Samstag, 8. März 2008

235. Bootshausarbeiten

Wie in jedem März fand heute die große Bootshaus-Aufräum- und Reinigungsaktion statt. Anders als im Vorjahr hatten wir keinen Schneeregen sondern jahreszeitlich angemessenes Matschwetter. Mein Job war es - gemeinsam mit einigen anderen - die Böschung zum Steg in eine Treppe umzuwandeln. Zu dem Zweck verankerten wir lange Robinien-Stämme quer im Boden, unterlegten sie mit Schotter und glätteten die Stufen dazwischen. Auf dem Bild machen die Stufen enttäuschend wenig her - die kürzesten von ihnen sind locker zwei Meter lang, mussten mehrfach eingepasst und wieder aus dem für sie gebuddelten Graben gehoben werden und waren höllisch schwer. Künftig können wir Boote besser die Böschung hinunter tragen bzw. sie über das Holz Richtung Fluss gleiten lassen.
Dann betteten wir noch einige Betonplatten in die im Herbst von Baggern abgegrabene Fläche zwischen Steg und Böschung damit man künftig mit geschultertem Boot einigermaßen sicher und sauber über die Matschebene kommt. Nächste Woche sähen wir noch einmal Rasen aus, damit das Ganze vom Wurzelwerk gefestigt wird. Mal sehen wann man mal wieder einigermaßen ungehindert mit dem Boot ans Wasser kommt...
Zwischenzeitlich brachte Jörn die traditionellen Leberkäs-Brötchen und Hans drehte endlich wieder die im Herbst abgeriegelte Wasserleitung auf. Was die anderen oben beim Bootshaus alles gemacht haben weiß ich gar nicht recht. Wir waren jedenfalls fünf Stunden lang gut beschäftigt und am Ende völlig eingematscht.

Freitag, 7. März 2008

234. Kentertraining

Heute war Jungfernfahrt. Im Hallenbad. Habe das 'knuffige kleine knallgelbe Kanu' (je, der Stabreim reicht tief in unsere nordgermanische Vergangenheit) mit ins Hallenbad genommen und bin damit zwischen den allmählich eintreffenden Kindern ein wenig herumgekurvt. Mir ist Angst und Bange geworden weil dieses Boot kippeliger ist als jedes andere Boot, in dem ich jemals saß.
Während des Kinder- und Jugendtrainings lag das Boot dann am Beckenrand und sah sich wohl das Treiben belustigt an. Später dann, als die lieben Kleinen weg waren haben Rainer und ich uns abgewechselt - zeitweilig hat er am Boot gerüttelt und geschüttelt und ich habe versucht, aufrecht zu bleiben, später sind wir gekentert und haben versucht das Boot wieder aufrecht zu bekommen. Sowas wie eine ordentliche Rolle haben wir nicht zustande gebracht aber mit dem Paddel am Grund abstützend kamen wir beide selbstständig erst mal wieder hoch. Und dann sitzt man da in einem halb vollen Boot, das kaum mehr zu manövrieren ist.Bin mal gespannt, wie das später in der freien Natur sein wird. Auch das Aussteigen unter Wasser will geübt sein weil man doch recht ordentlich festgezurrt auf dem Sitzblock ist. Dieser ist übrigens ein wenig zu breit für meinen Geschmack. Ich werde ihn in fünf Millimeter-Schritten anfasen bis er mir genau 'passt'.
Angst und Bange haben mich dann allmählich aber etwas verlassen weil ich durch das kontrollierte Kippen, Abfangen und Wriggen immer sicherer geworden bin. Jetzt würde ich mich allmählich auch mal auf ein offenes Gewässer wagen - dick in Neopren gehüllt und möglichst ohne nennenswerte Strömung unter dem Boot... Nach den Osterferien können wir noch vier weitere Wochen im Schwimmbad trainieren. Die Zeit muss ich nutzen denn ich habe schon den Ehrgeiz auch mal ohne Hilfe des gekachelten Schwimmbeckenbodens wieder in die Senkrechte zu kommen.

Donnerstag, 6. März 2008

233. Yukon

Zwischenzeitlich habe ich noch ein ganz anderes Buch zuende gelesen: Dorian Amos' "Mit Kanu Kind und Karibu", das mir in unserer Stadtbücherei ins Auge fiel. Eigentlich finde ich derartige Buchreihen (National Geographic) ja eher abstoßend aber dieses Buch ist durchaus lesenswert - wenn man über den anfangs etwas angestrengt witzig wirkenden Stil des Autors hinweglesen kann.
Dorian Amos und seine Freundin/Frau Bridget entscheiden sich aus England auszuwandern und reisen durch den amerikanischen Nordwesten auf der Suche nach einem Platz zum Leben. Am Yukon, bei Dawson City, finden sie schließlich ein Plätzchen, das sie kaufen und mit einem Blockhaus bebauen. Wie sie dort leben, in Dawson arbeiten, mit dem Kanu zur Arbeit fahren oder mit dem Hundeschlitten durch die Wildnis wird in dem kleinen Büchlein geschildert. Temperaturen bis zu minus 45 Grad machen ihnen zu schaffen und die Einsamkeit und Abgeschiedenheit, wenn der Fluss mal nicht überquerbar ist. Schließlich kommt der kleine Jack zur Welt, der das Leben in der Wildnis nicht unbedingt vereinfacht...
In diesem Buch spielt der Canadier mal nicht die Hauptrolle wenn auch eine tragende. Nichtsdestotrotz ist es eine vergnügliche Lektüre, die Lust auf (sommerliche) Reisen in den amerikanischen Nordwesten macht - im Winter müßte ich mich nicht dort aufhalten.

Dienstag, 4. März 2008

232. Mehr Lesestoff

Gestern schon kam Alan S. Kesselheims "Going Inside", ein Buch über die 13-monatige Reise eines Paares durch den kanadischen Norden. Ich habe ja schon einmal ein Kesselheim-Buch mit Vergnügen gelesen ("Threading the Currents" - muss ich noch bei Gelegenheit 'rezensieren') und bin gespannt auf diese (farbig bebilderte) Erzählung. Heute nun kam Kevin Callans "Up the Creek" (nicht zu verwechseln mit der Kanu-Katastrophensammlung gleichen Namens). Callan hat zahlreiche Bücher über das Paddeln in Kanada geschrieben und da das Buch billig war habe ich mal zugeschlagen - habe ja Verwandschaft da drüben, die ich doch dringlich mal besuchen sollte...
Heute ist der richtige Tag zum Schmökern - bin zuhause geblieben weil ich krank bin.

Montag, 3. März 2008

231. Lauchert-Bericht

Nachdem die Fahrtenleitung der Lauchert-Fahrt zu mir übergegangen war hatte ich allerhand Anmeldungen zu verbuchen und „hing mich“ noch ein wenig „rein“ indem ich auswärtige Gäste einlud. Zwischenzeitlich wurde eingeplant, die Gruppe zu teilen, damit wir nicht als Großrudel über das Flüsschen pflügten und den Vereinsanhänger zu bemühen um noch mehr angewandten Umweltschutz zu betreiben – beides wurde jedoch wieder verworfen. Wir paddelten im (mittelgroßen) Pulk um die Tierwelt nur einmal aufzuscheuchen und fuhren mit massig viel PKWs um auf halber Strecke ein/zwei Rückholautos deponieren zu können (da das Wetter anfangs durchaus zweifelhaft war und Sorge um quengelnde Kinder bestand).
Am Bootshaus gings einigermaßen pünktlich kurz nach Neun los und in Veringendorf an der Einsatzstelle trafen dann alle 20 nach Zehn zusammen. Das Autoumsetzen ging flott und reibungslos weil alle FahrerINNEN in Christians Kleinbus zurück zur Einsatzstelle fahren konnten und schon gegen kurz nach Elf waren wir auf dem – an dieser Stelle – richtig flott fließenden Flüsschen.
Erste Anfangsschwierigkeiten noch nicht aufeinander eingespielter Bootsbesatzungen wurden allmählich überwunden und die Reise ging bergab vorbei an deutlich erkennbar vom Biber gestutztem Baumbestand.
Die Lauchert mäandert in vielen Schleifen durch das Tal und es sind allerhand Manöver fällig, um um Baumhindernisse herumzukommen und scharfe Kehren des Flusses würdig (also ohne ins Ufergestrüpp getrieben zu werden) zu bewältigen. Manni, der deutlich erfahrener ist als ich, hatte ich den Kapitänsplatz im Heck der 'Kotztüte' aufgedrängt und ich konnte im Bug Paddeln üben (Übergreifen, Ziehschläge – lauter effektive Maßnahmen Richtungswechsel des Bootes einzuleiten). Wir harmonierten von Anfang an und ich betrachte Mannis Vorschlag, doch mal zusammen Wildwasser zu paddeln, geradezu als persönliche Auszeichnung. Die Kotztüte bewährte sich auch auf diesem Kleinfluss obwohl sie ja eigentlich für größere Gewässer und schnelleres Reisen gedacht ist.
Pause machten wir an der üblichen Stelle zwischen Bahndamm und Fluss, wo wir am wenigsten Vegetation und Tierleben belasteten. Wir funktionierten zwei platt getretene Maulwürfhügel zur Feuerbasis um und ich versuchte auf dem einen, den Hobo-Ofen in Gang zu bringen damit wir frischen Kaffee bekamen. Auf dem anderen sollte ein Gillfeuer entstehen, was aber nicht über das Stadium des Hölzchenaufschichten hinaus kam. Mit meinen Kaffee-Kochversuchen bot ich gänzlich unbeabsichtigt eine unterhaltsame spannungsgeladene Show: Es wurden viele Vorschläge gemacht woran es nun liegen könnte, dass das Feueringangbringen so lang dauert und die Idee, dass Rolfs grob gemahlener Kaffee die Ursache für das Scheitern der Kochversuche war, gefiel mir noch am besten. Ganz zum Schluss verhalf uns trockeneres Holz vom Fichtenwaldsaum hinter dem Bahndamm zu einem wirkungsvollen Feuerchen. Rolfs Kaffee mundete (trotz des Kaffeesatz’ am Boden der Tasse...). Zu meinem Bedauern war zu diesem Zeitpunkt Bettinas Kuchen schon aufgegessen und Jojos selbst gebackenen Falafel waren mir vor lauter Glutanblasen auch entgangen...
Weiter ging es anschließend durch ein ökologisches Projekt, dessen umweltschützende Zentralkomponente offenbar darin besteht den Fluss mit Hilfe möglichst vieler gefällter Bäume unbefahrbar zu machen. Wir wurden dadurch immer wieder aufgehalten und mussten einige Male umtragen, was der Ufervegetation auch nicht gerade zugute kommt. Andere Male konnten wir über im Wasser aufgestautes Holz polternd hinweg rutschen wobei ich mir eine Fehleinschätzung zuschulden kommen ließ: Dort wo einzelne gut drüber kommen, kommen andere möglicherweise schlecht oder nicht drüber. Nachdem die Boote vor uns und unseres ein Hindernis gut bewältigt hatten paddelten wir ruhig bis zum nächsten Kehrwasser weiter und mussten dann von unten miterleben, wie andere beinahe vor dem Hindernis quer getrieben wurden und fast kenterten. Bettina (im neuen Kajak Jungfernfahrt zelebrierend) rettete die Situation (Vielen Dank!). Jeder neigt sich instinktiv vom Hindernis weg, wenn er quer darauf zutreibt – das Gegenteil ist nötig sonst greift das fließende Wasser an die Bordwand und steigt ins Boot. Eigentlich auch etwas, was man mal kontrolliert über sollte... An nachfolgenden „übergleitbaren“ Hindernissen postierten wir jeweils einen oder zwei HelferINNEN, die die Boote in einem kleinen Balanceakt mit über die Holzstämme zogen.
Weiter gings ins Bittelschießer-Täle, das mit einer gewaltigen Höhle, einer Kapelle und einem kleinen Wehr mit Floßgasse ausgestattet ist. Wir besichtigten gründlich die Floßgasse vom darüber liegenden Felsvorsprung aus und schätzten die darin liegenden, aus dem Wasser ragenden Holzstämme trotz der flotten Strömung als umsteuerbar ein – andere waren etwas vorsichtiger. Deshalb landeten sie oberhalb ihre Kanus an, liefen mit Wurfsäcken bewaffnet nach unten und wir sausten anschließend die gewundene Floßgasse runter um gleich darauf auszusteigen und zu den angelandeten Booten zu laufen und diese ebenfalls flott nach unten zu befördern. Ein Heidenspaß!
Gleich darauf kam dann die Aussatzstelle, an der sich noch ein kleines Wehr befindet, dessen Befahrung wir uns nicht entgehen ließen.
War ich auf dem Hinweg noch mit drei Booten auf dem Autodach unterwegs gewesen, waren es auf der Rückfahrt nun vier weil wir Christians über fünf Meter langes Kajak dazu luden (ein Jammer, dass ich das nicht mehr fotografiert habe!). Die vielen Verzurrriemen machten während der Fahrt einen Höllenlärm und ich musste die Antenne unterwegs zweimal justieren damit sie weder laut und kratzig an einem Boot rubbelte noch am Dachträger klapperte, was beides unerträgliche Geräusche im Innenraum des Autos verursachte.
Schließlich kamen wir schon im Dunkeln in Tübingen an, verstauten die Boote im Bootshaus und zerstreuten uns in alle Richtungen. Gut, dass wir diesmal richtig früh in die Gänge gekommen waren, sonst hätte es womöglich schon auf dem Wasser gedämmert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für mich eine lehrreiche und gelungen Ausfahrt war – ich muss als „Fahrtenleiter“ noch das eine oder andere hinzulernen, mich aber auch damit abfinden, dass man nie alles im Griff haben kann. Als Tandem-Partner gibt es auch allerhand hinzuzulernen – diesmal konnte ich mancherlei üben und komme mir dabei ganz erfolgreich vor. Dadurch dass ich bevorzugt links paddele, die meisten Rechtshänder aber rechts, ergänze ich mich mit vielen PaddelpartnerINNEN. Ich freue mich schon auf die bevorstehenden Wildwasserfahrten. Schließlich haben wir ja zwei potente Tandem-Wildwasserboote im Bootshaus. Eines davon, den Dagger-Zweier, wollen Micha und ich nächstens mit Sitzblöcken ausrüsten. Inzwischen habe ich – mit Blick auf Rainers Homes-Outfitting – auch eine Idee, wie wir das ohne übermäßigen Aufwand hinkriegen können.

Sonntag, 2. März 2008

230. Lauchert

Hier sollte jetzt ein kleiner Bericht zur Lauchert-Tour stehen aber ich bin reichlich geschafft und muss morgen früh raus - der Bericht folgt nach, die besten 45 von 133 Bilder sind im Webalbum.









Samstag, 1. März 2008

229. Papa war Obst kaufen

Heute morgen habe ich das ganze Geld, das ich mit dem Verkauf von zwei Booten rein bekommen habe, in ein Boot investiert, das halb so lang ist wie fast alle Boote, mit denen ich bisher zugange war - es ist sogar kürzer als die beiden WW-Canadier, die ich für den Verein angeschafft habe. Und doch bin ich ganz zuversichtlich, dass es (zunächst) das richtig Boot für mich ist.
Es handelt sich um einen Dagger Phantom mit der beeindruckenden 'Kürze' von ziemlich genau 301cm (9'10). Das Boot ist gelb, was meine Hippie-Söhne veranlasst hat, sich darüber lustig zu machen, das ich eine Banane erworben habe... Naja, zunächst sieht es ja tatsächlich danach aus.
Gekauft habe ich ihn bei netten Kanu-Händlern in der Pforzheimer Gegend: Inge und Werner, die die Pension 'Hexenwinkel' betreiben, einen Kanu-Shop haben und Kanu-Touren anbieten. Auf dem Boot prangt auch ihr Logo - ich lasse es mal kleben. Mir gefällt die Idee einen Hexenbesen als Paddel zu haben.
Kaufentscheidend war, dass das Boot perfekt in Ordnung ist und dass das Fitting mir passt. Ich bin zwar leichtgradig größer als Werner, der damit unterwegs war, aber ich bin immer noch leicht genug für das Boot (zumindest wenn den Reviews und den Ratschlägen aus dem kanadischen Forum zu trauen ist) und längerfristig hege ich ja die Hoffnung, dass ich meine Hippie-Söhne mal aus den Kajaks in einen WW-Canadier locken kann: Mit dem Boot können sie fürh anfangen (und ich habe dann hinreichend Grund mich nach meinem persönlichen Traum-WW-Boot umzusehen, das mir Jörg Wagner schon zu einem Sonderpreis angeboten hat, der aber fortwährend inklusive Outfitting den Betrag übersteigt, denn ich für alle meine Boote zusammen bezahlt habe)
Das Dumme ist, dass ich es in absehbarer Zeit gar nicht recht probefahren kann (und heute beim Kauf ging das schon gar nicht, da wir einen ordentlichen Sturm haben, der uns so viel Wasser beschert hat, dass der hiesige Neckar jetzt viel zu viel Wasser führt - da trau ich mich für erste Versuche nicht alleine drauf). Morgen wollen wir auf der Lauchert paddeln aber dafür ist schon der große Familiencanadier vorgesehen. Naja, es werden sich noch Gelegenheiten bieten. Vorläufig leistet der Phantom dem XL11 im Bootshaus Gesellschaft.

Nachtrag am Nachmittag: Wegen der Lauchert-Fahrt rufen jetzt allenthalben Leute an, die sich ursprünglich angemeldet hatten, jetzt aber aufgrund des Wetters ins Zweifeln kommen. Dabei sind die Aussichten - gerade für Sonntag - noch am besten. Ich freu mich schon auf die Paddelei.