Samstag, 5. Januar 2013

Untere Murg...

... bei Niedrigstpegel

In Rotenfels wurden gerade mal gut 70 cm gemessen als wir heute die "Untere Murg" von Forsbach bis Weisenbach gepaddelt sind. Das ist der Minimalpegel. Drunter geht nichts mehr.

Eingestiegen sind wir in Forbach unter der Holzbrücke, von der aus wir uns den Fluss erst einmal genau angesehen haben. Schon dort sind Warnschilder angebracht, die aber nur für Kajakpaddler gelten. Ich war im OC1 unterwegs.

Außer uns waren gerade mal drei andere Paddler da, die kurz vor uns starteten. Wir haben sie unterwegs nicht wieder getroffen. Der niedrige Pegel hat wohl manch anderen abgeschreckt. Dabei waren die Temperaturen mild.


Der geringe Wasserdruck bei diesem Pegel hatte mich gerade ermuntert an dieser Fahrt teilzunehmen. Schon der Name "Murg" schüchtert mich ja schon seit Jahren ein. Die Murg ist auch unzweifelhaft ein sehr wilder Fluss mit großen Schwierigkeiten. Bei diesem Pegel hielten sie sich erfreulicherweise in Grenzen. Jede knifflige Stelle schauten wir uns vorher gründlich an und an den zahlreichen Surfwellen wurde ausgiebig gespielt.


Nach relativ kurzer Zeit kommt ein Wehr, das rechts umtragen werden kann. Unsere Jugend pflegt es wohl immer wieder zu paddeln aber wir sind ja nicht mehr Jugendliche. An diesem Wehr werden zehn Kubikmeter Wasser abgezweigt.



Dann ging es weiter durch zahlreiche Schwallabschnitte. Jede Menge Kehrwasser konnten angefahren werden um sich immer wieder zu orientieren. Mir gibt so etwas Sicherheit. Der geringe Wasserdruck ermöglichte es uns immer anzuhalten.


Am Ende einzelner Schwallstrecken war es unvermeidlich tiefe Löcher zu durchfahren. Kajakpaddler halten darin ihre Paddel hoch, tauchen wieder auf und paddeln weiter. Ich habe nach so einem Erlebnis ein volles Boot, dass ich bevorzugt an weichen Sandstränden in flachem Wasser erst mal entleere bevor es weiter geht.


Derlei Sandstrände finden sich immer wieder am Ufer und laden zu Spaziergängen entlang der Murg ein. Man sollte dabei allerdings etwas geländegängig sein. Denn einen regelrechten Begleitweg gibt es nicht. Dafür fährt über die ganze Strecke die Eisenbahn im Tal. Es soll wohl möglich sein die Boote auch mit ihr zur Einsatzstelle zu befördern.

Eine Stelle sahen wir uns besonders gründlich an bevor wir sie fuhren. Es handelt sich um eine recht steile Stufe, deren Anfahrt ein wenig knifflig ist. Wir entschieden uns dafür, zuerst ein Kehrwasser rechts anzufahren und die Stufe dann auf der rechten Seite zu nehmen.

Mac, der uns absicherte, hat ein paar Bilder meiner Abfahrt gemacht. Ich bin die Stufe - wie geplant - aus dem Kehrwasser heraus rechts gefahren. Konnte aber oben nicht boofen, da die Stufe nicht senkrecht ist sondern ein Gefälle bildet.


Deshalb tauchte ich unterhalb natürlich tief ein, das Boot füllte sich und als ich wieder auftauchte hatte ich Wasser bis unter den Süllrand im Boot.


Das macht dem Quake aber überhaupt nichts aus. Er lässt sich immer noch stabil paddeln, ist allerdings nicht mehr sonderlich agil. Wenn so etwas mitten in einem verblockten Schwall passiert ist das richtig ungünstig. Am Ende des Schwalls macht es nichts. Man paddelt an den Rand und leert das Boot aus.

Hier habe ich Tine in dem Moment geknippst, in dem sie ganz unten im Loch war. Über so ein Kajak läuft das Wasser dann einfach ab. Ich sollte mir vielleicht Gedanken zur Anschaffung eines C1 machen wenn ich diesen Effekt auch beim Stechpaddeln haben will.
Unterhalb der Stufe hatten wir uns in Booten und am Ufer positioniert um im Fall einer Kenterung im Rücklauf eingreifen zu können. René, der sich für die Videodokumentation verantwortlich erklärt hatte, stand oben auf der Brücke (links im Bild als kleiner Punkt erkennbar) und filmte unsere heldenhaften Abfahrten. Ich bin sehr gespannt, ob man auf die Distanz etwas erkennen kann. Die Filme sind frühestens morgen früh online und wenn sie nicht zu peinlich sind gibt es sie hier zu sehen.


Michl gelang es noch am besten über die Stufenkante zu boofen. Aber auch er landete im tiefen Loch und bekam eine Gesichtsdusche.

Die Felsen, mit denen die Murg durchsetzt ist, sind erfreulich rund geschliffen. Es kam kein einziges Mal zu einer harten Felsberührung. Gelegentliche Steinkontakte ließen sich dennoch nicht vermeiden. So eine Fahrt hinterlässt Kratzer am Bootsrumpf.

Immer wieder eröffnen sich im Mugtal Perspektiven, die an Modelleisenbahnlandschaften erinnern. So kreuzen sich relativ kurz vor dem Kraftwerk bei Weisenbach zwei Brücken im spitzen Winkel.

Man sollte den Blick jedoch nicht ständig auf das Panorama richten weil die Hindernisse im Wasser durchaus Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Allzu leicht gerät man vor einen Felsen und wird von der Strömung ins Wasser gedrückt.



Kurz vor Weisenfeld werden die zehn Kubikmeter, die weiter oben abgezweigt wurden, wieder der Murg zugeführt. Aber das macht die Murg dann nicht zu einem wilderen Fluss als im oberen Verlauf. Stattdessen wird alles etwas glatter und zahmer und bald kommt das Wehr in Weisenfeld in Sicht.


Danach soll noch ein netter Abschnitt mit einem abschließenden überraschenden Katarakt kommen. Den sehen wir uns auch mal an. Für diesmal ließen wir's gut sein, beluden die Autos und fuhren zurück nach Tübingen (nicht ohne unterwegs noch Kaffee und Kuchen zu uns zu nehmen).

Meine Bilder habe ich vorerst unausgelesen in ein Webalbum gepackt. Inzwischen finden sich dort auch einige von René's Videos.



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