Montag, 24. Mai 2010

Alle Wehre ab Fischingen

Wir hatten ja schon am Freitagabend die Boote auf- und die Paddel, Westen und dergleichen in Rolfs Auto geladen, so dass der Samstagvormittag für die Beschaffung von Proviant und die sachgerechte Verpackung der übrigen Ausrüstung zur Verfügung stand.
Um 14:00 Uhr holte Rolf mich zuhause ab und wir fuhren durchs Neckartal hinauf nach Fischingen.

Dort gibt es einen Kanuverleih mit weitläufigem Gelände, dem der Ruf nachgeht zu Privatbootfahrern besonders unfreundlich zu sein. Das wollten wir gern überprüfen, fuhren also hin und fragten eine uns flugs entgegen eilende Mitarbeiterin, ob wir unser Auto wohl bis morgennachmittag auf dem Gelände parken dürften. Wir dürften nicht. Aber die Boote hier einsetzen ginge doch sicher? Nein, das ginge nicht. Wir fragten ungläubig nach und irgendwann kriegte die junge Frau die Kurve und wurde zugänglicher. Also gut, ausnahmsweise könnten wir hier parken - gegen Gebühr.
Wir zogen es dann doch vor ins Zentrum der Neckarmetropole Fischingen zu fahren, fanden vor dem örtlichen Kindergarten (gleich unterhalb des Wehrs) eine ideale Einsatzstelle und belegten gleich daneben einen von zahlreichen gut geschützten Parkplätzen.


Am Ufer beluden wir die Kanus mit der Ausrüstung und schoben die ob des ungewohnten Gewichts ziemlich unhandlichen Boote ins Wasser. Gleich beim Losfahren mussten wir wahrnehmen, dass so ein beladener Solocanadier gefühlt einen vollen Meter Länge hinzu gewinnt (und entsprechend träg dreht) und dass das zusatzliche Gewicht den Leichtlauf nicht gerade begünstigt. Dafür liegt das Boot sicher und satt im Wasser. Wenn man - wie ich - zunächst etwas buglastig lädt darf man sich nicht wundern wenn in den Wellen immer wieder Wasser über Bug und Süllränder ins Boot schwappt. Ich lieh mir Rolfs Schwamm und musste ihn auf der nachfolgenden Strecke häufig einsetzen.
Der Neckar zwischen Fischingen und Horb hat immer wieder kleine Schwallabschnitte mit mäßigem Gefälle. Der hier kaum 10 Meter breite Fluss fließt in großzügigen Kehren durch ein recht offenes Tal. Die Sonne schien, wir genossen die Fahrt und die unfreundliche Bootsverleiherin geriet in Vergessenheit.
In Horb angekommen wollten wir uns am Kiosk erst einmal Kaffee und Kuchen gönnen bekamen aber - da erst am Sonntag Eröffnung sei - nur Limo. Damit gestärkt machten wir uns an unsere erste Umtragung. Rolfs Boot kam auf den Bootswagen, mein Gepäck oben drauf und ich schulterte mein vergleichsweise leichtes Boot, das aber die Eigenheit hat im Laufe der Umtragung immer schwerer zu werden. An der Einsatzstelle angekommen stiefelte ich gleich ans Wasser. Lud dort das Boot ab und holte dann zusammen mit Rolf in zwei/drei Etappen das Gepäck aus Rolfs Boot, das Boot selbst und den Bootswagen nach.

Auf der spritzigen Strecke zwischen Fischingen und Horb hatten wir laut Rolfs GPS-Gerät eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Stundenkilometern erreicht. Diese sollte sich für die Gesamtstrecke aufgrund der nun häufiger folgenden Umtragungen auf etwas über 6 reduzieren.

Die Umtragung in Horb wäre wesentlich kürzer gewesen wenn wir zuerst gescoutet hätten denn der Schwall, der jetzt das ehemalige untere Wehr ersetzt wäre bei dem Wasserstand durchaus fahrbar gewesen. Die von vielfachen Paddeltouren bekannte Strecke von Horb nach Mühlen absolvierten wir Zwischenfallsfrei (mein Boot blieb auch in den Wellen trocken nachdem ich beim Umtragen die Gepäckanordnung umgestellt hatte). Und in Mühlen rutschte Rolf wagemutig übers Wehr während ich mein Boot an der Leine hinunter gleiten ließ.
Das Wehr unterhalb von Mühlen und das in Weitingen/Eyach umtrugen wir. Ersteres ist im Winter renoviert worden und nun völlig ungeeignet für die Befahrung da es am unteren Ende eine scharfe Betonkante bekommen hat – idiotisch! Und das zweite hat zwar eine großzügige Fischtreppe, - die ist aber allenfalls im Wildwasserkajak befahrbar.
Die Wehre folgten nun in kurzen Abständen da wir mit den Tourenbooten ziemlich schnell unterwegs waren. Die Umtragungen waren aufgrund der Gepäckmassen dennoch mühsam und zeitraubend.
In Börstingen konnten wir dann beide das Wehr hinunter rutschen. Mein schlanker Bug tauchte nur unwesentlich ein. Unter diesen Wehr kamen wir nun auch an unseren anvisierten Lagerplatz.
Wir suchten uns einige passende Bäume für die Hamocks und legten "minimal-invassive" Feuerstellen für die Künzi-Kocher an. Dann gab es Grillgut (bei mir auf der Pfanne und bei Rolfs Künzi-II auf dem Rost) und all die Leckereien, die wir dabei hatten. Es war ein reichhaltiges und unterhaltsames Mahl, dass sich in den immer später werdenden Abend zog.

Als es schließlich richtig dunkel war ließen wir die Feuer ausgehen und zogen uns in unsere Hängematten zurück, in denen wir uns erst einmal einrichten mussten. Das ist – wenn man das selten macht - etwas aufwändig weil die Tageskleidung zunächst irgendwie verstaut und die richtige diagonale Liegeposition erst einmal gefunden werden muss - schon weil man sich dann nicht mehr sehr viel bewegen kann. Ich schlief dennoch erstaunlich gut draußen in der Wildnis und hatte am folgenden Morgen einen wunderschönen Blick durch das Fliegengitter auf die sonnendurchflutete andere Flussseite.
Zum Frühstück gab es Spiegelei, Müsli und einen auf Rolfs Kaffee-Dampfmaschine zubereiteten Latte Macchiato mit viel steifem Milchschaum. Wir ließen uns viel Zeit mit dem Frühstück und bauten das Lager dann in aller Ruhe ab, so dass wir erst zwischen neun und zehn wieder aufs Wasser kamen. Der Flurschaden, den wir zurückließen hielt sich in Grenzen und man wird nach zwei/drei Tagen nichts mehr von unserem Aufenthalt sehen.
Das nächstfolgende Wehr ist das eingefallene Naturwehr unterhalb der Weitenburg, durch dessen turbulentes Unterwasser wir souverän hinab sausten. Dann hielt uns das Wehr in Bad-Niedernau nur kurz auf, weil wir die Boote darauf hinunter-ruckeln konnten (den einen oder anderen Kratzer haben sie unzweifelhaft von dieser Fahrt davongetragen) und dann kamen wir – so gegen elf/halbzwölf in Rottenburg am oberen Wehr an. Das galt es aufwändig zu umtragen und ein dort aufgestelltes einschüchtendes Schild wollte uns uns ein vorzeitiges Ende unsere Tour nahelegen. Wir ließen es jedoch unbeachtet, setzten die Boote wieder ein und fuhren in den Ort, wo wir endlich zu Kaffee und Kuchen kamen.




Dann durchquerten wir unter Einsatz unseres Lebens die Baustelle (wir hangelten uns unter den Drahtseilen hindurch, die die beiden Baufähren in Position halten) und setzten am unteren Rottenburger Wehr wieder aus, das es ebenfalls weiträumig und kraft- und zeitaufwändig zu umtragen galt.
Der Neckarabschnitt unterhalb von Rottenburg wird außerordentlich selten bepaddelt weil er zwischen zwei extrem garstig gestalteten Wehren liegt. Wir paddelten zwischen Schilfbänken und teils dichtem Uferbewuchs hindurch, unter der Kiebinger Brücke hindurch bis wir an das Kiebiger Wehr kamen wo mein alter Bekannter, der streitlustige Schwan auf uns wartete. Auch diesmal wollte er wieder eine Prügelei anzetteln und ich trieb Rolf etwas unsanft aus dem Wasser damit ich mich nicht im Boot sitzend mit dem Schwan herumschlagen musste. Als ich dann ausgestiegen war attackierte er auch das Heck meines Bootes in dem er es wütend unter Einsatz seines ganzen Gewichts unter Wasser drücken wollte. Ich war versucht meine spitze Polingstange einzusetzen, konnte mich aber gerade noch zusammenreißen.

Wir zerrten und schoben die Boote über das Kraftwerksgelände in Kiebingen, schimpften lautstark über die Betreiberfima (die mit immensem Aufwand eine Fischtreppe anlegt und diese dann so solide einzäumt, dass man mit dem Boot überhaupt nicht mehr daran vorbei kommt) schoben die Boote durch die völlig zugewucherte Böschung wieder ins Wasser und machten uns – misstrauische Blicke auf die Wehrkante gerichtet, wo der Schwan vorher noch gelauert hatte - weiter auf den Weg. Der Neckarabschnitt unterhalb Kiebingens ist uns ja vertraut (dahin kann man vom Bootshaus aus hinauf paddeln und staken, was wir des Öfteren zu tun pflegen) und wir paddelten inzwischen doch schon etwas ermattet über den seenartigen Bereich vorbei an den Baggerseen bis zum Hirschauer Wehr. Auch hier galt es weit und kräftezerrend zu umtragen, da 400 Meter weiter die große raue Rampe kommt, die sehr selten genug Wasser für eine Abfahrt führt. Den nachfolgende Flachwasserabschnitt paddelten wir etwas lustlos ab, da anschließend ja noch eine weitere raue Rampe (das „obere Wehr“ vom Bootshaus aus) folgt, die bei diesem Wasserstand auch nicht zu bepaddeln sein würde. Und tatsächlich – wir konnten es gerade mal treideln und das auch eher schlecht als recht (zu allem Überfluss löste sich dabei meine Treidelleine von Boot, was aber Gott-sie-Dank erst ganz unten passierte).

Dann waren es nur noch wenig Meter bis zum Bootshaus. Ich rief Klemens an, der sich bereit erklärt hatte uns wieder zum parkenden Auto zu fahren, und wir plauderten unterwegs noch ein wenig mit Doris und Thomas, die am Kraftwerkausfluss übten. Als wir dann beim Bootshaus ankamen wartete Klemens schon auf uns und half die Materialmassen auf das Bootshausgelände zu tragen. Wir sortierten zunächst noch ein wenig und legten Feuchtes zum Trocknen in die Sonne. Dann machten sich Klemens und Roll auf nach Fischingen um das Auto zurück zu holen und ich reinigte die Boote, plauderte noch mit Doris und Thomas und erholte mich von der schönen aber auch strapaziösen Tour.
Letztendlich sind wir an den anderthalb Tagen gerade mal 45 Kilometer weit gepaddelt, haben aber - wenn ich mich nicht verrechnet habe - 14 Wehre mit zum Teil lästig langen Umtragestrecken überwunden.

Kommentare:

  1. Hallo Axel,

    danke für deine regelmässigen Berichte. Was mich an diesem Bericht besonders interessiert: was ist das genau für eine Kaffeemaschine und wo kann man die kaufen? Das man damit Milch schäumen kann - das wär was für mich...

    danke für deine Antwort,

    Gruss Tobi (aus dem OC Forum)

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  2. Hallo Tobi,

    das Ding heißt "Bellman Cappucino" und ist bei Globetrotter zu bekommen (http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?mod_nr=135041&k_id=1209&hot=0) Kaffee und Milchschaum sind vortrefflich, Preis und Gewicht weniger attraktiv.

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  3. Hallo,

    vergangenes Wochenende war ich in Fischingen an der Einsetzstelle, am Kanuverleih. Ich muss Dir sagen, dass die Leute dort keineswegs unfreundlich sind, ganz im Gegenteil. Auf Nachfrage gaben sie Tipps und Hinweise zur Befahrung. Vielleicht hatten sie mehr Zeit, da nicht so viele Kunden vor ort waren. Völlig überraschend haben sie sogar angeboten, unser Auto bei ihnen zu parken, dort sei es sicher.

    Zum Thema "Unfreundliche Kanuverleiher" möchte ich auf den einfachen Sachverhalt hinweisen, das dies Firmen, nicht Privatpersonen sind, die, wenn sie das Parken auf ihrem Gelände erlauben, auch rechtliche Pflichten eingehen.
    Beschädigungen der Fahrzeuge, Diebstahl, Unwetter usw. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Parkgebühr entrichtet wurde oder nicht.
    Auch ist es einem Verleiher nicht gestattet, Personen, die nicht an seinem Programm teilnehmen, von der Aussetzstelle zurück zu transportieren. Dazu braucht es eine andere Personentransporterlaubnis. Ausnahme Notsituationen. Er darf es einfach nicht!
    Natürlich sind wir Paddelkollegen schnell darüber verärgert. Und der Verleiher ist verärgert, weil er immer wieder darauf angesprochen wird und Nein sagen muss.

    Ich finde es nicht in Ordnung, in deinem Beitrag derart scharf diesen Verleih zu kritisieren. Viele lesen deinen Block. Hier wäre etwas Fairness angebracht. Und es passt auch einfach nicht zu deiner sonst sehr guten Beschreibung. Ich empfehle das einfach raus zu streichen.

    Dr. O. Seel, Heilbronn

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  4. Wäre es das einzige Mal gewesen, dass wir schlechte Erfahrungen mit diesem Verleih gemacht hätten, würde ich mir ernsthaft überlegen meine kritischen Worte etwas zu entschärfen (so scharf sind sie doch gar nicht). Aber uns ist dergleichen dort mehrfach widerfahren (http://paddelblog.blogspot.de/2010/09/zum-vierten-mal-in-diesem-jahr-bin-ich.html).
    Schön immerhin, dass auch mal jemand positive Erfahrungen mit diesen Leuten macht.

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  5. Also wir wollten uns am Gelände des Kanuverleihs am Pfingstsonntag 2013 abholen lassen. Frau und Sohn wurden schnurstracks und höchst unfreundlich vom Gelände verwiesen. Vielleicht lags am regnerischen Wetter? Auf jeden Fall fühlten wir uns wie Blitzableiter.

    W

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  6. Sehr interessiert verfolgen wir die Berichte hier im Blog.
    Die teilweise sehr negativen Beurteilungen der Leute vom Kanuverleih in Fischingen können wir allerdings nicht nachvollziehen.
    Als Urlaubsgäste mit eigenem Kanadier haben wir diese Menschen sehr freundlich angetroffen. Es war für uns allerdings selbstverständlich vorher höflich zu fragen, ob wir das Auto auf deren privatem(!) Gelände gegen einen Obulus parken und unser Boot abladen dürfen. Dies war absolut kein Problem, wir bekamen zusätzlich Tipps und hatten ein sehr nettes Gespräch.
    Die von euch beschriebenen negativen Reaktionen können wir uns nur mit dem Sprichwort erklären: "Wie es in den Wald reinschallt, so schallt es auch wieder raus".
    Mit Werten wie Höflichkeit und Respekt, auch vor fremdem Eigentum, haben wir noch nie negative Reaktionen hervorgerufen!
    M.u.S. Müller aus Rheinland-Pfalz

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  7. Hallo M. und S.,

    es ist großartig, dass Ihr gute Erfahrungen mit den Verleihern in Fischingen machen konntet.

    Ich kann mich nicht erinnern, garstig zu Ihnen gewesen zu sein und lasse es gewöhnlich nicht an Höflichkeit und Respekt mangeln. Ich gehe zudem davon aus, dass Ihr nicht dabei wart, als wir unsere kurzen Wortwechsel mit ihnen hatten. Deshalb tue ich den "Waldschallvergleich" mal als Spekulation ab.

    Vielleicht haben diese Leute ja hinzugelernt. Ich werde sicher Gelegenheit haben das in Erfahrung zu bringen. Erst gestern sind wir wieder bei Ihnen vorbei gepaddelt.

    Herzliche Grüße
    Axel

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