Donnerstag, 4. April 2013

Open Canoe Festival - Drôme - Festivalalltag (9)

Menues, Matsch, Musik und Leute

Das auf Veranstaltungen auf festem Boden reduzierte Programm (Paul Villecourt: "even more rich"!) war auf beständige Interpretation angewiesen. Eine sprachgewandte junge Frau stand bereit um stets freundlich und geduldig Auskunft zu geben. Man konnte sich zur Teilnahme an Workshops eintragen, was ich aber stets versäumte. Dass ich dennoch an ihnen teilnehmen konnte ist ein Hinweis auf die unkomplizierte aber dennoch perfekte Organisation des Treffens.


Wir hatten in den ersten Tagen mit allerhand Matsch zu kämpfen und jede und jeder war stets bemüht der Kombination aus Erde und Wasser etwas entgegen zu setzen. Für deren Beförderung kamen diverse Hilfsmittel - nicht nur Eimer und Tüten - zum Einsatz.


Auch gelegentliche Windböen bis hin zu leichten Sturmanwandlungen machten aus dem Canadier-Festival ein kleines Woodstock des Kanusports. Robert Sommer, der sich für seinen Stand spontan einen (etwas minderwertigen) Pavillion besorgt hatte, bekam das leidvoll zu spüren.


Allerlei spannende Boote lagen herum. Das links hielt ich längere Zeit für den dritten mir nicht bekanten Phantom in Europa. Aber bei näherer Betrachtung erwies es sich als ein Dagger-Prophet. Bei manch einem Boot konnte man den dazu gehörenden Paddler erahnen.


Andere - weniger bizarre - Boote befriedigen die Interessen ambitionierter Bastler oder die von Sammlern traditioneller, gern auch hoch betagter Canadier.
Ein Boot, das viel Aufmerksamkeit erweckte, war das gelbe Esquif Presage mit Holzsüllrand, den es am Sonntagabend zu gewinnen gab.


Viele weitere Preise (wie die Paddel links) gab es ebenfalls und jeder, der sich ordentlich zum Festival angemeldet hatte hatte auch ein Los in der Trommel. Die Preisverleihung - anschließend an ein vortreffliches Essen - zog sich entsprechend lang hin und die reizende englische Dame neben mir (Alter ca.5) vertrieb sich die Zeit mit atemberaubenden Turmbauten. Sie gewann übrigens einen Biwak-Sack. Das Warten hatte sich gelohnt.


Paul Villecourt, der Veranstalter, verkündete die glücklichen Gewinner und die nette Rezeptionistin des Campingplatzes unterstützte ihn dabei. Ein kleiner Junge durfte die Lose ziehen.


Vorher hatte es ein leckeres im Freien zubereitetes Tortellini-Essen mit lokalen Wurstspezialitäten gegeben (ab Vortag gab es als Hauptspeise Paella) an das sich ein Gang Käse und ein Dessert anschlossen.
Am Ostermontag gab es - anstelle des Picknicks auf der großen gemeinsamen Abfahrt auf der Drome, die aufgrund des hohen Pegels ausfiel - einen leckeren gemischen Pastetenteller, der im großen Zelt eingenommen wurde.


In unserem Zelt wartete der kleine Zeltofen, der sich wieder einmal bezahlt machte. Abends legte ich mir immer Anfeuerholz zurecht und entzündete ihn vom Schlafsack aus. Wenn es dann warm genug war im Zelt konnte man getrost aufstehen. Am Abend machte ich ihn auch immer an damit man beim Insbettgehen nicht frösteln musste. Zwischenzeitlich reinigte ich nach einigen Tagen mal den Schornstein damit der sich nicht zusetzte.


Open Canoe Festival - Drôme - "Improvising Rafts" (8)

In einem weiteren Workshop demonstrierte Matt Thompson assistiert von Greg Spencer wie aus drei Kanus ein "Half-Diamond"-Floß und aus vier davon ein "Full-Diamond" wird. Derart verknüpfte Boote bieten auf großen Wasserflächen erstaunlich viel Sicherheit und bieten sich für Kanureisen mit Kinder- und Jugendgruppen an. Sie können - anders als durch Stangen verbundene Boote - unschwer auf dem Wasser zusammen geknüpft werden und bieten dann eine Ruheinsel, Badeinsel oder auch einen durchaus flott zu paddelndes Kanuverband.


Es ist sinnvoll die Knoten als leicht zu lösende Zugknoten anzulegen damit die Boote ohne großen Aufwand wieder voneinander getrennt werden können.


Anschließend zeigte Matt uns die Methode bei der eine Polingstange zu Hilfe genommen wird um zwei Boote zum Katamaran zu verbinden. Wichtig ist, dass die Bugs der Boote dichter beieinander bleiben als die Hecks.
Wellen, die zwischen die Boote rollen bauen sich dann nicht am enger werdenden Zwischenraum auf sondern laufen in der nach hinten weiter werdenden Spalte aus.
Anschließen wurde ein aus zwei Polingstangen bestehender Mast aufgerichtet (auch mit schnell lösbarem Knoten) über den ein altes Tarp als Besegelung hinauf gezogen wurde. Eine rechtzeitig eintreffende Böe blies das Segel auch gleich auf. Für große Wasserflächen und Rückenwind erspart das manchen Paddelschlag.


Open Canoe Festival - Drôme - "Wrapped Canoe" (7)


Eher zufällig geriet ich beim Open Canoe Festival  in den Workshop, der sich mit "wrqapped canoes" befasste. Mit dieser Situation bin ich ja inzwischen vertraut aber die Demonstration fand ich dann doch sehr fesselnd.

Peter Stokx demonstrierte - assistiert von Raphael Kuner und Greg Spencer - wie man ein zwischen Steinen verklemmtes Kanu wieder befreit. Dabei beschränkte er sich auf die Variante, bei der das Kanu mittels einer vereinfachten Version des "Steve-Thomas Rope-Trick" durch reine Zugkraft aus seiner misslichen Lage befreit wird. Die Vorteile von Umlenkpunkten wurden angesprochen aber nicht durchgespielt.


Zunächst demonstrierte Peter das Ganze auf dem Trockenen. Er zeigte, dass man sich im Kehrwasser hinter dem verklemmten Boot sicher aufhalten und alle erforderlichen Vorkehrungen treffen kann. Wenn es dann zur Bergung des Bootes kommt sollte man diesen sicheren Platz jedoch tunlichst verlassen weil das befreite Boot (oder die wieder einsetzende Strömung) den Platz schlagartig zu einem unsicheren solchen macht


Sehr anschaulich war auch seine Demonstration der Sitzposition in einem um einen Brückenpfeiler gewickelten Kanu. Er verdeutlichte damit, dass Gurtsysteme einen hoch angesetzten Auslöse- mechanismus haben müssen damit man sie in so einer Situation auch noch erreichen kann.


Schließlich wurde Raphaels großes weißes GFK-Kanu an zwei Steinen versenkt und anschließend wieder befreit. Das Kanu ächzte zwar ein wenig aber es überlebte die Prozedur letztlich unbeschadet.

Der stolze Besitzer dieses prachtvollen Frachtkahns  konnte es unbeschädigt wieder mit nach Hause nehmen.

Open Canoe Festival - Drôme - 28 Kilometer (6)

Als wir uns am späten Vormittag dann zum Paddeln trafen war ich der einzige aus unserer kleinen Gruppe, der sich überwunden hatte. Immerhin kamen dennoch 24 Paddler zusammen und ich erfuhr erst bei der Abfahrt, dass man von Die nach Saillans paddeln wollte.


Wir setzten die zahlreichen Solo- und Tandemboote kurz oberhalb der Schlucht, die wir uns am Vortag noch eingehend angeschaut hatten, ein. Ausgemacht war, dass die Kenner der Strecke vor fahren und die Schlucht mit Wurfsäcken absichern.

Die Strömung saugte jedoch auch die nachfolgenden Boote zügig nach unten und so kam es, dass die ersten Kenterungen stattfanden, als noch niemand der Vortruppe sich richtig installiert hatte. Es war eine etwas unerfreulich unübersichtliche Situation.

Aber die Schwimmerinnen und Schwimmer kamen schnell auf festen Boden, alle Paddel und Boote konnten zügig geborgen werden,die Sonne ließ sich blicken und die Schwierigkeiten nahmen schlagartig ab. Jetzt paddelten wir durch breite Kiesflächen, durch die sich der Fluss bei Niedrigwasser schlängelt. Jetzt überspülte er sie weitgehend.

Irgendwann kamen wir nach Pontaix, durch das der Fluss eng durch Mauern eingefasst hindurch fließt. Allerhand Spaziergänger sahen unserem Treiben vom Ufer aus zu. Die Sonne schien und es kam richtig gute Laune - auch bei denen, die schon nass waren - auf.


Der Fluss bot immer wieder spritzige Passagen und in den Kehren musste man ein wenig aufpassen, dass man nicht in die angeschwemmten Büsche und Bäume gespült wurde. Wir machten gelegentlich Pausen und wurden allmählich müde. Ich hatte versäumt, mir Proviant mit zu nehmen.

In Saillant waren die Rückholautos geparkt aber ein nicht unbeträchtliche Gruppe entschied sich doch noch weiter bis zum Campingplatz zu fahren. Alle waren etwas ermüdet und man vermied die Außenkurven, in denen sich hohe Wellen bildeten.


An der Brücke in Mirabel et Blacons entschieden wir uns für den rechten Brückenbogen unter dem zunächst rechts ein ganz ansehnliches Loch lauert. Weiter unten ist ein noch größeres mittig. Es ist also ratsam den Schwall mittig anzufahren und im Schwall nach rechts zu ziehen. Das gelang letztlich auch allen, die weiter gepaddelt waren.


Matthias und Lorenz hatten geduldig an der Brücke gewartet und haben meine Abfahrt aus der Distanz dokumentiert. Eigentlich hatte ich ja angekündigt, dass ich den Brückenbogen ganz links wählen würde aber Heinz hatte mich überzeugt, dass der rechte die bessere Wahl sei. Auch dort (siehe Bild oben) lauerte ein Fotograf und ich bin gespannt, ob ich irgendwann an die Fotos heran komme.


Nachtrag: Da sind sie schon. Phillipe Bouvat hat sie gleich ins Netz gestellt.




Achja, hier noch eins von Christoph, dessen etwas schräger Humor unübersehbar ist...


Open Canoe Festival - Drôme - Festivalauftakt (5)


Am Abend trafen alle Eingetroffenen sich im großen Kuppelzelt, das man schon von weitem erkennen konnte. Paul Villecourt, der - ganz Marketing-Stratege - schon als ich meine Abfahrt zum Festival bekannt gab, antwortete: "The weather should not be too bad. The river level is perfect !" musste nun verkünden, dass alle Veranstaltungen auf dem Fluss aus Haftungsgründen abgesagt werden müssten. Es würden Workshops auf festem Boden ausgetüftelt, die ein "even more rich programme" versprüchen. Genaueres werde am kommenden Morgen bekannt gegeben.


Es regnete in einem fort, im großen Zelt wollte es auch nicht recht gemütlich werden. Die Enttäuschung war allen anzusehen aber wir trugen es mit Fassung und gingen früh in unsere Schlafsäcke. In denen war es wenigstens warm.

Am anderen Morgen wurde dann das Programm verkündet, das auf den ersten Blick nicht so entsetzlich aufregend zu sein schien. Da ging es um Biwaktechniken, Feed-Dehydration und dergleichen, was mich nur sehr periphär interessiert. Aber auch um "Wrapped Canoes", "improvising rafts" und "tracking canoes". Die wenigsten Kurse waren ausschließlich auf französisch. Die meisten zweisprachig, Einige nur englischsprachig.

Angesichts der 80 deutschen und 40 britischenTeilnehmern (von über 400), einigen Dänen, Belgiern und allerhand Schweizern kann man getrost behaupten, dass das Open Canoe Festival an der Drôme sich zu DEM internationale Kanu-Festival Europas entwickelt hat.

Es wurden Raftingtouren "for the complete beginners" angeboten und wir erwogen uns da hinein zu mogeln. Sie waren aber in kürzester Zeit ausgebucht.Wir sahen wenigstens mit etwas Vorfreude der gemeinsamen Paddeltour mit den Schweizern entgegen und erfreulicherweise hatte es auch aufgehört zu regnen.

Open Canoe Festival - Drôme - Erkundungsfahrt (4)



Unsere Erkundungsfahrt führte uns zunächst in den nächsten größeren Ort Saillans, der aus dicht gedrängten mehrstöckigen Natursteinbauten besteht, auf denen locker verstreut Satellitenschüsseln prangen. Davon abgesehen ein wirklich hübscher Anblick.

Der Fluss wälzte seine Wassermassen in einer großen Kurve um den Ort und wir machten einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang. Bei der Anfahrt hatten wir schon gesehen, dass da Leute ihre Boote für eine Abfahrt her richteten und das hatte natürlich unsere Neugier geweckt.


Tatsächlich waren es unsere Schweizer Freunde, die da zu einer ersten Abfahrt aufbrachen. Wir sprachen ihnen unsere Bewunderung aus und sahen ihnen neidvoll hinterher bevor wir zur weiteren Erkundung des oberen Flussverlaufs weiter fuhren.


Oberhalb von Die fließt der Fluss durch eine Schlucht, in der hausgroße Felsen im Wasser liegen. Bei Niedrigwasser ist die Stelle sicher auch nicht eben einfach. Jetzt bei Hochwasser bildeten sich prächtige Prallpolster vor den Felsen, die man - wenn man sich damit nicht auskennt - besser meidet.



Aber die Durchfahrten waren eigentlich ziemlich klar und wir entschieden, dass man diesen Abschnitt - wenn man gehörigen Abstand von den Felsen hält und die dahinter lauernden Löcher umschifft - gut paddeln kann. Wir sahen uns noch Die an und kehrten dann um.


Just als wir in Mirabel et Blacons über die Brücke fuhren kamen unsere Schweizer Freunde in ihren Booten an die Stelle. Wir hielten natürlich mitten auf der Brück an und sahen zu, wie sie den beeindruckenden Brückenschwall bewältigten. Oben ist die ideale Durchfahrt im rechten Brückenbogen zu erkennen, unten mogelt sich Jürg durch den zweiten Brückenbogen von links. Er berichtete nachher, dass sein Boot doch gelegentlich Felsberührung hatte.


Nachmittags kam tatsächlich mal die Sonne heraus und wir lümmelten einige Zeit vor den Zelten herum und schmiedeten Pläne (die Schweizer wollten am Folgetag erneut paddeln und waren bereit uns mit zu nehmen). Immer mehr Gäste trafen ein und wir wurden Zeugen manch abenteuerlicher Tarpkonstruktion.

Es war ein recht unterhaltsamer Nachmittag an dessen Ende die Begrüßung aller Gäste durch Paul Villecourt, den Organisator des Festivals stehen sollte. Dem sahen wir mit Spannung entgegen.


Open Canoe Festival - Drôme - Anfahrt (3)

Es regnete. Eigentlich die ganze Zeit. Das waren nicht gerade die besten Aussichten auf ein Festival aber das Thermometer zeigte steigende Temperaturen und so fuhren wir im lockeren Konvoi immer weiter gen Süden. Wir wählten die Route durch die Schweiz, was zwar den Erwerb einer Autobahnvignette beinhaltete aber die scheint mir (dieses Jahr noch) immer billiger zu sein als die sündhaft teuren französischen Péage- (Maut-) stellen.

Als wir schließlich über die Grenze kamen nahmen wir dennoch die Autobahn was uns bis hinter Lyon ca. 30 Euro kostete. Dafür war der Sprit nicht teurer als in Deutschland und wenn man Supermarkttankstellen wählt bekommt man ihn billiger.

In Mirabel et Blacons angekommen meinte ich zunächst, dass wir einen anderen Campingplatz suchen müssten weil ein großes Schild mit der Aufschrift "Fermé" am Platzeingang prangte. In der düsteren Rezeption versteckte sich aber eine außerordentlich nette Rezeptionistin, die uns in fließendem und gut verständlichen Englisch (wir waren alle - bis auf Lorenz - des Französischen nicht mächtig) zu verstehen gab, dass wir ja einen Tag zu früh da waren aber gerne schon campieren dürften.


Wir bauten unsere Zelte auf, besichtigten die Serviceeinrichtungen (alles war noch in Vorbereitung) und nahmen weitere Frühkommer wahr. Unter anderem waren einige vertraute Schweizer Gesichter da. Es war ein nettes Wiedersehen.


Am anderen Morgen besichtigten wir zunächst die Umgebung. Es zog uns natürlich zuerst auf die Brücke unter der der hoch angeschwollene Fluss hindurch rauschte. Das Wasser war braun und trübe und entsprach so überhaupt nicht den Abbildungen auf den Festival-Ankündigungen.
Der Himmel entsprach auch nicht recht den so geweckten Erwartungen und ab und zu tropfte es aus ihm kurz oder auch anhaltender. Die Temperaturen legten mehrere Bekleidungsschichten nahe.


Immerhin war das große Festivalzelt - bestehend aus vier Kuppeln - schon aufgebaut, das man auf dem Bild oben im Hintergrund erkennt. Darin sollte am Abend die Auftaktveranstaltung statt finden. Die Zeit bis dahin wollten wir dazu nutzen uns den Flussverlauf oberhalb von Mirabel et Blacons anzusehen.