Sonntag, 11. Mai 2008

275. Fox-encounters

Was bei den Kandiern die Bären sind, die sich daran gewöhnt haben, dass an Camp-sites Lebensmittelbehältnisse geplündert und ab und an ein Tourist verletzt oder verzehrt werden kann, müssen in unseren Breiten - das habe ich heute Nacht erfahren - wohl die Füchse sein.

Aber von Anfang an: Wir wollten gerne drei Tage Mini-Pfingsturlaub auf der teuren Schweizer Seite des Bodensee verbringen (während die versammelte Nachbarschaft, der Freundeskreis und Bekannte sich nach Südfrankreich, Griechenland und andere Billig-Urlaubsländer davonmachte). Schon bei der telefonischen Anmeldung bei unserem bewähren Campingplatz "Ruderbaum" in Altnau sagten sie mir an der Rezeption, dass gegenwärtig ein Fuchs sein Unwesen auf dem Platz triebe. Ich antwortete, wir hätten ja unseren Hund dabei und ein solides Zelt und so düsten wir am Samstagmorgen gen Süden, bauten unser Zelt zwischen einer brasilianischen Folkloregruppe und deutschnationalen Heinofans auf, die sich gegenseitig mit ihren Kofferradios zu übertönen versuchten und verbrachten - schon um dieser Geräuschkulisse zu entgehen - einen entspannten Tag am und auf dem Wasser.

Abends um zehn stellten die Radiostreitkräfte das Kreuzfeuer ein, ich sicherte das Boot da am andern Tag (heute) eine Fahrt nach Bregenz und die Besteigung des Pfänders bevorstand und wir schliefen - da es dunkel war und die Müdigkeit uns übermannte - alsbald ein.
Um Ein Uhr weckte mich irgendetwas, ich öffnete meine Augen, sah nichts aber spürte einen stechenden Schmerz an der Schläfe, fuchtelte - mich des Fuchs' erinnernd - mit dem Arm um mich (der plötzlich auch weh tat) und stieß unflätige Flüche aus.


Der Fuchs war längst weg als ich die Gaslampe anbekommen hatte, der Hund schaute schlaftrunkend um sich und das Blut tropfte aus Schläfe und Arm. Den Rest der Nacht verbrachte ich überwiegend wach und grübelte darüber, ob der Fuchs wohl wiederkommen könnte und was wäre, wenn er ein/zwei Zentimeter tiefer zugebissen hätte.

Am anderen Morgen ließ sich das Gebiss meines nächtlichen Kontrahenten deutlich im Schlafzeltgewebe erkennen (nur zum Größenvergleich und weil nichts anderes zur Hand war und nicht etwa wegen des dramatischen Effekts habe ich ein blutiges Papiertaschentuch daneben gehalten) und das Außenzelt war noch erkennbar hochgedrückt. Das Biest hatte wohl bei seiner Futtersuche Rückzugsschwierigkeiten als ich mein furchterregendes Haupt erhob und biss aus lauter Verzweiflung zu bevor es mein Herumgefuchtel dann doch zum Rückzug bewog (oder waren es die Flüche?) .


Später am Morgen berichtet man uns beim überstürzten Auschecken an der Rezeption, dass die Füchse (drei sind dieses Jahr schon erlegt worden) von den Touristen gezielt angefüttert und vermeintlich 'gezähmt' werden, dass in der Region keine Tollwut herrsche und dass das alles der Belegschaft wirklich sehr leid tue. Das Geld für diese entsetzliche Nacht knöpften sie uns trotzdem ab und wir ramschten unser perforiertes Zelt zusammen und machten uns auf den Heimweg.

Eben komme ich nun von einem reizenden sonnendurchfluteten Pfingstsonntag in den klimatisierten fensterlosen Betonkatakomben der Tübinger Universitätsklinik zurück - man hat mir (um auf Nummer Sicher zu gehen) vier intramuskulär gesetzte Spritzen verpasst (war gar nicht so leicht den Tollwutimpfstoff aufzutreiben) und am Mittwoch und drei weiteren Tagen in den kommenden vier Wochen soll sich diese Prozedur noch wiederholen - es ist mit "Grippeähnlichen" Begleiterscheinungen zu rechnen. Alle Hoffnungen meines jüngsten Sohns, Ole, bezüglich therianthrophischer Effekte dieser Mensch/Tier-Begegnung z.B. in Zusammenhang mit Mondzyklen müssen nun wohl begraben werden. Mir war es letztendlich lieber diesen Behandlungsmarathon über mich ergehen zu lassen weil mir glaubhaft versichert wurde, dass Tollwut bei Mensch und Tier doch unweigerlich zum vorzeitigen Ableben führt.

Die Wildnis und das Abenteuer liegen vor der Tür. Jeder kann sie finden - ich empfehle gegenwärtig Bodenseeurlaube in der Schweiz.

Freitag, 9. Mai 2008

274. Wildwassern

Heute fand Rainers dritte von vier angesetzten Wildwasser- kurseinheiten beim Paddelklub statt. Wieder war ich mit dem kleinen gelben Boot unterwegs weil das gutmütigere blaue den AnfängerINNEN eher zusteht. Zunächst habe ich das wieder bitter bereut weil der Phantom einfach irre kippelig ist aber so allmählich bekam ich wieder ein Gefühl für das kurze drehfreudige Spielzeug und bin damit erstmalig beim Kraftwerkseinfluss flott ins Kehrwasser gerutscht, habe Seilfähren geübt und bin gecarvt - alles eckig und unsicher aber zunehmend flüssiger. Das muss ich so im Team noch häufiger machen, so dass ich damit auch mal z.B. zum Günzburger Übungskanal fahren kann. Thomas fährt da morgen hin. Ich kann nicht da ich mit dem Familienrudel an den Bodensee fahre. Auch schön. Der Familiencanadier ist schon auf dem Autodach.
Das Wildwasserpaddel habe ich zwischenzeitlich - nachdem ich mir massig Ratschläge im CanadierForum geholt habe - mit Epoxid-2-Komponenten-Klebstoff geflickt. Hält tadellos. Zusätzlich habe ich eine Kerbe für meinen Daumen an den Griff geschnitzt weil ich mich am schwarzen Regen ab und an dabei ertappt habe, dass ich mit der Paddelrückseite als Arbeitsseite im Wasser gerührt habe.

Donnerstag, 8. Mai 2008

273. Prospectieren

Seit ich weiß, dass unser 18'-Familiendickschiff ein Prospector ist bin ich etwas skeptischer damit unterwegs. Nichtsdestotrotz haben Ole und ich heute Abend noch eine kleine Eisdielenrunde um die Neckarinsel gemacht - wie so viele Male vorher aber eben das erste Mal in diesem Jahr. Es sind wieder allerlei Stocher- kähne unterwegs, Musik schallt über den Fluss und am Ufer lassen die Leute ihre Füße ins Wasser hängen. Wir leben schon in einer netten kleinen Stadt. Und das Eis war gut!

Unterwegs trafen wir Frank, der mit seiner weißen We-noh-nah - Yacht unterwegs war (er pflegt sein Boot wie es einem aufrechter Segler ansteht). Er leidet als zweiter Stocherkahnwart darunter, dass der erste sich beständig im Urlaub befindet, die Lacke bei einem dritten (der wiederum auch weg ist) lagern und der Kahn zwar abgeschliffen aber noch nicht gestrichen ist. So lange bleibt unser Vereinskahn eben auf dem Trockenen.

Ähnlich geht es dieses Jahr vielen Kähnen, - die Witterung ließ erst späte Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten zu. So waren die Stocherkahn-Leute auch jetzt wieder auf dem Vereinsgelände zugange und verfeuerten ersetzte Kahnteile in unserer Feurerstelle.
Vor den Einlagern lehne ich das Boot (bei wenig Wind) immer ans Bootshausdach - ich muss mich mal dafür einsetzen, dass wir am Bootshaus eine Bootsablage in Kopfhöhe montieren. Dann muss man ein ordnungsgemäß über Kopf getragenes Boot nicht mehr vor dem Öffnen der Bootshaustore ablegen nur um es dann mühsam wieder zum Einlagern hoch zu wuchten. Aber die meisten lagern ihre Boote ja ohnehin Kielunten, was für die Lagerung von Paddeln und Zubehör zwar praktisch, für das Boot aber kein bisschen gut ist.

Montag, 5. Mai 2008

272. Wildwasserkurs Tag 3+4

Tag 3 - Samstag


Am diesem Tag lieh mir Werner, der heute aussetzte (jetzt waren's nur noch zehn), sein gekehltes Lettman C-Paddel, das ebenfalls gut in der Hand liegt und obendrein bezahlbar ist. Armin entschied sich für eine erneute Befahrung des Bärenlochs. Diesmal die kürzere Strecke von Oberauerkiel nach Teisnach. Es war Samstag und jede Menge Leihbootfahrer, Schlauchboot- und Kajakpiloten (die wenigsten mit Sicherheitsausrüstung) waren unterwegs. Es scheint lediglich eine Frage der Zeit zu sein, wann es erneut zu Unfällen kommt und wann der Fluss dann für Paddler gesperrt wird.

Meine in den Vortagen erworbene Sicherheit wurde durch eine gewisse körperliche Ermattung ausgeglichen, so dass sich mein ambitionierter Altherrenstil nicht wesentlich besserte aber das erneute Fahren des gleichen Flussabschnitts bei etwas niedrigerem Wasserstand erwies sich doch als recht lehrreich.

Armin deutete Anerkennung für das eine oder andere Manöver an, hob aber hervor, dass mein vortreffliches Boot so manches für mich täte, was ich selbst noch nicht zustande bekam. Dafür bin ich dem Boot zutiefst dankbar. Falk gab mir einige hilfreiche Tipps zum besseren Beschleunigen aus dem Kehrwasser heraus (mit dem Paddel Wasser unter den Bug schieben, durchziehen und eine kurze knackige Stütze gegen den Süllrand gekantet) und Elke warnte mich vor zu viel Gespritze, denn damit outen sich die Paddelschläge als ineffizient. Insgesamt muss ich künftig viel ruhiger und kontrollierter paddeln und im richtigen Moment rasant werden ohne die Kontrolle zu verlieren - ein Wechselspiel zwischen Altherrenstil und jugendlich rasantem Wildwassern. Ich übe noch...

Diesmal treidelten die meisten bei der Umtragestelle an der Papierfabrik im Kanal - ich trug mein Boot über Kopf weil es so angenehm leicht ist.


Abends nach dem Essen (und mit Feuer im Zeltofen) saßen wir noch einige Zeit im Freien und unterhielten uns über die Canadierszene, die ja eine kleine aber vielschichtige ist. Wie so oft verabschiedete ich mich recht früh, da mein Schlafsack im geheizten Zelt laut nach mir rief. Die tagelange Paddelei kann doch für einen nur mäßig trainierten Schreibtischsitzer recht ermüdend sein.


Tag 4 - Sonntag

Am anderen Morgen wählte ich das etwas klobige Metzler-Vereinspaddel, das ich mir als Ersatzpaddel mitgenommen hatte und wir paddelten das fehlende Stück zwischen Teisnach und Gumpenried. Bernd und Marion verzichteten diesmal - da waren's nur noch neun. Anfang mussten wir uns ein wenig neben dem Kanal durchs flache steindurchsetzte Wasser quälen (überhaupt die Steine - die sollten im Wildwasser glatt verboten werden, war die einhellige Meinung). Da der Abschnitt kurz ist wurde jede Spielstelle ausgiebig beackert und eine kleine Surfwelle hielt uns locker eine halbe Stunde auf.

Diesmal kam ich gut zurecht, schonte aber meine Kräfte, da mir noch eine lange Autofahrt bevorstand. Deshalb machte ich mich an der Aussatzstelle auch zügig aus dem Staub um schon mal Zelt und Ofen abzubauen - als die anderen kamen stand gerade noch das nackte Zelt. Als das schließlich auch abgebaut war ging die Verabschiedungsrunde los. Mit Armin verabredete ich noch, dass ich - wenn Geld und Zeit reichen - an einem der kommenden WW-Kurse in ähnlicher Besetzung wieder teilnehmen werde. Seine Bereitschaft dazu betrachte ich klammheimlich als kleine Auszeichnung. Anschließend machte ich mich ermattet aber zufrieden auf den langen Heimweg.
Hier die Pegelwerte der dreieinhalb Kurstage:Fazit:

Kurs: die Kurskultur von Armin hat mir nach anfänglichem leichtem Befremden letztlich gut behagt - die Situation mit neun bis 13 Paddlern auf dem Wasser zu sein und nach einleitendem Sicherheitstraining quasi "gecoachte" Touren zu fahren, bei denen man sich Ratschläge einfordern kann oder einfach im Rahmen des Tourenkonzepts herumprobiert bzw. an Armins Übungen teilnimmt (Seilfähre hin und zurück, Abweiser richtig anfahren,...) finde ich ideal. In keiner Situation (vielleicht mit Ausnahme dieses furchteinflößenden Gumpenrieder Schwalls, den ich nun zum Abschluss mit erheblich weniger Zaudern abpaddeln würde) habe ich mich "unbehütet" gefühlt. Meine künftigen Trainingseinheiten im Paddelklub muss ich möglichst analog organisieren, damit die gewonnene Sicherheit nicht verloren geht.

Kenntnisse: Hinzugewonnen habe ich doch allerhand Kenntnisse und Fertigkeiten, die vorher allenfalls theoretisch da waren. Das Vermögen einfach quer zur Strömung zu treiben und die Wellen abzureiten, die konsequente Ansteuerung von Kehrwassern im 90°-Winkel und das Erkennen von Abweisern aus der Distanz wird mir weiterhin eine Hilfe beim Trainieren sein. Üben muss ich Kehrwassereinfahrten auf der rechten Seite ("Übergreifen"/Ziehschlag/Post). Mit Sicherheit wird sich wieder die eine oder andere Unart einschleichen aber beim nächsten Kurs wird es Armin sicher gelingen sie mir auf seine etwas stoische hintergründig witzige Weise wieder auszutreiben. Auf dem Wasser während des Kurses ist seine Autorität eben über jeden Zweifel erhaben. Umso mehr muss er an Abend nach dem Kurstag dann auch einstecken.

Ausrüstung: Ich war also an diesen vier Tagen mit vier verschiedenen Paddeln (zwei unterschiedlich gekehlt und zwei gerade) unterwegs gewesen und habe den Unterschied kaum wahrgenommen - entweder weil er nicht so groß ist oder aufgrund meiner eingeschränkten Sensibilität. Gleichwohl ist mir die Mangelhaftigkeit meiner Ausrüstung doch bewusst geworden. Ich brauche eine vernünftige Schwimmweste mit Bergesystem (und durchgehenden Riemen), einen deutlich besseren Helm, in den keine Zweige eindringen können und ich sollte mir noch ein zweites Wildwasserpaddel zulegen (das ist aber nachrangig, wenn ich das kaputt gegangene befriedigend repariert kriege und dann kann es gerne das bezahlbare von Lettmann sein). Dann wäre da noch die Sache mit dem Trockenanzug - auch fürs Wintertraining auf heimatlichem Flachwasser. Das ist im billigsten Fall eine 239,- Euro-Anschaffung; mit zusätzlichem ("Relieve"-) Reißverschluss und Füßlingen daran dann doch eher 300,-. Da muss ich wohl noch sparen und etappenweise vorgehen.

271. Wildwasserkurs Tag 2

Tag 2 - Freitag

Beim sonnigen Frühstück im Freien teilte Klaus uns mit, dass er nun doch lieber zu seinem Hausarzt fahren wollte um einen EKG machen zu lassen da ihm der Vorfall von gestern doch zu denken gegeben hatte. Sein Bruder Günter begleitete ihn. Da waren's nur noch 11.

Nach dem Frühstück betrieb Armin mithilfe seines Playmobilboots, Bill (Linkspaddler) und Chingachgook (Rechtspaddler) und einigen Schnüren und Steinchen, die den Flusslauf bildeten, Theorie. Er spielte allerhand Manöver durch, die richtig benamt und theoretisch ausgeführt sein wollten. Wir beteiligten und mit wechselndem Erfolg am Frage-Antwort-Spiel. Später auf dem Fluss sollte Armin immer mal wieder das Spielzeug hervorkramen um bewältigte Stellen oder bevorstehende zu erklären.

Wir fuhren heute von Oleumhütte nach Teisnach. Der Flussabschnitt beinhaltet gegen Ende das berühmt berüchtigte Bärenloch vor dem ich schon deshalb gehörigen Respekt habe, weil darin vor zwei Jahren bei hohem Wasserstand zwei Paddler ertrunken sind (sie fuhren ohne Helm und Schwimmweste / die Diskussion im Canadier Forum war damals lang und heftig). Seitdem stehen an allen Einsatzstellen Schilder, die auf die Helmtrage- und Schwimmwestenpflicht hinweisen.


Anfangs bot der Fluss eine nette Übungsstrecke und Armins Kommentare (wenn ich mich an ihn herantraute und welche "ernten" konnte) verhießen eine Steigerung meiner Leistungen vom Bill-Mason-Stil zu einem Altherrenstil, der zwar tolerabel aber nicht anstebenswert sei. Er erklärte mir, wie ich etwas rasanter vorankommen konnte. Das eine oder andere Kehrwassermanöver (meist die nach links) erntete anschließend auch mal ein motivierendes "Schön" aber hin und wieder (meist bei rechts liegenden Kehrwassern) musste ich mich der eher schwer zu beantwortenden Frage "was war denn das?" stellen.


Dreimal an diesem Tag wäre ich bei diesen kniffligen Übergreif- manövern beinahe gekentert, konnte das Boot aber gerade noch abfangen und einmal an einer flachen völlig übersichtlichen Stelle verkantete sich mein übergriffenes Paddel so hinter dem Boot, dass ich ins Wasser rollte. Da das Wasser hier nun wirklich gerade einmal 35cm tief war konnte ich mich schnell wieder aufrichten, das Boot an einem Steinblock in der Flussmitte entleeren und weiterfahren.


Irgendwann zwischenzeitlich nahm ich wahr, dass mein Paddelgriff sich bewegte. Ich lieh mir Franks Ersatzpaddel - ein ungekehltes Robson-Paddel - sehr schön zu handhaben.

Zwischenzeitlich zwangen uns einige Donnerschläge ans Ufer, wo wir im Schutz eines Felsüberhangs eine Weile abwarteten. Aber das Gewitter zog vorbei, so dass wir anschließend die Welle reiten konnten, die vor uns im Fluss während des Wartens verlockend vor sich hin gerollt war. Selbst mir, der das mit dem Wellensurfen nicht so drauf hat, gelang es, mich darin einige Zeit zu tummeln (ich kann aber immer noch nicht so recht den Reiz dieser Gleichgewichtsübung nachvollziehen)

In Oberauerkiel machten wir eine längere Pause um dann ins eigentliche Bärenloch zu fahren.

Hier mäandert der Fluss in stetem Gefälle durch den Wald, zahlreiche Steine liegen im und unter dem Wasser und es ist kein Wunder, dass es hier immer wieder zu Kenterungen kommt. Fatal können sie enden, wenn man - wie ein vorbeipaddelnder Kajak-Fahrer weder Helm noch Schwimmweste trägt und sogar noch einen Bootswagen aufs Vordeck geschnallt hat. An diesem Tag mussten wir nur über ihn und wenige andere den Kopf schütteln. Am nächsten kamen wir aus dem Kopfschütten gar nicht mehr heraus.


Zusätzlich problematisch ist bei Rettungssituationen, dass außer wenigen teils zerfurchten Holzabfuhrwegen keine Straßen in das Flusstal führen. Bis Rettung von außen da ist kann lange Zeit vergehen.

Das Wehr der Papierfabrik in Teisnach bot - kurz vor Ende der Strecke - eine achthundert Meter lange Umtragungsstrecke, die irgendein unfähiger Bauleiter bei der Kanalmauererhöhung mit Schuttbergen und Betonhaufen in Form und Format von Riesentrollexkrementen garniert hat - eine unnötige und offensichtlich böswillige Schikane (im Fall von Rettungsmaßnahmen möglicherweise tödliche Hindernisse). Anschließend setzt man die Boote dann hinter der Papierfabrik ein um den Krafwerksausfluss zu durchfahren und nach 500 Metern an der Aussatzstelle unter der Straßenbrücke anzukommen.

Wir kamen erst spät zum Zeltplatz, aßen schnell und gingen früh in die Schlafsäcke. Mein Zelt war wieder mollig warm da ich gleich beim Heimkommen den Ofen angeheizt hatte um die nassen Sachen trocken zu kriegen.

Nachtrag: Heute abend war ich (weil Røskva unbedingt mitwollte) erstmals wieder mit dem Flachwasserboot und Sit'n'Switch betreibend unterwegs. Der Übergang ist - anders als erwartet - völlig problemlos. Ich stelle nur fest, dass ich mich erheblich mehr ins Zeug lege nach den vier Tagen auf wildem Wasser. Ich war in Rekordzeit um die Neckarinsel und nach einer knappen Stunde wieder zuhause bei meinen vernachlässigten Kindern.
Morgen kommt der Bericht über den 3. und 4. Tag Wildwassserkurs.

270. Wildwasserkurs Tag 1

Nach einer etwas beschwerlichen Anreise am Mittwochnachmittag (Feierabendstau ab München) kam ich am Abend in Viechtach an, wo Armin und Elke bereits mit Uli vor dem Zelt saßen von wo aus sie mir beim Aufbau meiner beheizten Unterkunft zusehen durften. Wir saßen dann noch einige Zeit im Freien, bis der Regen gegen 22:00 Uhr das Signal zum Schlafengehen und Kräftesammeln für die vier folgenden Tage gab.

Noch während der milden etwas verregneten Nacht traf Bernd ein und Peter hatte sich mit seiner Familie auch schon vorher auf dem Platz niedergelassen, was aber erst am Donnerstag um 10:00 Uhr offenbar wurde als sich alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei klarem Wetter trafen: die Brüder Klaus und Günter aus München, Marion, Werner und Falk, Michel und Frank. Insgesamt waren wir 13.

War mir schon am Vorabend klar geworden, dass das ein höchst heterogener Haufen von Könnern, Ko-Trainern, Veteranen und blutigen Anfängern war, so wurde mir an dieser Stelle, an der schon einmal die Ausrüstung durchgesprochen wurde, letztlich klar, dass ich mich selbst getrost den paar verwegenen Greenhorns zurechnen konnte, die sich mehr oder weniger in den Kurs hineingemogelt hatten und mit denen Armin und seine Helfer letztlich am meisten Mühe haben sollten.


Tag 1 - Donnerstag

Der Kurs begann mit einer Einweisung in die Kursetikette, deren zentrales Kernelement die unanzweifelbaren Führungsposition und Entscheidungsmacht von Armin auf dem Wasser ist - eine notwendige Aushebelung demokratischer Grundtugenden zum Zweck der allgemeinen Entscheidungssicherheit (und -schnelligkeit) in Krisensituationen. Dann machten wir einige Übungen im Wurfsackwerfen denn auf dem Plan stand heute der Gumpenrieder Schwall, der nicht etwa einfach im Boot "bewältigt" sondern in einer kontrollierten Rettungssituation durchschwommen werden sollte.

Nach den Wurfübungen machten wir uns also auf zur Einsatzstelle in Gumpenried, wo wir - anders als an den Folgetagen nicht erst das Autoumsetzproblem lösen mussten, da unser Ziel diesmal der Campingplatz war. Nachdem alle ihre Aus'Rüstung' angelegt hatten (mindestens 8 verfügten über luxuriöse Trockenanzüge, deren Vorteile sie heute wahrlich zu schätzen lernen sollten) setzten wir die Boote ins Wasser und paddelten, erste Kehrwassermanöver mit Frank durchspielend an den Schwall, vor dem wir die Boote anlandeten um die ganze Sache mal zu besichtigen: Ein beeindruckender Katarakt, der erfreulich (für meine Verhältnisse auch beängstigend) viel Wasser führte (Hier ein Panorama-Bild)


Frank und Falk paddelten eben mal gekonnt den Schwall hinunter und positionierten sich in ihren Booten am Schwallende. Wir stellten uns am Flussrand an allen erdenklichen Stellen mit unseren Wurfsäcken auf und Marion machte den Anfang indem sie oben in der Flussmitte ihr Boot aktiv kenterte. Lehrbuchmäßig platzierte sie ihr Boot vor sich und schwamm Füße voraus und an der Wasseroberfläche mit dem Paddel in der Hand hinter dem Boot her - dabei schob sie das Boot immer wieder nach vorne, was ganz am Ende nicht mehr so recht klappte - kurze Zeit später sollte mir klar werden warum das so knifflig ist.

Erst nachdem auch ich einmal einen Teilnehmer samt Boot mit dem Wurfsack rausgezogen hatte (ein Glück, dass mein Wurf an die Stelle traf, die ich angepeilt hatte) war ich mit Schwimmen dran und musste feststellen, dass der schwarze Regen in dieser Jahreszeit doch noch lausig kalt ist. Mir blieb erstmal die Spucke weg und ich meine, dass ich auch erstmal herzhaft gähnen musste. Jedenfalls schluckte ich während des wilden Ritts allerhand Luft und Wasser und konnte ganz an Ende auch nicht verhindern, dass das Boot schräg vor mich trieb. Immerhin war der Wurfsackwurf so exakt, dass ich das Seil gut greifen konnte und so am Ende des Schwalls gut (aber beständig rülpsend) wieder aus dem Wasser kam.

Bei Klaus, der nach mir gekentert war, ging doch gleich anfangs so viel schief, dass er Boot und Paddel loslassend nach Hilfe winkend wesentlich weiter oben gleich wieder herausgezogen wurde und lange noch nach Luft schnappen musste. Auch er hatte - wie ich - nur einen Neoprenanzug an und durchlitt offenbar einen leichten Kälteschock, den zu überwinden ihm nicht so gut gelang wie mir. Falk als Rettungssanitäter konnte ihn wieder auf die Beine bekommen aber uns wurde allen klar, dass diese Übung sehr dicht an der Realität einer wirklichen Rettungssituation angesiedelt war.


Später trugen die meisten ihre Boote wieder nach oben und befuhren den Schwall. So auch ich. Obwohl von "Befahrung" bei mir nicht wirklich die Rede sein konnte: Bei der abendlichen Videoanalyse konstatierte Armin, dass ich einen "Bill-Mason-Stil" habe (und das war - auch beim besten Willen - nicht als Kompliment gemeint) und mich unter Nutzung einer "Mogellinie" um die schwierigen Stellen herumdrückte (was zur Folge hatte, dass ich einmal so auf einen flachen Felsen auflief, dass ich nur noch rückwärts runter kam und ein Stück des Schwalls rückwärts "bewältigte"). Wenn ich das so beibehalten wolle könnte ich mir die Kursteilnahme sparen. Meine etwas schwächliche Erwiderung, dass ich meinte, zum Wildwasserfahren gehöre ja doch dazu, die schwierigen Stellen zu umfahren, also in dem Fall den hohen Wellen durch allerlei Kehrwassermanöver im Randbereich zu entgehen, regte Armin zu der Überlegung an, uns doch am Folgetag den Schwall erneut mit Boot aber ohne Paddel fahren zu lassen um zu beweisen, dass es da keine "schwierige Stelle" gab und dass die Wellen das Boot schon nicht umwerfen, wenn man sie ordentlich abreitet.


Das war für mich schon mal (hinter all der etwas schwer verdaulichen Kritik) ein Aha-Erlebnis: Wellen, selbst querschiffs, machen nix solange das Boot auf der Wasseroberfläche horizontal liegt und der Paddler vertikal zum Erdmittelpunkt bleibt. Sie werden locker aus der Hüfte "abgeritten". Schwierig werden erst Rückläufe in stark brechenden Wellen.


Die restlichen Kilometer paddelten wir, weiterhin jedes erdenkliche Kehrwasser ausnutzend zum Campingplatz wobei die Kursphilosophie sich mir sehr allmählich erschloss. Hier wird nicht dogmatisch auf Körperrotation, Paddelbox und Aufkantwinkel geachtet - Armin sagt, dem, der sich in seiner Nähe hält und Rückmeldung einfordert, was er wissen muss und wer es vorzieht mit Abstand seinen Kurs zu fahren kann dies einfach mit der Sicherheit der Gruppe (hinter dem Führungsboot und vor dem Abschlussboot) tun. So entpuppten sich auch vermeintliche Profis als routinierte Paddelseitenwechsler, was ja auch völlig Okay ist solange man in den kniffligen Passagen nicht auf zeitaufwändige Seitenwechselmanöver angewiesen ist).

Am Abend nahmen wir uns - nach einem luxuriösen Abendessen im Lokal - die Videoaufnahmen vor und analysierten unsere Paddelmanöver. Meine Pirouette auf dem flachen Felsen (mit freundlichem Winken in die Kamera) löste gehörig Heiterkeit aus.

Währenddessen hatte ich im Zelt den Ofen angeheizt damit die nassen Sachen trocken konnten. So kroch ich spät im warm geheizten Zelt in meinen Schlafsack. Die Nacht wurde lausig frisch und ich legte mir Anfeuerholz zurecht um am anderen Morgen als erstes wieder den Ofen anmachen zu können.

Sonntag, 4. Mai 2008

269. Wer war das?

Gleich am zweiten Tag des Wildwasserkurses (ich werde etappenweise berichten wenn ich die Bilder von Falk kriege) ist meine neues Wildwasser- paddel kaputt gegangen. War wohl doch nicht so solide zusammengefügt, wie der Verkäufer (von dem ich nur den Vornamen weiß) beim GOC-Treffen versprochen hatte. Jetzt muss ich mich mit Epoxidkleber und seiner Verwendung vertraut machen.