Montag, 22. Oktober 2012

Dekadente Wildwasserfahrt


Unlängst bin ich ja heftigst kritisiert worden weil ich einen Teilaspekt einer Teilsparte eines Teilzweigs des Paddelsports, dem - nach eigenen Bekunden - ganze 20 Paddler in dieser Republik huldigen, "leichtgradig dekadent" finde.
Gestern nun habe ich mit voller Absicht aktiv an einer wahrhaft dekadenten Wildwasseraktion teilgenommen, wie sie tausendfach jährlich von Wildwasserpaddlern betrieben wird.
René und ich sind nämlich morgens nach Kennelbach bei Bregenz gefahren (knapp drei Stunden Fahrt) um uns mit Siggi, Cordula und Jan zu treffen und dann einen kurzen Abschnitt der Bregenzer Ach hinunter zu paddeln. Die Paddeltour erstreckte sich über fünf Stunden (was daran lag, dass wir uns an jeder Welle und jedem Kehrwasser ausgiebig ausgetobt haben - sonst hätten wir den Abschnitt auch in knapp 2 Stunden bewältigen können), dann gingen wir noch in einer netten Pizzeria essen und schließlich fuhren wir im Dunkeln zurück.
Knapp sechs Stunden Autofahrt für fünf Stunden Paddeln ist unzweifelhaft richtig dekadent.
Dekadenz kann enorm viel Spaß machen.

Schon in Lindau trafen wir Siggi (in einem amerikanischen Schnellrestaurant, in dem wir noch eine zweiten Frühstückskaffee zu uns nahmen weil wir früher dran waren als geplant). Er hatte seinen Ion im Kofferraum und den Dagger Quake, in dem ich heute paddeln sollte, auf dem Dach. Er will das Boot verkaufen und ich will es für die Paddelfreunde erwerben - das passt gut zusammen). In Kennelbach trafen wir dann Cordula und Jan, zogen uns um, verstauten die trockenen Klamotten in ihrem Auto, verluden ihre Sparks auf unsere Autos und fuhren nach Doren, wo wir die Boote zu Wasser ließen.

Dies und die nächsten beiden Bilder stammen von Siggi

Ich kam von Anfang an ganz gut zurecht mit dem Quake. Auch wenn ich diese Art Boote nicht unbedingt hübsch finde (sie haben nur noch wenig mit meiner Vorstellung von "Canadier" zu tun) sind die Fahreigenschaften sehr angenehm. Das liegt vermutlich auch an dem niedrigen Sitz (und niedrigen Schwerpunkt), an den ich mich erst gewöhnen musste. Das Ausgestrecken der Füße in meinem Wildwasserstiefeln war anfangs beschwerlich - nachdem ich den Doppelknoten nach hinten zur Wade verlegt hatte wurde es besser. Je länger ich in dem kleinen Boot zugange war, desto mutiger kantete ich es auf. Es hat Kanten und surft in erstaunlich kleinen Wellen.

Die Gurte führen von weit hinten über die Oberschenkel zu einem zentralen Auslösemechanismus und werden mit Snowboardschnallen gespannt. Zusätzliche Kniegurte sorgen für weiteren Halt. Als ich etwas übermütig an einer glatten Welle einen Sidesurf ausprobierte musste ich einmal ungeplant aussteigen, was auch ohne Auslösen des Notgriffs gut ging. Was nicht gegangen wäre war ein Rollversuch. Dafür bin ich zu schnell aus den Gurten gerutscht. Lag das an meinem Befreiungsreflex oder geben die Gurte zu wenig Halt? Das wird das Rollentraining im Winter zeigen.

Die Bregenzer Ach hatte wenig Wasser und während unserer langen Fahrt wurde das Wasser immer weniger. Das merkten wir schon an der Rotachmündung, an der wir uns besonders lang aufhielten. Dort tauschten wir auch mal die Boote durch und diesmal kam ich mit dem Spark - anders als auf Flachwasser - gut zurecht. Er ist eben für Wildwasser konzipiert. In Siggis Ion bin ich nicht gesessen. Eigentlich hätte ich das kurze Stummelboot ja auch gern mal ausprobiert. Aber dazu wird es sicher später mal noch Gelegenheit geben. Wir haben am Abend in der Pizzeria verabredet, dass wir anstreben künftig häufiger in dieser Zusammensetzung zu paddeln.

Bilder gibts von der Fahrt vorerst nicht. Vielleicht schickt Jan ja noch welche von denen, die er mit dem Handy aufgenommen hat. Dann baue ich sie hier noch ein... - EDIT: Voila, hier sind sie:

 



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