Mittwoch, 22. August 2018

Vorderrhein im August


Klemens, Anita und ich reisten gemeinsam in meinem Handwerkermobil an, d.h. die beiden mussten auf der Doppelsitzbank eng beieinander sitzen und durchhalten bis wir - nach einer etwas wirren Fahrt durch die Schweiz - in Carrera ankamen.

Es waren Lutz und Norbert, die zur Anfängerfahrt an den Lech aufgerufen hatten. Wir erklärten uns zu fortgeschrittenen Anfängern meldeten uns zaghaft an und wurden akzeptiert. Der Lech hatte zu wenig Wasser. Also gings an den Vorderrhein. Der hatte grad mal genug Wasser. Viel wars auch nicht.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am Freitagabend auf dem Campingplatz in Carrera an, auf dem wider Erwarten reichlich Platz war. Abendessen wurden präpariert und es ging zeitig ins Bett.


Am anderen Morgen starteten wir die erste Fahrt (nachdem die Autos nach Reichenau gebracht worden waren) von Versam-Station aus. Das wenige Wasser war klar und spritzig und bot doch allerhand spannende Stellen, die sonst vom vielen Wasser großzügig überspült sind.


Bei diesen Wasserbedingungen ließen sich die Berghänge links und rechts vom Fluss besonders gut betrachten. Die beeindruckenden Felsformationen lassen jeden Augenblick erwarten, dass ein kapitaler Felsen ins Wasser rollt.


Tatsächlich konnten wir während unserer Pause auf einer Kiesbank beobachten, wie kontinuierlich Steine den Abhang hinunter rollen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich ein großer Felsen löst und eine neues Kehrwasser im Fluss bildet oder gar seinen Verlauf ändert.


In Reichenau angekommen wurden Boote und Ausrüstung verpackt und gut beladen ging es dann über den kleinen Pass zurück nach Carrera. Wolken zogen auf und Gewittergrollen war in der Distanz zu hören. Der Abend blieb dennoch trocken.


Am Sonntagmorgen - nach dem Auschecken am Campingplatz - wurden die Autos wieder aufwändig umgesetzt. Paddlerinnen und Paddler wurden an der Glennermündung in Illanz zurückgelassen und die Autos nach Trin verfrachtet.


Der Glenner floss klar in den total braunen Vorderrhein, der doch erfreulich gut Wasser führte. - Ein vorbeikommender Raftguide warnte uns, dass das Wasser am Kraftwerk jetzt abgeriegelt würde. Und tatsächlich. Fast schlagartig sank der Pegel auf ein Maß, das ich am Vorderrhein noch nie gesehen habe und auch nicht mehr sehen will.


Am Schwarzen Loch, der angsteinflößenden Schlüsselstelle dieses Vorderrheinabschnitts, bestand der Rhein nur aus einem Rinnsal, durch das wir uns fast mühsam nach unten durch arbeiteten. Die hier sonst einschüchternd brodelnden Wassermassen fehlten gänzlich.

Die Anfänger bekommen jetzt einen völlig falschen Eindruck von den Schwierigkeiten und Herausforderungen, die der Vorderrhein gewöhnlich zu bieten hat.


Eigentlich hätten wir uns den Aufwand mit der Fahrt nach Trin sparen können. Bereits in Versam waren die meisten schon ziemlich geschafft. Nach Trin dümpelten wir letztlich ziemlich lethargisch hinunter.


Immerhin gabs da für unsere letzten Schweizer Franken Kaffee und Schokoladenkuchen.


Das Café in Trin ist stets einen Besuch wert. Wir okkupierten einen großen Tisch und es wurde dann doch nach Fünf Uhr bis wir uns alle verabschiedet hatten und den Heimweg nach Tübingen antraten.
Wie bei fast allen Vorderrhein-Wochenenden bedauerten wir, dass wir nich eine ganze Woche hier verbracht hatten. Es gibt ja genug zu sehen in der Gegend. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

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