Donnerstag, 13. Dezember 2007

184. Das Buch ist da

Nachdem ich den amerikanischen Händler angemahnt habe ist nun endlich das Anfang Oktober bestellte Skin-on-Frame Buch eingetroffen. Jetzt könnten Rolf und ich endlich loslegen - wenn wir so unbedeutende Dinge wie die Beschaffung des Baumaterials und die Okupation eines geeigneten Bauplatzes geklärt haben. Ach ja, Zeit für den Bau sollten wir auch haben und dann brauchen wir auch noch - wenn der Bauplatz im Freien liegt - gutes Wetter.

Ich beschäftige mich ja schon geraume Zeit mit Bootsbau und hatte mich - nach erster Begeisterung für die traditionelle Klinkerbauweise - längst entschieden ein Wood/Canvas Boot zu bauen. Nun soll es dann doch die praktikablere Skin-on- Frame-Technik werden. Den Impuls dazu hat Rolf gegeben. Wir werden eine Bootsform wählen und dann (zunächst) zwei Boote darauf bauen. Vielleicht legen wir die Form so an, dass sie gekürzt werden kann. Dann lässt sich zumindest die Länge und damit die Charakteristik des Bootes variieren.

Montag, 10. Dezember 2007

183. Paddel ersteigert

Letzte Woche habe ich in einem Online-Auktionshaus ein Paddel ersteigert. Der Händler gab an, dass es sich um ein Paddel der kanadischen Firma Clipper handelt- er hat es auf einer Bootsmesse irgendwann in den 90ern erstanden. Wahrscheinlich ist es ein Grey-Owl-Paddel mit einem Clipper-Stempel - so welche verkaufen sie auch heute noch. Diese westkanadische Firma stellt außerordentlich hochwertige Canadier her und es kann angenommen werden, dass die Paddel, die sie dazu liefern - woher sie sie auch beziehen - von ebenso hoher Qualität sind. Das Paddel selbst hat eine Länge von 140cm - das sind 54' - und damit komme ich ganz gut zurecht (auch wenn mir 3 cm mehr lieber wären). Es ist sehr leicht (675gr.), hat aber - entgegen meinen insgeheimen Hoffnungen - keine Glasgewebe-Beschichtung am Paddelblatt. Dafür ist der Schaft ähnlich schmal wie bei meinem Lieblings-staight-shaft-Paddel, einem Red-Tail (ebenfalls aus Kanada). Clipper-Canadier kann man in Europa nur kaufen wenn man den dänischen Importeur beauftragt, einen davon bei einer seiner sehr gelegentlichen Bestellungen mit in den Container packen zu lassen. Ich habe unlängst mal mit ihm telefoniert und er gibt an, dass er nur sehr sporadisch Boote ordert.

Sonntag, 9. Dezember 2007

182. Die Starzel

Gestern wollte ich ja eigentlich ähnlich wie vor 14 Tagen den Neckar hinunterpreschen aber Roland hatte eine bessere Idee: heute zusammen mit anderen Kajakfahrern des Paddelklubs die Starzel von Rangendingen nach Bieringen (da mündet sie in den Neckar) zu fahren. Die Starzel ist ein stark mäandernder Kleinfluss, der vom Albtrauf zum Neckar fließt und gewöhnlich eher unter Wasserarmut leidet. Heute hatte sie genug Wasser (Pegel 47cm - Mindestpegel 40cm) und ich nahm den rosa Solo-WW-Canadier (XL11). Noch während der ersten 10 Minuten auf dem Fluss absolvierte ich die dritte Kenterung in meiner Paddelkarriere (ich wich 'irgendwie' ungeschickt aus und hatte plötzlich den Süllrand unter Wasser) - da das Wasser an der Stelle nicht tiefer als 50 cm war und ich brav den Neoprenanzug und die Paddeljacke angezogen hatte passierte mir nichts weiter (weniger 'brav' war, dass ich keinen Helm mitgenommen hatte - mache ich das nächste Mal!). Aber ich hatte schon mal Respekt vor dem kippeligen Boot bekommen und umtrug in der Folge die Wehre, von denen die sieben KajakfahrerINNEN doch einige befuhren.

Der Tag hatte eigentlich - entgegen dem Wetterbericht - ganz sonnig begonnen und wurde dann immer regnerischer. Aber davon merkt man ja nicht viel wenn man erstmal auf dem Wasser ist. Ich kochte ohnehin in meinem eigenen Saft (und im eingedrungenen Starzel-Wasser) und bekam allenfalls bei den Umtragungen und beim 'mit dem Wurfsack Bereitstehen' kalte Füsse.

Während der Wehrbefahrungen meiner Kajak-Kumpane dümpelte das rosafarbene Boot mit dem Rotzgelben Prallschutz geduldig angebunden im Fluss (im Frühjahr spendiere ich dem WW-Canadier einen Anstrich - er hat ihn nötig finde ich!).

Was für mich ein wenig ungewöhnlich war, war, dass diese Kajak-FahrerINNEN eigentlich gar nicht richtig paddeln - sie lassen sich den Bach hinuntertreiben und greifen dann korrigierend ein, wenn das Wasser spritzig wird. Vielleicht sind meine Paddelfreunde ja auch nur besonders entspannt und andere wollen schneller vorankommen. Mich nötigte das immer wieder entweder zu (mit dem Stechpaddel etwas umständlichen) Bremsmanövern oder zum Vorausfahren. Vielleicht ist es auch so, dass der Canadier sich besser navigieren lässt, wenn er eine gewisse Grundgeschwindigkeit hat oder ich bin das Streckemachen vom Wanderbootfahren her zu sehr gewohnt.

Nachdem ich mein unfreiwilliges Bad genommen hatte war ich zwar vorsichtiger, kam aber auch im heftiger bewegten Wasser und zwischen den unter Wasser lauernden Felshindernissen immer besser zurecht (den einen oder anderen Aufsetzer, der mir mit meinen anderen Booten richtig weh getan hätte, gab es trotzdem - im WW-Boot schrubbelt man dann gelassen über das Hindernis).

Nachtrag: Eben kam Roland vorbei und hat seine Bilder mitgebracht. Wir haben gemeinsam einige Bilder auf der Homepage des Vereins eingestellt. Von mir gibts mal wieder kein vernünftiges Bild - allenfalls das etwas unscharfe hier:

Samstag, 8. Dezember 2007

181. Neue alte Bücher

Auf einer längeren Bahnreise habe ich mal wieder in Jerry Dennis' "From a Wooden Canoe" gelesen. Das ist eine Sammlung von Kolumnen-Beiträgen, die der Autor in amerikanischen Outdoor-Zeitschriften veröffentlicht hat. Schön aufbereitet mit - wie ich finde - sehr schönen Grafiken und immer humorvoll (wie sich das für Kolumnen-Beiträge gehört) aber nicht albern werden hier Ausrüstung und Umstände für und von Canadiertouren in kurzen Texten (nie länger als fünf Seiten) beschrieben. Das ist das richtige Buch für den Nachttisch oder eben die Bahnreise. Natürlich geht es um Holzcanadier (der Autor selbst besitzt keinen) aber auch um die Kunst des Portagierens, Thermoskannen, den Geruch von Baumwolle, Paddelfreunde, Duct Tape und 'Paddling at Dawn'
Neben dem Buch liegt auf meinen Nachttisch seit eben (da kam der Postbote) "Great Heart. The History of a Labrador Adventure". Das ist eine literarische Rekonstruktion zweier Labrador-Expeditionen von 1903 und 1905. Die erste gescheitert und die zweite ein Wettrennen zwischen überlebenden Teilnehmern und Angehörigen von Verstorbenen der ersten. Der 'Plot' klingt schon mal reichlich abenteuerlich. Ich bin schon sehr gespannt.

Freitag, 7. Dezember 2007

180. Laborbedingungen

Seit einigen Wochen gehe ich mit meinem Jüngsten Freitagabends zum Eskimotiertraining der Kinder im Lehrschwimmbecken einer Dorfschule. Das wird vom Kanuklub angeboten und die Kinder haben viel Spaß dabei: erst wird eine halbe Stunde lang geplantscht und Spiele mit den Booten gespielt, dann üben die Kinder das eskimotieren und plantschen - nach etwa einer weiteren halben Stunde - schließlich glückseelig zwischen den Booten herum. Das war heute der Moment, in dem ich Ute, die Trainerin, überredet habe mir auch mal zu zeigen wie das geht.
Entweder ist es ihr richtig gut gelungen mich glauben zu lassen, dass ich alter Knochen mich gar nicht so dumm anstelle oder ich kriege das wirklich einigermaßen gut hin - nicht dass ich schon mit Hilfe des Paddels hoch gekommen wäre aber den tückischen 'Hüftschwung', für den ich mich eigentlich zu unbeweglich wähnte, kriege ich zu meiner Überraschung recht passabel hin und es gelingt mir auch den Oberkörper so lang unter Wasser zu lassen bis das Boot fast wieder aufrecht schwimmt. Bin ganz euphorisch und lechze schon danach kommenden Freitag weiter zu üben.
Mein Fernziel ist es natürlich mit dem Wildwassercanadier dann auch mal rum zu kommen - das scheint mir schwerer zu sein als mit dem Kajak. Lutz, einer derer, die das mit dem Kajak können, meinte aber, dass das 'Rollen' mit dem Stechpaddel erheblich besser ginge. Mal sehen.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

179. Into the Wild

Jetzt habe ich den "National Bestseller" durchgelesen und bin - glaube ich - nicht viel klüger. Der Protagonist dieses frisch verfilmten (ich hatte darüber berichtet) Tatsachenromans, Chris McCandless, begibt sich nach einer Odysee durch die Vereinigten Staaten (während der er auch mal längere Zeit im Alu-Canadier unterwegs ist, was mir als Vorwand dient, das Buch unter "Canadier-Literatur" abzubuchen) nach Alaska um dort nach einigen Monaten in einem Schulbuswrack zu verhungern.
Vorher, während der Odysee, zeigt er - nach meinen laienhaften Psychologiekenntnissen - eine hochgradig schizophrene Symptomatik indem er sich eine ausgefeilte Zweitpersönlichkeit zulegt, die immer mehr Gewicht bekommt. Gelegentlich greift er jedoch auf sein Ursprungs-Ich zurück.
Der Autor identifiziert sich sehr mit seinem Studienobjekt und es gelingt ihm zeitweilig (trotz vielfacher Erzählschleifen - das macht man jetzt wohl so) seine Sympathie für den jungen Mann auf den Leser zu übertragen. Das Buch ist vielleicht gar nicht so lesenswert aber auf den Film bin ich jetzt wirklich gespannt.

Sonntag, 2. Dezember 2007

178. Endlich mal wieder

Ich entwickele mich jetzt gerade zum Wochenendpaddler - weniger aufgrund der Jahreszeit als wegen der vielen Arbeit, die mir keine Zeit zum Paddeln lässt. Wenn dann auch noch der Wetterbericht für einen Tag wie heute, an dem ich gerade mal den Vormittag über Zeit habe, Regen verheißt stimmt mich das leicht depressiv. Um so erfreuter war ich als ich heute morgen aus dem Fenster sah und einen zwar bedeckten aber nicht tropfenden Himmel vorfand. Gleich nach dem Frühstück bin ich zum Bootshaus geprescht und habe den Solo-Canadier daraus befreit. Røskva wollte unbedingt mit und ich habe ihr zuliebe - statt dem vortrefflichen Kniepolster von Mark - die alte Isomatte ins Boot gelegt. Der Erfolg war, dass ich gegen Ende der Runde ziemlich verkrampfte Knie hatte und meinem Köter wenig wohlgesonnen war - wenn das Biest im Boot sitzt oder liegt kann man schlecht die Position wechseln. Die Bestie muss wohl endlich mal selber paddeln lernen. Zeitweilig ließ ich sie am Ufer nebenher laufen - aber da muss ich dann immer aufpassen, dass sie auch wirklich mitkommt und nicht voller Neugier ewig an einem spannenden Hundehaufen herumschnüffelt. Ein Risiko ist auch, dass ein anderer Hund am Ufer spazieren geführt wird. Røskva weiß erstaunlicherweise stets auf 50m Distanz wer ihr Freund und wer ihr Feind ist (ein Zwischending ist offenbar unzulässig). Es hilft stets einen Tennisball dabei zu haben, den sie dann die ganze Tour über bewacht und - wie heute - am Ende irgendwo auf dem Bootshausgelände verbuddelt (nach einigen Wochen oder Monaten wird er dann exhumiert und genüsslich seiner angegammelten, wurzel- und pilzdurchsetzten Filzhülle beraubt).