Sonntag, 30. März 2008

251. Probefahrt

Trotz heftigster Strömung und Kaffeebraunem Wasser habe ich eine erste Probefahrt mit der blauen Banane gemacht. Zu dem Zweck habe ich an die zu weit vorne liegenden Fußstützen ein Provisorium gebunden, an dem ich die Füße gut abstützen kann.
Bin begeistert! Klar ist der Outrage ein kippeliges Boot aber es kommt mir längst nicht so unberechenbar vor, wie der kleine Dagger Phantom. Naja, vielleicht kann ich den ja dann künftig auch noch zähmen. Jetzt, wo die Temperaturen höher sind, ist eine mögliche Kenterung auch längst nicht mehr so bedrohlich wie noch vor einigen Wochen. Gleichwohl habe ich selbst für die klitzekleine Probefahrt annähernd die volle Wildwasserausrüstung (mit Ausnahe des Helms) übergeworfen. Nach wenigen Minuten war ich klatschnass (nicht etwa aufgrund eines unfreiwilligen Bades sondern vom Schwitzen).
Anschließend habe ich das Boot einmal gründlich gereinigt. Es hat laut Verkäufer sechs Jahre lang ungenutzt in einer Fabrikhalle gelagert und war dementsprechend verstaubt.

Der Vorbesitzer hat das Boot "Quo vadis?" getauft. Den Namen finde ich doch eher peinlich - klingt fast so, als wüsste der Padder nicht wo's hingeht... Ich habe das "vadis" erstmal weggepuhlt. Dabei sind doch allerlei Kleberückstände übrig geblieben, die ich schlecht wegkriege. Bevor sich Dreck darauf festsetzt habe ich einen unserer Vereins-"Paddelfreunde"-Kleber drüber gekleistert.

Samstag, 29. März 2008

250. Blaue Banane

Ich habe mir eine Reihe etwas hilfloser Rechtfertigungsversuche zurechtgelegt:
  • Jetzt ist es ja schließlich schon wieder volle drei Wochen her, dass ich zuletzt ein Boot gekauft habe.
  • Und dann ist es ja auch so, dass ich gerade kein blaues Boot hatte.
  • Es war ja schließlich auch noch ein Bootslagerplatz im Bootshaus frei (ohne, sicher sein zu können, dass ich den auch schließlich kriege...)...
Es gibt aber auch weniger beschönigende Erklärungen:
  • blanke Unvernunft,
  • keinerlei Haushaltsdisziplin,
  • Habsucht,...







Aber all das erklärt vermutlich eher unzureichend warum ich - kaum dass über einen einigermaßen lukrativen Honorarvertrag etwas Geld in die Kasse geflossen ist - jetzt doch höchst spontan das Boot meiner Träume gekauft habe. Zwar nicht das federleichte nagelneue, das Jörg Wagner mir zu einem fairen aber für meine Verhältnisse immer noch unerschwinglichen Preis angeboten hat. Stattdessen die Medium-Budget Gebraucht-Lösung - ein voll ausgefitteter Mad River Outrage in bestem Zustand. Beim Outfitting muss ich noch ein wenig nacharbeiten - offenbar sass ein Zwerg in dem Boot - die Fußstützen sind (für mich) jedenfalls viel zu nah an den Kneecups.

Jetzt weiß ich mit welchem Boot ich mich Anfang Mai in die tieferen Weihen des Wildwasserpaddelns einweihen lassen werde und nach dem Wildwasserkurs entscheide ich, ob ich mir künftig ein Leben mit zwei Wildwasserbooten leiste oder ob das "knuffig kleine knallgelbe Kanu" (möglichst verlustfrei) wieder in den internationalen Warenkreislauf eingespeist wird... (Interessenten haben sich schon gemeldet). Das neue Boot dagegen macht sicher auch Spass, ist aber zusätzlich noch etwas tourenfähiger und ob der Länge (12ft) und dem Volumen erheblich angepasster an meine Körpermaße. Ein zahmes Boot ist das trotzdem noch lange nicht.






Im weltweiten Netz fand ich unlängst diese beiden Bilder, der beiden Boote (jeweils mit Holzausstattung - sehr edel!) in Aktion an ein und derselben Stelle in Tennessee - die Bilder stammen übrigens aus einer - für den unbefangenen Betrachter vermutlich äußerst eintönigen - Bilderserie mit massig OC1-Kanus.

Freitag, 28. März 2008

249. Praxisbedingungen

Gestern mittag haben Ole und ich das Zelt auf dem Paddelklubgelände vor dem Stocherkahnlager aufgestellt und am Abend habe ich mich von zuhause aufgemacht, um Zelt und Zeltofen unter Praxisbedingungen zu testen.

Als der Ofen an war wurde es zügig angenehm warm im Zelt, so dass ich eines gemütliches Vesper einnahm und nach Einbruch der Dunkelheit ebenso gemütlich im Schlafsack meinen Lesesabend (Kanukatastrophen in Up the Creek wieder mal) einleutete. Allmählich füllte sich dann doch das Zelt mit Rauch und mir wurde lange nicht klar woran das wohl lag. Bis ich - mithilfe eines langen Stabes - den "Spark Arrester" vom Rauchrohr nahm - er hatte sich völlig mit Ruß zugesetzt (vermutlich eine Strafe dafür, dass ich vom Vereinsholz einige noch nicht völlig durchgetrocknete Astabschnitte verfeuert hatte - die sind nur für Vereinsgrill- veranstaltungen reserviert...).

Das Problem war gelöst, ich heizte noch einmal kräftig ein und legte mich schlafen. Beim Aufbau des Zeltes war der Himmel noch bedeckt und ich hatte mit Regen gerechnet. Stattdessen klarte es in der Nacht auf und wurde richtig frostig. Darauf ist mein alter Schlafsack offenbar nicht eingerichtet und auch das Fleece-Inlet, das ich zusätzlich beschafft habe (von der Schweizer Armee in wehrkraftzersetzendem lila) bewahrte mich nicht davor zerknirscht die aus dem Bootshaus geholten und zurechgelegten Decken über mich zu breiten, die mir dann allerdings wohlige Wärme spendeten während meine Atemluft am Zeltstoff gefror.

Morgens als die Vögel loszwitscherten feuerte ich also wieder ein und musste wahrnehmen, dass die Luft im Zelt wohl warm wird - aber lediglich oberhalb des Zeltofens. Unten wo ich auf meiner doppelten Isomatte lag, blieb es eisig. Der untere Zeltrand behielt seinen Reifrand (der auf dem Bild kaum zu erkennen ist) während der obere Teil des Zeltes zügig abtrocknete.

Was lernen wir daraus?
  • Der "Spark Arrester" wird umgebaut - das Rauchrohr ist ohnehin so lang, dass nicht mit Funkenflug zu rechnen ist, wenn kein Stroh bei offener Ofenklappe verheizt wird.
  • Künftig werden stets ein/zwei Fleecedecken mitgenommen - sie sind auch gut zum Draufsitzen und einigermaßen pflegeleicht.
  • Zusätzlich zu den Isomatten muss über kurz oder lang ein einfaches aber solides Feldbett her damit ich in geheizten Höhen lagere. Bodenkälte war diesmal kein Problem, kann es aber im richtigen Winter, wenn der Untergrund gefroren ist, werden.
Die selbst konstruierte Rauchrohr- isolierung hat sich bewährt - dem Zeltstoff kam das heiße Rohr nicht zu nahe und die Lücke zwischen Rohr und Holzlatten dient als Rauchabzug für den doch immer wieder an den Steckstellen des Rohrs entweichenden Restrauch.
Ich sollte jedoch den Spark Arrester so umbauen, dass ich das kleine Dächlein wieder auf das Rohr setzen kann - sonst regnets mir ja in den Ofen hinein...

Donnerstag, 27. März 2008

248. Hüttenkoller

Diese verschneiten und vernieselten Osterferien lösen bei mir allmählich einen regelrechten Hüttenkoller aus. Trotz Regen habe ich deshalb jetzt meine Campingsachen zusammengeramscht - Zelt inklusive Zeltofen (und einigen Kartons Feuerholz) - und werde den ganzen Krempel heute nachmittag auf dem Paddelklubgelände aufbauen.
Dann werde ich einen Abend im Zelt und eine Probenacht im Schlafsack verbringen um mir klar zu werden, ob das, was ich mir da so allmählich zusammengesammelt habe - viel davon diesen Winter -, auch dem Test der Realität standhält. Entweder baue ich das Ganze dann Freitag wieder ab oder ich lasse es bis Sonntag stehen - da soll dann angeblich die Sonne scheinen und die Frühlingswärme kommen, so dass das Gerümpel dann auch wieder trocken wird.
Schließlich will ich ja Anfang Mai vier Tage am schwarzen Regen das Zelt aufschlagen und komme dann vermutlich jeden Abend mit triefnassen Klamotten heim, die dann über Nacht im Zelt trocknen müssen um am folgenden Tag erneut gewässert zu werden (ich selbst einbezogen). Dem Wildwasserkurs sehe ich mit zunehmender Spannung und Aufregung entgegen. Aber das hat auch noch andere Gründe, die ich vorläufig nicht preisgeben will...
Dazwischen liegt noch das GOC-Treffen, an dem ich voraussichtlich nun doch nicht über Nacht teilnehmen kann. Deshalb ist dieser Praxistest der Zeltausrüstung einfach unumgänglich.

Dienstag, 25. März 2008

247. Deliverance

Diese windig kalten und verschneit/verregneten Osterferien bieten mal wieder viel Zeit zum Lesen und ich habe mich über einen Roman hergemacht, der den harmlosen Titel "Flussfahrt" trägt. Im Englischen heißt er "Deliverance" und die Verfilmung bekam im Deutschen den anheimelnden Titel "Beim Sterben ist jeder der erste".
Im Grunde geht es um ein verlängertes Wochenende, dass einige amerikanische Freunde bei der Befahrung eines von einem Stauprojekt bedrohten Wildflusses irgendwo im Hinterland Georgias verbringen wollen. Was harmlos beginnt verläuft alptraumhaft: zwei Männer überfallen sie, einer der Freunde wird vergewaltigt, der Täter anschließend von einem Pfeil durchbohrt. Der zweite Fremde flieht und macht Jagd auf die Reisegesellschaft - am Ende wird er gejagt und ebenfalls mit Pfeil und Bogen "erlegt". Von den vier Freunden stirbt jedoch zwischenzeitlich einer infolge eines Streifschusses und zwei kommen schwer verletzt am Ziel der Flussfahrt an.
Diese Flussfahrt ist eine blutrünstige Erzählung, die harmlos und geradezu langweilig anfängt, sich immer mehr steigert und schließlich mit einer raffinierten Lügengeschichte endet, die die Flussfahrer von jeder Verantwortung für das Geschehene befreit.
Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher einmal den Film gesehen habe und ihn entsetzlich fand. Ich muss ihn mir wohl irgendwann mal wieder ansehen, befürchte aber, dass es mir wieder ähnlich gehen wird.
Auch das Buch kann ich - trotz aller Spannung - wenig gut finden. Es ist einfach eine blutrünstige Räuberpistole und die Kanu-bezogenen Elemente dokumentieren eigentlich nur, dass eine schlecht geplante Kanutour von unerfahrenen Bürohengsten - auch ganz ohne kriminelles Beiwerk - fatal enden kann.

Montag, 24. März 2008

246. Schneeostern

Noch während des Aufbruchs des Familienrudels zum Osterschmaus bei der Oma rief mein Bruder an, ob ich nicht ein Kanu mitbringen wolle, damit wir unsere ausgefallene Winterfahrt am Nachmittag nachholen könnten. Flugs lud ich den Familiencanadier aufs Dach und nach dem üppigen Mittagessen setzten wir beide uns ab und steuerten den Neckar bei Poppenweiler an, den wir ja schon einmal letzten Sommer bepaddelt hatten. Diesmal sah es da ein wenig anders aus. Leichter Schneefall, kalter Wind und absolut kein Mensch auf dem Wasser... Wir stiegen warm eingepackt an einem der Anleger der Neckarausflugsschiffe (die angeblich heute ihren Betrieb für die Saison aufnahmen sich aber nicht blicken ließen) ins Boot und steuerten flussaufwärts. Rückenwind half gegen die Strömung und das schnelle lange Boot glitt flott voran. Kurz vor Remseck, wo wir letzten Sommer noch auf der Rems unterwegs gewesen waren, wendeten wir und ließen uns den kalten Wind ins Gesicht blasen während wir - nun begünstigt von der Strömung - wieder bergab sausten. Nach knapp einer Stunde waren wir wieder am Anleger, verluden das Boot und wandten uns dem Familien-Kaffeekränzchen zu.
Angesichts dessen, dass ich mich in den letzten Jahren an kein Osterfest mit wesentlich besserem Wetter erinnern kann scheint mir, dass wie diesmal wenigstens etwas Vernünftiges unternommen haben ...

Sonntag, 23. März 2008

245. Going Inside

Nun habe ich das zweite Buch von Alan S. Kesselheim gelesen - eines, dass er vor dem letztgelesenen geschrieben hat und prompt habe ich vorhin ein noch älteres, "Water and Sky" bestellt.
"Going Inside" beschreibt die einjährige Reise Kesselheims mit seiner Frau durch die kanadische Wildniss - zunächst über den Smoky- und dann den Peace-River zum Lake Athabasca wo sie in einer winzigen Hütte überwintern und dann weiter nach Norden zum Baker Lake am Westrand des Hudson Bay. Die Reisebeschreibung umfasst Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen und Tieren und sie beschäftigt sich mit der Beziehung des Paares. Dabei gelingt es Kesselheim eine nüchterne und beiden Partnern gerecht werdende wenig psychogrammlastige Beziehungsentwicklung zu beschreiben, die in der nicht mehr für möglich gehaltenen Schwangerschaft seiner Frau und der Entscheidung trotzdem die Reise fortzusetzen gipfelt. Im Grunde bin ich ja derartig problematischer Themenfelder entsetzlich abgeneigt aber die Verquickung mit Kanureiseabenteuer, Natur und Kreatur machen das Buch außerordentlich lesenswert. Jetzt fiebere ich der Ankunft des noch älteren Buchs entgegen. Darin geht es um ein früheres Jahr, das das Paar in der kanadischen Wildnis verbracht hat.