Samstag, 16. Januar 2010

Weihnachtsbäume

Als ich eben anlässlich strahlenden Sonnenscheins eine kleine Neckarinselrunde gedreht habe sind mir allenthalben Weihnachtsbäume begegnet. Schon im Bootshaus hat jemand welche abgelagert. Ausgerechnet da wo ich immer die Leiter hin stellen muss um an mein Wildwasserboot zu kommen - zuletzt vergangenen Sonntag. Offenbar rechnen die wenigsten damit, dass in dieser Jahreszeit gepaddelt wird. Im Neckar selbst dümpelten ebenfalls diverse Weihnachtsbäume, die von irgendwelchen Witzbolden da hinein geworfen worden sind. Das Wasser war erstaunlich klar und der Wasserstand niedrig.
Dabei ist es warm und die Schneemassen schmelzen. Ich hatte mit mehr Wasser gerechnet und fürchte - da es jetzt wieder kälter wird -, dass auch morgen nicht nennenswert mehr Wasser auf den Bächen ist. Da werde ich wohl doch mit Ole ins Kino gehen statt das Paddel zu schwingen.





Klemens hat Bilder von dieser absurden Renaturierengsmaßnahme weiter oben am Neckar geschickt, deren Fortschritte wir weiterhin aufmerksam verfolgen. Sie leiten den neu gebildeten Kanal tatsächlich noch vor der rauen Rampe zurück in den Fluss. Da, wo der Kanal angelegt wurde wird sich vermutlich nie vernünftige Strömung entwickeln, da direkt darüber das Wehr liegt, das den Großteil des Wassers zum Kraftwerk führt.

Schleifarbeiten

Die unterbrochene Arbeit an der hölzernen Polingstange geht weiter. Ich habe nun doch das obere Ende zum Messingring hin die Stange rund ausgehobelt (Durchmesser 3,5cm), das untere Ende zum Schuh hin jedoch achteckig gelassen. Eine Funktion hat das nicht aber damit wird erkennbar, dass das keine gekaufte runde Vorhangstange sondern eine handwerklich gefertigte Polingstange ist. Das mag eitel erscheinen, ist es wahrscheinlich auch. Auch dass ich mein heute eingetroffenes neues Lieblingswerkzeug mit aufs Bild gebracht und gleich mal an einem Holzklotz erprobt habe ist ein Akt der Eitelkeit denn das hat nun herzlich wenig mit dem Paddeln zu tun und wird - wenn ich mich nicht zum Naturkünstler aufschwinge - nicht einmal in die Ausrüstungskiste kommen. Mit dem Dechsel von Svante Djarv, den ich über Ray Mears Online Shop erworben habe, habe ich mir einen mindestens zwanzig Jahre alten Wunsch erfüllt.







So einen habe ich nämlich - als ich 1989 in Schweden gelebt habe - öfter benutzt und war stets begeistert von der Effizienz dieses Werkzeugs. Dass ausgehöhlte Hölzer selten benötigt werden (es sei denn man produziert Einbäume - was das Werkzeug dann doch als genuin Kanuspezifisch einordnen würde) finde ich nachrangig.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Poling als Sport

Als ich mich letzthin mal wieder mit dem Buch von James West Davidson und John Rugge beschäftigt habe bin ich erneut auf den Literaturhinweis zu einem Buch der Beletz-Brothers, (Al, Syl und Frank) gestoßen. Das Buch konnte ich bisher nicht finden. Wohl aber ein recht interessantes PDF-Dokument in dem ein wenig auf die Geschichte des Modern Poling, also Poling als Wettbewerbssport eingegangen wird. Offenbar waren die Beletz-Brothers maßgeblich an der Ausrichtung der ersten Wettbewerbe und an der Entwicklung des Reglements beteiligt. Dafür wurden sie bei den Canoe Poling Nationals im Jahr 2008 geehrt.

Beim Betrachten der Bilder in diesem Flyer fällt auf, dass Harry Rock - langjähriger Champion und unumstrittener Meister dieses Faches - einen roten MadRiver Explorer fürs Poling verwendet (allerdings einen aus Kevlar), aus dem er jegliche Sitze entfernt und in den er vorne und hinten großvolumige Luftsäcke eingeschnürt hat.
Hm, auch das ist eine denkbare Variante für den in Wiederher- stellung befindlichen PE-Explorer von Raphael.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Double Bent Shaft 7

Am Wochenende und Gesternabend habe ich die abschließenden Arbeiten an Jürgens Paddel vorgenommen - der Griff musste gerundet werden (ich habe ihn sehr ballig belassen damit Jürgen ihn dann für sich anpassen kann) und der Schafft war zu hobeln. Das geht mit dem Schweifhobel erfreulich gut. Es kam noch zu kleineren Komplikationen weil ich einen Sperrholzsstreifen etwas zu knapp eingeleimt hatte (er hatte sich beim Verleimen verschoben), so dass ich einen kleinen Streifen zusätzlich anleimen musste. Jetzt ist das Paddel jedoch so weit grob vorbehandelt, dass Jürgen die abschließenden Schleifarbeiten selbst vornehmen kann. Da muss jetzt erst mit grobem und dann immer feinerem Schleifpapier gearbeitet werden und dann sollte das Paddel Griffabwärts dicht versiegelt werden weil ja Birkenholz eigentlich denkbar ungeeignet für den Kontakt mit Wasser ist. Den Griff würde ich wohl einölen. Aber das muss Jürgen entscheiden. Ich werde noch die Ränder des Paddelblatts nachbehandeln, dann muss ich einen passenden Karton suchen und dann geht die Post ab. Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich mich jetzt wieder anderen liegen gebliebenen Projekten zuwenden kann. Die Arbeit an dem Paddel war ein wenig aufwändiger als ich das von der Arbeit am ersten solchen Paddel in Erinnerung hatte.

Dienstag, 12. Januar 2010

Robert Perkins

Wieder habe ich ein Buch über eine Kanuexpedition in Labrador gelesen - eine Gegend, in die es mich eigentlich überhaupt nicht zieht, die mich aber doch enorm fasziniert (True North, Herb Pohl, Hubbart und Wallace, Great Heart und nicht zu vergessen The Complete Wilderness Paddler).
Robert Perkins beschreibt in "Against Staight Lines" seine Solotour durch den Nordostzipfel dieses riesigen Teritoriums, die er im Jahr 1979 unternommen hat. Er hat sich an der Mündung des Palmer Rivers absetzen lassen, ist diesen hinauf getreidelt, hat "The Porch" übertragen und ist dann den Korok River hinab gereist (wobei er auch einen größeren Wasserfall und mehrere Stromschnellen umtragen musste). Die Reise flussauf, die etwa ein Viertel der Strecke ausmacht füllt zwei Drittel des Buches. Dieser Teil - die Schilderung der Abfahrt auf dem Korok - bildet den vergnüglicheren Teil. Die ersten beiden Drittel des Buchs fesselten mich trotzdem weil in ihnen die Höhen und Tiefen der Soloexpedition mit Erfahrungen von anderen Kanureisen verbunden werden (und trotz der selbstreflektiven Abschnitte über Perkins Psychatrieerfahrungen, die etwas wahllos eingestreut scheinen).
Das Buch ist mit schwarz/weiß wieder gegebenen Wasserfarbzeichnungen (und Bildern aus dem Logbuch) illustriert, die der Autor während seiner Reise angefertigt hat. Er hatte es nicht eilig und hat sich da, wo es ihm gefiel (oder auch mal da, wo ihm der Wind zu heftig entgegen blies) länger aufgehalten.
Es gibt spannendere Bücher über Labrador (oben habe ich welche verlinkt) und es gibt aufregendere Soloexpeditionen aber Perkins Buch macht Mut so eine Reise anzutreten, keinen zu hohen Anspruch an sich zu stellen und doch allerhand zu erleben. Es gibt also noch Hoffnung für "Armchair-Travellers" wie mich...

Sonntag, 10. Januar 2010

Abschiedsfahrt

Ein letzter Paddelausflug mit dem alten Auto führte uns heute wieder mal nach Horb zu den dort neu angelegten Buhnen. Montag in einer Woche gibts ein neues Auto und unser altes wird wohl künftig in Nordafrika herumkurven. Da macht es auch nichts, dass die Heizung nicht mehr besonders wirkungsvoll ist. Allenfalls dass es inzwischen über 215000 Kilometer auf dem Buckel hat macht da vielleicht noch ein wenig aus.

Aber zurück zum Paddeln: Wir haben die Wildwasserboote am Bootshaus geholt und ich entschied mich für den Fantasy weil ich mich nicht in den kleinen engen Phantom zwängen wollte und abzusehen war, dass wir viel gegen die Strömung padden mussten. Der Fantasy ist schnell, lässt sich aus Kehrwassern heraus auch gegen den Strom beschleunigen und er lässt sich wunderbar bis an die Süllrandkante aufkanten.

Als wir in Horb angekommen waren und uns in unsere formidablen Trockenanzüge warm eingepackt hatten gingen wir zunächst mit den Booten ein wenig Schlitten fahren. Irgendwann gingen wir dann doch aufs Wasser und paddelten bis hinauf zur Eisenbahnbrücke stromauf um dann in vielfachen Schleifen jedes Kehrwasser nutzend wieder abzufahren.
Kehrwasser gibt es dort jede Menge. Sie sind alle hinreichend groß und tief und die Kehrwasserlinien so klar unterscheidbar, dass der Abschnitt eine ideale Trainingsstrecke für Anfänger ist. Und für solche, die bei -4° nicht unbedingt baden gehen wollen.
Hier und da findet sich sogar eine kleine Welle, in der sich surfen lässt, was wir auch tapfer betrieben haben bis uns irgendwann die Puste ausgegangen ist und wir unsere Schlitten - nein - Boote wieder zurück zu den Autos gezogen haben.
Unterwegs haben wir uns noch von einer Spaziergängerin ablichten lassen um unsere Heldentaten auch hinreichend dokumentieren zu können. Beim Auto schließlich stellte sich heraus, dass inzwischen alles, was vorher noch nass gewesen war, fest und steif gefroren war. Insbesondere die Riemen meiner Schwimmweste machten mir Schwierigkeiten. Rolf half mir heraus. Die Boote auf dem Dach wiesen eine feste Schicht Eis und jede Menge kleine Eiszapfen auf und die rote Socke am Heck meines Bootes stand seitlich ab. Zurück in Tübingen lagerten wir die Boote eisbedeckt wie sie waren wieder im Bootshaus ein. Es wird schon keinen tiefen Frost geben, der zu Coldcracks an den Süllrändern führt.

Letzter Versuch

Während der Leim an den letzten Ausbesserungsarbeiten vor Fertigstellung von Jürgens Paddel abbindet habe ich mein gutes altes Bending Branches 'Loon', das ich schon vielfach geflickt habe und das ich ganz ursprünglich mal in einem Kehrwasser dümpelnd und leicht angegammelt im Neckar gefunden habe, mit einem weiteren Stück Holz versehen. Es war mir im September kaputt gegangen als ich damit laut aufs Wasser geklatscht habe um einen angriffslustigen Schwan zu vertreiben. Diesmal habe ich mir nicht mehr viel Mühe gegeben. Aber ich habe bewusst ein Stück dunkles Holz gewählt damit die Reparatur klar erkennbar bleibt. Um dieses grob zurecht geschnittene und geschliffene Stück Holz fest leimen zu können musste ich mir noch eine kleine Zulage basteln. Dennoch üben die Schraubzwingen kaum Druck auf die Leimnaht aus. Das wird nicht mehr lange halten. Wenn es das nächste Mal kaputt geht behalte ich den Paddelschaft und apliziere ein kopiertes Blatt.