Sonntag, 15. September 2013

Neckar statt Argen


Für den heutigen Sonntag hatten wir uns eigentlich eine Fahrt an die Argen (wie im April) vorgenommen. Aber die Pegel machten nicht mit. Auch nicht auf den sonstigen lokalen Kleinflüssen, die alle vorgestern noch befahrbar waren. Morgens um Neun, als wir uns am Bootshaus treffen wollten, regnete es obendrein, so dass ich eigentlich gar nicht damit rechnete, dass jemand paddeln gehen wollte. Sehr zu meiner Überraschung kamen aber acht paddelfreudige Enthusiasten zusammen und wir entschieden uns mangels Alternativen für den oft und gerne befahrenen Neckarabschnitt zwischen Sulz und Horb.

Bei der Anfahrt kam es zu einigenVerwirrungen weil der Neckartalweg am heutigen Tag für den Autoverkehr gesperrt war. Wir mussten über die Autobahn zunächst nach Horb fahren, wo Renés Auto zurück gelassen wurde. Dann fuhren wir - erneut über die Autobahn - nach Sulz.
Dort setzten wir die Boote unterhalb des Wehrs ein. Der Neckar hatte ein wenig mehr Strömung als beim letzten Mal im Mai. Dennoch gab es bereits zu Anfang zahlreiche Abschnitte, auf denen wir eine reine Wanderfahrt unternahmen. Ganz gelegentlich kam mal ein kleiner Schwall aber selbst bei diesen kleinen flachen Stromzungen war es nicht immer möglich in die viel zu seichten Kehrwasser einzuscheren. Zum Ausgleich gab es schöne Landschaft und erstaunlich gutes Wetter.

An einer Stelle hing im Ufergebüsch ein grober Gewebelappen, der sich bei näherer Betrachtung als völlig delaminiertes GFK-Boot entpuppte. Auch nach eingehender Analyse ließ sich nicht ermitteln, um was für einen Typ es sich handelte.

Im weiteren Verlauf unserer Fahrt stießen wir immer wieder auf Teile des alten Bootes, das offenbar bei einem Hochwasser mitgerissen und von der Strömung zermalen worden ist. Das ist ein trauriges Bootsschicksal.


Munter plaudernd bewegte sich unsere Gruppe aus fünf Kajaks und drei Canadiern (allsamt für diese Strömungsverhältnisse völlig unangemessene Wildwasserboote) weiter den breiten und dicht bewachsenen Fluss hinunter. Der Autofreie Sonntag brachte es mit sich, dass wir auf unserer Fahrt weitgehend keinen Motorenlärm wahrnahmen.


Statt Autogeräuschen drangen allerdings immer wieder Blasmusikklänge von unterschiedlichen Festivitäten zum Fluss. Ich bin mir nicht richtig sicher, welche Geräuschquelle mir lieber ist.


Am Fischinger Wehr lag wieder das ingeniöse Ruderboot aus einem alten Ölfass. Ich unterzog es einer eingehenden Inspektion und bin sehr zufrieden mit dem guten Erhaltungszustand dieses prachtvollen Wasservehikels.

Das Wehr rutschte jede/r von uns hinunter obwohl nur recht wenig Wasser über die doch überraschend raue Betonfläche floss. Beim nächsten Mal werde ich es wieder umtragen um mein Boot etwas zu schonen.

Beim Eintauchen ins Wehrbecken bekam ich einen gehörigen Wasserschwall über den Bug. An der harten Betonkante lässt es sich nicht boofen. Aber ich hatte ja die im Mai eingebaute Pumpe an Bord.


Schließlich kamen wir an die alte Holzbrücke unterhalb Fischingens, an der wir eine kleine Pause einlegten. Erstmalig las ich die Bronzetafe, die an einem Findling vor der Brücke angebracht wurde, auf der Hintergrundinformationen stehen.


Demnach sind die ältesten Teile der Eichenholzbrücke fast achthundert Jahre alt. Sie wurde diverse Male saniert und ihr mittleres Joch steht auf der Grenze zwischen Nord- und Südbaden. Ich durchschaue diese historischen Landesgrenzen nicht. Ich bin immer davon ausgegangen, dass unser Landesteil der württembergische ist.

Nach unserer Pause tobten wir uns noch ein wenig in der kleinen Stromzunge oberhalb der Brücke aus. Dort ließ sich früher erheblich besser traversieren und es konnten zackige S-Turns gefahren werden. Aber auch heute macht die Stelle noch Spaß.


Dann galt es die beiden Solschwellen unterhalb von Dettingen zu überwinden, was uns wechselnd gut gelang. Zwar kenterte niemand aber auch nicht jeder war mit seinem Boof zufrieden. Bei mir schwappte auch wieder zu viel Wasser ins Boot.
Wir überholten eine ziemlich große etwas durchnässte Pfadfindergruppe in Tandemcanadiern und erreichten nach einer etwas mühsamen Durststrecke auf stehenden Wasser Horb, wo wir die Boote aus dem Wasser hoben.
Dort schien erfreulicherweise die Sonne, so dass wir uns im Warmen umziehen konnten. Die Autos wurden aus Sulz geholt und abschließend ging es noch in das benachbarte Café, wo wir Kaffee und Kuchen zu uns nahmen. So schlossen wir unsere sonntägliche Paddeltour ab.


Diese und weitere Bilder dieser Fahrt finden sich in einem Webalbum.

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