Dienstag, 24. April 2007

37. Der Reiher auf dem Bügeleisen

Heute ist wieder so ein Dienstag, an dem ich in der Mittagspause eine schnelle Runde um die Neckarinsel machen konnte. Schnell deshalb, weil sich unsere Dienstbesprechung mal wieder länger hingezogen hatte als geplant und weil ich ja den Hund nicht so lange leiden lassen wollte.

Auf der Neckarinselspitze - von den Tübingern liebevoll "Bügeleisen" genannt - stand stoisch ein Reiher, der die Tretboote, Stocherkähne und auch mich unbeeindruckt an sich vorbeiziehen ließ. Auch das Gebell von Geronimo, dem Hund der in den Hütten lebenden (nun doch nicht mehr) Wohnsitzlosen brachte ihn nicht aus der Fassung. Auf meinem Weg zurück - Neckaraufwärts - stand er immer noch da und ich lichtete ihn ab.

Die Hütten im Hintergrund sind ein "niederschwelliges" Angebot an die Wohnsitzlosen der Stadt, die sich dort bereitwillig niedergelassen und ausgebreitet haben. Wir grüßen uns stets lovial weil Geronimo es sich zur Angewohnheit gemacht hat, KanufahrerInnen lauthals anzubellen (erstaunlicherweise toleriert er Stocherkähne, Tret- und Ruderboote). Ich fordere ihn immer auf, doch zu mir ins Wasser zu kommen, und sollte mich nicht wundern, wenn er dieser Aufforderung einmal nachkommt. Denn nach geworfenen Stöckchen stürzt er sich unerschrocken zu jeder Jahreszeit in den Neckar.

Auf dem oberen Bild ist die Eisenbahnbrücke der Ammertalbahn zu erkennen. Unter ihr beschreibt der Neckargrund eine kleine Schwelle. Beim gegenwärtigen Normal- bis Tiefwasserstand ist diese Schwelle nicht wahrnehmbar aber wenn der Neckar ansteigt (z.B. auf das Niveau unseres maroden Kanuklub-Anlegers) wird es für die Stocherkähne schwierig, die Schwelle zu überwinden.

Auf dem Bild ist die Rollenbahn zu erkennen, die der Stocherkahnverein gegenwärtig montiert hat, um die saisonklar gemachten Stocherkähne ins Wasser befördern zu können (so ein Kahn wiegt ca. 350 kg.). Als ich noch mein schweres Holzboot hatte habe ich mir immer gewünscht, diese Rollenbahn wäre dauerhaft installiert. Jetzt trage ich meine Boote (möglichst lässig) zum Anleger.

Für mich bildet der Anleger immer den Messpegel. Wenn das Wasser 10 cm über der Plattform steht komme ich gerade noch unter der Bahnbrücke gegen die Strömung an. Steigt das Wasser bis über die erste Stufe der Treppe sollte ich neckaraufwärts paddeln weil ich dann auch wieder zum Bootshaus zurückkomme.

Nachtrag am Nachmittag: Als Ole von der Schule heimkam reparierte ich gerade den Golfball-Kollektor und prompt kam die Idee zu einer weiteren Kanuzfahrt auf. Ich ließ mich nicht lange bitten und wir machten uns mit dem Hund im Fahrradhänger auf zum Paddelklub. Dort angekommen ließ ich das Boot ins Wasser und Ole runinierte den Golfball-Kollektor auf der Rollenbahn des Stocherkahnvereins. Wir paddelten trotzdem zur Eisdiele in der Altstadt (Schoko-Erdbeer im Becher und Tiramisu/Karamell in der Waffel). Røskva bekam den Waffelrest mit etwas Eis und mit einem weiteren kleinen Rest versuchten wir einen Erpel anzulocken, der auch erstaunlich nah kam aber hinreichend viel Abstand von Røskva hielt. Ich glaube sie wäre einem Entenbraten nicht abgeneigt gewesen. Am Ende spielten die beiden auf dem Bootshausgelände Ball während ich das Boot sauber machte und einlagerte.


Wir haben übrigens keinen einzigen Golfball oder vergleichbares auf dem Neckargrund entdeckt. Lediglich ein altes unbeschriftetes Schild, das ich mühsam zwischen zwei Paddeln heraus-geangelt habe. Ob ich den Golfball-Kollektor wohl nochmal repariere?

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