Dienstag, 7. August 2018

Soča 2018

Sonntag:
Wir sind richtig früh am Sonntag losgefahren. Das ist ein Zumutung für viele und es war eine unnötige denn wir sind noch vor München auf eine Vollsperrung der Autobahn gestoßen. Aber das konnten wir natürlich nicht vorher wissen.

Letztlich waren wir zehn Stunden unterwegs, haben in der Nachmittagshitze unsere Zelte aufgebaut (ich schlief im Auto, was das Zeltaufstellen erübrigte) und nahmen abends mitgebrachte Maultaschen zu uns.

Montag: Am Montagmorgen zog es mich erst einmal an die Koritnica-Mündung, an der kläglich wenig Wasser in die Soča floss. In diesem Jahr sollte es nicht zu einer Befahrung der Koritnica reichen. Ich stand stets vor den anderen auf, machte Kaffee und genoss die Ruhe und die kühle Luft. Bad genug kam die Sonne hervor und heizte das Tal noch während unseres Frühstücks auf.


Wir machten uns am Vormittag nach Frühstück und allerlei organisatorischer Tätigkeiten zur "Hausstrecke" auf, besichtigten mit Stirnlampen den Stollen neben dem dritten Canyon, sahen uns dessen Einfahrtstufe an.

Wir verzichteten darauf in den Canyon hinein zu paddeln. Wir hätten die Boote anschließend über die Ausgangsstufe herunter tragen müssen. Fahren konnte man die nicht. Es war einfach zu wenig Wasser auf dem Fluss.


Aber für eine Abfahrt auf der Hausstrecke mit gelegentlichen Grundberührungen reichte das Wasser. Und sogar für Sprünge von der Hängebrücke am "Frauenschlucker". Dort ist das Wasser tief genug. Anderswo galt es um Felsen herum zu manövrieren.

Nach über vier Stunden am Campingplatz zurückgekommen spannte ich das Tarp auf. Da mein Auto jedes Mal für Umsetzfahrten eingesetzt wurde musste ich mir gut überlegen welchen Aufwand ich betrieb um mir eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen.
Dienstag:
Erneut wählten wir die Hausstrecke, schlossen diesmal aber die "untere Hausstrecke" mit an. Wir benötigten ähnlich viel Zeit wie gestern für den oberen Teil allein. Der "Italienerschwall" war äußerst steinig und nur mäßig spaßig.


Das kühle grüne Wasser, das da war, verhalf uns während des Paddelns zu Abkühlungen. Kenterungen wurden in Kauf genommen - alle außer mir beherrschen die Eskimorolle.


Mittwoch:
Jetzt hatten wir genug von den Hausstrecken und entschieden uns die "Friedhofstrecke" zu paddeln. Die Kinder und Jugendlichen, die bei dieser Fahrt dabei waren, beherrschten ihre Boote alle so gut, dass das problemlos möglich war.


Wir machten gelegentlich Pausen, in den wir uns abkühlten und am "Korkenzieher" wurden unterschiedliche Linien erprobt. Trotz des niedrigen Pegels war sogar die Befahrung der Chickenline ganz links möglich. Die nahm aber niemand.


In Trnovo angekommen wurden die Boote verladen...


...und anschließend die Slalomstrecke angesehen, die bei diesem niedrigen Pegel wenig Schrecken verströmt. Es soll jedoch so sein, dass die Schlitze in ihren Stufen jetzt besonders giftig sind und das Risiko eines Steckunfalls besteht. Wir probierten das nicht aus.

Abends wurde gegrillt und die Jugend setzte sich mit den Erwachsenen an eine lange Tafel.


Donnerstag:
Am nächsten Tag fuhren wir erneut die Friedhofstrecke und waren etwas wagemutiger als am Vortag. Ich büßte das bereitwillig mit zwei erfrischenden Kenterungen, bei denen ich beide Male Boot, Paddel und mich selbst rettete.


Am Nachmittag liefen wir dann noch hinauf nach Bovec um gemeinsam Eis zu essen. Danach ging es wieder zurück zum Campingplatz und von dort aus hinunter an den Fluss zu einer besonders tiefen Stelle, an der von einem hohen Felsen Sprünge unternommen werden konnten. Ich beschränkte mich aufs Dokumentieren. Ich war heute ja schon geschwommen.
Es gibt jede Menge Bilder von dieser Sprungaktion und ich habe auch das eine oder andere kleine Filmchen gedreht. Die Springerinnen und Springer kletterten immer höher und animierten vorbei kommende Paddler ebenfalls zu springen.


Freitag:
Am Freitag setzte sich eine kleine Gruppe ab und paddelte die Abseilstrecke. Mein schweres Boot verschaffte mir nachhaltige Nackenschmerzen weil ich mich beim Abstieg immer dann weit vor beugen musste wenn das Heck des Bootes auf die Stufen hinter mir aufstieß.


Die Abseilstrecke selbst erschien mir erheblich einfacher als bei den letzten Malen, die ich sie gepaddelt bin. Das lag daran, dass der niedrige Wasserpegel den Wasserdruck gering erscheinen ließ. Dennoch war nicht immer klar, welche Durchfahrt man nehmen musste und die Gefällestrecken waren aufgrund der hoch hinaus ragenden Felsen gelegentlich durchaus knifflig.


Ich kenterte einmal weil ich eine Stufe viel zu langsam hinunter gepaddelt bin (ich war zu dicht an meiner Vorpaddlerin und konnte nicht angemessen beschleunigen). Die Stelle unterhalb war seicht genug um mich schnell wieder ins Boot zu befördern, so dass meine Kenterung kaum wahr genommen wurde.


An einer Hängebrücke kurz vor Ende er Fahrt sprangen unsere tapferen Jugendlichen aus einer Höhe von ca. 10/12 Metern in den Fluss.


Dann erreichten wir die Napoleonbrücke in Kobarid und die danach folgende Aussatzstelle, wuchteten erneut die Boote auf die geschundenen Rücken, verstauten alle auf meinem Auto und fuhren zu sechst zurück zum anderen Auto, das an der Einsatzstelle stand.


Auf der Rückfahrt machten wir Aufnahmen von der schönen Bergwelt und den allmählich aufziehenden Wolken, aus denen allenfalls mal etwas Nieselregen fiel, der gleich vom trockenen Boden aufgesogen wurde. In die Flüsse geriet dieses Wasser nicht.

Samstag:
An unserem letzten Paddeltag wollte Ole mal Canadier paddeln. Er bekam den Skeeter, den ich für diesen Zweck mitgenommen hatte und kam durchaus passabel auf dem "Vorfriedhof" damit zurecht. Nur das Knien machte ihm Schwierigkeiten.


Diese Schwierigkeiten hatte Johanna offenbar nicht, die anschließend Canadier fuhr. Ich übernahm den Skeeter und gab ihr den Prelude, mit dem sie glänzend zurecht kam.


Wir fuhren -nachdem wir auf vorherigen Fahrten immer zwei Gruppen gebildet hatten - diesmal in der Großgruppe und hatten allerhand Spaß dabei.



Johanna wagte sich am "Korkenzieher" sogar ins Kehrwasser (als Rechtspaddlerin bietet sich das an) und legte eine vorbildliche Abfahrt auf dieser Schlüsselstelle hin. Ich habe sie filmisch festgehalten und rate ihr dringend an die Bootsgattung zu wechseln.


Anschließend fuhren wir zurück zum Campingplatz, gingen nochmal springen, machten ein Abendessen und bauten unsere Zelte noch spät am Abend im Dunkeln ab um anschließend unter freiem Himmel zu schlafen.

Am anderen Morgen standen wir um Halbfünf auf, bauten noch das Küchenzelt ab und machten uns gegen Fünf auf den Heimweg.


Sonntag:
Der Heimweg erforderte wieder viel Geduld. Wir waren erneut fast zehn Stunden unterwegs obwohl wir an der Grenze gerade einmal zehn Minuten standen. München hielt uns länger auf. Dort standen wir ca. eine Stunde im Stau.


Wie in den früheren Jahren hat mir die Jugendausfahrt sehr gut gefallen. Wir haben einfach Glück mit "unseren" Kindern und Jugendlichen. Sie sind hilfsbereit und pflegeleicht. Ein regelrechter Urlaub ist die Fahrt dennoch nicht für uns Betreuer. Aber ab und an ist Urlaubsatmosphäre zu spüren. Wir hätten diesmal durchaus mehr Wasser benötigen können und wären gerne bereit gewesen dafür etwas kälteres Wetter in Kauf zu nehmen. Aber wir wollen uns ja nicht über das schöne Wetter beschweren. Bei Regen macht so eine Ausfahrt nur halb so viel Spaß.

Ich bin sehr gespannt, wer nächstes Jahr die Jugendgruppe leitet. Da findet ein Wechsel statt. Da in diesem Jahr meine Übungsleiterlizenz verfällt (und ich wenig Neigung verspüre sie zu verlängern) ist noch nicht recht klar, ob ich wieder dabei sein werde. Aus heutiger Perspektive würde ich gerne wieder mitmachen. Es hat in den beiden letzten Jahren (2016/2017) und auch jetzt wieder viel Spaß gemacht.


Mein Boot hat unter dem seichten Wasser sehr gelitten. Der Riss, den ich schon letztes Jahr geflickt hatte, und der im August 2016 auf der Koritnica entstanden ist, ist schon am Donnerstag wieder aufgebrochen. Ich reparierte das notdürftig, muss jetzt aber endlich mal nachhaltigere Maßnahmen ergreifen. Die Sitzanlage muss raus und eine Reparatur muß diesmal auch von innen her stattfinden.

Keine Kommentare:

Kommentar posten