Montag, 26. Dezember 2011

Große Enz

 
Der Enzabschnitt, den wir heute gepaddelt sind, heißt "Große Enz" obwohl die Enz da nun wirklich alles andere als groß ist. Vielmehr windet sie sich als stark verblockter schmaler Flusslauf talabwärts bis in Bad Wildbad der Ausstieg kommt. Eingestiegen sind wir in Sprollenmühle bei einem Pegel (Lautenhof) von 55cm.
Bei dem Pegel lässt sich die Obere Enz gerade noch gut fahren. Manch Steinkontakt lässt sich dann aber nicht mehr vermeiden. Das Wasser der Enz ist moorig braun und an Tagen wie heute - an denen milde Temperaturen den immer noch liegenden Schnee zum Schmelzen bringt, sinkt der Pegel nur sehr langsam.


Gleich nach dem Einstieg fließt die Enz durch ein realtiv steiles Waldtal. Zahlreiche Kehrwasser bieten sich an und die eine oder andere Welle lädt zum Surfen ein. Ich bin ja nicht so ein Dauersurfer aber meine vier Mitpaddler (weniger die eine Mitpaddlerin) in vier Kajaks und einem Canadier würdigten die sich bietenden Surfmöglickeiten ausgiebig.


Ich hatte leichte Schwierigkeiten mit meinem linken Fuß, dessen eingeschränkte Blutversorgung mir zu schaffen machte und nutzte die Surfphasen für gelegentliche Ausstiege. Rainer löst dieses Problem indem er streckenweise stehend paddelt, was im kleinen Wildwasserboot erst richtig sportlich ist.

Noch im oberen Bereich des Enzabschnittes hatten wir einen kapitalen Baum zu umtragen, der quer über dem Fluss im Wasser lag und an dem sich zwischenzeitlich schon weiteres Treibgut verfangen hatte. Aber er war schon von weitem zu erkennen, der Ausstieg war an der Stelle unproblematisch.


Immer wieder sind kleine Stufen und Schwälle im Flussverlauf, innerhalb derer auch mal Felsen lauern, die das Boot zum Kippen bringen können. Besonders tückisch sind die steine, die in den Kehrwassern knapp unter der Wasseroberfläche lauern. Da das Wasser da ruhig ist sieht man sie erst wenn mach fast schon drüber ist. Manchmal nimmt man sie erst wahr, wenn sie das Boot schon fast oder ganz umgekippt haben.

 
Kurz nach dem Pegel Lautenhof (auf dem Bild ist das Pegelhäuschen) kommt das Wehr oberhalb des Sägewerks. Dort haben wir zunächst eine kleine Pause gemacht. Dann ist Michel das Wehr hinunter gefahren. Wir anderen haben vorsichtig umtragen (für Canadier ist die Wehrbrücke zu niedrig).


Vor und nach dem Wehr ist der Flusslauf weniger steil und spritzig. Ein neues Wehr unterhalb des Sägewerks lässt sich (noch - wer weiß wie es wird, wenn dort Wasser abgezweigt wird) auf der rechten Seite fahren. Man muß aufpassen, dass man nicht in einem Bauschutthaufen dahinter stecken bleibt. Eines der nächsten Hochwasser wird den hoffentlich entschärfen.


In Bad-Wildbad schließt sich zunächst die sogenannte Kurparkstrecke an. Die ist wieder erheblich spritziger, hat mehr Felshindernisse und Kehren und es gibt zahlreiche flanierende Kurgäste, die ein interessiertes (wenn auch wenig fachkundiges) Publikum bilden.

An den dort befindlichen Surfwellen wurde ganz besonders ausgiebig gesurft. Schließlich geht es in das Zentrum der Kurstadt in dem sich kurz vor dem Ausstieg ein weiteres Wehr befindet, das gewöhnlich über die rechts liegende Fischtreppe umtragen wird.

Ich war besonders vorwitzig vorgefahren und steuerte aus alter Gewohnheit die ruhige Wasserfläche der oberen Fischtreppe an, die allerdings durch eine unter Wasser liegende kleine Mauer versperrt war. Der Bug des Bootes saß nun auf der Mauer und die Strömung erfasste das Heck.


Ich trieb rückwärts unter der Wehrbegrenzung hindurch den schrägen Abfall hinunter. Ein Stück weit ging das ganz gut - dann kam ich der Mauer zu nahe, konnte nicht mehr mit dem Paddel agieren und kippte offside um. Wie mir erging es noch Maja. Die anderen lernten aus unserem Missgeschick und fuhren das Wehr geradeaus.

Nach hundet Metern kam der Ausstieg. Wir trugen die Boote zum Parkplatz, zogen uns um holten die Autos, verluden das Gerümpel und gingen noch einmal in den Ort um Kaffee und Apfelstrudel zu uns zu nehmen.

An die Wand des Lokals war eine alte Flussansicht gepinselt, die einen eindruck davon gibt, wie der Fluss früher durch den Ort gerauscht ist. Schon damals wurde die Wasserkraft genutzt. Gleichzeitig waren Flößer auf dem Fluss unterwegs, für die eine Floßgasse frei gehalten wurde.

Erst als die Dämmerung in Dunkelheit über gegangen war fuhren wir müde und befriedigt wieder zurück. Ich bin sehr darauf gespannt die Große Enz auch mal bei höherem Pegel zu befahren. Die beiden anderen Male, die ich auf ihr gepaddelt bin (Dezember 2009, März 2010), war der Pegel ähnlich wie heute.

Nachtrag: nachfolgend noch eine Aufnahme, die Mac vom Wehr beim Sägewerk gemacht hat. Man erkennt, dass ich keinen Aufwand scheue einigermaßen passable Bilder meiner Paddelkumpane zustande zu bringen. Am Ende der Fahrt musste ich angesichts einer feuchten Stelle an der rechten Socke feststellen, dass der geflickte Füßling an meinem Trockenanzug doch nicht 100% dicht ist.

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