Montag, 22. Dezember 2008

Eyach revisited

Gestern waren wir also wieder an der Eyach - es war der vierte Advent und Wintersonnenwende und es gab sechs Kenterungen, von denen ich die Hälfte auf mein Konto verbuchen kann. Aber der Reihe nach:

Dass es an die Eyach geht stand eigentlich schon am Vorabend fest als sich abzeichnete, dass der Pegel sich erfreulich günstig entwickelte. Günstig insofern als mit erkennbar mehr Wasser als beim letzten Mal zu rechnen war, aber nicht mit immensen Fluten.
Beim Bootshaus trafen wir uns um 10:00 Uhr und waren da schon zu acht. Mit Anhänger und zwei Autos fuhren wir zum verabredeten Treffpunkt in Owingen wo Michel schließlich als neunter zu uns stieß. Wir zogen uns um, ließen Michels Auto mit den trockenen Klamotten in Owingen an der Kapelle auf dem Friedhofsparkplatz stehen und entschieden uns spontan nicht schon ab Balingen sondern noch ein Stück weiter ab Frommern zu paddeln. Auf der Karte macht der Fluss von dort bis etwa Balingen lauter nette kleine Schlaufen und hat nicht ganz so viel Gefälle. Das machte uns neugierig.

Die Wettervorhersage war mittelprächtig. Es sollte warm werden (bis zu 10°+) aber auch teils ergiebigen Dauerregen geben. Ganz so warm wurde es nicht und der Regen beschränkte sich auf gelegentliches Nieseln, das man auf dem Fluss gar nicht wahrnahm.

In Frommern bogen wir beim städtischen Arbeitshof ab und entluden die Autos bei einem alten Bauernhof. Der Besitzer kam gerade vorbei, schaute interessiert zu und bot uns an, die Boote nicht an der steilen Böschung sondern über seinen Hof an einer flacheren Stelle einzusetzen. Wir nahmen das Angebot gerne an. Dann paddelten wir los.

Die Eyach mäandert hier – bei diesem Wasserstand nicht unbedingt langsam - in zahlreichen Schleifen Richtung Balingen. Der Flussrand ist von vielen Bäumen gesäumt und einige von ihnen haben beschlossen den Fluss zu überqueren. Das gelingt ihnen nicht richtig und sie bleiben unterwegs im Fluss liegen. Aber auch die, die es ans andere Ufer schaffen, bleiben dummerweise auch am Ursprungsufer hängen. Wir mussten diverse Male aussteigen und umtragen, so dass dieser erste Abschnitt schon zu einer etwas strapaziösen Angelegenheit wurde. Claudius paddelte stets voraus und warnte uns rechtzeitig vor Hindernissen.

Ich absolvierte meine erste Kenterung als ich – mal wieder – an einen dünnen und biegbar scheinenden Zweig heran trieb, unter dem ich hindurch wollte, der mich aber nicht hindurch lassen wollte. Den Lehrsatz, „zum Hindernis hin lehnen“, im Bewusstsein versuchte ich den Zweig hoch zu biegen, nahm dabei zur Kenntnis, dass es sich bei dem „Zweig“ um einen ernst zu nehmenden „Ast“ handelte und verkantete das Boot so, dass ich mich immer weiter vom Hindernis weg lehnte und der Strömung immer mehr Bordwand als Angriffsfläche bot. Das Bad war unausweichlich. Mein dichter und wärmender Trockenanzug bestand seine erste Bewährungsprobe auf dieser Fahrt.

Vor Balingen waren zwei Stufen zu bewältigen, die ebenfalls vorher besichtigt wurden und als fahrbar bewertet werden konnten. Erste Surfwellen wurden bespielt, ich hielt mich zurück weil ich ja wusste, dass der richtig lebhafte Flussabschnitt erst noch vor uns lag.


In Balingen kam das erste nun wirklich nicht befahrbare Wehr dem ein nettes Cafè gegenüber liegt. Die Versuchung war groß uns in unseren Paddelklamotten auf der Außenbestuhlung nieder zu lassen und einen gepflegten Cappuccino zu uns zu nehmen. Wir rissen uns zusammen.
Allerlei Sonntagsspaziergänger beobachteten unsere Umtrageaktion und die weitere Fahrt durch das Zentrum.

In Balingen wird der Fluss schon etwas flotter und ist mit allerlei kleinen Steinhindernissen durchsetzt, die aber beim gestrigen Wasserstand nicht sonderlich aus dem Wasser ragten. Das zweite Balinger Wehr umtrug ich gleich da ich es ja vom letzten Mal her kannte. Einige andere wählten - nach gründlicher Besichtigung von der darüber hinweg führenden Brücke - die richtig flott fließende Fischtreppe als Abfahrtsstrecke. Liesl durchschwamm sie größtenteils, kam aber wohlbehalten unten an und kletterte – nachdem ihr Boot etwas mühsam an Land gebracht wurde - wieder an Bord.
Dann kam der wirklich hübsche Teil der Eyach. Unterhalb von Balingen durchfließt sie ein langes Waldtal und hat allerlei Stufen und ein/zwei Gefällestrecken, die von großen Felsen durchsetzt sind.
In der ersten dieser Gefällestrecken bekam ich gefährlich Schlagseite und konnte eine Kenterung durch eine vorbildliche Paddelstütze abwehren.

Bettina und Claudius lobten mich bei der darauffolgenden Kehrwassereinfahrt so überschwenglich, dass ich hochnäsig und etwas unachtsam ins leicht überfüllte Kehrwasser schwenkte, auf einen Stein aufsetzte und gleich überkippte – Kenterung Nr.2 – sehr unehrenhaft, peinlich vor versammeltem Publikum. Ich bewahrte Würde und buchte sie gewissermaßen unter „überhasteter Ausstieg“ ab denn wir beschlossen an dieser Stelle eine kleine Vesperpause zu machen.

Wir nahmen allerhand Speisen und warme Getränke zu uns was auch höchste Zeit war, denn inzwischen war es wohl schon nach 14:00 Uhr. Danach paddelten wir weiter und absolvierten den Rest der Gefällestrecke, die unterhalb unserer Raststelle von großen Felsen durchsetzt war hinter denen sich – in Relation zu diesem kleinen Fluss – recht gewaltige „Löcher“ verbargen. Die meisten umschiffte ich einigermaßen geschickt, in das letzte geriet ich aber hinein weil sich mein Boot schon davor ungewollt quer gestellt hatte. Es gelang mir so ins Loch zu rutschen, dass mein Heck flussabwärts zeigte. Ich surfte ein wenig ohne auch nur so zu tun, als sei das Absicht und konnte mich recht schnell aufrecht nach hinten aus dem Loch herauswinden. Claudius erging es an der Stelle gleich nur dass sein Manöver ungleich graziöser und absichtlicher wirkte als meins.
Inzwischen nahm ich eine gewisse Ermattung wahr und machte mir Gedanken, ob es nicht einigen anderen auch so ging und ob es nicht erheblich pfiffiger gewesen wäre, gleich von Anfang an nur den etwas kürzeren Abschnitt ab Balingen zu paddeln. Nun ja, jetzt mussten wir den Rest auch noch hinter uns bringen.

Auf eine etwas schräg verlaufende Stufe zufahrend sah ich schon, wie die vor mir paddelnden alle nach dem Absatz wie auf einem Laufband recht flott nach rechts huschten – Maja, die vor mir unterwegs war, sauste richtig bis ans rechte Ufer, das von einem großen Stein gebildet wurde über dem in Augenhöhe ein garstiger Ast ins Wasser ragte – sie kenterte und entging damit einer Kollision. Ich gab Gas und kam gut über die Stufe weg, spürte deutlich den rechts gerichteten Rücklauf und konnte mich mit Hilfe meines Schwungs mit ein/zwei Paddelschlägen daraus befreien. Eine weitere brenzlige Situation war bewältigt. Maja kletterte wieder ins Boot und es ging flott weiter.

Weitere Stufen ließen sich abpaddeln und unter einer kenterte Bettina, die sich aber elegant und routiniert mit einer Eskimorolle wieder in die Aufrechte brachte. Nachher erzählte sie, dass sie verwundert war, wie dunkel es in dem trüben Wasser gewesen war. In unserem Freitäglichen Hallenbad-Training sieht man unter Wasser erheblich mehr als in der etwas aufgewühlten braunen Eyach.

Dann galt es das nächste Wehr, an dem gerade gebaut wird, zu umtragen. Wir hatten einen ziemlich weiten Weg um Bagger und Baumaterial herum zu bewältigen und der verschlammte Boden war auf den oberen zwei/drei Zentimetern getaut. Darunter war er noch vereist - eine rutschige Angelegenheit.
Auf dem folgenden Abschnitt absolvierte ich meine dritte und letzte Kenterung. Ich war müde, der Fluss war noch hellwach und für meine Verhältnisse einfach zu lebhaft so dass ich quer in eine etwas garstige Walze geriet und das Boot umschlug. Wie bei den beiden vorigen Malen war ich meinem Trockenanzug wieder sehr dankbar, pries innerlich mal wieder die teure Anschaffung und rette mich und das Boot wieder mal selbst so das auch diese Badeeinlage niemandem zu Last fiel. Die anderen warteten geduldig bis ich mein Boot wieder entleert hatte.
Nichtsdestotrotz sammelte sich in dem nun folgenden letzten Abschnitt wieder massig Wasser im Boot – hohe Wellen und etwas plump frontal durchpflügte Schwälle ließen immer wieder nicht völlig unbeträchtliche Mengen Wasser ins Boot schwappen. Claudius hatte eine kleine Pumpe in seinem Boot mittels derer er sich solch lästiger Wassermassen entledigte. Mir schwappte das Wasser im Boot und machte es deshalb noch etwas schwerer manövrierbar. Eine meiner nächsten Anschaffungen wird eine kleine Lenzpumpe sein.
An der Aussatzstelle angekommen zerrten wir die Boote aus dem Wasser, zogen uns zügig um und düsten in Michels kleinem Panda zu den in Frommern parkenden Autos, dann zurück zur Aussatzstelle, wo inzwischen Nieselregen eingesetzt hatte. Zügig wurden in der fortgeschrittenen Dämmerung die Boote und die nasse Ausrüstung verladen und es ging heim nach Tübingen wo wir kurz vor 18:00 Uhr am Bootshaus ankamen und das Gerümpel verstauten.

Die meisten waren abschließend ganz zufrieden mit der Fahrt. Mir selbst war sie etwas zu lang – ich wäre mit dem Abschnitt ab Balingen zufrieden gewesen obwohl ich auch gerne den Abschnitt oberhalb kennen gelernt habe. Aber konditionell war ich nach zwei Dritteln der Strecke doch ziemlich am Ende und das ist dann gerade der Abschnitt, in dem etwas mehr Konzentration verlangt ist. Ich vermute, dass meine letzte Kenterung auch bei wacherem Bewusstsein stattgefunden hätte, da die garstige Walze doch etwas über meine Verhältnisse ging, aber – wer weiß – vielleicht wäre es mir ja gelungen sie nicht quer sondern frontal anzufahren. Dann wäre ich möglicherweise gut drüber weg gekommen.
Die Wetterbedingungen waren gestern längst nicht so sonnig wie vergangenen Sonntag aber es war einigermaßen mild und dass kein ernsthafter Regen einsetzte verhalf der Fahrt auch zu höherer Erlebnisqualität (man stelle sich nur vor bei Regen auf der Wehrbaustelle durch den angetauten Matsch die Boote zu umtragen). Alles in allem war das ein gelungener Wildwasserjahresabschluss für mich – die nächsten Tage und Wochen werde ich es mal etwas ruhiger angehen und allenfalls im Flachwasserboot zugange sein. Mal sehen...

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