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Dienstag, 3. Oktober 2023

Elz, Rhein, Ill

Mein urspünglicher Plan war es an den Bodensee zu fahren. Sollte es dort neblig sein wollte ich weiter an den Hochrhein fahren. Gepaddelt wäre ich da jeweils die Abschnitte, die ich bereits kenne. Das erschien mir selbst wenig mutig oder abenteuerlustig.

Deshalb entschied ich morgens nach dem Frühstück gegen fünf Uhr, dass ich stattdessen die Ill südlich von Straßbourg ansteuern würde. Die gilt als beliebter Paddelfluss, ist ähnlich weit entfernt und ich kenne sie noch nicht. 


Auf dem Weg zur Ill kam ich am Europäischen Forum vorbei wo wir uns vor zwei Jahren zur Fahrt auf den Ottenheimer Altrheinarmen getroffen haben. Ich war plötzlich viel weniger abenteuerlustig, parkte das Auto, nahm die sanitären Anlagen in Anspruch und ein zweites Frühstück zu mit und setzte das Boot an der Stelle ein, wo wir damals ausgestiegen sind. Dann machte ich mich auf den Weg flussauf.
Zunächst war der Fluss einigermaßen breit und hatte nur gelegentlich stark strömende Abschnitte, auf denen ich mich ins Zeug legen musste. Dann kamen auch seichte Abschnitte und gelegentlich war es erforderlich sich mit dem Paddel vom festen Kiesgrund abzustoßen um gegen die Strömung anzukommen. Allerlei Federvieh und einige Nutrias begegneten mir, die nicht damit gerechnet hatten, dass ein Mensch flussauf paddelt.
 
Menschen hingegen begegneten mir hier überhaupt nicht. Offenbar war es immer noch zu früh um auf diesem beliebten Flussabschnitt durch dichte Wildnis unterwegs zu sein. 

Ich arbeitete mich zügig flussauf und machte hier und da eine kleine Pause. Die Möglichkeiten anzulegen sind begrenzt und wollen genutzt werden. mit dem schnellen langen Boot kam ich gut voran und auch an engen Stellen hatte ich keine Probleme mit dem Manövrieren. Diese Sorge war also unbegründet. Trotzdem nahm ich nach ca. fünf Kilometern allmählich eine gewisse Ermattung wahr.


Ich entschied mich einen kleinen Seitenarm zum Rhein hoch zu paddeln und zu treideln und erreichte - nachdem ich ein paar quer liegende Bäume überwunden hatte nach geraumer Zeit den Rheinseiten-kanal, übertrug den Deich und setzte in den Rhein ein.

Anschließend paddelte ich auf dem Rhein, der bei diesem Wasserstand kaum wahrnehmbare Strömung hat, hinab. Ich überquerte den Fluss, sah in die Plobsheimer Bucht hinein und fuhr dann zurück zur Einsatzstelle - diesmal von der anderen Seite her.

Sollte ich diese Fahr einmal wiederholen werde ich zuerst den Rhein hinauf und die Elzarme hinunter paddeln. Das erscheint mir noch etwas entspannter zu sein.

Im Europäischen Forum nahm ich dann ein verspätetes Mittagessen zu mir und machte mich endlich auf den Weg zur Ill und zum Abenteuer.

An der Ill fand ich einen idealen Übernachtungsplatz direkt am Fluss gegenüber des kleinen Ortes Werdse/Woerth. Die Angler legen dort reihenweise derartige Plätze an und es wird gern geduldet, dass dort geparkt und genächtigt wird.

Ich durchwühlte meine Vorratskiste und fand Nüsse, deren Mindesthaltbarkeit erst im Januar 2020 abgelaufen war. Sie schmeckten etwas ranzig und ich entsorgte sie auf einem Baumstumpf von wo sie über Nacht verschwanden. 

Es gab ein Abendessen aus Knäckebrot und Dosenwurst, ich las ein wenig und als das Licht nachließ sah ich mir aufgezeichnete aber keineswegs ausgezeichnete Serienepisoden an,

Am anderen Morgen - es war eine lange dunkle Nacht gewesen - machte ich mich nach einem Müsli-Frühstück auf zur Erkundung der Ill, die sich als erheblich weniger abenteuerlich erwies als es der Ottenheimer Altrhein gewesen war. sie fließt überwiegend langsam durch ein relativ dicht besiedeltes Gebiet und ist von Wehren unter-brochen, die Umtragungen unvermeidlich machen - wenn sie nicht mit Bootsrutschen ausgestattet sind.
Am ersten Wehr, das ich erreichte, befand sich eine Surfwelle, die offenbar gezielt angefahren wird. Auf der benachbarten Wiese standen einige Zelte und Surfausrüstung lag ziemlich breit verstreut herum. Neoprenklamotten und Handtücher hingen malerisch am Brückengeländer.

Ich übertrug das Wehr und paddelte weiter flussauf bis ich zum nächsten Wehr in Benfeld kam. Das ist mit einer Bootsrutsche ausgestattet, die ich mit dem fragilen Aramidboot nicht genutzt hätte. Mit jedem anderen jedoch jederzeit.

An dieser Stelle kehrte ich um und paddelte zurück - vorbei am Château de Werde - an meinen Übernachtungsplatz. Ich hatte mir am Vorabend einen Ein- und Ausstieg präpariert weil die Böschung ziemlich hoch ist. Davon profitierte ich nun.


Die Ill hat sich als angenehm unaufgeregt erwiesen. Sie bietet nette Übernachtungsplätze und entspanntes Paddeln. Die Region selbst ist reich an paddelbaren Flüssen und sie ist - z.B. über die Rheinfähre Kappel - leicht erreichbar. Ich war sicherlich nicht das letzte Mal dort.

Dienstag, 23. Mai 2023

8 Tage Frankreich: Bilder-Resümee

Dieser kleine Frankreich-Urlaub, in dem ich nur einen Bruchteil meiner ursprünglich geplanten Strecke bewältigt habe, wird mir lange in Erinnerung bleiben und mich für die kommenden Arbeitswochen mit Energie versorgen. Das soll Urlaub ja leisten. Ich hätte noch ein paar Tage länger bleiben können, aber die touristischen und kulturellen Ziele reizen mich nicht (die Erfahrungen, die ich damit machen durfte, haben keine Lust auf mehr geweckt) und gepaddelt bin ich vorläufig genug. Jetzt stehen für die kommenden Tage noch ein paar andere Haus- und Gartenprojekte an. Es ist nicht auszuschließen, dass ich in absehbarer Zeit wieder nach Frankreich fahre und die Chancen stehen gut, dass ich den einen oder anderen Ort nochmal besuche. Insbesondere die Yonne hat mir sehr gut gefallen. 

Ich war alleine unterwegs und um meine Mitmenschen von meinem Treiben in Kenntnis zu setzen habe ich immer wieder "Statusbilder" gepostet, auf die viele positiv reagiert haben. Diese kleinen Collagen sollen nicht verpuffen. Drum stelle ich sie hier noch einmal als Bilder-Resümee ein:


Das Auto hat sich wieder einmal bewährt. Ich habe eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht. Alle anderen Nächte fand ich ruhige Plätze direkt am Ufer. Ich stand nie weiter als 10 Meter vom Wasser. Selbstverständlich habe ich keine Spuren hinterlassen. Diese Form des Urlaubs hat sich jetzt für mich eingebürgert. Sollte ich jedoch länger als eine Woche unterwegs sein möchte ich einige Tage ein festes Dach über dem Kopf haben, ein bequemes Bett und ne Dusche und ein Klo. Wie angenehm der Zugriff auf diese Selbstverständlichkeiten ist macht einem so eine Woche Vagabundismus erst richtig klar.

8 Tage Frankreich: L'Yonne III

Nach dem Misserfolg auf der Cure kehrte ich zur nicht all zu weit gelegenen Yonne zurück und beschloss noch einmal eine Kanalauf- und Flussabfahrt zu unternehmen. 

Eine Stelle auf der Karte hatte meine Aufmerksamkeit geweckt: hier kreuzen sich Kanal und Fluss und das wollte ich mir gerne einmal genauer ansehen. Meine Phantasie verstieg sich in ein Brückenbauwerk wie es welche an solchen Stellen in vielen Ländern gibt. Dass die Lösung viel pragmatischer ausgestaltet ist hätte ich mir eigentlich denken können. 

Erstmal galt es - von Pousseaux aus - den Kanal hinauf zu paddeln.


Gleich zu Anfang begegnete mir ein kleiner Fuchs, der offenbar in den Kanal gestürzt und nicht wieder hinaus gekommen war. Den haben die Konstrukteure auf dem Gewissen, die keine Fluchtmöglichkeiten für Tiere in die monotonen Kanalränder eingebaut haben. 

An der Kreuzung von Fluss und Kanal angekommen nahm ich wahr, dass man ein recht simples System von Schleusen und Wehren angelegt hat um das Niveau der beiden Wasserläufe anzugleichen. Ich übertrug die Kanalschleuse und setzte das Boot darüber wieder ein.

Die Fahrt führte unter Brücken hindurch, die die Monotomie der Kanalfahrt unterbrachen. Immer wieder kamen Schleusen die - trotz aller Mühsal der Umtragung für Abwechslung sorgten. Die Aus- und Einsatzstellen an diesen Schleusen sind durchaus verbesserungsfähig.

Schließlich erreichte ich die Autobrücke bei Clamecy an der ich ein Weilchen rätselte, wie ich vom Kanal in den Fluss wechseln konnte. Wäre ich weiter hinauf gepaddelt wäre das leichter gewesen. In Clamency führt der Kanal durch den aufgestauten Fluss.
Ich setzte das Boot unterhalb des Stauwehrs ein und paddelte wieder abwärts. Der Fluss ist hier so breit, dass umgestürzte Baume kein Hindernis darstellen. Die Tierwelt hat ein kleines ungestörtes Paradies und ich sah wieder prächtige Nutria, die sich hier offenbar wohl fühlen und nicht besonders scheu sind.

Wieder am Kreuzungspunkt von Fluss und Kanal angekommen hatte ich ein wenig Mühe das Boot unterhalb des Wehrs in den Fluss einzusetzen. Aber auch das gelang und ich paddelte weiter entlang von imposanten Kletterfelsen, die hier das Flusstal begrenzen. 
An einer kleinen Kiesbank machte ich eine Pause und fand wieder einige Hühnergötter, die ich mitnahm. Ich muss mir jetzt eine Sortierung für meine Sammlung durchlöcherter Steine einfallen lassen sonst weiß ich in wenigen Jahren nicht mehr woher die einzelnen Steine eigentlich stammen. Aber vielleicht ist das auch überhaupt nicht wichtig.

An der Brücke in Pousseaux war mein Ausstieg und ich machte noch ein paar Aufnahmen vom Boot vor dem Brückengeländer, trug es zurück zum Auto und machte mich allmählich fertig für die Heimfahrt, die ich noch für eine Nacht in Pesmes unterbrach.


Es war sehr warm geworden und ich verbrachte den Rest des Nachmittags im Liegestuhl. Später zogen Gewitterwolken auf und ich zog mich (auch vor den Mücken) ins Auto zurück. Bald prasselte Regen auf das Blechdach herab und die Nacht brach herein.

8 Tage Frankreich: L'Yonne II


Der Kanal unterquert immer wieder kleine Zugbrücken, die diejenigen, die Vergnügungsmotorboote nutzen ("Le Boat") selbst bedienen können. Ich hatte den Vorteil einfach zügig darunter hindurch paddeln zu können.
Weniger zügig war das Umtragen der häufig den Kanal unterbrechenden Schleusen. Alle paar Kilometer findet sich eine solche. An den meisten befindet sich an Feiertagen und Wochenende jemand, der sie bedient. Viele sind wohl aber auch auf Self-Service eingerichtet. Mein Self-Service bestand in Aus- und Wiedereinsteigen mit dazwischen liegendem Boot- und Ausrüstungtragen.
Die etwas größeren Brücken haben auf einer Seite einen Gangweg, auf dem einstmals Pferde geführt wurden, die an Seilen die Kähne zogen. Die Spuren dieser Seile zeichnen sich immer noch an den Kanten der Brückenpfeiler ab.

Einen eher gruseligen Nachteil haben die Kanäle: wenn ein Tier hineinfällt kommt es selten lebendig wieder hinaus weil die Ufer von kleinen Mauern oder Palisaden eingefasst sind. So sah ich an diesen Morgen ein aufgeblähtes totes Reh im Wasser treiben.


Ich war bis zur Brücke in Flez-Cusy gepaddelt und fand - nachdem ich mich durchs Unterholz geschlagen hatte - einen Einstieg direkt unter einem der Brückenbogen. Dann begann meine Abfahrt, die zunächst recht flott, dann aber auf langsamer fließendem Wasser vonstatten ging.
Das Wasser wurde durch ein Wehr aufgehalten, das wirklich schwierig zu umtragen war. Es war erkennbar, dass ich nicht der erste war, der sich hiermit schwer getan hatte. Es gelang, erforderte aber allerhand Mühen. Auch der Wiedereinstieg war etwas tückisch. 
Aber generell war die Fahrt auf der Yonne richtig schön. Ich hatte ja nun auch Glück mit dem Wetter. Ich sah Nutria und jede Menge Rindviecher. Erneut auch die bunten Elbenschwalben, die ich schon gestern gesehen hatte (ich habe bislang ergebnislos recherchiert).

Kurz vor Asnois kam ein Wehr, an dem ich doch noch einmal aussteigen und durchs Wasser waten mußte weil diesmal der kleine Wehrdamm nicht weit genug überflutet war um mit dem Boot darüber zu gleiten. Ich wollte nicht in den Wehrkanal hinein paddeln.

Schließlich unterquerte ich die kleine Brücke, die hier über den Fluss führt und erreichte meinem Lagerplatz am Flussufer. Hier verbrachte ich die Nacht und brach am anderen Morgen doch noch zur Cure auf. Aber davon berichte ich im nächsten Eintrag.