Sonntag, 14. Februar 2010

Stangentest

Rolf rief am Vormittag an und schlug eine Paddelrunde vor. Treulos wie ich bin habe ich unmittelbar zugesagt aber immerhin noch Klemens, mit dem ich ja ursprünglich eine gemeinsame Nachmittagsrunde geplant hatte, informiert, dass es schon kurz vor Mittag losgeht.

Wir trafen uns zunächst zu zweit um kurz vor Zwölf und nahmen die Soloboote. Wie wir bergauf paddelten und stakten kam uns dann am oberen Wehr Klemens mit seiner Fotoausrüstung bewaffnet entgegen.
Ich probierte mit der neuen Alustakstange herum und versuchte - nun da Klemens mit dem Fotoapparat da war - eine besonders gute Figur zu machen. Das gelang mir nur teilweise. Die Stange selbst macht einen sehr guten Eindruck. Sie ist etwas schwerer und vom Durchmesser her stärker als die Karbonstange und sehr steif. Sie federt also kein bisschen, was für mich ungewohnt ist aber kein Nachteil. Sie ist laut. Das kommt mir eher wie ein Nachteil vor. Die Segmente sind für mein Boot genau drei Zentimeter zu lang. Ich kann sie nicht einfach hinter dem Sitz ins Heck schieben (in dem gegenwärtig der Luftsack lümmelt, der Luft verliert).

Auf dem linken Bild arbeite ich mich die kleine Schwelle unterhalb des oberen Wehrs hinauf. Da stehe ich hinter dem Solositz damit der Bug höher aufschwimmt und nicht so leicht von Strömung erfasst werden kann - diese Technik nennt sich Poling. Auf dem rechten gehts wieder runter. Da stehe ich vor dem Sitz damit das Heck entlastet wird. Das nennt man dann Stubbing.

Wir paddelten und stakten bis hinauf zum zweiten Wehr, wo wir ausstiegen um diese unsinnige und doch häufig besuchte und mit allerhand Hoffnungen verknüpfte Renaturierungsmaßnahme noch ein wenig zu bespotten. Wie wir damit fertig waren begaben wir uns wieder in unsere Boote, ich machte mich stakend noch ein bisschen für den Fotographen wichtig und dann ging es wieder bergab. Rolf paddelte todesmutig das untere Wehr hinab während ich über die schneebedeckten Felsen das Boot wieder hinunter trug.

Zwischenzeitlich hatten wir richtig schönen Sonnenschein, dann war es aber wieder düster grau, so dass meine Bilder eigentlich alle sehr unansehnlich geworden sind. Nicht so Klemens' Bilder (die fünf zu Anfang).

Schnee

Für den Nachmittag habe ich mich lose mit Klemens auf eine kleine Paddeltour verabredet. Weil ich dann kein Auto haben werde und an Radfahren gerade nicht zu denken ist habe ich schon heute Vormittag meine kleine Notfalltonne (mit der Ersatzgarnitur Klamotten) ins Bootshaus gebracht und ein wenig herumgeräumt. Es gibt dort immer etwas zu tun. Røskva hat einen der zahlreichen Fußbälle, die ich immer wieder beim Paddeln im Fluss finde und im Bootshaus deponiere, zernagt und ich habe mich zwischenzeitlich ins Unterholz begeben um das Bild oben zu machen auf dem das Wrack zu sehen ist, das ich im September im Fluss gefunden habe. Das lagert jetzt erst einmal da und ich habe immer noch keine Idee, was ich damit schlussendlich mal machen werde.

Bill Cummings

Zufällig habe ich in einem Video-Portal gestern den Film über Bill Cummings wieder gefunden, in dem gezeigt wird, wie er als einziger in seinem Ort Poling betreibt. Dieser Film hat schon deshalb ein hohes Identifikationspotential für mich. Der 12-Minuten-Film selbst ist allerdings auch filmisch eine kleine Meisterleistung. Voilá, hier ist er:

Hier findet sich übrigens das Original, das in besserer Qualität betrachtet werden kann.

Samstag, 13. Februar 2010

Royalexreparatur

Ähnlich, wie ich das im Mai mit meinem MadRiver Fantasy gemacht habe, haben wir heute Abend Andreas' Mohawk-16 geflickt. Er hat einige häßlich tiefe Riefen, bei denen sich die Deckschicht von der Mittelschicht des Royalex-Material gelöst hat. Diese Mittelschicht gilt als UV-empfindlich und muss vor direktem Licht geschützt werden. Zu diesem Zweck werden Duplo-Bausteine zerbröselt und in Aceton aufgelöst. Das haben wir mit einem grünen und einem Viertel blauen Stein gemacht. Ich glaube aber, dass da noch allerhand Blau hinzu kommen kann denn das Grün, das wir da angemischt haben ist immer noch viel heller als Andreas' Boot. Die Riefen habe ich mit einem "Elefantenzahnarzt-Raspelvorsatz" für die Bohrmaschine angeraut - der erwies sich als richtig gut geeignet weil er die losen Teile der Deckschicht wegfetzt und die Mittelschicht - bis auf die Oberfläche - unversehrt lässt. Andreas verbringt jetzt noch einen reizenden Abend mit dem Lego-Azeton-Gemisch indem er Schicht für Schicht davon aufträgt. Wenn man hinten beim Boot ankommt ist der Anstrich vorne schon wieder trocken.

Für Mitte März planen wir gemeinsam eine erneute Befahrung der Großen Lauter. Vermutlich (hoffentlich!) liegt dann nicht mehr so viel Schnee wie gegenwärtig und wie bei unserer letzten Befahrung im letzten Januar. Spätestens dann kommen die nächsten Kratzer in das Boot.

Neues Buch

James, der stets auf der C-Boat Armada eine wichtige Rolle spielt und bei dem Klemens einen Kurs gemacht hat, hat ein Buch geschrieben, das in Kürze erscheint und bereits vorbestellt werden kann. Mal abgesehen von dem wenig aufregenden Cover rechne ich damit, dass das eines der besseren Canadier-Bücher wird. Nicht nur weil James ein netter Kerl ist sondern weil er ein besonderes Gespür für Wildwasserstrategien hat, exzellent paddelt und in der Lage ist diese Qualitäten an andere weiter zu vermitteln. Dass er das auch in Buchform kann bezweifele ich nicht.

So klingt der erwartungsgemäß blumige Ankündigungstext:
This is a complete introduction to open canoeing. Canoeing and kayaking have topped the UK charts for water sports since 2003, matched only by angling (British Marine Federation survey). Over one million people went canoeing in 2008. This is the first complete introduction to open canoeing in seven years, the most up-to-date book about how to get into this growing sport. "Discover Canoeing" is a journey through the sport of open canoeing, its history, the modern canoe and the future. James Weir gives a fresh approach to one of the oldest forms of transport known to man. Colour photos and sequences show each of the techniques stage by stage, from getting afloat on calm waters, paddling with a partner, going on a trip or expedition, navigating rapids and righting yourself with an Eskimo roll after a capsize. Full of tips, tricks and know-how, this book has all you need to know to paddle your own canoe, stay safe and have fun.

Freitag, 12. Februar 2010

Ich bekenne...

...ich bin vom rechten Pfad abgewichen.
Heute im Hallenbadtraining bin ich gerollt. Zwei/drei Mal mit Klemens' Prodigy. Davor aber, ja davor saß ich in einem Kajak und habe mir von Bettina zeigen lassen, wie die Kajakrolle funktioniert. Ich wollte die schon lange mal ausprobieren. So schwer kann die ja nicht sein habe ich mir gedacht und in meinem mentalen Training immer wieder schwungvoll das Paddel von hinten nach vorne gezogen und mich - das Wasser in alle Richtungen spritzend - empor geschwungen. Nun zeigte mir Bettina, dass das Paddel genau anders herum geführt wird. Das ganze mentale Training war also umsonst. Zwei Mal führte sie mir das Paddel und half mir das Boot, den Vereins-Topolino, aufzudrehen und beim dritten Mal sollte ich es mal allein versuchen. Ich tauchte also ab, brachte das Paddel in Position und schwang mich - das Wasser in alle Richtungen spritzend - schwungvoll empor. Das habe ich danach dann noch so siebzehn bis dreiundzwanzig Mal gemacht. Dann mal eine Pause eingelegt und mich neben den verzweifelt den Kopf schüttelnden Klemens gesetzt. Dann habe ich mir Bettinas Dagger-Mamba geliehen (ich mag kleine gelbe Boote von Dagger!) und bin damit gerollt und schließlich habe ich das gleiche noch einmal im vereinseigenen Diesel gemacht - das ging nicht ganz so gut, aber es ging.
Naja, dann habe ich noch die paar Rollen in Klemens' Prodigy gemacht und jetzt bin ich sicher wieder eine volle Woche lang euphorisch (wie nach der ersten Canadierrolle im November) und mache mir Gedanken über die Anschaffung eines Kajaks.

Welchen Canadier verkaufe ich zu dessen Finanzierung blos?
Brauche ich überhaupt noch einen?
Ist Stechpaddeln nicht sowieso albern?

Nein, diese Fragen beschäftigen mich nicht wirklich. Aber das Bewusstsein, dass so ein Boot mir relativer Leichtigkeit zu rollen ist gibt mir doch einige Zuversicht, dass das mit dem Canadier irgendwann auch mal ganz verlässlich und flüssig zu machen ist. Und es macht Spaß. Ich werde es wieder tun. Vermutlich nächsten Freitag...

Donnerstag, 11. Februar 2010

Polingtreffen 2010

Allmählich fange ich an Werbung für das am 25. September stattfindende Polingtreffen in Tübingen zu machen.
Ich habe ein PDF-Dokument zusammen- gestellt, in dem der ungefähre Ablauf aufgelistet wird und es schon einmal in einem Poling-Thread im CanadierForum verlinkt. Das muss ich beizeiten noch einmal etwas deutlicher machen. Wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, ist mir nicht recht klar aber die meisten beginnen ja so allmählich ihr Paddeljahr zu planen. Das Polingtreffen findet kurz nach Ende der Sommerferien in unserem Bundesland statt. Die anderen Bundeländer haben da schon länger keine Ferien mehr.
Wahrscheinlich wird ein wenig Penetranz erforderlich sein damit wieder (wie 2007) ein kleines Rudel Exzentriker, die auch stakend im Canadier unterwegs sind, zusammen kommt.

Nachtrag: Wenige Stunden nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe werde ich aufgefordert doch Angaben zum Polingtreffen zu veröffentlichen. Voilá: das Polingtreffen ist jetzt offiziell angekündigt. Und in die Titelzeile dieses Paddeltagebuchs habe ich es auch eingefügt. Da bleibt es jetzt stehen bis es vorbei ist.