Sonntag, 4. Januar 2026

Entrümpelung

Mir kamen Beschwerden über meine Bootswagen zu Ohren, die gegenwärtig im Bootshaus lagern. Bei der Gelegenheit schien mir eine Bestandsaufnahme angebracht. Es ist in der Tat so, dass im Bootshaus vier Bootswagen von mir herumliegen. Zuhause ist es nicht besser. Da lagern gegenwärtig sieben Stück. 

Es handelt sich um irgendwann mal erworbene und kaum benutzte Modelle wie z.B. ein für Linder-Aluminium-Canadier optimiertes Modell, an dem ich die Vollgummireifen austauschen mußte weil sie sich zersetzt hatten und vor sich hin bröselten.

Einer ist improvisiert: eine 8,- €-Sackkarre, die wir 2018 in Frankreich auf dem Flohmarkt erworben haben um das Boot über die Landbrücke bei Gliens zu befördern.

Andere sind selbst gebaut und auf bestimmte Boote angepasst (z.B. einer, den ich für den Dagger-Sojourn gebaut habe, von dem es in Europa wohl nicht mehr als zwei Modelle gibt. So ein spezieller Eigenbau ist kaum verkäuflich.


Verkaufen werde ich den großen neuwertigen Eckla-Bootswagen, den ich einmal zusammen mit einem Wildwasserboot bekommen habe. Er wurde tatsächlich nie benutzt. Neu kostet er - einer flüchtigen Internet-Recherche zufolge - mindestens 135,-€.


Es handelt sich um keine Fetisch-Therapie. Das mit den Bootswagen ist ein Laster, mit dem ich gerne lebe und dass kaum moralisch fragwürdig ist. Ich verbringe diese Weihnachts- und Neujahrstage damit meine Kellerwerkstatt zu entrümpeln weil ich Platz für neue Projekte brauche. Wenn in dem Zusammenhang Platz frei und die Materialkasse aufgefüllt wird ist das sehr zu begrüßen.

Freitag, 2. Januar 2026

Tradition und Wandel

Beginnend mit dem Jahr 2009 zeichne ich fast lückenlos das Auftaktpaddeln der Paddelfreund:innen am Neujahrstag auf.

Beginnend mit Januarfahrten, die Rolf, Klemens und ich unternommen haben, entwickelte sich im Lauf der Jahre eine Tradition, an der mehr und mehr Paddelfreund:innen teilnahmen. 

Diese Fahrten nahmen nach und nach eher rituellen Charakter an. Wir wollten unter Beweis stellen, dass Paddeln erst dann nicht mehr möglich ist, wenn das Wasser gefroren ist und wir wollten die Gemeinschaft fördern. Das Angebot war "niederschwellig".

Gelegentlich wurden die Paddelnden von Fußgängern (und Fotografen) begleitet. Am Anleger warteten solche, die zu dieser Jahreszeit nicht auf Wasser wollten oder konnten. Die Veranstaltung bekam Traditionscharakter.


In den ersten Jahren legten wir immer an der Mündung der Steinlach an, packten Kaffeekocher, Thermoskannen und Gebäck aus und gruppierten uns bei unterschiedlichsten Witterungsbedingungen auf dem Stocherkahnanleger ohne Kähne.


Im Jahr 2017 wechselten wir auf die "Sonnenseite des Lebens" und legten seitdem am Stocherkahnanleger in der Hermann- Kurz-Straße an, der zwar etwas enger, aber dafür nicht so schattig ist.

Immer mehr Teilnehmende kamen dazu und es wurde zeitweilig richtig eng. Das Wetter war wechselhaft und 2018 fiel die Veranstaltung wegen zu hoher Pegel aus. Es wäre in dem Jahr nicht möglich gewesen zurück zum Bootshaus zu paddeln.

2020 - kurz vor Ausbruch der Pandemie - war der Anleger geradezu überfüllt. Und im Jahr 2021 fand die Veranstaltung meines Wissens nach pandemiebedingt nicht statt. Ich lag damals mit gebrochenem Sprunggelenk flach und hatte andere Sorgen.


In den Folgejahren nahm der Zuspruch ein wenig ab, aber es gab einen festen Stamm an Teilnehmenden, die sich - bei gewöhnlich schönem Wetter - trafen, sich gegenseitig ein "frohes neues Jahr" wünschten und diesem Jahr einen würdigen Auftakt gaben.
Wir betrieben nicht mehr den Aufwand der früheren Jahre. Ich brachte keine mobile Feuerstelle mehr mit, um darauf Cowboy-Kaffee zuzubereiten. Das Wetter kann eigentlich nicht für den Schwund verantwortlich gemacht werden, es war in all den Jahren eigentlich immer erstaunlich schön am Neujahrstag und nicht selten konnte ohne Handschuhe gepaddelt werden. Nichtsdestotrotz nahm die Anzahl der Teilnehmenden kontinuierlich ab.

Und so ist es wohl wenig verwunderlich, dass beim diesjährigen Auftaktpaddeln gerade einmal fünf Paddelfreund:innen zusammen kamen und - bei eigentlich sehr einladendem Wetter - vom Bootshaus zum Stocherkahnanleger paddelten. 

Dort hat sich inzwischen eine andere Tradition etabliert: Wir sahen mehreren Gruppen beim Neujahrsschwimmen zu während wir plauerten, Tee tranken und mitgebrachtes Gebäck würdigten.


Anschließend paddelten wir gegen den kälter werdenden Wind und die mäßige Strömung wieder hinauf zum Bootshaus an dessen Anleger sich weitere Gruppen junger Leute dem neuen Trend des Neujahrsbaden hingaben. Unser Neujahrsritual bekommt Konkurrenz von neuen Traditionen. Der Wandel ist wahrnehmbar.