Samstag, 21. Oktober 2023

Problemlösung

 
Unlängst habe ich mich ja über diese nervige Herbstlaub auf und unter der Wasseroberfläche beklagt, dass sich bevorzugt vor dem Bug ansammelt, eine plätschernde Bugwelle erzeugt und den Flow (sowie spürbar auch den Vortrieb) beim Paddeln  beeinflusst. Negativ!

Der Steven des Sandpipers ist - anders als bei allen anderen Solobooten, die mir zur Verfügung stehen - stark gewölbt und an der Wasserlinie (das sieht man auf dem Bild oben) so flach, dass Blätter sich da nicht lange halten können. Sie werden untergepflügt.

Ich habe deshalb für die kommenden sechs Wochen den kleinen Sandpiper im Bootshaus eingelagert, der gewöhnlich zuhause über dem Sofa hängt damit ich schnellen Zugriff auf ihn habe, wenn ich spontan zu Paddelexkursionen aufbreche. Ich habe an dieser Stelle den guten alten Independence untergebracht, dessen Süllränder mal eines sanften Schliffs und neuen Leinöls bedürfen. Dafür habe ich bis voraussichtlich Dezember genug Zeit.

Ab Dezember - so hoffe ich - ist das meiste Laub von den Bäumen gefallen. Dann werde ich meine Neckarinselrunden wieder mit dem schnellen Advantage absolvieren, dessen Steven so steil ist, dass sich da die Blätter aufstapeln. Ähnlich ging es mir mit dem blauen Sojourn, den ich bis vor kurzem für das Boot der Wahl hielt.
Die SoloTourenboote lagern nun friedlich vereint im Bootsregal. Den roten Jensen C-1W werde ich wieder verkaufen weil er mir doch zu schwer und von seiner Charakteristik her zu dicht am Advantage ist. Vor dem Verkauf bekommt er eventuell die Sitzanlage des Advantage eingebaut mit der ich mich nicht anfreunden kann. 

Auf meiner heutigen Paddelrunde hatte ich den Fluss schon fast für mich allein. Die Stocherkähne werden gerade eingelagert, der Verleiher hat seine Flotte letzte Woche schon aufs Trockene gebracht und SUPs ließen sich auch nicht blicken. Ich habe mir fest vorgenommen solange das Wasser nicht gefroren ist mindestens zweimal die Woche zu paddeln.

Montag, 16. Oktober 2023

Riedlingen - Rechtenstein


Sonntag fand nun die jährliche Riedlingen-Rechtenstein-Fahrt statt. Das Wetter hatte sich zum Wochenende hin abgekühlt. Den Samstag über hatte es sogar mal längere Zeit geregnet. Bei trockenem Wetter aber bedecktem Himmel setzten wir die Boote in Riedlingen ein,


Immer wieder blitzte die Sonne durch. Wir waren zu fünft, zwei Kajaks und drei Canadier. Gleich zu Anfang galt es zwei seichte Passagen zu überwinden. Danach wurde der Fluss tiefer, das am Wehr abgeleitete Wasser kam wieder dazu und die Strömung beschleunigte sich.
In Zwifaltendorf machten wir eine Pause. Eine dunkle Wolke erzeugte Fallwinde und einige Regentropfen fielen während wir unter der Straßenbrücke unsere Vesperbrote aßen und mitgebrachten Tee und Kaffee aus Thermosflaschen schlürften. Dann brachen wir wieder auf.

Wir hatten bereits knapp 10 Kilometer zurückgelegt. Die übrigen sechs führten weiter durch eine bunte Herbstlandschaft. Allmählich (vor allem in der Sonne) wurde es auch etwas wärmer. Zahlloses Federvieh bewegte sich auf und am Wasser.
Herbstlaub trieb auf dem Fluss aber das kleine leichte Boot mit den flachen Steven schob es einfach unter sich, so dass sich keine lästigen Laubansammlungen vor dem Bug bildeten.
Nach einiger Zeit erreichten wir die Mündung der Braunsel, in die wir - wie immer - neugierig hinein schauten. Hinein paddeln darf man ja bedauerlicherweise nicht.

Dann kamen wir nach gut drei Stunden (mit Pause) in Rechtenstein an und stiegen unterschiedlich graziös an dem schmalen Metallsteg aus, der dort installiert worden ist. Er ist nicht wirklich für schmale lange Boote geeignet. Eine Reihe von Uferstufen wäre hilfreicher.
Die Strecke zwischen Riedlingen und Rechtenstein muss ich natürlich auch einmal flussauf paddeln. Nach meinem gerade abgeschlossenen Donau-Projekt erschien es mir fast wie Schummeln nur flussab zu fahren. Sollte ich diesen Abschnitt hinauf paddeln muss ich das allerdings in mindestens zwei - eher drei Abschnitten machen. Von Rechtenstein nach Zwifaltendorf sind es sechs Kilometer. Die sind zu bewältigen. Der Abschnitt darüber ist für eine Fahrt aber zu lang. Vermutlich sollte ich bis Daugendorf paddeln und dann nochmal bis Riedlingen.


Dorthin fuhren wir jetzt mit den beladenen Autos um zum dritten Auto zu kommen und um im Café "Stadtgespräch" Kaffee und Kuchen zu uns zu nehmen. Es war eine nette Runde, wir plauderten und planten weitere Fahrten. Schließlich traten wir noch bei Tageslicht den Heimweg an.

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Binzwangen - Hundersingen und zurück

Als ich Sonntag schrieb, dass oberhalb von Binzwangen die komplizierten Permits des Landkreises Sigmaringen die Befahrung unattraktiv machen war mir selbst nicht bewusst, dass die Kreisgrenze erst auf halber Strecke zwischen Binzwangen und Hundersingen liegt. Die einschränkenden Befahrungsregeln gelten bis Hundersingen. Diese fünf Kilometer können also noch ohne lange Vorbereitung und spontan gepaddelt werden.

Ich kratzte also meine ganze Spontanität zusammen und nahm diesen Mittwoch frei. Das Wetter sollte nochmal richtig gut werden bis es dann zum Wochenende hin (an dem wir die Strecke unterhalb von Riedlingen paddeln wollen) schlechter werden soll.

Eingesetzt habe ich das Boot oberhalb der Riegelrampe, auf der wir schon so manches Mal Wildwassertrainings abgehalten haben. Diesmal paddelte ich flussauf und kam bald an den aufwändig renaturierten Abschnitt durch den die Kreisgrenze verläuft.

Die Umgestaltung liegt nun schon einige Jahre zurück und ich erinnere mich, dass ich den Abschnitt schon mal zusammen mit René gepaddelt bin. Das ist schon 11 Jahre her. Dennoch sieht die Landschaft fortwährend karg und wenig bewachsen aus.


Nähert man sich Hundersingen und verlässt die Renaturierung nimmt der Uferbewuchs wieder zu. 

In Hundersingen angekommen schob ich das Boot ans Ufer und stiefelte in meinen Neoprensocken auf die Brücke um ein paar Bilder zu machen bevor ich mich wieder auf den Rückweg machte. Von der Brücke aus sieht man von oben auf die wilde Bootsgasse der zweiten Rampe.

Ich kehrte um und war in Windeseile wieder zurück in Binzwangen. Dort verlud ich das Boot und machte mich auf den Weg zur Heuneburg, wo ich auf dem Parkplatz ein Mittagessen aus meiner Vorratskiste zu mir nahm, Kaffee trank und ein Nickerchen machte.

Damit ist - wenn wir Sonntag die Strecke Riedlingen-Rechtenstein paddeln - mein Donauprojekt endgültig abgeschlossen. Ich vermute mal, dass ich die eine oder andere Strecke nochmal paddeln werde. Die heutige hat mir gut gefallen, aber auch der Abschnitt von Obermarchtal nach Rechtenstein. Und streng genommen will die Strecke Riedlingen-Rechtenstein, die wir ja "nur" abwärts paddeln, ja auch nochmal (in zwei Etappen) flussauf bewältigt werden. 

Sonntag, 8. Oktober 2023

Riedlingen - Binzwangen und zurück

Wenn wir am kommenden Sonntag die Strecke Riedlingen-Rechtenstein - wie so häufig im Herbst - gepaddelt sind ist mein kleines Donauprojekt vorläufig abgeschlossen. Dann bin ich die Abschnitte zwischen Binzwangen und Munderkingen alle im September und Oktober gepaddelt. Die Abschnitte oberhalb bedürfen einer kompliziert zu beschaffenden Berechtigung (die ich vermutlich nicht kriege wenn ich bekenne, dass ich zunächst flussauf und danach wieder zurück paddele) und die Abschnitte unterhalb liegen zu weit entfernt um im Rahmen einer (einigermaßen vernünftigen) Tagestour erreicht zu werden.

Heute habe ich also das Boot - einer Empfehlung Rolfs folgend - in Riedlingen an der Aussatz-stelle eingesetzt und bin flussauf gepaddelt. Vorbei am Sportplatz, wo ich eigentlich einsetzen wollte (das geht da auch ausgezeichnet gut) und an ersten Weiden vorbei aus dem Ort heraus. 

Die Schleife vor Riedlingen ist besonders schön. Auf der einen Seite Pferdeweiden und auf der anderen ein parkartiger Deich. Gelegentlich ist die Donau breit und seicht, aber ich musste nicht aussteigen und treideln. Dann folgt ein langer gerader Abschnitt.
Auf dem gibt es ein paar kleine Schwellen, aber im Großen und Ganzen kann man ein paar Kilometer stur geradeaus paddeln. Rechtseitig begleitete mich der Deich an dem in regemäßigen Abständen Bänke standen und links befanden sich Felder.
Dann näherte ich mich Binzwangen und eine längere Schleife mit mehr Gefälle und einigen breiten seichten Abschnitten brachten mich aus meinem tranceartigen Rhythmus. Gelegentlich musste ich mich mit dem Paddel abstoßen und streckenweise gelang es mir pro Paddelschlag gerade mal 10 oder 20cm weit voran zu kommen. Aber es ging voran bis ich kurz vor Binzwangen an eine Schwallpassage kam, die nicht zu überwinden war.
Ich hätte das Boot auf dem Begleitweg tragen können. Dazu hatte ich aber keine Lust. Es war mittlerweile Mittagszeit und ich hatte mir vorgenommen in Riedlingen etwas zu essen. Dahin paddelte ich jetzt also zurück.
Das Geschwindigkeitsprofil offenbart, dass ich auf dem Rückweg erheblich schneller unterwegs war, als bergauf. Das ist auch kein Wunder. 

Zurück in Riedlingen verlud ich das Boot und machte noch einen Spaziergang zu der Stelle, an der wir kommenden Sonntag die Boote einsetzen wollen. Im Moment ist da ein Rummel, aber einer der Schausteller versicherte mir, dass sie Dienstag alles abbauen.
Ich bin jeweils knapp sieben Kilometer flussauf und flussab gepaddelt und bin etwas enttäuscht, dass ich Binzwangen nicht erreicht habe. Zum Trost bin ich anschließend noch zur Heuneburg gefahren, auf die ich aber nur einen Blick geworfen habe. Ende Oktober wird das Freilichtmuseum dieser Keltensiedlung für die Saison geschlossen. 

Samstag, 7. Oktober 2023

Entenrennen wieder mal

Wie jedes Jahr im Oktober galt es mal wieder Enten zu hüten, die ihr jährliches adrenalingeladenes atemberaubendes Rennen von der Alleenbrücke bis zur Eberhardsbrücke abhielten. Die Paddelfreunde waren mit zahlreichen Booten im Einsatz und dieser Einsatz war diesmal ziemlich lahm. So wie das Rennen. Die Enten dümpelten sehr gemächlich flussab und nur wenige drohten ins Ufergehölz zu treiben. Wir hatten wenig zu tun.


Entsprechend "unterhaltsam" war die Veranstaltung weil viel geplaudert wurde. Die jungen Wilden Kajakpaddler machten die üblichen Faxen und unterhielten das Publikum am Ufer. Wir Canadierpaddler:innen trieben im Ententempo nebenher.
Immerhin hatten wir blendendes Wetter und am Ende gabs für jede und jeden ein Getränk und eine rote Wurst oder auch was Vegetarisches. Rolf und ich verzichteten und wandten uns dem neuen Café am Busbahnhof zu. Mehr gibt es zum diesjährigen Entenrennen nicht zu berichten. Die früheren Entenrennen, an denen ich helfend teilgenommen habe sind hier dokumentiert.

Dienstag, 3. Oktober 2023

Elz, Rhein, Ill

Mein urspünglicher Plan war es an den Bodensee zu fahren. Sollte es dort neblig sein wollte ich weiter an den Hochrhein fahren. Gepaddelt wäre ich da jeweils die Abschnitte, die ich bereits kenne. Das erschien mir selbst wenig mutig oder abenteuerlustig.

Deshalb entschied ich morgens nach dem Frühstück gegen fünf Uhr, dass ich stattdessen die Ill südlich von Straßbourg ansteuern würde. Die gilt als beliebter Paddelfluss, ist ähnlich weit entfernt und ich kenne sie noch nicht. 


Auf dem Weg zur Ill kam ich am Europäischen Forum vorbei wo wir uns vor zwei Jahren zur Fahrt auf den Ottenheimer Altrheinarmen getroffen haben. Ich war plötzlich viel weniger abenteuerlustig, parkte das Auto, nahm die sanitären Anlagen in Anspruch und ein zweites Frühstück zu mit und setzte das Boot an der Stelle ein, wo wir damals ausgestiegen sind. Dann machte ich mich auf den Weg flussauf.
Zunächst war der Fluss einigermaßen breit und hatte nur gelegentlich stark strömende Abschnitte, auf denen ich mich ins Zeug legen musste. Dann kamen auch seichte Abschnitte und gelegentlich war es erforderlich sich mit dem Paddel vom festen Kiesgrund abzustoßen um gegen die Strömung anzukommen. Allerlei Federvieh und einige Nutrias begegneten mir, die nicht damit gerechnet hatten, dass ein Mensch flussauf paddelt.
 
Menschen hingegen begegneten mir hier überhaupt nicht. Offenbar war es immer noch zu früh um auf diesem beliebten Flussabschnitt durch dichte Wildnis unterwegs zu sein. 

Ich arbeitete mich zügig flussauf und machte hier und da eine kleine Pause. Die Möglichkeiten anzulegen sind begrenzt und wollen genutzt werden. mit dem schnellen langen Boot kam ich gut voran und auch an engen Stellen hatte ich keine Probleme mit dem Manövrieren. Diese Sorge war also unbegründet. Trotzdem nahm ich nach ca. fünf Kilometern allmählich eine gewisse Ermattung wahr.


Ich entschied mich einen kleinen Seitenarm zum Rhein hoch zu paddeln und zu treideln und erreichte - nachdem ich ein paar quer liegende Bäume überwunden hatte nach geraumer Zeit den Rheinseiten-kanal, übertrug den Deich und setzte in den Rhein ein.

Anschließend paddelte ich auf dem Rhein, der bei diesem Wasserstand kaum wahrnehmbare Strömung hat, hinab. Ich überquerte den Fluss, sah in die Plobsheimer Bucht hinein und fuhr dann zurück zur Einsatzstelle - diesmal von der anderen Seite her.

Sollte ich diese Fahr einmal wiederholen werde ich zuerst den Rhein hinauf und die Elzarme hinunter paddeln. Das erscheint mir noch etwas entspannter zu sein.

Im Europäischen Forum nahm ich dann ein verspätetes Mittagessen zu mir und machte mich endlich auf den Weg zur Ill und zum Abenteuer.

An der Ill fand ich einen idealen Übernachtungsplatz direkt am Fluss gegenüber des kleinen Ortes Werdse/Woerth. Die Angler legen dort reihenweise derartige Plätze an und es wird gern geduldet, dass dort geparkt und genächtigt wird.

Ich durchwühlte meine Vorratskiste und fand Nüsse, deren Mindesthaltbarkeit erst im Januar 2020 abgelaufen war. Sie schmeckten etwas ranzig und ich entsorgte sie auf einem Baumstumpf von wo sie über Nacht verschwanden. 

Es gab ein Abendessen aus Knäckebrot und Dosenwurst, ich las ein wenig und als das Licht nachließ sah ich mir aufgezeichnete aber keineswegs ausgezeichnete Serienepisoden an,

Am anderen Morgen - es war eine lange dunkle Nacht gewesen - machte ich mich nach einem Müsli-Frühstück auf zur Erkundung der Ill, die sich als erheblich weniger abenteuerlich erwies als es der Ottenheimer Altrhein gewesen war. sie fließt überwiegend langsam durch ein relativ dicht besiedeltes Gebiet und ist von Wehren unter-brochen, die Umtragungen unvermeidlich machen - wenn sie nicht mit Bootsrutschen ausgestattet sind.
Am ersten Wehr, das ich erreichte, befand sich eine Surfwelle, die offenbar gezielt angefahren wird. Auf der benachbarten Wiese standen einige Zelte und Surfausrüstung lag ziemlich breit verstreut herum. Neoprenklamotten und Handtücher hingen malerisch am Brückengeländer.

Ich übertrug das Wehr und paddelte weiter flussauf bis ich zum nächsten Wehr in Benfeld kam. Das ist mit einer Bootsrutsche ausgestattet, die ich mit dem fragilen Aramidboot nicht genutzt hätte. Mit jedem anderen jedoch jederzeit.

An dieser Stelle kehrte ich um und paddelte zurück - vorbei am Château de Werde - an meinen Übernachtungsplatz. Ich hatte mir am Vorabend einen Ein- und Ausstieg präpariert weil die Böschung ziemlich hoch ist. Davon profitierte ich nun.


Die Ill hat sich als angenehm unaufgeregt erwiesen. Sie bietet nette Übernachtungsplätze und entspanntes Paddeln. Die Region selbst ist reich an paddelbaren Flüssen und sie ist - z.B. über die Rheinfähre Kappel - leicht erreichbar. Ich war sicherlich nicht das letzte Mal dort.