Montag, 26. November 2007

177. Bentshaft-Paddel

Im Sommer letzten Jahres entspann sich eine längere Diskussion im Canadier-Forum über Bentshaft-Paddel. Darin dokumentiert sich der Entstehungsprozess meines ersten und dritten Bentshaft-Paddels. Das Zweite ist nämlich kein selbst gebautes sondern ein 'selbst gekauftes'.
Nach Abschluß eines lukrativen Honorarvertrags im Sommer'06 habe ich nämlich leichtgradig größenwahnsinnig sowohl das Bentshaft-Paddel als auch die Stakstange bei einem amerikanischen Versandhändler erworben. Dieser Kauf hätte total "in die Hosen" gehen können, hat sich aber letztendlich als absoluter Glücksgriff erwiesen.

In meinem Solokanu bin ich mittlerweile sehr häufig mit meinem 'Sawyer Manta, Dual Bent' unterwegs. Dabei wende ich eine etwas unorthodoxe Technik an: Ich knie und mache leichte Steuerschläge. Die ernsthaften Kanu-Marathon-Sportler betreiben "Sit'n'switch". Bei dieser Technik sitzt man regulär im Boot, stützt die Füße auf einer Fußstrebe ab und treibt das Boot mit harten kurzen Schlägen ohne Steuerbewegung bei regelmäßigem Seitenwechsel an. Dabei kommen Taktzahlen von durchschnittlich 50 Schläge pro Minute zusammen und der Seitenwechsel erfolgt nach fünf bis sieben Schlägen so rasant, dass der Takt kaum oder sogar überhaupt nicht unterbrochen wird.

Sonntag, 25. November 2007

176. Sonntagmorgentour

Der Neckar hat soviel Wasser, dass er den Anleger des Paddelklubs überspült. Aber das Wasser ist noch nicht höher als bis zur ersten Stufe der Treppe gekommen - daran entscheidet sich für mich immer, ob ich es wage Neckarabwärts um die Insel zu paddeln. Wenn der Pegel höher wäre käme man gegen den Wasserdruck beim Aufwärtspaddeln nicht mehr an. Ich habe mich also nach längerer Zeit wieder in den Solocanadier gefaltet und bin abwärts bis zum unteren Wehr gepaddelt. Da haben sie an einem der Anleger einen Stocherkahn vergessen. Der wird jetzt den Winter über im Wasser dümpeln. Wenn es Eis gibt geht er vermutlich kaputt. Da wäre es besser ihn mit einigen schweren Steinen zu versenken damit er - wie die Kähne im Spreewald das angeblich tun - unter Wasser überwintern kann. Im Frühjahr muß eben jemand die Steine rausholen, der Kahn kommt dann von selbst an die Oberfläche und kann ausgeschöpft werden.
Paddeln gegen die Strömung kann ganz ordentlich an die Kondition gehen - vor allem, wenn man - wie gegenwärtig - nicht so oft im Boot sitzt. Ich sollte irgendein Training machen (auch um mich für den bevorstehenden Wildwasserfrühling fit und beweglich zu machen).

Samstag, 24. November 2007

175. Zeltofen


Die Bodenseeeisfahrt fällt für uns aus. Ich kann meine Frustration darüber aber ganz gut wegstecken weil mich eine gewisse Grundeuphorie über den Freitag eingetroffenen Zeltofen trägt: Eigentlich hat so ein Zeltofen ja nicht unmittelbar etwas mit Canadiern zu tun. Faktisch ist es aber so, dass diese Canadier-Enthusiasten Pyramidenzelte (möglichst die sauteuren schwedischen Baumwollzelte) und dazugehörige Zeltöfen hochschätzen. Dem liegt vermutlich so eine Trapper-Romantik zugrunde, der ich mich auch nicht völlig entziehen kann. Ich versuche trotzdem noch ein wenig Realitätsbezug zu erhalten und habe mich beim Zelt für die transportfreundliche norwegische Nylon-Version und beim Ofen für den preisgünstigen USA-Import entschieden.
Freitag also konnte ich das Paket vom Zoll holen und den Ofen montieren - habe das gleich triumphal im Canadier-Forum kundgetan. Zunächst habe ich den Ofen in der mittleren Wanigan-Kiste verstaut aber da ist er nicht lang geblieben.
Heute habe ich nun wie angekündigt angeheizt: Den Kaffee habe ich noch nicht zum Kochen gebracht - aber schon mal behutsam Wasser erhitzt. Bevor ich das Feuer angemacht habe wurde eine Schicht Split auf den Ofenboden ausgebreitet (in der Natur nimmt man etwas Sand oder Erde) damit die Hize des Feuers nicht unmittelbar den Ofenboden durchglüht. Dass die verzinkten Ofenrohre zügig anfangen zu glühen zeigt die Aufnahme ohne Blitz. Ich überlege, ob ich da nicht noch ein wenig mit einem Umlenkblech experimentiere, dass die Hitze zunächst zur Kochfläche strömen lässt bevor sie über das Rohr nach oben entweicht. Die Zinkschicht des Rohrs schmilzt natürlich unweigerlich weg. Wenn der Ofen dann feucht gelagert wird rostet er selbstverständlich. Er nimmt nun Patina an und ich werde den Rost durch gelegentliches Einölen bremsen. Ganz aufhalten werde ich ihn nicht können.

Ich kann es kaum abwarten das Zelt schließlich aufzubauen und den Ofen darin zu betreiben. Aber bevor ich das einfach so machen kann muss ich noch ein paar Kleinigkeiten am Zelt verändern. Das Ofenrohr muss schließlich weit genug aus dem Zeltgiebel herausragen und so befestigt sein, dass es nicht an den Zeltstoff kommt und dass es bei Regen künftig nicht ins Zelt tropft. Einen Vorschlag dazu hat Fred im englischen Forum gemacht. Damit werde ich mich vermutlich nächste Woche befassen.

Freitag, 23. November 2007

174. böiger Wind in Aussicht

Die Bodenseeeisfahrt droht wegen Windböen und Nieselregen auszufallen. Fogendermaßen ließt sich der Bodenseewetterbericht:
Am Sonntag gibt es von Nordwesten verbreiteten Niederschlag, oberhalb 600 bis 800 Meter Schnee. Die Tageswerte liegen zwischen 1 und 5 Grad. Der Wind weht recht böig aus Südwest, auf der Albhochfläche mit Sturmböen. In der Nacht zu Montag schneit es zeitweise. Die Tiefsttemperatur liegt zwischen +1 und -3 Grad.
Der Wetterbericht verheißt ja nichts dramatisches aber meine Mitpaddler (und ein wenig auch ich selbst) sind zutiefst verunsichert. Rudi, der kajakfahrende Vereinssenior meint, dass das kein Wetter für Canadier ist. Ich bin da hin- und hergerissen. Da aber eine Entscheidung jetzt getroffen werden soll neige ich dazu die alte Portagenregelung zu befolgen - wenn Eine/r nicht fahren will tragen alle.
Die Idee, stattdessen morgen - bei angekündigt ganz passablem Wetter - auf dem Neckar zu paddeln ist angesichts des erwarteten Pegels (ca. 30cm über normal) auch nicht richtig erheiternd.
Bin etwas frustriert.

Donnerstag, 22. November 2007

173. Ultimate North

Heute habe ich Robert Douglas Meads "Ultimate North" zu Ende gelesen. Ich fand das Buch erstaunlich - in mehrerlei Hinsicht. Der Autor unternimmt eine mehrwöchige Flussfahrt auf dem Mackenzie-River mit seinem ältesten Sohn Jim aber über das Verhältnis der beiden erfährt man eigentlich nichts. Die Fahrt selbst über eine über zweitausend Kilometer lange Distanz durch die Wildnis wird als Aneinanderreihung von Begegnungen mit Menschen auf dem und am Fluss geschildert. Dabei wird eine Zersiedelung des Flusses beschrieben, die ich in keinem anderen Buch über die kanadische Wildnis wiedergefunden habe - ich gehe jetzt mal davon aus, dass der Autor einfach die gewiss langen Passagen durch unberührte Natur etwas vernachlässigt hat weil er - wie er selbst schreibt - den Kontakt mit den Menschen in der Gegend suchte.
Er beklagt, dass seine Flussfahrt stets langsamer als die - parallel in all ihren Etappen detailliert beschriebenen - Expedition von Alexander Mackenzie aus dem Jahr 1789 war - hält sich aber trotzdem immer wieder lange in Siedlungen am Fluss auf, was ja auch kein Fehler sein muss wenn man die Menschen kennen lernen will.
Die - wie ich finde - viel beachtlichere Rückfahrt Mackenzies flussaufwärts im beginnenden kanadischen Herbst wird auf wenigen Seiten abgehandelt (der Autor selbst fliegt von der arktischen Küste zurück in den Süden).
Trotz der Skepsis, die ich dem Buch von 1976 entgegen bringe habe ich es verschlungen (vielleicht weil die darin vorkommende Zeitgeschichte [Richard Nixons Rücktritt,...] Teil meines politischen Bewußtwerdungsprozesses war) und gleich ein neues bestellt, das von der gleichen Gegend handelt. Es ist heute eingetroffen (obwohl noch zwei weitere ungelesen auf mich warten): "Into the Wild" von Jon Krakauer. Es wurde dieser Tage im kanadischen Forum einiges darüber geschrieben weil ein neuer Film darüber in die Kinos kam (bei uns kommt er erst Ende Januar).

Mittwoch, 21. November 2007

172. Bodenseeeisfahrt 2006

Als ich vorgestern voller Vorfreude über die bevorstehende Bodenseeeinsfahrt geschrieben habe musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich die letztjährige Fahrt hier offenbar gar nicht dokumentiert habe. Dabei gibt es Bilder von dieser Seequerung im letzten November bei wunderbarem Septemberwetter.
Das Bild oben zeigt Rudi am Ufer der Insel Reichenau, die ungefähr auf halbem Weg liegt bevor es über den offenen See hinüber nach Iznang geht. Der Start ist in Konstanz am hochwasserfesten Ufer des schmalen Durchstichs vom Ober- in den Untersee. Die Kontanzer Paddler haben da einen prächtigen Schwimmsteg, dessen Abstieg bei diesem Winkel und der im Herbst vorherrschenden Witterung entsetzlich rutschig ist.
Die Masse an Booten erschreckt zunächst, doch auf dem See verteilen sie sich dann so, dass man manchmal weit und breit keines sieht - bei widrigen Witterungsbedingungen ein eher beunruhigender Gedanke. Die Wasserpolizei und der DLRG sind allerdings mit Motorbooten auf der Strecke.
Das Ende der Fahrt ist in Iznang beim dortigen Paddelklub - die Anfahrt vom See her ist etwas seicht gewesen im letzten Jahr - ich hätte meine Stakstange mitnehmen können, wäre aber bestimmt im Morast hängen geblieben.
Rudi hatte noch am Morgen das Auto von Konstanz nach Iznang gefahren und war mit dem von den Organisatoren eingesetzten Bus zurück gekommen. So konnten wir nach Ende der Fahrt nun gleich die Boote aufladen und nahmen im Vereinsheim ein deftiges Mahl zu uns bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Dienstag, 20. November 2007

171. noch ein Paddelblog

Gestern bin ich über das englische Forum auf einen anderen Paddelblog gestoßen - da beschreibt eine Journalistin aus Wales unterschiedliche Paddeltouren - zuletzt in Polen aber auch auf Malorca und im windig regnerischen Wales und Schottland. Liest sich nett - sie schreibt längere Texte als ich, dafür seltener und als Fotojour- nalistin sind ihre Bilder natürlich billant.
Ich habe mit ihr vereinbart, dass ich ihren Blog hier am Rand mal verlinke.