends trafen weitere MitpaddlerInnen ein. Einsetzender Regen veranlasste mich mich frühzeitig ins Auto zurückmau ziehen, wo ich mir schon eine Schlafgelegenheit gebastelt hatte und ich entschlummerte rechtschaffen müde bei einsetzender Dämmerung.

Cumpadials am Samstag


Am anderen Morgen wurde ausgiebig gefrühstückt bevor wir gegen 10:00 Uhr - ebenfalls traditionell - die Fahrt zur Strecke ab Cumpadials antraten. Wir besichtigten den Abschlussschwall vor dem Stausee beim Elektrizitätswerk in Tavanasa und entschieden uns - trotz niedrigen Pegels (30 und 33 cbm in Ilanz) - für die Befahrung der Gesamtstrecke. Dieser Entschluss kam noch einmal kurzzeitig ins Wanken als wir am Einstieg in Cumpadials eintrafen, wo entsetzlich viele Steine weit aus dem Wasser ragten und ich wünschte, wir wären willensstark genug gewesen an dieser Stelle wirklich umzudisponieren.


Künftig werde ich in einer solchen Situation dafür plädieren, dass wir die Strecke erst ab der Brücke in Truns angehen und ggf. zweimal fahren, denn bis dahin, war die Fahrt aus meiner Sicht eine ziemliche Quälerei. Steinkontakt war völlig unvermeidlich, das Paddelblatt konnte selten in voller Länge eingetaucht werden und auch an den Schwallpassagen rumpelte es gewaltig. An einer Stelle so sehr, dass sich der Riss im Rumpf meines Prelude um ein Drittel verlängerte. Ich muss jetzt wirklich etwas unternehmen, denn bei weiterem Steinkontakt bleibt das Boot unweigerlich an dem Riss hängen und er weitet sich immer weiter aus.


Erst ab der Brücke in Truns führte der Fluss genug Wasser um lustvoll die zahlreichen großen Blöcke im Flussbett zu umfahren, Kehrwasser anzusteuern und in der einen oder anderen Welle zu surfen. Wir hatten drei Gruppen gebildet und ich paddelte mit vier Kajaks.

Die anderen Canadier bekam ich nur gelegentlich zu sehen.



Am Abschlussschwall vor dem Stausee in Tavanasa fanden alle Gruppen wieder zusammen. Der Schwall wurde eingehend besichtigt und mögliche Routen wurden diskutiert. Schließlich fuhren Klemens und ich zuerst. Klemens entschied sich für die Route, die letztlich als “Idealroute” gewertet wurde.


Ich hangelte mich mehr recht als schlecht auf einer weniger idealen Route - teil selbst gewählt, teils mangels Paddelkompetenz erzwungen - den verwinkelten Parcours hinunter, kam aber aufrecht und im Vorwärtsgang (anders als beim letzten Mal) unten an. Wir kletterten beide am Ufer wieder hinauf und sicherten die nachfolgenden Paddlerinnen und Paddler ab, die aber alle kenterfrei durch kamen.


Anschließend wurden die Autos von der Einsatzstelle geholt, wir fuhren zurück. Klemens, Anita, Jakob und ich besichtigten noch den Bahnhof in Versam und sahen uns die Aussichtspunkte an den Hängen an. Zurück am Campingplatz setzte Regen ein, ein Tarp wurde improvisiert, es gab ein lukullisches Abendessen, das Corinna - für den Abend von Konstanz kommend - mitgebracht hatte, und mich trieb es wieder frühzeitig ins Bett.



Ilanz - Versam/Trin am Sonntag

Früh am anderen Morgen war ich wieder auf den Beinen, frühstückte ein erstes Frühstück mit Matthias, Corinna und Sabine, und baute mein Auto zum Fahrzeug zurück (es hatte die beiden Tage ausschließlich als Schlafstatt gedient), frühstückte ein zweites Mal mit der anderen Gruppe und sah den anderen beim Zeltabbau zu. Ein wenig bedauere ich, dass sich die große Gruppe so ausgefächert hat.

Ich bemühte mich immer mal mit allen Teilgruppen zusammen zu sitzen, nahm aber mit Besorgnis wahr, dass sich zunehmend feste Kleincliquen bilden, die sich kaum mit anderen vermischen sondern unter sich bleiben. Bislang zeichnete die Paddelfreunde aus, dass ihr Name Programm war und dass es einen festen generations- und bootsgattungsübergreifenden Zusammenhalt gab.

Heute sollte es auf die Strecke ab Ilanz gehen und die Teilnehmer teilten sich in eine kleine Fraktion derer, die nur bis Versam paddeln wollten und eine größere Gruppe, die es bis nach Trin zog auf. Die Versampaddlerinnen und -paddler konnten etwas früher starten weil Matthias sich als Shuttlebunny anbot (Vielen Dank nochmal!). Er verzichtete heute aufs Paddeln. Die, die nach Trin wollten, mussten auf die Fahrer warten, die mit dem Zug zurück kamen.


Ich war in der kleineren Gruppe der Versampaddler die aus zwei Kajaks und drei Canadiern bestand. Der Wasserstand auf diesem Abschnitt war wesentlich befriedigender als der am Vortag (35 bis 37 cbm in Ilanz). Ich bin ja alles andere als ein Wuchtwasserfan, aber ich genoss die schnelle Strömung und die hohen Wellen sehr.


Wir wurden fast ein wenig zu schnell durchgespült, hatten uns dennoch entschieden den Schwall am Kieswerk ohne vorherigen Besichtigung zu paddeln was auch völlig problemlos ging. Wir befanden und zeitweilig ein wenig im Geschwindigkeitsrausch. Trotzdem machten wir hier und da Halt und steuerten die knackigen Kehrwasser an, in die man gewissermaßen von oben hinein “springt”.
Erst am “schwarzen Loch” machten wir eine Vesper- und Besichtigungspause. Der Flussabschnitt hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verharmlost und wir entschieden uns schnell für eine sicher erscheinende Route.


Weiter unten lagerte Christophs Canadiergruppe, die ein Feuerchen angefacht hatte, sich aber schon wieder im Aufbruch befand. Vielleicht hätte uns das Feuerchen zu denken geben sollen. Vielleicht macht man ein solches ja um sich nach einer Kenterung wieder aufzuwärmen.

Jedenfalls machten wir uns frohen Mutes an die Abfahrt. Ich fuhr vor, steuerte unterwegs das eine oder andere Kehrwasser an, ließ mich von Charly überholen und sah verwundert zu, wie er am Abschluss des Schwalls kenterte. Ich gab Gas, um ihm im Bedarfsfall zur Hilfe zu kommen (die er gar nicht benötigte) und kenterte an ungefähr der gleichen Stelle mit einem Quäntchen mehr Schwung. Charly hatte sich inzwischen schon selbst gerettet und war mit Boot und Ausrüstung ans rechte Ufer geschwommen, ich tat das gleiche, musste aber nach links auf die weiter unten liegende Kiesbank weil ich eher mittig gekentert war.


Wir schüttelten uns, sortierten uns neu und paddelten gemeinsam mit Sabine, die kenterfrei geblieben war, weiter. Jetzt fing es an zu tröpfeln und Donnergrollen hallte durchs Tal. Brille und Kamera waren seit der Kentern beschlagen und unbrauchbar und wir entschieden uns, so schnell wie möglich zum nahen Versam zu paddeln und nicht - wie man das eigentlich tun soll - am Flussrand das Gewitter abzuwarten. Tatsächlich erreichten wir schnell unser Ziel, zogen die Boote an Land und steuerten den Parkplatz und die Bahnstation an. In der Zeit regnete es schon in Strömen und das Gewitter zog sehr dicht vorbei. Es dauerte eine Weile bis wir uns mit unseren Kajakpaddlerinnen wieder zusammen fanden, im Regen Boote aufluden (blöderweise nachdem wir uns umgezogen hatten) uns verabschiedeten und unserer Wege zogen.

Die Rückfahrt, auf der mich Rachel und Rebecca begleiteten, verlief reibungslos. Gegen 19:00 Uhr waren wir wieder in Tübingen.

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