Samstag, 12. Januar 2008

199. A Living Tradition

Gestern kam mal wieder ein Buch aus den USA. Nein, es kamen zwei und das kam so: Ich hatte mal wieder ein besonders günstiges Canadier-Buch auf meiner Wunschliste entdeckt und es flugs online erworben. Wie ich wieder in die Ausgangsseite schaute musste ich feststellen, dass das besonders günstige Exemplar immer noch da war. Also musste da was schief gegangen sein. Flugs schritt ich erneut zum Kauf. Erst Tage später stellte ich fest, das ich dieses große 'Coffee-Table'-Buch tatsächlich zweimal erworben hatte, was bei dem sensationell günstigen Preis jedoch nicht weiter tragisch ist. Das Buch kann ich entweder gewinnbringend Versteigern oder es im Canadier-Forum zu meinen Anschaffungskosten verhökern - dachte ich. Dann erzählte ich Rolf davon und er nimmt es jetzt zum Kaufpreis. Auch gut.

Es handelt sich um den Bildband "The Canoe - A Living Tradition" von John Jennings. Ein dickes, reich bebildertes Buch, dass die Ursprünge der Canadier (aber auch von Kajaks und Guide-Booten) in sehr ansprechender Weise mit vielen historischen Illustrationen und mit Bildern von Museums-Booten beschreibt. Puristen werden sicher vom Mittelteil abgeschreckt, in dem Jennings sich nicht zu schade dafür ist ein GfK-Kajak abzubilden weil US-Senator Robert Kennedy drin sitzt. Aber die Canadier-fremden Abschnitte über Einbäume und Eskimo-Kajaks (Skin-on-Frame) finde ich fast ebeso interessant wie die angemessen bebilderten Berichte über den Bau von Birkenrindenkanus und Wood-Canvas-Canoes. Den Text habe ich noch gar nicht gelesen - bislang bin ich noch am Bilder anschauen. Aber schon dafür lohnt sich das Buch, selbst wenn es mehr als 3,44$ (plus Versand) kostet.

Heute abend ist beim Paddelklub Winterfest - ich habe schon schwedische Zimtschnecken gebacken. Hoffentlich finde ich jemanden, der Lust hat morgen ein wenig zu paddeln - es soll sonnig werden. Ich war jetzt seit kurz vor Weihnachten nicht mehr in einem Boot. Entsetzlich!

Sonntag, 6. Januar 2008

198. Nichtpaddeln

Eigentlich wollten wir, Uwe und ich, ja am Nachmittag paddeln gehen. Ich hatte aber gestern noch gelesen, dass die Tübinger Feuerwehr heute ihr traditionelles 'Neckarabschwimmen' am Vormittag absolvieren wollte. Dieses Schauspiel wollten wir und nicht entgehen lassen und - wir befürchteten natürlich, dass die Neoprenbewehrten Taucher der Feuerwehr keinen Weihnachtsmarktbecher am Boden des Neckars liegen lassen würden. Also brachen wir mit Laura - Uwes Tochter - gleich um 11:00 Uhr auf. Am Bootshaus angekommen schulterten wir die Kotztüte und gingen zum Anleger nur um festzustellen, dass das Wasser trotz nur mäßiger Regenfälle so angestiegen war, dass es zweifelhaft schien, ob wir anschließend das Boot wieder bergauf gepaddelt bekämen. Zudem ist der Weg zum Anleger inzwischen eine einzige Matschpiste, auf der jeder Schuh gleich ein Pfund an Gewicht gewinnt - Matschmassen, die am Ende im Boot landen. Wir trugen das Boot wieder zurück.
Dann sahen wir den Feuerwehrtauchern zu, die in erstaunlich großer Anzahl mit Floßen, Feuerwerk (ja, die Feuerwehr geht hier mit gutem Beispiel voran und setzt sich über jeder Regelung zum Abfeuern von Feuerwerk hinweg), Getränken und vom Motorboot begleitet den flott fließenden Neckar hinabschwammen.

Ich machte viele Fotos, die aber alle eben - samt sämtlicher Daten auf meiner Speicherkarte - den Weg ins digitale Nirwana gefunden haben. Die Umstände dieses Desasters will ich hier nicht schildern. Es muss reichen festzustellen, dass ich in absehbarer Zeit meinen Erstgeborenen nicht mehr an meinen Computer lasse.
Nachtrag: die Feuerwehr selbst hat Bilder gemacht! Hier sind sie. Auf diesem müssen wir auch irgendwo mit drauf sein:

Samstag, 5. Januar 2008

197. Kerzenhalter

Wird Zeit, dass ich allmählich wieder in ein Boot komme. Ich kann die Füße nicht mehr stillhalten - inzwischen sind sie wieder belastbar. Gestern abend hat Uwe berichtet, dass er doch Weihnachtsmarktbecher von der Neckarbrücke aus auf dem Flussgrund gesehen hat - ich hatte ja keine gefunden. Wir haben uns für Sonntagnachmittag zum Paddeln und zur Bergung der edlen Stücke verabredet. In der Zwischenzeit soll es auf den gefrohrenen Boden regnen - hoffentlich nicht zuviel damit wir den Flussgrund noch sehen und die Strömung nicht zu heftig wird. Bis dahin will ich noch ein wenig basteln - das letzte Produkt meines unbezwingbaren Basteltriebs ist folgendes:

Irgendwo auf Christian Löhnerts Webseiten habe ich ein Bild einer in der Tageshitze im Zelt völlig zerschmolzenen Kerze in einem trickreich konstruierten Kerzenhalter gesehen. Den habe ich jetzt mal aus dem Gedächtnis nachgebaut weil ich das Bild nicht mehr finden konnte (jetzt hab ich's doch gefunden!). Eigentlich besteht er lediglich aus einer trickreich gebogenen Aluspirale (der Stab kostet im Baumarkt ca. 3 EUR), die bei aufgebautem Zelt an die Zeltstange geklemmt werden kann.
Ursprünglich hatte ich mit Hölzern mit vorgebohrten Löchern experimentiert aber die müssen dann immer vor dem Zeltaufbau auf die Stange gefädelt werden und es besteht die Gefahr, dass sie bei heruntergebrannter Kerze Feuer fangen (es sei den es werden aufwändig zusätzliche Metall- oder Glasmanschetten eingepasst).

Freitag, 4. Januar 2008

196. Canadier-Küche

Mein großer Schwachpunkt bei längeren Kanutouren ist eindeutig die Proviantierung und die Essenskultur. In Canadier-Büchern neige ich dazu diese Kapitel zu überblättern und bei der Tourvorbereitung beschränke ich mich auf den beiläufigen Einkauf von Fertignahrung und Limo. Diesen Fehler will ich nun ausmerzen.
Etwas halbherzig lege ich los mit Utensilien zur Essenszubereitung, die ich mir nach und nach zulege (heute kam der Edelstahltopf und seit November besitze ich einen Kaffee-Kochkessel - nach einer Kelly-Kettle halte ich fortwährend Ausschau) - in einem zweiten Schritt muss ich mich ein wenig intensiver mit geeignetem Proviant und zuzubereitenden Mahlzeiten befassen.
Da das Feuermachen zum Canadier-fahren ebenso dazuzugehören scheint wie das Paddeln ist es ja wenig sinnvoll selbst bei Eintagestouren immer nur einen fertig abgepackten Kartoffelsalat und einige auf dem Weg gekaufte Brötchen nebst Käseklotz, Limoflasche oder - wenn's hoch kommt - die Thermoskanne mit vorbereitetem Kaffee in die Bootstonne zu packen. Es darf auch mal Alufolie und Grillgut (inklusive Paprika und Zwiebeln) sein und grobes Kaffeepulver und der Kaffee-Kochkessel (dann muss aber auch hinreichend frisches Wasser dabei sein). Für längere Touren bin ich jetzt auf der Suche nach einigermaßen einfachen Eintopf-Rezepten mit erträglich transportablen Ausgangsprodukten (klar, zum Camping gehört die obligatorische Ravioli-Dose dazu aber die allen macht einen ja nach einem Paddeltag nicht satt - ganz zu schweigen vom Mülentsorgungsproblem).
Die Ökologie fordert ja weiterhin, dass die Feuerstellen nicht überhand nehmen und später nicht mehr sichtbar sind (No Trace), so dass es notwendig ist diesbszüglich Vorsorge zu treffen - dafür ist der Hobo-Ofen zuständig. Ich habe mich für die Billiglösung aus England entschieden. In dem kleinen faltbaren Blechgehäuse brennen Zweige und Tannenzapfen schnell und sauber so dass der Wasserkessel zügig kocht.

Nachtrag: Bernd will wissen, wie man den billigen Hobo-Ofen nach Gebrauch wieder zusammengefaltet bekommt. Das ist in der Tat eine hakelige Sache aber mir ist das bisher (mit einigen Schwierigkeiten) immer gelungen bis das eine Kettenglied verlorenging, dass die beiden Bleche zusammenhielt. Seitdem benutze ich Blumendraht und es geht noch viel einfacher...

Donnerstag, 3. Januar 2008

195. Ofenrohrisolierung

Weil ich meine lädierten Füsse ja doch nicht still halten kann (weshalb sie auch nicht recht heilen) habe ich mal den Zeltofen aus dem Keller geholt und - sehr zur Freude meiner Mitbewohner - im Wohnzimmer auf dem Boden aufgebaut längs gelegt. Daneben habe ich die zusammengesteckte Zeltstange gelegt um abschätzen zu können an welcher Stelle das Ofenrohr durch die Giebelöffnung des Zeltes hindurch geführt werden muss. Das ist die Stelle, an der das Ofenrohr irgendwie isoliert werden muss damit der Nylon-Stoff des Zeltes durch die Hitze nicht beschädigt wird. Ursprünglich habe ich ja geplant ein Dreieck aus Aluminiumblech zu verwenden. Der konstruktive Aufwand sowie der absehbare Transportaufwand bremsen mich aber leichtgradig aus. Jetzt hat mich Jürgen aus dem Canadier-Forum auf die Idee gebracht einen 'Hitzeschutz Schlauch bis 1200°C' aus dem Automobil-Zubehör-Handel über das Rohr zu schieben. Im Handel erhältliche Isolierelemente scheinen mir zu voluminös und wenig transportfreundlich. Ihr Innendurchmesser beträgt mindestens 8 cm während mein konisches Ofenrohr an der Selle um die 6 cm Durchmesser hat.
Es ist gar nicht so leicht einen entsprechend großen Schlauch aufzutreiben aber wenn ich Ihn kriege könnte er da, wo auf dem rechten Bild das blaue Rechteck eingezeichnet ist, über das Rohr geschoben und mit einem einfachen Draht festgehalten werden (wenn er lang genug ist kann er doppelt gelegt werden damit die Isolierung auch wirklich gesichert ist). Die Nylonbänder, die den Zeltstoff halten werden dann (rote Striche) um das Rohr geführt und die Zelthutze ebenfalls. Ob so ein Hitzeschutz-Schlauch wohl so gut isoliert, dass dem Nylon dann auch nichts passiert?
Alternativ könnte an eben der Stelle auch ein weiteres Rohr mit 2cm Abstand vom Rauchrohr aufgesteckt werden. Der Zwischenraum könnte ja mit Steinwolle oder ähnlichem ausgefüllt werden. - Wieder eine etwas voluminöse Lösung.
Die Campfire-Stove Lösung ist ebenfalls denkbar - auch wenn mir die Strahlungshitze des Rohrs zum Nylon dann noch Sorgen macht (bei Baumwollzelten ist das nicht so bedenklich)

Mittwoch, 2. Januar 2008

194. Whitewater Canoeing

Gestern fand die Saisoneröffnung beim Paddelklub statt, bei der ich nicht dabei sein konnte - es sind offenbar trotzdem einige gekommen und haben die Neckarinsel umrundet. Bin mal gespannt, wann ich das mal wieder machen kann. Ich habe mir meine Weihnachtsferien anders vorgestellt als dauerhaft rumlümmelnd Bücher durchzuackern...

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil: das gestrige Buch taugt als Wildwasserbuch nix, das ein Jahr ältere von William Sandreuter hält da viel eher was sein Titel "Whitewater Canoeing" verspricht.
Eine weitere unruhige Nacht mit schmerzendem Fuß gab mir Gelegenheit dieses schon etwas länger im Regal vergrabene Buch noch einmal hervorzuholen und gründlich durchzusehen.
Der Amerikaner William O. Sandreuter hat damit die Grundlage für moderne Kanu-Literatur geschaffen und wird deshalb fortwährend in Canadier-Foren gelobt und gepriesen. Auch er verzichtet nicht auf Randinformationen, mit denen zunächst nicht zu rechnen war (Verpflegung, Packlisten für Mehrtagestouren, Poling, Lining und Portagieren, ...) was sicher auch damit zusammen hängt, dass unsere moderne Vorstellung von Wildwasserpaddeln sich ähnlich wie der Skisport entwickelt hat: Heute geht man zum Wildwasserfahren um eben mal einen wilden Bach oder Fluss hinunterzupoltern. Damals gehörte zum Runterpoltern eben auch das Hinaufkommen dazu und Wildwassertechniken wurden als Notwendigkeit erkannt um auch auf schwierigeren Flüssen mit Gepäck Mehrtagestouren paddeln zu können.
Das Buch hat zahlreiche Bilder (Fotos und Illustrationen) und ist sehr anschaulich geschrieben. Es behandelt - ähnlich wie C.E.S. Franks - vorwiegend die Grundtechniken des Wildwasserpaddelns, die inzwischen vielfach auch zu den Standardtechniken des Flachwasserpaddelns gehören. Anders als Franks interessiert sich Sandreuter wenig für gesellschaftliche Zusammenhänge und politische- und sozio-historische Begründungsmuster. Das tut dem Buch gut. Deshalb ist Franks Buch nicht schlecht - es hat nur den falschen Titel.

Dienstag, 1. Januar 2008

193. C.E.S. Franks

Some canoeists think too much. They bury their trip with historical knowledge, geological knowledge, map knowledge, technical canoeing knowledge, nutritional knowledge, equipment knowledge, and so on. To them, canoeing is not of value 'in itself' but 'because of.'
Der Autor mit dem drei Initialen, C.E.S. Franks, macht genau das, was das Zitat aus seinem Buch beschreibt, mit dem Wildwasserpaddeln - er ertränkt das zentrale Thema seines Buches in Informationen geschichtlicher, soziologischer und geologisch/-graphischer Natur. Nicht dass er diese Informationen nicht interessant aufbereitet hätte - aber der Titel des Buches ließ anderes erwarten. Andererseits kann von einem Buch von Mitte der siebziger Jahre vermutlich nicht zu viel erwartet werden - der Autor legt selber dar, in welchem Maße Wildwasserpaddeln in offenen Booten damals vernachlässigt wurde. Insofern ist das Buch aus dem Jahr 1977 ein spannendes Zeitdokument mit zahlreichen Grundinformationen zur Entwicklung der Canadier-Szene in Kanada. Es bietet - anders als der Titel erwarten lässt - vielfältige Informationen zu kurzen und ausgedehnten Kanutouren in Zentralkanada, Ausrüstung, Nahrung, Transportmöglichkeiten - und dann auch noch einen Abschnitt über das, was zu jener Zeit als Wildwasser-Technik bekannt war. Die Basics, die ich mir selbst als Anfänger noch erarbeiten muss. Insofern war für mich das Buch nicht völlig ohne Spannung (bin ja fortwährend fußkrank und auf Lektüre angewiesen). Jedem weiter fortgeschrittenen Wildwasser-Paddler ist es allenfalls als historisches Dokument zu empfehlen.

Nachtrag: Franks hätte es doch besser wissen können - es gibt da das Buch von William Sandreuter, dass ein Jahr vorher in den USA erschienen ist. Franks' Buchtitel ist einfach irreführend...