Montag, 21. September 2009

Illanz - Reichenau

Warnung für sensible Stechpaddler: Ausschließlich Kajak-Bilder!
Am Sonntagmorgen wurde zunächst die lange Frühstückstafel gedeckt, Kaffee gekocht und dann wurden die Heranwachsenden geweckt. Anschließend wurde getafelt und Vesperbrote wurden geschmiert. Schließlich machten wir uns auf, die obere Strecke ab Illanz zu bepaddeln. Klemens übernahm dankenswerterweise Shuttle-Dienste da er mit Anita einen Wandertag einlegen wollte. So konnten wir frisch gerüstet aus der Mündung des ebenfalls kaum Wasser führenden Glenner heraus den Abschnitt abpaddeln, den ich noch nicht kannte und von dem ich immer wieder Respekt einflössende Erzählungen gehört hatte. Ich hielt mich deshalb zunächst vorwiegend im hinteren Feld unseres recht umfänglichen Rudels und Bettina machte mich jeweils lange im Voraus auf die Schlüsselstellen des Flusses aufmerksam, die allsamt bei diesem niedrigen Wasserstand keine nennenswerten Schwierigkeiten aufwiesen. Lediglich die häufigen unsanften Grundkontakte und eine kleine Rempelei zwischen zwei kleinen Blöcken (bei der ich den zu dicht hinter mir paddelnden Christoph behinderte) gaben Anlass zu geringfügigen Grübeleien (was tue ich da meinem edlen Böötchen an? Wär’ das jetzt nötig gewesen?). Ansonsten hatten wir Muße die sonst eher kniffligen Abschnitte anzuschauen, die – wenn der Wasserstand höher ist – durchaus ihre Tücken haben können. Besonders eine Schlüsselstelle noch vor dem gefürchteten Schwarzen Loch hat mich beeindruckt. Da strömt der Fluss direkt auf einen großen Felsen zu, der rechts umfahren werden muss. Genau dort bilden sich aber bei hohem Wasserstand gewaltige Wellen und eine Walze. Heute war die Stelle nicht nennenswert tückisch und bot sich zum Spielen an. Publikum war genug vorhanden weil eine große Kajak-Gruppe dort Rast machte und wir hielten uns etwas länger auf.

Das Schwarze Loch selbst ist inzwischen so umgebaut worden, dass dort ein recht netter und bei höherem Wasser auch sicher sehr spritziger Kanal entstanden ist. Die früher angespülte Felswand steht nackt und trocken in der Landschaft. Eine Mauer aus großen Steinblöcken verhindert, dass der Fluss die Wand weiter unterspült. An der Stelle kam es in der Vergangenheit zu einigen fatalen Unfällen (vor allem wohl mit Rafts). Die deshalb erfolgten Umbaumaßnahmen werden unterschiedlich bewertet. Die Kajakgruppe vor uns schien sich mit der Lösung durchaus arrangiert zu haben. Viele schulterten unten ihr Boot und trugen es für eine erneute Abfahrt wieder bergauf.
Auch anschließend bot der Fluss eine Reihe von ruhigen und dann auch wieder lebhaften gewundenen Abschnitten und mir gelange es direkt vor Holgers Kameralinse mein Boot rückwärts auf einen spitzen Stein zu manövrieren. Ich bin sehr gespannt auf seine Bilder. Meine Bilder habe ich mal wieder in einem Webalbum abgelegt – sie sind nicht so blendend und ich fange an, an meiner bislang mit Zufriedenheit gehegten kleinen wasserdichten Kamera herum zu mäkeln. Die Zoom-Funktion ist etwas unterentwickelt und sie ist entsetzlich langsam.
An der Aussatzstelle warteten Klemens und Anita bereits. Es wurde noch ein wenig mit anderer Leute Booten herumprobiert (aber es gelang mir nicht jemand in meinen kippeligen Canadier zu locken), dann wurden die Boote zurück zu den Autos getragen (dabei begegnete mir James dann doch noch ebenfalls Boote tragend) und – nach Verzehr von Idas vortrefflichem Apfelkuchen und einem durchaus kostspieligen Besuch im Shop der Kanuschule Versam machten wir und meine neuen dicken Winter-Neopren-Handschuhe uns auf die Rückfahrt nach Tübingen.

Fazit: Die inzwischen traditionelle Jugendausfahrt an den Vorderrhein, die fast schon eine "Jugend- und Erwachsenenausfahrt" geworden ist, war wieder einmal richtig nett. Der Vorderrhein bot zwar wenig Wasser und deshalb auch wenige Schwierigkeiten aber das gute Wetter versöhnte mich zumindest sehr mit dem Wassermangel. Bettina hat wieder einmal alles perfekt geplant (sie hat sogar daran gedacht für die verplanten Zeitgenossen unter uns eine Garnitur Ersatz-Neoklamotten und ein Paddel mitzunehmen). Ich bin wieder vom Wildwasservirus befallen und habe mich gleich für die Engadinfahrt in 14 Tagen angemeldet, bei der mit etwas höheren Schwierigkeiten zur rechnen sein wird

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