Freitag, 21. Juni 2013

Leihbootpaddeln


Als ich vor fünf Jahren anlässlich eines Betriebsausflugs erstmalig mit Kollegen in Leihbooten unterwegs war hatte ich mir vorgenommen, das so bald nicht wieder zu machen. Fünf Jahre sind vergangen, es sprach nichts geben einen neuen Versuch.

Wir fuhren in vier Bussen nach Sigmaringen, wo gegenwärtig eine Gartenschau stattfindet, für die die gesamte Stadt umgekrempelt wurde und in deren Zusammenhang die Donau für Paddler im Stadtgebiet gesperrt wurde. Letzteres finde ich  skandalös.

Die Befahrungsregelungen auf der Donau sind ohnehin verstörend kompliziert (jeder Landkreis hat eigene undurchschaubare Regelungen). Die mehrmonatige Vollsperrung aus Gründen des "Städtemarketings" passt zwar gut in dies Nichtkonzept, ist aber für Wanderpaddler katastrophal. Horb hat es vor zwei Jahren etwas besser gemacht. Da durfte lediglich nicht angelandet werden (was wir damals erst erfuhren als wir schon im Café saßen und die örtliche Wirtschaft förderten).


Mit einem Bus fuhren wir Bewegungswillige (Wanderer und Paddler) von Sigmaringen aus weiter nach Gutenstein, wo uns "Jonny", der nach eigenem Bekunden hochbezahlte Angestellte des Verleihers,  eine Einweisung ins Paddeln gab. Erstaunlicherweise redete er dabei viel vom Kentern. Folgerichtig bekamen wir dann auch jeder eine Schwimmweste ausgehändigt. Seine Schilderung der Paddeltechniken war weniger ausfühlich (was die Häufigkeit von Kenterungen ansatzweise erklärt).

Eingesetzt wurden vor allem PE-Boote aus französischer Produktion. Das sind diese Boote, die an der Ardeche immer in sehenswerte Massenkarambolagen verwickelt sind. Ich kann nach dieser Fahrt nicht verstehen, dass man überhaupt mit so einem brettstabilen Boot kentern kann. Spaß haben kann man damit aber auch nicht wirklich.

Das Boot mit dessen Hilfe uns Jonny in die Geheimwissenschaft des Paddelns einwies stammte von einem anderen Hersteller (tschechisch?). Es erinnerte mich an Dinosaurier und ich habe aufgedruckte blutunterlaufene Augen und ein zahlbewehrtes Maul vermisst.


Die Fahrt ging (bei einem Pegel von gut 80 cm)  unter der Straßenbrücke in Gutenstein los, führte uns um eine große Flusskehre zu einem ca. 300 Meter entfernten Grillplatz, an dem wir erstmal eine ausgiebige Pause einlegten. Dann paddelten wir 500 Meter weiter, umtrugen das Schrägwehr oberhalb der Mühle, das bei diesem Pegel nur mit Leihbooten befahren werden kann (wir sahen davon ab) und sollten dort eine weitere Pause zur Stärkung einlegen.


Drei Bootsbesatzungen sahen nicht recht die Notwendigkeit für erneute Erfrischungen (obwohl es tatsächlich drückend  warm war) und paddelten langsam weiter. Die meiste Zeit ließen wir uns treiben. Hier und da, wo Hahnenfuß das Fortkommen im Wasser behinderte, oder doch tatsächlich kleine Steinhindernisse Manöver erforderlich machten, griffen wir zu den Paddeln. Gut drei Kilometer ging es so zwischen schroffen Felswänden und bewaldeten Hängen und Wiesen gemächlich voran.


An einer Stelle wurde der Fluss doch recht sportlich - wenn man sich links hielt, was wir taten. Da musste man um einige größere Felsbrocken herum navigieren, die offenbar von einem alten Felssturz stammen. Eine nachfolgende Mannschaft folgte unserem Beispiel und schlug sich vorbildlich. Die anderen wählten die harmlosere Route rechts. Nach dieser Stelle kamen wir am Amalienfelsen vorbei, dessen Inschrift bei diesem Sonnenlicht und Schattenwurf schwer zu entzifffern war.

Hiernach kamen wir an der Mündung der Schmeie vor bei, die munter in die träg dahin fließende Donau plätschert. Offenbar führt sie in dieser Jahreszeit recht viel Wasser. Vor drei Jahren war das schließlich auch der Fall. Vielleicht sollten wir diese abenteuerliche Befahrung mal wiederholen.

Nicht weit darauf bekamen wir es mit dem Wehr in Laiz zu tun, das über eine Bootsrutsche verfügt. Es handelt sich um eine Betonrinne, die auf Knopfdruck geflutet wird. Vor zwei Jahren haben wir uns das schon einmal angesehen. Da war der Mechanismus allerdings nicht in Betrieb. Diesmal funktionierte es. Die Abfahrt war enttäuschend gemächlich. Kaum ein Tropfen Wasser spritzte, die Betonwände verunmöglichen jeden Paddeleinsatz.

Mit einem Boot mit edlen Holzsüllrand sollte man die Bootsrutsche wohl besser nicht benutzen.


Bald darauf erreichten wir schließlich Sigmaringen und die Flusssperrung. Der Verleiher hat an der Stelle (Campingplatz) seine Basisstation. Wir stiegen aus, rafften unseren Krempel zusammen, bezahlten (uns wurde sogar eine Dusche angeboten!) und stiefelten bei ersten Regentropfen zum Biergarten. Als wir dort unter den schützenden Schirmen saßen prasselte es los. Aber der Regen dauerte kaum eine Viertelstunde, in der wir Erfrischungsgetränke und Eiskaffee genossen.

Daraufhin ging es auch schon zu den Bussen, die uns über die Schwäbische Alb wieder zurück beförderten.


Anders als letztes Mal war dieser Betriebsausflug mit Bootsfahrt entspannend. Über die Qualität der Leihboote sage ich lieber nichts mehr aber der Service des Verleihers hat bei mir einen guten Eindruck hinterlassen. Wir wurden Zeugen von zwei Kenterungen (Kajakpaddler) und ich bin sicher, dass die Leihbootfahrer auf der Donau dergleichen öfter erleben. Aber das (und die miserablen Boote) scheint ihnen nicht den Spaß am Leihbootpaddeln zu nehmen. Eine mehr an Paddeltechnik orientierte Einführung würde die Kenterrate vermutlich auch nicht gerade senken.

Alle fünf Jahre kann ich mich - denke ich - guten Gewissens auf so eine Aktion einlassen. So ideale Bedingungen wie diesen Donnerstag und so ein perfektes Wettertiming werden jedoch bei künftigen Betriebsausflügen wohl kaum zu erreichen sein.


Die Donau bei Sigmaringen ist allemal eine Paddeltour wert. Vielleicht unternehmen wir ja mal wieder eine in einer anderen Jahreszeit, in der die Befahrungsregelungen nicht so restriktiv sind und die Pegel eine spontane Fahrt zulassen. Das eine oder andere Mal hatten wir auf den Donauabschnitten dort ja schon richtig viel Spaß.

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