Sonntag, 3. Juli 2011

Allein unter Kajaks

Da wir im kommenden Jahr die Kanutrainer auf Iller und Breitach ausbilden wollen und ich diese Flüsse nicht kenne habe ich Gelegenheit wahrgenommen mich an die Iller/Breitach-Ausfahrt von Wolfgangs Kajak-AG anzuschließen. Die Kajak-AG macht diese Ausfahrt jährlich und die Kinder und Jugendlichen sind im gleichen Tagungshaus untergebracht, wie die Trainer es sein werden.

Als ich morgens am Freitag angereist kam war die Kajak-AG schon zwei Tage auf Allgäuer Flüssen unterwegs gewesen. Da die Pegel beachtlich hoch waren konnten sie sogar die Ostrach paddeln, die selten genug Wasser führt. Für den Freitag stand die Iller ab Blaichach auf dem Programm.

Iller am Freitag


Gleich bei der Einsatzstelle an der Illerbrücke wurde an diesem etwas schattigen Tag Wildwasserschwimmen geübt. Die tapferen jungen Leute (und der tapfere Wolfgang) sprangen mehrfach unter der Brücke ins Wasser und schwammen die leichten Stromschnellen hinunter zur Einsatzstelle. Wir sicherten unten mit den Wurfsäcken, die aber gar nicht benötigt wurden da alle gut aus dem Wasser kamen.

Dann setzten wir uns in die Boote und paddelten in drei Gruppen abwärts. Ich schloss mich der Anfängergruppe an. Eine Reihe von Bunen die in den sonst recht unschön kanalisierten Fluss hinein ragen bieten vielfältige Möglichkeiten Kehrwasserfahrten zu üben. Mit den nassen Kindern paddelten wir jedoch zügig bergab. Der eine oder andere Stein sorgte für kleinere Zwischenfälle und weitere Schwimmeinlagen.

Nach einiger Zeit kamen wir an einem Café an einer Wasserskianlage vorbei, wo alle sich in den wenigen zaghaften Sonnenstrahlen aufwärmten und sich dann gleich wieder mit einem Eis abkühlten. Danach ging es ein Stück weiter, wo die Begleitbusse und der Bootsanhänger an der Brücke nach Rauhenzell mit einem üppigen Vesperangebot warteten. Es wurde genüsslich gespeist.


Weiter ging es bis wir zu einer Sohlschwelle kamen, an der rechts eine flotte Stromzunge zu befahren war, was für viele durchaus eine Herausforderung war, die die aber eigentlich alle bravurös bewältigten. Es wurde ein Weilchen im bewegten Unterwasser der Schwelle gespielt, die Könner trugen ihre Boote wieder hoch und fuhren erneut und irgendwann ging es dann weiter in den renaturierten Bereich der Iller, in dem sie sich eher flach und wenig aufregend durch Marschland windet.



Es zogen immer dunklere Wolken auf und als wir an die Aussatzstelle kamen (Flussmündung bei Wolfis), ausgestiegen waren und die Boote verladen hatten (der Canadier kam als Mütze obenauf) und gerade anfingen uns umzuziehen ging ein Platzregen nieder. Klatschnass fuhren wir schließlich zurück zu unserer Unterkunft, wo die meisten zügig unter die heißen Duschen sprangen.

Ein gutes Abendessen und ein netter Abend im Gasthof zum Schiff schlossen den Tag ab.

Breitach am Samstag

Am anderen Morgen wurde spät gefrühstückt und noch später zur Breitach aufgebrochen. Der Einstieg war - wenn ich das richtig rekonstruiere - am Bachtelhaus. Dort befinden sich drei kleine Stufen, die Wichtigtuer wie ich gleich auch noch befahren wollten. Mit dem Ergebnis, dass das Boot über einige Steine schrappte, ich nach einem eigentlich ganz passablen Sidesurf kenterte und mir mein Knie anschlug.


Erneut wurde in drei Gruppen gefahren und diesmal gesellte ich mich den erfahrenen Cracks zu.


Die Breitach bildet immer wieder kleine Stufen, die - teils nach kurzem scouten, teils spontan - hinunter gebrettert wurde. Das eine oder andere Mal schlug dabei das Heck des Bootes unsanft auf Steine auf. Und dies trotz relativ guten Pegelstands (125cm am Pegel Breitachklamm). In die Breitach münden immer wieder kleine Nebenbäche und an einer Stelle befindet sich die sogenannte "Dreierkombination", ein recht schmaler Schwall zwischen größeren Stufen, in dem das Wasser im unteren Bereich von tiefer liegenden Steinen sehr unsanft aufgewirbelt wird.



Fast alle befuhren die Schwall (einer beschloss zu umtragen, was ich in der gegebenen Gruppensitutation als mutige und autonome Entscheidung in jeder Hinsicht anerkenne) und manch eine und einer schleppte ihr/sein Boot zurück und fuhr noch einmal. Im unteren Bereich kam es zur einen oder anderen Kenterung aber es standen hinreichen viele Wurfsackwerfer, Schwimmer und Bergepaddler zur Verfügung um jede und jeden sicher an Land zu bringen.

Zwei ganz verwegene schwammen den Schwall sogar hinunter, was ich fast ein wenig wagemutig fand - der Wasserdruck kann im unteren Bereich leicht zu unsanften Felsberührungen mit Extremitäten oder Steißbein führen, die so eine Ausfahrt vorzeitig zum Abbruch bringen kann.


Aber alles ging gut, alle hatten Spaß und es wurde nebenher - dank Cateringteam - eifrig gevespert. Als Begleiter war ein Fotograf angereist und ich bin guter Hoffnung auch noch das eine oder andere Bild zu bekommen, auf dem ich auch im Boot zu sehen bin.

Die Breitach wird danach immer breiter und bildet einen ruhig dahin fließenden Wildwasserwanderfluss, der sich durch Kiesbänke windet, so dass man gelegentlich nach einem hinreichend tiefen Kanal suchen muss um die sanften Schwälle über Kiesflächen unbeschadet zu überwinden. Das Boot hatte gelegentlich Grundberührung aber man musste nicht aussteigen um zu treideln.


Ausgestiegen bin ich eigentlich immer nur dann, wenn gerade mal wieder jemandem beim Bootleeren zu helfen war. Das kam gelegentlich vor und ich konnte diesen Vorteil des Canadiers ausspielen. Ansonsten hielt ich mich mit Stechpaddelagitation zurück. Immerhin setzten sich mal zwei Mädchen in den Canadier und lobten die komfortable Sitzposition.


An einer Ausflugsgaststätte in Au-Thalhofen, aus der lauthals Blasmusik heraus schallte und um die zahlreiche Einheimische in Tracht und Lederhosen (inklusive Federbusch am Hut) herum liefen, machten wir wieder Pause und bekamen erneut ein leckeres reichhaltiges Vesper aus dem Begleitbus.

Dann ging es noch einmal auf der immer breiter werdenden Fluss bis wir bei Tiefenberg zur Aussatzstelle kamen, die Boote über eine morastigen Weg zu den Autos trugen, sie verluden, uns umzogen, noch ein wenig plauderten und versperten und ich mich schließlich von allen verabschiedete.

Fazit am Sonntag

Die Kajak-AG wollte am Folgetag noch auf dem Lech paddeln aber ich musste heim. Das bedauere ich sehr denn die entspannte Atmosphäre und die nette Gruppe - sowohl AG-Mitglieder als auch Betreuer habe ich sehr genossen. Zu diesem Genuss trug die gute Unterbringung, der Fahrservice und das perfekte Catering unterwegs natürlich bei - wann bietet sich einem schon dieser Luxus?

Tief beeindruckt bin ich von Wolfgangs Kanu-AG. Die Kinder und Jugendlichen sind eine nette Truppe, haben erstaunliche Fähigkeiten entwickelt und unterstützen sich gegenseitig. Ich phantasiere schon von ähnlichen Projekten in Tübingen. Die Zusammenarbeit von Schulen und Kanuvereinen ist in jeder Hinsicht ausbaufähig und das Vorbild von Wolfgangs Kanu-AG ist beeindruckend.

Die Eignung von Iller und Breitach zur Trainerausbildung sehe ich skeptischer. Zwar bietet das Tagungshaus eine ideale Infrastuktur (und beste Versorgung) aber die Iller ist - selbst bei den guten Wasserbedingungen, die wir jetzt hatten - nur bedingt für das Üben von Gruppenfahrten und Unfallsituationen geeignet. Sie ist über weite Strecken kanalisiert, breit und wildwassertechnisch wenig anspruchsvoll. Allenfalls die Breitach ist bei diesem Pegel für Übungen zum Führen von Gruppen geeignet. Aber wir können ja gegebenenfalls auch etwas längere Anfahrten in Kauf nehmen und an den Lech fahren.Ob wir so einen perfekten Fahrservivce zustande bekommen wie ihn die Kanu-AG geboten bekommt, bezweifele ich jedoch.

Die Bilder der Kanu-AG finden sich hier.

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