Beim Mittagessen mit Kollegen kamen wir auf Sportarten und es ging - wie üblich - vor allem um eine Mannschaftssportart, bei der sich 22 Leute um einen Ball streiten. Dass ich leidenschaftlich paddele wurde zwar zur Kenntnis genommen aber nicht nennenswert vertieft obwohl in der Gruppe keiner war, der aktiv einen Sport betreibt.
Ich habe mir im Nachhinein so meine Gedanken darüber gemacht, warum paddeln im Canadier mir so sehr viel sympatischer ist als z.B. Mannschaftssportarten, die in der Lage sind Massenhysterien auszulösen oder Wettbewerbssport, in dem Menschen - sei es in einer Gruppe (Mannschaft) oder allein (wer ist der bessere?) - gegeneinander antreten.
Vielleicht hat es damit zu tun, dass Canadierpaddeln die Möglichkeit eröffnet völlig druckfrei in dem Rhythmus sowohl Konditionstraining als auch Koordinationstraining zu betreiben, wie es einem persönlich und abhängig von der jeweiligen Tagesform gefällt. Wettbewerbsaspekte lassen sich integrieren oder ausschließen. Mir ist letzteres lieber.
Ein Mannschaftssport ist allenfalls Kanupolo (in Kajaks!), aber wer im Wildwasser paddelt ist ebenfalls auf andere angewiesen. Dabei verschiebt sich der Wettbewerbsschwerpunkt auf Kooperation. Man hilft sich gegenseitig. Und das nicht mit dem Ziel eine andere Mannschaft zu besiegen sondern im Bestreben mit den natürlich vorgefundenen Bedingungen so gut wie möglich zurecht zu kommen.
Die Natur spielt natürlich auch eine Rolle. Paddeln ist Natursport. Ökologische Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Aber auch hydrodynamische Kenntnisse sind unabdingbar um in diesem Sport Befriedigung zu finden.
Und dann gibt es - als nicht unbedingt erforderliches Element - die Kulturgeschichte, in der Canadier bei der Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents eine zentrale Rolle spielten. Es gibt bücherfüllende Aspekte der Bootskonstruktion - beginnend mit den traditionellen und überlieferten Baumethoden bis hin zu modernsten Fertigungstechniken für Boote. Es gibt Diskussion um Form und Ausstattung von Booten, Ausrüstungsfragen und Sicherheitstechniken.
Kondition, Koordination, Kooperation, Ökologie, Hydrodynamik, Kulturgeschichte, Bootsbautechnik und Sicherheitsaspekte - es gibt wenige Sportarten, die so vielfältig sein können.
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Freitag, 3. Januar 2014
Montag, 23. Dezember 2013
Gebrauchte Canadier
Ein weiterer Text aus der Reihe "Unveröffentlichtes und Unveröffentliches":
Eigentlich habe ich noch nie einen fabrikneuen Canadier gekauft (mit Ausnahme eines Altlagerbestands, der deshalb eigentlich doch ein Gebrauchtboot war). Das mag für Händler und Importeure unerfreulich sein. Für mich ist es das nicht.
Gebrauchte Canadier haben Preisvorteile. Ihre Preise sind verhandelbar, gelegentlich werden sie erstaunlich günstig, manchmal schrecklich überteuert angeboten. Ich bekenne, dass dieser Umstand anfangs für mich handlungsleitend war. Ich war stets gehalten in mein Privathobby nicht unverhältnismäßig viel zu investieren. Deshalb habe ich besonders günstige Boote kurz entschlossen gekauft, bei den überteuerten habe ich lange genug gewartet bis der erfolglose Verkäufer so mürbe war den Preis zu senken.
Gebrauchte Boote sind bereits von der Nutzung gezeichnet. Sie haben Macken und Kerben. Viele finden das unschön. Ich erkenne in diesen Gebrauchsspuren Geschichten, die meine Phantasie anregen. Die Macken, die das Boot schon hat tun mir nicht mehr weh und die, die ich selbst rein mache kommen in gute Gesellschaft und lösen deshalb auch keine Schmerzen aus. So ein Boot will eben genutzt werden. Nur vollkommene Paddler kommen ohne Anecken durchs Paddlerleben. Vollkommenheit ist für mich weder persönlich noch für einen Gebrauchsgegenstand ein realistisches Ziel.
Aber es gibt noch grundsätzlichere Gründe, die für den Kauf eines gebrauchten Bootes sprechen: Wer keine sehr speziellen Anwendungen für sein Boot bezweckt kann in einer über Jahrtausende entstandenen Bootsform kaum noch Verbesserungen erwarten. Es mag für spezielle Einsatzzwecke Optimierungsmöglichkeiten in Form und Material geben, aber grundsätzlich lassen sich an der Form von Allround-Standardmodellen nur noch Veränderungen erzielen, die als Nuancen spürbar sind und bereits in Spezialisierungen führen.
Da ist das besonders schlanke Tourenboot in Schwedenform, bei dem die breiteste Stelle etwas hinter der Mitte liegt damit mehr Geschwindigkeit aufgebaut werden kann oder das etwas voluminösere Boot in Fischform (vorne etwas breiter) bei dem die Sitze weiter in die Mitte gerückt wurden damit es in bewegtem Wasser besser aufschwimmt.
Abgesehen von diesen Nuancen lassen sich allenfalls noch Vorteile in der Verwendung von leichteren Materialien erkennen. Diesbezüglich muss aber ernüchtert festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren keine wirklich revolutionären Gewichtseinsparungen ohne gleichzeitige Einbußen bei der Robustheit der Boote erzielt werden konnten. Ein Tandemcanadier, der alltagstauglich ist, wird auch auf längere Sicht zwischen 20 und 30kg wiegen. Leichtere Boote sind hochempfindlich und schwerere sollte man sich und seinen Mitmenschen nicht zumuten, wenn man über keinen festen Liegeplatz an einem Steg verfügt.
Aber auch bei spezielleren Booten kann der Kauf eines gebrauchten Modells die bessere Alternative sein. – Je spezieller die Bootsformen werden desto erbitterter wird über einzelne Design- und Ausstattungsmerkmale diskutiert. Die „Verbesserungen“ an diesen Booten sind lediglich partiell und noch dazu oftmals als umstritten. Wer also die Chance nutzt ein abgelegtes Boot kaufen zu können weil der Besitzer sich ein neueres, „besseres“ gekauft hat, bekommt in der Regel auch ein gutes Boot, das eben nicht auf dem allerneuesten Stand ist, mit dem man aber auch jede Menge Spaß haben kann.
Deshalb plädiere ich dafür den Marketingstrategen ein Schnippchen zu schlagen, sich auf gebrauchte Boote zu konzentrieren und den Neubootmarkt denen zu überlassen, die uns nach wenigen Jahren ihre fast neuen gebrauchten Boote verkaufen. Wir sollten Ihnen dankbar sein.
Eine Einschränkung muss ich dennoch anführen: Von ganz bestimmten Bootsmodellen gibt es quasi keine Gebrauchtboote weil die Besitzer sich zu Lebzeiten nicht davon trennen. In dem Fall ist es unausweichlich entweder Verzicht zu üben und zu warten bis es aus einer Erbmasse heraus verkauft wird. Dann ist man womöglich auch mit zu viel Konkurrenz konfrontiert. Oder - wenn man meint so ein Boot dringend zu brauchen – mit Hersteller bzw. Händler Kontakt aufzunehmen und sich für den Neukauf zu entscheiden. Ein anderer Grund für so ein Vorgehen könnte der Umstand sein, dass bestimmte Boote lediglich in Übersee angeboten werden oder das es für z.B. handwerklich aufwändig gefertigte Holzboote quasi keinen Gebrauchtmarkt gibt. Die muss man neu kaufen oder - noch besser - selber bauen.
Eigentlich habe ich noch nie einen fabrikneuen Canadier gekauft (mit Ausnahme eines Altlagerbestands, der deshalb eigentlich doch ein Gebrauchtboot war). Das mag für Händler und Importeure unerfreulich sein. Für mich ist es das nicht.
Gebrauchte Canadier haben Preisvorteile. Ihre Preise sind verhandelbar, gelegentlich werden sie erstaunlich günstig, manchmal schrecklich überteuert angeboten. Ich bekenne, dass dieser Umstand anfangs für mich handlungsleitend war. Ich war stets gehalten in mein Privathobby nicht unverhältnismäßig viel zu investieren. Deshalb habe ich besonders günstige Boote kurz entschlossen gekauft, bei den überteuerten habe ich lange genug gewartet bis der erfolglose Verkäufer so mürbe war den Preis zu senken.
Gebrauchte Boote sind bereits von der Nutzung gezeichnet. Sie haben Macken und Kerben. Viele finden das unschön. Ich erkenne in diesen Gebrauchsspuren Geschichten, die meine Phantasie anregen. Die Macken, die das Boot schon hat tun mir nicht mehr weh und die, die ich selbst rein mache kommen in gute Gesellschaft und lösen deshalb auch keine Schmerzen aus. So ein Boot will eben genutzt werden. Nur vollkommene Paddler kommen ohne Anecken durchs Paddlerleben. Vollkommenheit ist für mich weder persönlich noch für einen Gebrauchsgegenstand ein realistisches Ziel.
Aber es gibt noch grundsätzlichere Gründe, die für den Kauf eines gebrauchten Bootes sprechen: Wer keine sehr speziellen Anwendungen für sein Boot bezweckt kann in einer über Jahrtausende entstandenen Bootsform kaum noch Verbesserungen erwarten. Es mag für spezielle Einsatzzwecke Optimierungsmöglichkeiten in Form und Material geben, aber grundsätzlich lassen sich an der Form von Allround-Standardmodellen nur noch Veränderungen erzielen, die als Nuancen spürbar sind und bereits in Spezialisierungen führen.
Da ist das besonders schlanke Tourenboot in Schwedenform, bei dem die breiteste Stelle etwas hinter der Mitte liegt damit mehr Geschwindigkeit aufgebaut werden kann oder das etwas voluminösere Boot in Fischform (vorne etwas breiter) bei dem die Sitze weiter in die Mitte gerückt wurden damit es in bewegtem Wasser besser aufschwimmt.
Abgesehen von diesen Nuancen lassen sich allenfalls noch Vorteile in der Verwendung von leichteren Materialien erkennen. Diesbezüglich muss aber ernüchtert festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren keine wirklich revolutionären Gewichtseinsparungen ohne gleichzeitige Einbußen bei der Robustheit der Boote erzielt werden konnten. Ein Tandemcanadier, der alltagstauglich ist, wird auch auf längere Sicht zwischen 20 und 30kg wiegen. Leichtere Boote sind hochempfindlich und schwerere sollte man sich und seinen Mitmenschen nicht zumuten, wenn man über keinen festen Liegeplatz an einem Steg verfügt.
Aber auch bei spezielleren Booten kann der Kauf eines gebrauchten Modells die bessere Alternative sein. – Je spezieller die Bootsformen werden desto erbitterter wird über einzelne Design- und Ausstattungsmerkmale diskutiert. Die „Verbesserungen“ an diesen Booten sind lediglich partiell und noch dazu oftmals als umstritten. Wer also die Chance nutzt ein abgelegtes Boot kaufen zu können weil der Besitzer sich ein neueres, „besseres“ gekauft hat, bekommt in der Regel auch ein gutes Boot, das eben nicht auf dem allerneuesten Stand ist, mit dem man aber auch jede Menge Spaß haben kann.
Deshalb plädiere ich dafür den Marketingstrategen ein Schnippchen zu schlagen, sich auf gebrauchte Boote zu konzentrieren und den Neubootmarkt denen zu überlassen, die uns nach wenigen Jahren ihre fast neuen gebrauchten Boote verkaufen. Wir sollten Ihnen dankbar sein.
Eine Einschränkung muss ich dennoch anführen: Von ganz bestimmten Bootsmodellen gibt es quasi keine Gebrauchtboote weil die Besitzer sich zu Lebzeiten nicht davon trennen. In dem Fall ist es unausweichlich entweder Verzicht zu üben und zu warten bis es aus einer Erbmasse heraus verkauft wird. Dann ist man womöglich auch mit zu viel Konkurrenz konfrontiert. Oder - wenn man meint so ein Boot dringend zu brauchen – mit Hersteller bzw. Händler Kontakt aufzunehmen und sich für den Neukauf zu entscheiden. Ein anderer Grund für so ein Vorgehen könnte der Umstand sein, dass bestimmte Boote lediglich in Übersee angeboten werden oder das es für z.B. handwerklich aufwändig gefertigte Holzboote quasi keinen Gebrauchtmarkt gibt. Die muss man neu kaufen oder - noch besser - selber bauen.
Samstag, 18. Mai 2013
Kursvorbereitungen I
Dieses vermutlich verregnete Pfingstwochenende widme ich den Vorbereitungen für den Praxiskurs der Trainerausbildung, der ab der zweiten Wochenhälfte im Allgäu stattfinden wird. Wir Kursleiter besprechen uns noch am Montag und ich werde mich dafür einsetzen, dass die Kurseinheit "Canadierpaddeln" nicht nur - wie vorgesehen - an einem Vormittag auf dem See sondern auch auf fließendem Wasser stattfinden wird. Die Kursteilnehmer sind ausschließlich KajakpaddlerINNEN.
Es ist ja bezeichnend, dass für Canadier mal wieder ausschließlich Flachwasserübungen eingeplant wurden. Möglicherweise lässt sich das mit den Umtrieben einzelner Vertreter der deutschen Flachwasserlobby erklären, die offenbar erfolgreich propagieren, dass das wahre Glück vor allem beim Figurenpaddeln auf unbewegtem Wasser zu finden ist. Ein skeptischer Satz hierzu kann einen mittleren Shitstorm auslösen, wie ich vergangene Woche erleben durfte. Oder es hat damit zu tun, dass in deutschen Kanuklubs allenfalls die betagte Wanderfahrerfraktion gemächliches Canadierpaddeln betreibt.
Wie dem auch sei. Ich habe mal eine kleine Stichwortsammlung angelegt, die ich die nächsten Tage - vor allem dann beim Treffen am Montag - peu-à-peu ergänzen werde.
Wie dem auch sei. Ich habe mal eine kleine Stichwortsammlung angelegt, die ich die nächsten Tage - vor allem dann beim Treffen am Montag - peu-à-peu ergänzen werde.
Solo- und Tandemcanadier
Grundsätzliches:
(?) Historisches,
Kulturgedöhns, Kanureisen: Beladung, Sicherung des Gepäcks, Flachwasserpaddeln
im Canadier versus Fließ- oder Wildwasserpaddeln im Canadier versus Wettbewerbspaddeln in der olympischen Bootsklasse "C1/C2"(Slalom- und Rennbooten), …
(!) Sitz(Knie-!)position
Tandem (WW – mittig, Touren – an den Enden), Paddellänge, Bedeutung des
Bugpaddlers (Steuerimpuls, „Lotse“) Bedeutung des Heckpaddlers (konstante
Korrektur, Motor, kein Steuerruderhalter!), Kommunikation (konkrete und laute Ansagen
aus dem Bug), Trimm auf großen Wasserflächen, Umgang mit Wind und Wellen, Sicherheitsfragen, …
Flachwasser im Tandem („Training unter Laborbedingungen“)
Fünf Basisschläge
im Bug (Grundschlag, Ziehschlag, Bogenschlag, statisch onside/offside mit
Aufkanten (Stützen aus dem Heck))
Vier Basisschläge
im Heck (Grundschlag mit Steuerabschluss: Heckhebel oder “J“, Zieh- und
Bogenschlag)
Heck und Bug:
hohe und flache Stütze, Hebelstütze
Bergeübung (Parallelbergung, Capistrano-Flip, Boot-über-Boot,
Boot-über-Gepäck), …
Alle bei Tandem
angeführten Grundschläge, „Aufkanten“, „inner Circle“ (on- und offside), …
Canadier an Land: Tragetechniken, Lagerung, Transport
Fließwasser im Canadier („Training mit natürlichen Stör- und Hilfseinflüssen“)
Dienstag, 18. Dezember 2012
Wildwasserpaddeln im Canadier
Folgenden Text wollte ich schon vor geraumer Zeit im Open-Canoe-Journal veröffentlichen aber Frank, der Betreiber, meinte, dass der Text auf Anfänger zu abschreckend wirke. Nachdem ich jetzt einige Zeit daran herumgewerkelt habe und die abschreckenden Elemente nicht richtig weg kriege weil ich sie nicht unterschlagen will veröffentliche ich es eben hier.
Wie man hört neigen alle Paddler dazu "[…]in Ehrfurcht zu versinken, wenn ein Paddler von reißendem Wildwasser, stehenden Wellen, wochenlangen Wildniserlebnissen mit Abenteuergarantie erzählt. […] denn als Paddler lernt man schnell, dass Fließ- und Wildwasser die „wirklichen Herausforderungen“ sind und Flachwasserpaddeln ja eigentlich nur der Vorbereitung darauf dient“ (Quelle).
Dass das nur zum Teil stimmt und dass auf Flachwasser dennoch komplexe und imponierende Manöver gepaddelt werden können heben die Freestyle-Paddlerinnen und Paddler zwar gern und mit gutem Grund hervor, aber bedauerlicherweise drängt sich die Erfordernis, sich die unbestritten beeindruckenden Flachwassertechniken anzueignen, all jenen, die das Kanu für längere Fahrten über große Wasserflächen nutzen, nicht so unmittelbar auf. Erheblich offensichtlicher ist für sie die Notwendigkeit das Boot trocken und aufrecht durch Wind und Wellen zu bekommen ohne graziöse Kringel und Schleifen zu fahren. Und auch die, die eine kleine oder auch eine größere Stromschnelle in Fließgewässern hinunter manövrieren möchten, weil sie die lieber nicht umtragen wollen, sind stärker daran interessiert, die auf dem Weg liegenden Kehrwasser zu erwischen, um sich für die weitere Fahrt auszuruhen und zu orientieren, als daran, in diesen Kehrwassern anmutig aufgekantet und im Takt Figuren zu paddeln.
Und sollte man dann noch dazu von Paddelfreunden umgeben sein, die in diesen kleinen engen Kajaks unterwegs sind und immer, wenn sie spannende Ausfahrten machen verlautbaren „…heute kannst Du leider nicht mitspielen“ wird einem schnell klar, dass man seine Paddelkompetenzen jenseits des ruhigen und vertrauten Flachwassers erweitern sollte.
Wenn ein Wechsel der Bootsgattung nicht in Betracht kommt weil man sich in engen kleinen Bootsluken sitzend nicht recht wohl fühlt und beim Umgang mit Doppelpaddeln beständig über den fehlenden Handgriff und das an seiner Stelle befindliche überflüssige Paddelblatt murrt, muss man eben im offenen Boot lernen mit bewegtem Wasser klar zu kommen. Dass das offenbar bis in beachtliche Schwierigkeitsgrade hinein machbar ist, wird in den anfangs angeführten Lagerfeuer-Erzählungen angedeutet und ist Inhalt mehr oder weniger imponierender Helden- und Expeditionsgeschichten.
Dass Wildwasserpaddeln doch nicht ganz so leicht ist zeigt die Erfahrung: Es gibt wenig wirklich „gutmütige“ Anfängerboote bei den Wildwassercanadiern und selbst in solchen sitzt man im Vergleich mit den im niedrigen Kajak sitzenden Doppelpaddlern erschreckend hoch. Deshalb hat bewegtes Wasser unter einem offenen Boot auch erheblich mehr Wirkung auf den darüber knienden Stechpaddler als es auf sitzende Doppelpaddler in geschlossenen Booten hat.
Davon sollte man sich als Anfänger jedoch nicht entmutigen lassen sondern diesen Umstand als Chance und Herausforderung begreifen: Wildwasserboote mit Rundboden erscheinen dem Ungeübten so kippelig, dass er zunächst sehr damit beschäftigt ist das Gleichgewicht zu halten - was eine gute Übung für die Verhältnisse im Wildwasser ist, wie sich mit der Zeit erweist. Flachbodenboote haben die Eigenart zuerst bretthart auf dem Wasser zu liegen, bei Seitenströmung jedoch sehr überraschend ins Kippen zu geraten. Sie lehren einen - bauartbedingt - Strömungsverhältnisse richtig einzuschätzen und das Boot rechtzeitig angemessen aufzukanten. Und Wildwasserboote sind wenig richtungsstabil. Der Kielsprung bewirkt, dass jeder Paddelschlag ohne Heckhebel das Boot in Rotation bringt.
Sie erziehen den oder die Paddlerin dazu, einen sauberen Grundschlag zu erlernen, dessen wichtigstes Merkmal der „Heckhebel“, ein nach außen gerichteter Impuls mit der Paddelrückseite am Ende der (kurzen) Durchzugsbewegung, ist.
Der Schlüsselbegriff „Übung“ darf deshalb nicht unterbewertet werden. Aber unangeleitetes Üben birgt die Gefahr in sich ineffiziente Lösungsstrategien zu verfestigen. Das erfolgreiche Wildwassern im Canadier (erfolgreich in Zusammenhang mit erkennbaren Fortschritten und im Sinne von „Schwimmen vermeiden“ - denn „trocken bleiben“ kann keiner erwarten) ist ohne Erlernen einiger grundlegender Techniken und Reflexe kaum zu bewerkstelligen. Hier helfen strukturierte Kurse in ähnlichem Maß wie Ratschläge erfahrener Paddlerinnen und Paddler. Kurse ohne Übungspraxis verpuffen und unangeleitetes Üben begünstigt das Verfestigen von ineffizienten Behelfslösungen.
Dass Wildwassernovizen und -novizinnen gelegentlich kentern ist ein Schicksal, dass sie mit den erfahrenen Wildwasserpaddlern teilen. Erfahrungsgemäß ist es so, dass diejenigen, die sich erst einmal in die Lage versetzt haben in wildem Wasser paddeln zu können, häufig bestrebt sind noch wilderes Wasser mit ihren offenen Booten zu bewältigen. Der damit verknüpfte Lernprozess beinhaltet Momente des Jubilierens und des Scheiterns.
So kommt es, dass die Anfänger, die eben noch unterhalb einer 2er-Stelle, die der Könner vorher mühelos bewältigt hat, mittels Wurfsack aus dem Wasser gezogen werden mussten, an der nachfolgenden 3+-Stelle, die sie vorsorglich gleich umtragen haben, den schwimmenden Könner aus dem Wasser ziehen. Es ist also beim Wildwasserpaddeln dringend erforderlich gleich von Anfang an das Schwimmen in bewegtem Wasser zu üben und es ist notwendig in Gruppen unterwegs zu sein, innerhalb derer klar geregelt ist, wer wen wann sichert und welche Rettungstechniken unter welchen Umständen anzuwenden sind. Rettungs- und kontrollierte Schwimmübungen im Wildwasser sind deshalb auch obligatorisch.
Auch beim Schwimmen und Retten und Bergen gilt es eine Reihe grundlegender Techniken zu beherrschen, die sowohl in einem Kurs als auch als Trainingselement bei Ausfahrten mit Paddelfreunden geübt werden. Verantwortliche Paddelgruppen üben das.
Sie legen bei ihren Ausfahrten an geeigneten Stellen kurze oder auch längere Übungspausen ein. Das machen sie dort, wo das Risiko gering und die Bedingungen günstig sind damit die Abläufe im weniger freundlichen Ernstfall sitzen und Rettungsmaßnahmen auf Anhieb gelingen.
Wildwasserpaddeln im offenen Canadier ist von der Ausrüstung her ein vergleichsweise aufwändiger Sport. Übertrumpfen sich die Flachwasserpaddler noch mit immer ausgefeilteren Bootsdesigns und filigranen Spezialpaddeln, so benötigen Paddler im Wildwasser zusätzlich zu Wildwassercanadiern (derer wenige aber erstaunlich unterschiedliche auf dem Markt sind) und Paddeln noch hoch spezialisierte Schutzbekleidung und Rettungsausrüstung deren Vor- und Nachteile ausgiebig diskutiert werden können. Ein augenfälliger Nachteil ist, dass das ganze Gerümpel nicht ganz billig ist.
Ein weiterer Nachteil des Wildwasserpaddelns ist, dass es unweigerlich bergab führt. Zwar können sich Wildwasserpaddler an bestimmten Stellen im Fluss erstaunlich lang aufhalten (das Surfen auf Wellen gehört zu den besonders populären Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsübungen, dicht gefolgt von Jet- und S-Ferries über Stromzungen und damit verbundene Kehrwassermanöver) aber wer sich für wildes Wasser entscheidet und einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, wird sich auf Dauer nicht mit einem kleinen Flussabschnitt oder gar mit einer Wasserfläche zufrieden geben. Er muss längere Anfahrten, knifflige Umsetzmanöver und Aufenthalte in der Bergwelt in Kauf nehmen - denn nur da fließt das richtig wilde Wasser.
Nun soll hier das Wildwasserpaddeln dem technisch anspruchsvollen Flachwasserpaddeln nicht ausschließlich konkurrierend gegenübergestellt werden. Jede und jeder tut gut daran sich von beiden gar nicht so weit voneinander entfernten Herangehensweisen den Teil zu erschließen, der den individuellen Interessen und den verfügbaren Gewässern angemessen ist.
Wer jedoch von vorne herein weiß, dass er sich nicht auf stehende Gewässer beschränken wird sondern auch Touren paddeln will und dabei Bäche und Flüsse unter seinen Kiel nimmt und möglicherweise auch noch Kinder und Gepäck mit an Bord hat sollte sich selbst dann mit Wildwassertechniken vertraut machen wenn er gar keine Ambitionen hat voll ausgerüstet in richtig spritzigem Wildwasser unterwegs zu sein. Man paddelt schließlich niemals den gleichen Fluss - abhängig vom Wasserstand kann ein gestern noch ruhig dahin fließender Wanderfluss am anderen Morgen deutlich anspruchsvollere Verhältnisse bieten. Es wäre doch schade einen Paddelurlaub abbrechen zu müssen bloß weil da plötzlich mehr Wasser fließt als erwartet. Schließlich kann man mit dem vielen Wasser jede Menge Spaß haben, wenn man weiß, wie man damit umgehen muß.
Wie man hört neigen alle Paddler dazu "[…]in Ehrfurcht zu versinken, wenn ein Paddler von reißendem Wildwasser, stehenden Wellen, wochenlangen Wildniserlebnissen mit Abenteuergarantie erzählt. […] denn als Paddler lernt man schnell, dass Fließ- und Wildwasser die „wirklichen Herausforderungen“ sind und Flachwasserpaddeln ja eigentlich nur der Vorbereitung darauf dient“ (Quelle).
Dass das nur zum Teil stimmt und dass auf Flachwasser dennoch komplexe und imponierende Manöver gepaddelt werden können heben die Freestyle-Paddlerinnen und Paddler zwar gern und mit gutem Grund hervor, aber bedauerlicherweise drängt sich die Erfordernis, sich die unbestritten beeindruckenden Flachwassertechniken anzueignen, all jenen, die das Kanu für längere Fahrten über große Wasserflächen nutzen, nicht so unmittelbar auf. Erheblich offensichtlicher ist für sie die Notwendigkeit das Boot trocken und aufrecht durch Wind und Wellen zu bekommen ohne graziöse Kringel und Schleifen zu fahren. Und auch die, die eine kleine oder auch eine größere Stromschnelle in Fließgewässern hinunter manövrieren möchten, weil sie die lieber nicht umtragen wollen, sind stärker daran interessiert, die auf dem Weg liegenden Kehrwasser zu erwischen, um sich für die weitere Fahrt auszuruhen und zu orientieren, als daran, in diesen Kehrwassern anmutig aufgekantet und im Takt Figuren zu paddeln.
Und sollte man dann noch dazu von Paddelfreunden umgeben sein, die in diesen kleinen engen Kajaks unterwegs sind und immer, wenn sie spannende Ausfahrten machen verlautbaren „…heute kannst Du leider nicht mitspielen“ wird einem schnell klar, dass man seine Paddelkompetenzen jenseits des ruhigen und vertrauten Flachwassers erweitern sollte.
Wenn ein Wechsel der Bootsgattung nicht in Betracht kommt weil man sich in engen kleinen Bootsluken sitzend nicht recht wohl fühlt und beim Umgang mit Doppelpaddeln beständig über den fehlenden Handgriff und das an seiner Stelle befindliche überflüssige Paddelblatt murrt, muss man eben im offenen Boot lernen mit bewegtem Wasser klar zu kommen. Dass das offenbar bis in beachtliche Schwierigkeitsgrade hinein machbar ist, wird in den anfangs angeführten Lagerfeuer-Erzählungen angedeutet und ist Inhalt mehr oder weniger imponierender Helden- und Expeditionsgeschichten.
Dass Wildwasserpaddeln doch nicht ganz so leicht ist zeigt die Erfahrung: Es gibt wenig wirklich „gutmütige“ Anfängerboote bei den Wildwassercanadiern und selbst in solchen sitzt man im Vergleich mit den im niedrigen Kajak sitzenden Doppelpaddlern erschreckend hoch. Deshalb hat bewegtes Wasser unter einem offenen Boot auch erheblich mehr Wirkung auf den darüber knienden Stechpaddler als es auf sitzende Doppelpaddler in geschlossenen Booten hat.
Davon sollte man sich als Anfänger jedoch nicht entmutigen lassen sondern diesen Umstand als Chance und Herausforderung begreifen: Wildwasserboote mit Rundboden erscheinen dem Ungeübten so kippelig, dass er zunächst sehr damit beschäftigt ist das Gleichgewicht zu halten - was eine gute Übung für die Verhältnisse im Wildwasser ist, wie sich mit der Zeit erweist. Flachbodenboote haben die Eigenart zuerst bretthart auf dem Wasser zu liegen, bei Seitenströmung jedoch sehr überraschend ins Kippen zu geraten. Sie lehren einen - bauartbedingt - Strömungsverhältnisse richtig einzuschätzen und das Boot rechtzeitig angemessen aufzukanten. Und Wildwasserboote sind wenig richtungsstabil. Der Kielsprung bewirkt, dass jeder Paddelschlag ohne Heckhebel das Boot in Rotation bringt.
Der Schlüsselbegriff „Übung“ darf deshalb nicht unterbewertet werden. Aber unangeleitetes Üben birgt die Gefahr in sich ineffiziente Lösungsstrategien zu verfestigen. Das erfolgreiche Wildwassern im Canadier (erfolgreich in Zusammenhang mit erkennbaren Fortschritten und im Sinne von „Schwimmen vermeiden“ - denn „trocken bleiben“ kann keiner erwarten) ist ohne Erlernen einiger grundlegender Techniken und Reflexe kaum zu bewerkstelligen. Hier helfen strukturierte Kurse in ähnlichem Maß wie Ratschläge erfahrener Paddlerinnen und Paddler. Kurse ohne Übungspraxis verpuffen und unangeleitetes Üben begünstigt das Verfestigen von ineffizienten Behelfslösungen.
Dass Wildwassernovizen und -novizinnen gelegentlich kentern ist ein Schicksal, dass sie mit den erfahrenen Wildwasserpaddlern teilen. Erfahrungsgemäß ist es so, dass diejenigen, die sich erst einmal in die Lage versetzt haben in wildem Wasser paddeln zu können, häufig bestrebt sind noch wilderes Wasser mit ihren offenen Booten zu bewältigen. Der damit verknüpfte Lernprozess beinhaltet Momente des Jubilierens und des Scheiterns.
So kommt es, dass die Anfänger, die eben noch unterhalb einer 2er-Stelle, die der Könner vorher mühelos bewältigt hat, mittels Wurfsack aus dem Wasser gezogen werden mussten, an der nachfolgenden 3+-Stelle, die sie vorsorglich gleich umtragen haben, den schwimmenden Könner aus dem Wasser ziehen. Es ist also beim Wildwasserpaddeln dringend erforderlich gleich von Anfang an das Schwimmen in bewegtem Wasser zu üben und es ist notwendig in Gruppen unterwegs zu sein, innerhalb derer klar geregelt ist, wer wen wann sichert und welche Rettungstechniken unter welchen Umständen anzuwenden sind. Rettungs- und kontrollierte Schwimmübungen im Wildwasser sind deshalb auch obligatorisch.
Auch beim Schwimmen und Retten und Bergen gilt es eine Reihe grundlegender Techniken zu beherrschen, die sowohl in einem Kurs als auch als Trainingselement bei Ausfahrten mit Paddelfreunden geübt werden. Verantwortliche Paddelgruppen üben das.
Sie legen bei ihren Ausfahrten an geeigneten Stellen kurze oder auch längere Übungspausen ein. Das machen sie dort, wo das Risiko gering und die Bedingungen günstig sind damit die Abläufe im weniger freundlichen Ernstfall sitzen und Rettungsmaßnahmen auf Anhieb gelingen.
Wildwasserpaddeln im offenen Canadier ist von der Ausrüstung her ein vergleichsweise aufwändiger Sport. Übertrumpfen sich die Flachwasserpaddler noch mit immer ausgefeilteren Bootsdesigns und filigranen Spezialpaddeln, so benötigen Paddler im Wildwasser zusätzlich zu Wildwassercanadiern (derer wenige aber erstaunlich unterschiedliche auf dem Markt sind) und Paddeln noch hoch spezialisierte Schutzbekleidung und Rettungsausrüstung deren Vor- und Nachteile ausgiebig diskutiert werden können. Ein augenfälliger Nachteil ist, dass das ganze Gerümpel nicht ganz billig ist.
Ein weiterer Nachteil des Wildwasserpaddelns ist, dass es unweigerlich bergab führt. Zwar können sich Wildwasserpaddler an bestimmten Stellen im Fluss erstaunlich lang aufhalten (das Surfen auf Wellen gehört zu den besonders populären Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsübungen, dicht gefolgt von Jet- und S-Ferries über Stromzungen und damit verbundene Kehrwassermanöver) aber wer sich für wildes Wasser entscheidet und einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, wird sich auf Dauer nicht mit einem kleinen Flussabschnitt oder gar mit einer Wasserfläche zufrieden geben. Er muss längere Anfahrten, knifflige Umsetzmanöver und Aufenthalte in der Bergwelt in Kauf nehmen - denn nur da fließt das richtig wilde Wasser.
Nun soll hier das Wildwasserpaddeln dem technisch anspruchsvollen Flachwasserpaddeln nicht ausschließlich konkurrierend gegenübergestellt werden. Jede und jeder tut gut daran sich von beiden gar nicht so weit voneinander entfernten Herangehensweisen den Teil zu erschließen, der den individuellen Interessen und den verfügbaren Gewässern angemessen ist.
Wer jedoch von vorne herein weiß, dass er sich nicht auf stehende Gewässer beschränken wird sondern auch Touren paddeln will und dabei Bäche und Flüsse unter seinen Kiel nimmt und möglicherweise auch noch Kinder und Gepäck mit an Bord hat sollte sich selbst dann mit Wildwassertechniken vertraut machen wenn er gar keine Ambitionen hat voll ausgerüstet in richtig spritzigem Wildwasser unterwegs zu sein. Man paddelt schließlich niemals den gleichen Fluss - abhängig vom Wasserstand kann ein gestern noch ruhig dahin fließender Wanderfluss am anderen Morgen deutlich anspruchsvollere Verhältnisse bieten. Es wäre doch schade einen Paddelurlaub abbrechen zu müssen bloß weil da plötzlich mehr Wasser fließt als erwartet. Schließlich kann man mit dem vielen Wasser jede Menge Spaß haben, wenn man weiß, wie man damit umgehen muß.
Freitag, 11. Mai 2012
Paddeltheorie - Wildwasserpaddeln
Bei einem Gespräch mit einer Radrennfahrerin sind mir einige Merkmale des Paddelns im natürlichen Wildwasser in den Sinn gekommen, die diesen Sport meines Erachtens von anderen Sportarten maßgeblich unterscheiden.
Anders als bei Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren oder auch anders als bei vielen Mannschafts- und anderen Wettbewerbssportarten haben eine solche Vielzahl von Kenntnissen und Fähigkeiten Einfluss auf den Paddelsport, dass man guten Gewissens von einer "komplexen Sportart" reden kann.
Überbegriffe wie "Technik/Körperkoordination", "Ausdauer", "Reaktionsfähigkeit" und "Kraft" umschreiben zentrale
- vorwiegend - "körperliche" Aspekte des Paddelns (vor allem in bewegtem Wasser). Hinzu kommen mentale Leistungen wie Strategieüberlegungen,
die hier nicht im Sinne von Wettkampfstrategien verstanden werden sollen sondern
in Zusammenhang mit Strömungslehre stehen. Hydrodynamik ist eine komplexe Angelegenheit, mit der sich Wildwasserpaddler auseinander setzen müssen. Sie müssen sie nicht zwingend intellektuell durchdringen aber sie können im Wildwasser nicht paddeln, wenn sie nicht ein Gespür für Strömungen und ihre Auswirkungen auf Boot und Paddel entwickeln.
Ausrüstungsfragen werden stets heftig diskutiert. In diesen Diskursen mag einige Redundanz enthalten sein aber Kenntnisse über sinnvolle, zweckmäßige und vor allem sichere Ausrüstung (und deren sachgemäße Lagerung und Instandhaltung) sind für Wildwasserpaddler unverzichtbar. Das gleiche gilt für Sicherheits- und Rettungstechniken, deren Komplexität leicht auch Abwehr und Unwillen in der Ausbildung auslösen. Im eigenen und im Interesse aller Mitpaddler ist es dennoch erforderlich sich diese Kenntnisse anzueignen und sie kontinuierlich aufzufrischen.
Da der Kanusport ein Natursport ist haben ökologische Erwägungen, die damit verbundenen Regelwerke und Bestimmungen Einfluss auf die Ausübung des Sports. Wer sie nicht durchdringt kann schwerlich paddeln.
Ausrüstungsfragen werden stets heftig diskutiert. In diesen Diskursen mag einige Redundanz enthalten sein aber Kenntnisse über sinnvolle, zweckmäßige und vor allem sichere Ausrüstung (und deren sachgemäße Lagerung und Instandhaltung) sind für Wildwasserpaddler unverzichtbar. Das gleiche gilt für Sicherheits- und Rettungstechniken, deren Komplexität leicht auch Abwehr und Unwillen in der Ausbildung auslösen. Im eigenen und im Interesse aller Mitpaddler ist es dennoch erforderlich sich diese Kenntnisse anzueignen und sie kontinuierlich aufzufrischen.
Da der Kanusport ein Natursport ist haben ökologische Erwägungen, die damit verbundenen Regelwerke und Bestimmungen Einfluss auf die Ausübung des Sports. Wer sie nicht durchdringt kann schwerlich paddeln.
Der Kanusport fordert aus diesem Blickwinkel heraus den ganzen
Menschen mit Kopf und Leib (beim Kanusport wird der Unterleib erheblich weniger
belastet als der Oberkörper. Gänzlich unbeteiligt bleibt er allerdings nicht - insbesondere wenn es ums Umtragen von Flusshindernissen geht). Die Anforderungen sind komplex und die Erfahrung lehrt, dass der Paddelsport höhere Bildungsschichten eher anspricht als bildungsferne Bevölkerungsgruppen. In diesem Zusammenhang gibt es Beispiele dafür, wie elitären Tendenzen im Vereinssport entgegen gewirkt wird (Vaihinger Kanu-AG).
Ein kulturelles Anhängsel des Paddelsports mag auch noch angeführt werden: Man kann Canadier ohne Kenntnisse der historischen
Entwicklung und Bedeutung dieser Bootsgattung für den nordamerikanischen Kontinent betreiben. Wer sich zusätzlich
zum Sport mit der Herkunft und Entwicklung der Bootsgattung beschäftigt ist mit einem bemerkenswerten und reichhaltigen kulturellen Erbe
konfrontiert.
Gleiches gilt für Kajaks, deren Herkunft und historische Bedeutung jedoch vor allem für Seekajakpaddler eine Rolle spielt. Der Wildwasserkajaksport ist in dieser Hinsicht eine moderne und innovative Erscheinung, die nur einen vergleichsweise kurzen geschichtlichen Hintergrund hat.
Ähnliche Merkmale haben unzweifelhaft auch andere Sportarten vorzuweisen und wer sich intensiv mit einer Sportart, ihrer Entwicklung und ihrer verschieden Randdisziplinen auseinander setzt ist sicher in der Lage vielfältige Aspekte aufzulisten und zu erläutern. Es gibt aber eine ganze Reihe populärer Sportarten, bei denen mir beim besten Willen nicht mehr als eine Handvoll derartiger Merkmale einfallen. Das kann nicht nur an meiner Ignoranz ihnen gegenüber liegen.
Gleiches gilt für Kajaks, deren Herkunft und historische Bedeutung jedoch vor allem für Seekajakpaddler eine Rolle spielt. Der Wildwasserkajaksport ist in dieser Hinsicht eine moderne und innovative Erscheinung, die nur einen vergleichsweise kurzen geschichtlichen Hintergrund hat.
Ähnliche Merkmale haben unzweifelhaft auch andere Sportarten vorzuweisen und wer sich intensiv mit einer Sportart, ihrer Entwicklung und ihrer verschieden Randdisziplinen auseinander setzt ist sicher in der Lage vielfältige Aspekte aufzulisten und zu erläutern. Es gibt aber eine ganze Reihe populärer Sportarten, bei denen mir beim besten Willen nicht mehr als eine Handvoll derartiger Merkmale einfallen. Das kann nicht nur an meiner Ignoranz ihnen gegenüber liegen.
Donnerstag, 17. November 2011
Weiteres Konzeptgrübeln
Claudius hat den Impuls zu weiteren Konzeptüberlegungen gegeben weil er bei einem Nachbarverband ebenfalls mit der Übungsleiterausbildung konfrontiert ist und von seinen Erfahrungen und Schlussfolgerungen berichtet hat. Dort wie hier geht man offenbar von der Richtlinie des Bundesverbands aus, die für eine erfolgreiche Trainierausbildung das Absolvieren bestimmter klar quantifizierter Lehreinheiten vorsieht.
Darüber, dass das an den Bedürfnissen künftiger Trainer vorbei geht, sind wir uns eigentlich alle einig. In der Realität ist es so, dass viele von jenen, die zur Übungsleiteraus- bildung antreten, schon über Vorkenntnisse und jede Menge praktische Erfahrung verfügen. Deshalb kann in eigentlich jedem Feld der Trainierausbildung die Ausbildungsgruppe von den Erfahrungen und Kenntnissen ihrer Mitglieder lernen. Dieses Potential im individuellen Fall zu erkennen und den Kurs zu einem aktiven und produktiven Erfahrungsaustausch zu machen ist die eigentliche Aufgabe des Ausbildungsteams. Die Ausbildung besteht also mehr in Moderation als in Lehre.
Um das hinzukriegen ist es in der Übungsleiterausbilung erforderlich die Kenntnisse und Vorerfahrungen der Teilnehmer detailliert zu erfragen (oder durch Beobachtung zu erkennen und zu benennen) und in den Lehrablauf und -plan der Trainierausbildung einzuordnen. Den Teilnehmern muss Raum für den Erfahrungsaustausch gegeben werden, sie müssen angeregt werden die Erfahrungen einzelner zu reflektieren um von ihnen zu profitieren.
Und es müssen auch die berücksichtigt und gewürdigt werden, die keinen Erfahrungsschatz mitbringen sondern blanke Motivation und originelle Ideen.
Am Beispiel der Motivation kann das verdeutlich werden. Claudius beklagt, dass in der Ausbildung viel Gewicht auf den Umgang mit „Störungen“ und „unerwünschtes Verhalten“ gelegt wird. Der Fokus wird dabei auf das Teilnehmerverhalten gerichtet. Dabei wird gar nicht in Erwägung gezogen, dass das Teilnehmerverhalten eine Reaktion auf den Trainer und sein Agieren ist. So ein Selbstreflexionsprozess ist erheblich mühsamer und die Erkenntnis eigener Unzulänglichkeiten gelegentlich schmerzhaft für Trainer. Es ist ja auch immer leichter sich mit den Defiziten anderer zu beschäftigen. In der Trainerausbildung sollte es um die vorhandenen Entwicklungsbedürfnisse des Ausbildungspersonals gehen und nicht um die erwarteten Defizite der Teilnehmer.
Darüber, dass das an den Bedürfnissen künftiger Trainer vorbei geht, sind wir uns eigentlich alle einig. In der Realität ist es so, dass viele von jenen, die zur Übungsleiteraus- bildung antreten, schon über Vorkenntnisse und jede Menge praktische Erfahrung verfügen. Deshalb kann in eigentlich jedem Feld der Trainierausbildung die Ausbildungsgruppe von den Erfahrungen und Kenntnissen ihrer Mitglieder lernen. Dieses Potential im individuellen Fall zu erkennen und den Kurs zu einem aktiven und produktiven Erfahrungsaustausch zu machen ist die eigentliche Aufgabe des Ausbildungsteams. Die Ausbildung besteht also mehr in Moderation als in Lehre.
Um das hinzukriegen ist es in der Übungsleiterausbilung erforderlich die Kenntnisse und Vorerfahrungen der Teilnehmer detailliert zu erfragen (oder durch Beobachtung zu erkennen und zu benennen) und in den Lehrablauf und -plan der Trainierausbildung einzuordnen. Den Teilnehmern muss Raum für den Erfahrungsaustausch gegeben werden, sie müssen angeregt werden die Erfahrungen einzelner zu reflektieren um von ihnen zu profitieren.
Und es müssen auch die berücksichtigt und gewürdigt werden, die keinen Erfahrungsschatz mitbringen sondern blanke Motivation und originelle Ideen.
Am Beispiel der Motivation kann das verdeutlich werden. Claudius beklagt, dass in der Ausbildung viel Gewicht auf den Umgang mit „Störungen“ und „unerwünschtes Verhalten“ gelegt wird. Der Fokus wird dabei auf das Teilnehmerverhalten gerichtet. Dabei wird gar nicht in Erwägung gezogen, dass das Teilnehmerverhalten eine Reaktion auf den Trainer und sein Agieren ist. So ein Selbstreflexionsprozess ist erheblich mühsamer und die Erkenntnis eigener Unzulänglichkeiten gelegentlich schmerzhaft für Trainer. Es ist ja auch immer leichter sich mit den Defiziten anderer zu beschäftigen. In der Trainerausbildung sollte es um die vorhandenen Entwicklungsbedürfnisse des Ausbildungspersonals gehen und nicht um die erwarteten Defizite der Teilnehmer.
Sonntag, 6. November 2011
Konzeptgrübeln
Ich neige nicht dazu mir besonders grundsätzliche Gedanken zu machen aber bei der sonntagnachmittäglichen Entspannungspaddelei habe ich heute doch ein wenig über die Grundlage von Kanulehrkonzepten gegrübelt:
Kanufahren ist mit vier Grundvoraussetzungen verbunden, die meiner Auffassung nach in unterschiedlicher Gewichtung bei allen Paddlern vorhanden sind:
- Zunächst muss man Spaß an der Sache haben.
- Dann ist es erforderlich Technikkenntnisse zu erwerben.
- Und man muss mit Kraft und
- sowohl körperlicher als auch mentaler Ausdauer gesegnet sein.
Unterordnen kann man meines Erachtens auch gute Ausrüstung. Die ist zunächst nicht erforderlich, befördert jedoch den Spaß an der Sache wobei man sich bewusst sein muss, dass gute Ausrüstung ab einem gewissen Qualitätsniveau in Statusfragen abdriftet und höchst individuell definiert werden kann. Was für den einen das Non-Plus-Ultra darstellt ist für den anderen ein hochwertiger Ausrüstungsgegenstand unter anderen.
* Der Punkt, in dem Kraft nicht mehr ausreicht, ist im Wildwasser rasend schnell erreicht. Die Wasserwucht übermannt den kräftigsten Paddler überraschend schnell. Beim Flachwasserpaddeln erreicht man diesen Punkt überhaupt nicht. Dort bedarf es sicherlich mehr Überzeugungskraft denjenigen, die auf ihre Kraft vertrauen, die Vorteilen guter Paddeltechnik anschaulich zu machen.
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