Montag, 4. Januar 2010

Late Nights on Air

Seit es im kanadischen Forum vor geraumer Zeit um das Buch "Late Nights On Air" von Elisabeth Hay ging habe ich versucht ein einigermaßen bezahlbares Exemplar zu bekommen. Vor geraumer Zeit gelang mir das nun (dem Exemplar ist der günstige Preis auch anzusehen) und ich habe mir wirklich Mühe gegeben es von vorne nach hinten zu lesen, bin aber doch irgendwann gegen Ende des ersten Drittels jämmerlich stecken geblieben. Dann lag es länger herum bis ich es wieder in die Hand nahm um im letzten Drittel ab da weiter zu lesen, wo die Kanureise zweier Paare durch die kanadische Arktis begann. Da wurde das Buch dann auch wirklich ganz spannend, unterhaltsam und nachdenklich stimmend. Dass mir der Mittelteil entgangen ist hat mein Lesevergnügen nicht eingeschränkt. Insofern kann ich Brians Rezension fast nichts hinzufügen.
Es ist ein Buch, das man nicht zwingend gelesen haben muss, wenn es einem ums Canadierpaddeln geht. Wer sich in die 70er-Jahre zurückversetzen will und die verworrenen Beziehungsentwicklungen der Belegschaft einer Radiostation im kanadischen Norden nachvollziehen möchte könnte Vergnügen bei der Lektüre entwickeln.

Sonntag, 3. Januar 2010

Spätes Anpaddeln

Wie in jedem Jahr wollten wir ja eigentlich am 01.01.2010 eine kleine Paddeltour machen um mit stolz geschwellter Brust sagen zu können, dass wir die Paddelsaison rechtzeitig eingeläutet haben. Dazu ist es nicht gekommen da die die geplante Neckarinseltour mit Picknickunterbrechung an den immens hohen Wasserständen gescheitert ist und die naheliegende Alternative, die Befahrung eines unserer kleinen Wildwasserbäche, sich aus verschiedenen Gründen nicht realisieren lies. Einer davon war, dass wir ja schon am 31.12.2009 - quasi als Abpaddeln und Saisonausklang - auf der Eyach gepaddelt sind.

Um schließlich doch noch eine würdige und einigermaßen frühzeitige Saisoneröffnung zustande zu bringen haben Rolf, Klemens und ich am Sonntag dann schließlich eine kleine Neckarabfahrt unternommen. Wir sind um kurz nach 9:00 Uhr bei -4°C dick eingepackt am Bootshaus gestartet. Rolf und Klemens haben sich den Tandemcanadier geteilt und ich bin ihnen mit klammen Fingern im Soloboot hinterher gehechelt.


Die Finger waren deshalb so kalt weil ich die Neoprenhandschuhe nach der Eyach-Tour zu früh wieder in die Paddeltasche gepackt habe. Sie waren noch feucht innen und benötigten geraume Zeit um wirklich warm zu werden. Als sie es wurden fing die Tour an richtig Spaß zu machen. Auch wenn mir die beiden immer wieder zügig davon fuhren - zwei starke Paddler in einem flotten Tandemcanadier hängen einen schlecht trainierten Solopaddler wie mich eben doch unweigerlich ab. Aber sie scherten immer wieder rasant in Kehrwasser und warteten dort geduldig auf mich.


An zwei der drei Umtragestellen konnten wir unsere Boote wie Schlitten hinter uns her ziehen - das erleichtert die Portagen ungemein. Das Wiedereinsetzen unterhalb der Wehre erwies sich wieder mal als etwas knifflig weil sich niemand um die Umtragestellen kümmert. Vielleicht sollten wir im Früpjahr mal eine Tour machen auf der wie die Umtragestellen neckarabwärts mit Spaten, Spitzhacke, Vorschlaghammer und Armiereisen etwas Paddlerfreundlicher gestalten, so wie wir das vorletztes Jahr mal auf dem Abschnitt oberhalb des Bootshauses gemacht haben.


Unterwegs mußten wir wieder an der Stelle vorbei, an der eine ältere Frau immer Unmassen Federvieh füttert und aller vorbeipaddelnden Boote anpöbelt - so auch heute. Wir hielten Abstand und Klemens gelang mit dem Teleobjektiv ein preiswürdiges Foto eines startenden Schwans.


Nach gut zweistündiger Fahrt trafen wir in Oferdingen beim Kanu Witt ein, wo wir die Boote aussetzten und unseren Abholservice anriefen, der dann auch nach einer Viertelstunde eintraf. Vielen Dank Ruth! Wir probierte ein wenig herum bis wir das Auto so wie Klemens es vorschlug beluden und machten uns wieder auf den Heimweg. Pünktlich zur Mittagszeit waren wir wieder in Tübingen.

Bewährtes Bootslager

Da wo dereinst mein guter alter Aluca- nadier im Vorgarten unter dem Baum- haus gelagert war "wohnt" jetzt das verformte PE-Boot. Ein würdiger Platz: so habe ich es immer vor Augen und werde mich zügig entscheiden, wie ich mit damit umgehen werde. In Gedanken passe ich schon knapp unter Süllrandhöhe über die gesamte Länge ein/zwei Bauplanken ein, die die Mitte fixieren und auf denen eine Mittellinie markiert wird. Dann werden darauf in kurzen Abständen Behelfsthwarts eingepasst, die das Boot wieder in Form rücken. Ob es die dann auch behält, wenn die vielen Behelfsthwarts durch einige wenige richtige Thwarts ersetzt werden ist angesichts der bedenklichen Ausgangssituation reichlich fraglich.

Kleine Brötchen

Am Vormittag waren wir noch auf dem Neckar paddeln (ich berichte später, wenn mir die anderen ihre Bilder geschickt haben) und nun habe ich - da der für den Nachmittag geplante Ausflug auf die schwäbische Alb aufgrund hustender Kinder ausfiel - heute mittag endlich mal den famosen Reflektorofen, den mir Rolf im November geschenkt hat, getestet. Zu Testzwecken habe ich mal kleine Brötchen aus einer Backmischung namens "Bauernbrot" geformt und sie in meiner Eisenpfanne auf einem Mehlbett vor dem offenen Feuer gebacken.
Zwischenzeitlich hat das Mehlbett mal Feuer gefangen - das lies sich auspusten. Aufgrund meiner Ungeduld und der Tatsache, dass ich die Brötchen etwas zu ballig ausgeformt habe waren sie am Ende innen noch ein wenig feucht und teigig aber sie haben doch vortrefflich geschmeckt (nachdem ich den Ofen vom Feuer nehmen musste weil ich zu wenig Kleinholz vorbereitet hatte). So ein Reflektorofen benötigt offenbar viele hohe Flammen. Ich muss ihn nächstes Mal auch ein wenig erhöht platzieren damit die untere Reflektorfläche mehr Hitzestrahlung bekommt.

Samstag, 2. Januar 2010

Boot No.5

Raphael, der als Kanureiseveranstalter im Dreiländereck tätig ist, hat mir für eine Kiste Bier ein gar nicht so altes aber entsetzlich verzogenes PE-Boot überlassen. Ich habe es heute abgeholt und auf die Bierkiste noch ein paar Flaschen Wein draufgelegt. Außer diesen enorm kostspieligen Alkoholika und dem Tank Benzin hat die Fahrt über den verschneiten Schwarzwald eine wirklich teure Erkenntnis vermittelt: Unser Kanutransporter ist zu alt, die Heizung arbeitet nur noch ansatzweise und es gibt so viele kleine Macken, dass allerspätestens bei der nächsten Reparatur (die nicht lange auf sich warten lassen wird) ein neues Auto her muss.

Aber zurück zum Boot: Es handelt sich um einen grünen MadRiver Explorer 16TT - ein 38kg-PE-Boot ohne Einbauten (weil Raphael die noch als Ersatzteile für seine Leihbootflotte braucht). Das Boot hat sich schon vor dem Ausbau der Innereien so entsetzlich verformt, dass es als Leihboot nicht mehr zu gebrauchen war. Die Verformung verläuft diagonal - auf der einen Seite ist der Süllrand vorne, auf der anderen hinten über eine ziemlich lange Strecke ganz unschön nach innen gebogen.
Ich habe mir nun drei Möglichkeiten ausgedacht, wie mit dem Boot umgegangen werden kann:

Möglichkeit No.1: Ich baue alle restlichen Anbauten ab (Süllränder und Deckplates - letztere kriegt Raphael dann fürs Ersatzteillager geschickt), fertige eine recht aufwändige Vorrichtung mit solidem Mittelbalken an und zwinge das Boot mittels Mallen wieder in Form. Dann befestige ich sehr solide Holzsüllränder, feste Sitze und mehr Thwarts als üblich damit es diese Form auch hält wenn der Mittelbalken und die Mallen wieder herausgenommen werden.
Ob damit der gewünschte Effekt eintritt und wie viele Kilo zu den ohnehin bedenklichen 38 noch hinzukommen bleibt abzuwarten.

Möglichkeit No.2: Ähnlich wie vor fast genau zwei Jahren angedacht kann ich aus dem Boot auch ein Wildwasserboot machen, müsste dafür aber - wie Paul Mason und Mark Scriver das immer mit ihren Ocoees gemacht haben - ein Mittelsegment herausnehmen, die kurzen Enden mittig zusammenschweißen (Michl weiß wie das mit PE geht) mit soliden Deckplates mehr Flare in den Bug bringen, Süllränder anfügen, Thwarts, Sitzblock und Riemen einbauen; zwei Auftriebskörper und Lashings dazu und fertig ist der "Outrage für Arme".
Ob die Schweißstelle anhaltend dicht bleibt und welche Fahreigenschaften so ein Boot letztendlich hat ist ungewiss.

Möglichkeit No.3: Wenn sich herausstellt, dass das Boot unter der Wasserlinie noch einigermaßen gerade ist, dass also die Verformungen die Fahreigenschaften nicht weiter beeinflussen, kann ich mir - ähnlich dem Dirtbike in der Motorradszene - ein unansehnliches aber taugliches Polingboot mit weit offenem Mittelteil (und fest eingeklebter rutschfester Trittmatte) gegebenenfalls völlig ohne Sitze daraus machen. Der Explorer gilt als das DAS Polingboot schlechthin - allerdings der in der Kevlar-Ausführung mit edlem Holzrand.
Diese Lösung beinhaltet zunächst wenig Risiken - außer der, dass es womöglich extrem selten zum Einsatz kommt.

Die Möglichkeit No.4, das Boot zu einem dritten Vereins-Tandemcanadier umzubauen, scheidet aufgrund des desolaten Zustands aus. Wenn ich viel Arbeit in das Boot investiere, die ich wiederum nicht bezahlt bekommen will, will ich nicht, dass irgendjemand es anschließend - ähnlich wie den Vereins-Prospector - in Grund und Boden paddelt.

Dass das Boot die Nummer "5" hat finde ich prima - gegenwärtig ist es mein fünftes Boot. Die "5" bleibt drauf!

Auf der Rückfahrt bin ich erneut über den Schwarzwald gefahren und habe mir bei der Gelegenheit die Gutach angesehen - auch ein nettes Bächlein, das in die Elz mündet. Beide sahen beim heutigen Wasserstand außerordentlich spaßig zu paddeln aus. Ich glaube ich muss Claudius mal anstiften, dass er bei nächster Gelegenheit (z.B. wenn der Schnee wieder schmilzt) da mit mir paddelt. Er kennt diese Schwarzwaldflüsse gut und ist immer scharf drauf sie in seinem neuen Boot hinunter zu poltern.

Freitag, 1. Januar 2010

Küchenrevision...

...und KaffeekränzchenDa ich meine bedenklich unterentwickelten Kochkenntnisse draußen in der freien Wildbahn mit immer mehr Küchen-Ausrüstung kompensiere ist im Lauf der Zeit allerhand zusammengekommen. Zuletzt der Dutch-Oven, ein Dreibein fürs Lagerfeuer und - von Rolf bekam ich so einen wunderbaren schwedischen Reflektorofen, den ich bis heute noch nicht ein einziges Mal erprobt habe.
Zutage kamen diese Ausrüstungsmassen (und ein schon etwas aufgeblähter Halbliterkarton Milch) als ich mich heute vormittag auf das abgesagte Anpaddeltreffen am Nachmittag vorbereitet habe. Ich musste natürlich trotzdem zum Bootshaus weil ich nicht sicher sein konnte, dass jede/r, der/die kommen wollte, die Benachrichtigung über das Ausfallen auch bekommen hat.
Rolf hatte ebenfalls angekündigt, dass er vorbei kommt und seinen Outdoor-Espresso-Kocher mitbringt. Deshalb habe ich zunehmend verzweifelt nach meinem kleinen Künzi gesucht, den ich letztendlich in der Bootstonne gefunden habe, die ich zum Germersheim-Treffen mitgenommen hatte (wo mir Bernd das Bündel Brennholz inklusive eines Maja-Sticks geschenkt hat, das in der Bildmitte zu erkennen ist). Im Zuge der etwas ausgedehnten Suche habe ich aus den etwas größeren Teilen beiläufig das kleine Stilleben auf dem unscharfen Bild oben aufgebaut.
Die Ausrüstungsmassen lassen sich übrigens in zwei handlichen Alukisten komprimieren (die untere im Bild ist - bis auf ein wenig Mobiliar - leer und wird in der Reisevorbereitung mit Zeltausrüstung befüllt).




Unser kleines Kaffeekränzchen beim Bootshaus war tatsächlich eine etwas einsame aber deshalb umso beschaulichere Angelegenheit. Ich ließ meine Kaffeeuntensilien im Rucksack und entzündete lediglich ein kleines Feuerchen auf dem gußeisernen Grill, den irgendjemand im Bootshaus deponiert hat und von dem bei jeder Benutzung ein anderes Teil abbricht.

Rolf bediente die Espressomaschine, die vortrefflichen Kaffee und prima Milchschaum erzeugte. Anton half mir beim Zündeln und Røskva jagte einen Tennisball bis sie ihn dann irgendwo verbuddelt hatte. So saßen wir ein Stündchen vor dem Bootshaus, tranken Milchkaffee und aßen Spekulatius bis wir sicher waren, dass wirklich keiner mehr kommen würde und unser Kaffeekränzchen auflösten.

Der Neckar führt unverändert Hochwasser - abwärts paddelt sichs da richtig flott aber an Zurückpaddeln ist wirklich nicht zu denken.

Three Days...

... on a River in a Red Canoe" ist erneut ein Kinderbuch, in dem es um eine Kanureise geht. Diesmal aber nicht die eines Modellboots sondern eine in einem richtigen Kanu. Vera B. Williams schildert aus der Perspektive eines kleinen Mädchens einen dreitägigen Kanuausflug mit ihrer Mutter, Tante Rosie und dem Cousin Sam. Das Buch fängt damit an, dass sie ein altes rotes Kanu kaufen, die Reise planen und schildert dann im Verlauf die Vorkommnisse während der Reise. Es ist ein schnell gelesenens Buch aber eins, das man doch immer mal wieder gerne liest. Die Bilder sind einfach und farbenfroh, die Gestaltung der Seiten höchst unterschiedlich. Es werden Knoten und Outdoor-Rezepte erläutert, Regen, Wind und Sturm durchstanden.
Das Büchlein ist schmal und klein und sehr preisgünstig zu bekommen. Und es ist jeden Cent wert. Wenn es für so etwas einen Markt gäbe müßte man es eigentlich übersetzen. Manch ein Kind wäre wohl auch hierzulande froh ein Bilderbuch über eine Kanureise vorgelesen zu bekommen.