Samstag, 15. Januar 2011

Hochwasserfahrt




Auch wenn man das ja nun eigentlich nicht machen soll habe ich mich doch heute spontan für eine Soloneckarabfahrt entschieden, bin mit dem Rad zum Bootshaus gehechelt, habe dort vernünftige Neoprenklamotten angezogen und die zivilen Sachen in die Tonne gestopft, habe den MadRiver-Fantasy geschnappt und ihn in den am Bootssteg locker 50/60 cm über Normalmaß vorbei rauschenden Neckar gesetzt. Schon unter der Eisenbahnbrücke kurz hinter der Neckarinselspitze erwies sich diese Bootswahl als hoch vernünftig denn dort haben sich so hohe Wellen gebildet, dass ich mit dem Independence sicher nicht trocken hindurch gekommen wäre (ich hätte dran vorbei paddeln müssen aber das macht ja nun wenig Spaß). Die Umtragung des Tübinger Wehrs erwies sich wieder einmal als außerordentlich mühsam. Ich finde, dass Nutzer von Wasserkraft verpflichtet sind Umtragestellen anzulegen, wenn sie Hindernisse in Flüsse bauen und werde mit den Tübinger Stadtwerken Kontakt aufnehmen und kann ja damit drohen meinen Strom künftig woanders her zu beziehen. Die Stadtwerke werben damit 'ökologisch verantwortlich' und mit 'gesellschaftlichem Engagement' (unter anderem für den Sport) Strom zu produzieren. Da kann man wohl kleine bauliche Maßnahmen zur Unfallvermeidung bei Bootsumtragungen erwarten.

Weiter gings vorbei am Ruderklub, der offenbar im Winterschlaf ist hinunter zum nächsten Wehr, an  dem ich einen tadellosen Fußball aus dem Ufergestrüpp zog. Ich habe ihn beim Umtragen des Wehrs auf dem Feldweg liegen gelassen weil ich schon unzählige andere Fußbälle aus dem Fluss zum Bootshaus geschleppt habe. Vielleicht freut sich ja ein Spaziergänger darüber.

Meine Blicke in die überspühlten Uferbereiche und Kehrwässer waren ein klein wenig ängstlich weil seit 14 Tagen ein junger Mann vermisst wird, von dem angenommen wird, dass er in Rottenburg in den Neckar gefallen ist. Sein Körper sei - wenn er tatsächlich ertrunken ist - bei den gegenwärtigen Wasserständen vermutlich bereits über mehrere Wehre gespült worden und hängt - so wie das Wrack, dass mir unterwegs am Rand auffiel - in irgendwelchen Büschen fest. Er wird wohl bei zurückgehenden Wasserständen von irgendjemand gefunden werden. Der Irgendjemand möchte ich nicht sein.


In Kirchentellinsfurt warf ich noch einen kurzen Blick auf den Pegel, ließ mich mehr oder weniger am Ort vorbei treiben und hatte dann noch ein weiteres Wehr zu umtragen, bevor ich - nach weniger als zwei Stunden beim KanuWitt in Oferdingen ankam. Dort zog ich mir wieder zivile Kleidung an, rief meinen Shuttle-Service an und plauderte noch ein Weilchen mit Wolfgang, dem Inhaber des Geschäfts.
Auch wenn so eine Solofahrt moralisch etwas fragwürdig ist (der Neckar hat zwar keine Walzen oder Löcher aber kann doch die eine oder andere Überraschung bereit halten) war es nett mal wieder ein Stückchen Strecke zu fahren.
Morgen wollen wir ja eigentlich auf die Obere Enz aber ioh erwäge doch sehr statt dessen eine flotte Wanderfahrt auf dem Neckar bei Rottweil oder auf der Nagold zu machen. Mal sehe, was wir heute abend noch vereinbaren.

Kommentare:

  1. Did they ever find the young guy?

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  2. No one found him yet. A tragedy for the family and his friends. I am still reluctant to paddle the Neckar.

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